Markt Göstling an der Ybbs

Das erste Freisiiigisdie Urbar, das 1305 von dem Kanonikus Wolfart von Roebbelingeh verfaßt wurde, zählt im Amt Göstling 76 Bauern höfe und im Jahre 1316 89 Bauernhöfe auf, die ahgahenpflichtig waren. Diese ersten uns bekannten schriftlichen Aufzeichnungen weisen darauf hin, daß die Höfe schon lange vorher bestanden haben müssen, denn von eben erst urbar gemachten Siedlungen kann man noch keine Ab gaben verlangen. Die Hofnamen sind fast durchwegs die gleichen, die heute noch im Gebrauch sind. Einige Beispiele mögen folgen. 1305 wird ein „Heinrici auf Letenwach" (Groß-Lettenwag), ein „Dyetwein in der Butenawe" (Butenau), ein „Seyfritus in Staenglew" (KleinStanglau) genannt. Bernlehen wird 1558 „das Lehen Luxenreit, Pernlehen" genannt. Die Herren von Luchsenecke in Österreich waren Dienstmänner und Herrenstandsmitglicder des Bistums Freising und ihr Stammhaus wird in der Gemeinde Göstling angegeben. Bereits 1264 kommt in Waidhofen ein Bitter von Luchseneck vor. Vermut lich war auch Groß-Stanglau einst ein Herrensitz, da die ganze Anlage dieses Hauses darauf hinweist. Die Siedlungsform ist bis in die Gegenwart der Haufenhof geblieben. Die Viehwirtschaft war immer vorherrschend, da auf den nahen Ahnen reiche Weidenutzung möglich war. Unter den in den Urbaren genann ten Angaben werden Weizen, Korn, Gerste, Hafer, Linsen, Käse und Schmalz an erster Stelle genannt. Es mußten also auch vom sicher nicht großen Körnerbau Abgaben entrichtet werden. Flachs wurde ver hältnismäßig viel angebaut, da er neben der Schafwolle der Bekleidung der Bevölkerung diente. Die bäuerlichen Siedlungen in Lassing, auf Hochreit, auf dem Königs berg und an den Flußläufen von Ybbs und Göstlingbach weisen also ein hobes Alter auf und haben sich durch die Jahrhunderte gut erhal ten. Es gibt eine größere Anzahl von Bauerngeschlechtern, die seit Jahrhunderten auf dem gleichen Hofe ansässig sind. Zur Zeit der Hammerwerke hatten die Bauern zusätzlichen Verdienst durch deren großen Kohlenbedarf. Fast jeder Bauer betrieb damals jahraus jahrein ein oder mehrere „Kohlwerke", in denen selbst das schönste Holz zu Kohle verarbeitet und den Hammerwerken zugeführt wurde. Für jene Bauern, die nahe der Eisenstraße lagen, gab es weite ren zusätzlichen Verdienst durch den Vorspann für die schweren

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