'i . V ^ ELISABETH K RAUS-KAS8 E G G 6dftlmg an tiet ytib$ VERGANGENHEIT UND GEGENWART FESTSCHRIFT AUS ANLASS DER MARKTERHEBUNG
EX LIBRIS HANS STÖGMÜLLER
ELISABETH KRAUS-KAS8EGG (Böftlmg an Vergangenheit und Gegenwart 1962 Herausgegeben im Selbstverlag der Marktgemeinde Göstling an der Ybbs
Gesamtherstellung: Druckerei Leopold Stummer, Waidhofen a. d. Ybbs Graphische Gestaltung: Elfriede Stummer, Waidhofen a. d. Ybbs Photos: P. Ledermann, Wien I Schwarz, Scheibbs Otto S.chneßl, Göstling an der Ybbs Wilhelm Schörgmayer, Göstling an der Ybbs Engelbert Wagenhofei. Göstling an der Ybbs
INHALTSVERZEICHNIS SiegelabdrucU aus der Josephinischeii Passion Glüclvwunschsdireiben des Landeshauplmannes von Niederösterreich, DDDr. h. c. Dipl.Ing. Leopold Figl Vorwort von Elisabeth Krans-Kassegg .... Siedlnngsgeschichte Ortsgeschichte Forstwirlschaft in Göstling an der Ybbs . . . Gewerbe und Industrie Gö.sllinger Lied von Fritz Apeldaner .... Historische Ereignisse Die Geschichte der Göstlinger Sehnte von VOL. Gertrude Wagner nach den Ant'zeichnnngen von Schnlrat Friedrich Apeldaner Die neue Hanptschnle von HL. Maria Datzherger Medl-Stiftnng Kinderasyl Das Kriegerdenkmal Die zweite Wiener Hochquellenwasserleitnng . Das Postwesen Die Ybbstalbahn Hohe Gäste in Göstling Gesdrichtliche Daten über die Pfarre Mendling zn Lassing Die Pfarre Mendling zn Lassing Geschichte der Volksschrdc zn Lassing von Schnlleiter .Maria Ecker Die Pfleger (Verweser) des Ristnins Freising in Waidhofen a. d. Yhbs Bedenlende Männer in Göstling Das kulturelle und gesellschaftliche Leben in Göstling Ein Blick auf die Statistik Blick in die Zukunft Ehrenbürger von Göstling an der Ybbs . . . Der Gemeinderai zur Zeit der Markterhebnng
^. ..tiLaOBBOMV I $ äi 7\.^ i f) ■t ■•.,', - Siegelab druck aus der Josephini sehen Fassion OWW 525 (Niederösterreichisches Landes-Archiv). Aus dem Landesgesetzblatt für das Land Niederösterreich vom 25. April 1962, 19. Stück Nr. 78; Kundmachung der niederösterreichi.schen Landesregierung vom 14. März 1962. „Der Landtag von Niederösterreich hat in seiner Sitzung vom 1. März 1962 gemäß §2 des Gesetzes vom 17. Juni 1926, LGBl. Nr. 145, die Er hebung der Ortsgemeinde Göstling an der Ybbs im politischen Bezirk Scheibbs zum Markte beschlossen." .Marktwappen und Flaggenfarben: „In einem silbernen (weißen) Schild ein roter Schrägrechtsbalken, zu beiden Seiten begleitet von je einer roten Liiie". Die Flaggenfarben sind ,.Weiß-Bot". Das Wappen nahm die Marktgemeinde Gösiling an der Yl)l)s vom bedeuten den Hammerherrnge.schlechl llumel. Dieses Gesclilechl war durch Jahr hunderte in Gösiling an der Ybbs ansässig und wiederholt waren Mitglieder dieser Familie .Ymtmänner. Aus dem in der Josephinischen Fassion vor gefundenen Siegelahdruck des Hammerherrn, hohen Beamten der Freising'- schen Herrschalt und .Ymtmannes von Göstling an der Y'hhs, Kart Engel bert H II m e 1, hat Herr Diplom-Graphiker Wilhelm M a y r, Wien IV, Btechturmgasse 12/12a. den Entwurf des Marktwa|)pens erstellt.
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DDDr. h. c. DIPL.-ING. LEOPOLD FIGL Landeshauptmann von Niederösterreich Mit einstimmigen Beschlüssen haben Landtag und Landes regierung der Gemeinde Göstling an der Ybbs das Markt recht verliehen. Diese bedeutende Rangerhöhung erscheint sowohl wirtschaftlich als auch historisch in jeder Hinsicht gerechtfertigt. Göstling an der Ybbs gehört zu den ältesten Gemeinden des niederösterreichischen Voralpenlandes und spielte in der wirtschaftlichen Entwicklung dieses Landes teiles eine bedeutende Rolle. Ein reger Handelsverkehr gab dem Dorf Göstling durch Jahrhunderte sein Gepräge; von Innerberg wurde das Roh eisen über Göstling zu den Hammerwerken an der Ybbs und im Erlauftal gebracht. Der Ort selbst besaß damals mehrere blühende Hammerwerke. Göstling war aber auch eine wich tige Station für den Provianthandel, der die steirischen Bergleute mit Nahrungsmitteln versorgte. Heute ist Göstling — dank seiner wunderbaren Lage — eine der schönsten und erfolgreichsten Fremdenverkehrs gemeinden Niederösterreichs. Das Land hat die Bestrebun gen des Ortes, eine fortschrittliche Fremdenverkehrs gemeinde zu werden, die auch dem verwöhntesten Gast alles zu bieten vermag, entsprechend unterstützt. Damit hat die Gemeindeverwaltung bewiesen, daß auch ein Gemein wesen, das mit wirtschaftlichen Glücksgütern nicht gerade gesegnet ist, aber mitten in Niederösterreichs herrlicher Landschaft liegt, die Möglichkeit hat, am allgemeinen wirt schaftlichen Aufstieg teilzuhaben und die Einrichtungen, die der Allgemeinheit dienen, modern auszubauen. Göstling
hat in den vergangenen Jahren manche kommunale Ein richtung geschaffen, auf die die Bevölkerung mit Recht stolz sein kann. Als Landeshauptmann möchte ich den Bewohnern des lieb lichen Göstling zur Rangerhöhung ihrer Heimatgemeinde recht herzlich gratulieren. Der Herrgott möge auch in Zu kunft Göstling schützen, damit der vielhundertjährigen Ge schichte als Ortsgemeinde noch eine lange Zeit in Glück und Wohlstand als Marktgemeinde folgen möge.
Botöjort Um den Abriß einer Ortsgeschiclile zu schreiben, bedarf es vieler Quellen, aus denen die Vergangenbeil lebendig v, erden kann. Im vor liegenden Fall waren es folgende Werke: „Darstellung des Erzherzog tumes Üstcrreich unter der Enns" von Schweikart, „l^er Ötscher und sein Gebiet" von M. A. Becker, vor allem aber die Bücher von Dr. Eduard Stepan: „Heimatkunde der Gemeinde Göstling an der Ybbs" (1920), „Bilder aus der Eisenwurzen" (1925) und „Ybbstal", 2. Band, Geschichte, Land- und Forstwirtschaft (1951). In diesen heute ver griffenen Büchern ist viel Wissen um die Heimat enthalten, das ohne die Bemühungen Dr. Eduard Step a n s für immer verlorengegangen wäre. Zur seihen Zeit wirkte in Göstling Pfarrer und Dechant Jo hann S c h r a t t e n h o 1 z e r, der reiches geschichtliches Material sam melte und schriftlich niederlegte. Seine Aufzeichnungen sind mir durch hochw. Pfarrer Ignaz Schauer und durch Schulrat Friedrich A p e 1 - dauer zugänglich gemacht worden. Das Kapitel „Schulge.schichte" wurde ebenfalls auf Grund der Auf zeichnungen Schulrat Friedrich A p e 1 d a u e r s von VOL. Gertrude Wagner und FIL. Maria D a t z b e r g e r in Zusammenarbeit mit Oberschulrat Karl Miksche verfaßt. Uber die Schule in Lassing schrieb OL. Maria Ecker. ; Ferner haben ihr großes Wissen zur Verfügung gestellt Otto Hier hammer, Kustos des Heimathauses Waidhofen a. d. Ybbs, Dr. DipLIng. Hans Staudinger, Mendling, Forstmeister Dipl.Ing. Adolf R e i t t e r, Sekretär Wilhelm S c h ö r g m a y e r und Bahnvorstand Engelbert W a genhofer. Ihnen allen gebührt herzlicher Dank! ELISABETH KRAUS-KASSEGG Göstling an der Ybbs, im Juni 1962.
Stetilung!Si$efd[)tdi)te In der jüngeren Steinzeit, um 5000 v. Chr., la.ssen .sich bereits bäuer liche Völker im Voralpenranni feststellen. Aus ihnen heraus kristal lisierten sich die Illyrer, die die Träger der hochentwickelten HallstattKultur sind. Funde aus dieser Zeit, z.B. bei Hubertendorf, Amstetten usw. zeigen ihre Anwesenheit in unserem Räume an. Die Flußnamen Donau und Erlaf sind illyrisch. Um 400 v. Chr. überlagerten die aus dem Westen kommenden Kelten die illyrischen Volksstämme und gründeten das Königreich Noricum, das zwischen Inn, Donau und Raab lag. Sie trieben Bergbau auf Eisen, Gold und Salz; ihre Eisenindustrie war bedeutend, norisches Eisen war weltberühmt. Das Königreich Noricum wurde unter Kaiser Augustus im Jahre 15 V. Chr. ein Teil des römischen Reiches. Den Römern war das steirische Eisen, das die Kelten abbauten, sehr willkommen. Römische Kar ren und Saumtiere werden Eisen über den Paß von Mendling nach Göstling und weiter über den Krenzkogel (Lnnz-Bodingbach) durch das Tal der kleinen Erlaf in die römischen Schmiedewerkstätten nach Arelape (Pöchlarn) gebracht hahen. Die Anwesenheit der Römer ist durch Münzfunde in Bodingbach bestätigt. Die Stürme der Völkerwanderung werden das obere Ybbslal nicht be rührt haben. Da die Kelten im Bergland das Vieh auf die Almweiden trieben, hat sich bis zum Mittelalter die Bezeichnung Tekleinsalm (keltisch, heute Flerrenalm) erhallen, ein Beweis, daß es hier keltische Siedinngen gegeben haben muß. Der bekannte Forscher Prof. Doktor Matthäus Much führte die Namen Gaming, Göstling, Lassing auf kel tische Bezeichnungen zurück, die zwischen 600 his 800 n. Chr. .slawisiert und nachher wieder germanisiert wurden. Die Slawen wurden von den aus dem Osten andringenden Awaren in den Alpenraum gedrängt und haben ihre Siedlungen neben der heimi schen Urbevölkerung errichtet. Dieser Zustand dauerte 200 Jahre. Nach der Besiegung der Awaren und dem Zerfall ihres Großreiches haben sich slawische Siedler noch lange in unserem Raum gehalten und wur den schließlich aufgesogen. Im Gegensatz zu Prof. Much wollen andere Forscher den Namen Göstling von dem slawischen „Gvozdnica" = Gießbach oder Waldbach, Lassing von „Laznica" = Gereutbach, Mend ling von „Monilica" = Gegend am Sattelbach ableiten.
Göstling im Jahre 1701, nach einem im Hochstift Freising befindlichen Ölgemälde. 1718 wurde der achteckige Turm der Kirche abgetragen und ein neuer, höherer aufgebaut. 1785 Abbruch der alten Kirche, nur der Glocken turm l)lieb liestehen. Neubau der Kirche von 1785 bis 1792.
Das Flachland war durch Kriegsstiirme stark entvölkert. Nachdem die karolingische Ostmark zum Schutzwall gegen die beutegierigen und un ruhigen Völker des Ostens geworden war, sorgten Markgrafen im Na men des Königs für Ordnung und Sicherheit und Gaugrafen haben die einzelnen Bezirke verwaltet. Das obere Ybbstal gehörte zur Grafschaft Ybbs. Aus Baj'ern, aber auch aus Franken und Schwaben wurden Sied ler in das entvölkerte Land gerufen und durch sie wurde auch das Ybbstal erst richtig besiedelt. Die Bezeichnungen Reit, Brand, Schlag und Gschwend haben in jener Zeit ihren Ursprung. Doch noch immer waren die Grenzen nach Osten bedroht und die meisten Gau- und Markgrafen fielen im Kampfe. Im Jahre 907 n. Chr. zog eine neue, furchtbare Gefahr für unsere Heimat herauf: das asia tische Reitervolk der Madjaren, das aus der Theißebene im beutigen Ungarn aufbrach und Tod und Verderben über die ganze Ostmark brachte. Sie besiegten in der Schlacht bei Preßburg den gesamten bay rischen Heerbann und dehnten in der Folge ihre Herrschaft bis an die Enns aus. Ihre Reiterscharen überfluteten in den folgenden Jahren plündernd und raubend Bayern und Schwaben. Erst 913 gelang es dem Bayernherzog Arnulf, die Madjaren am Inn entscheidend zu schlagen. Die Grenze verlief dann zwischen den Unterläufen von Ybbs und Erlaf. In den folgenden Jahrzehnten üherschritten die Madjaren immer wie der diese Grenze und drangen weit nach Westen vor. Doch 955 besiegte Kaiser Otto I. die Madjaren in der furchtbaren Schlacht auf dem Lechield endgültig, worauf die Ostmark neubegründet und befestigt und schließlicb Ostarichi, das Land im Osten, Österreich, genannt wurde. Damit war eine ruhige Entwicklung angebahnt, die dem ganzen Lande zugute kam. Graf Udalschalk von Stille und Heft gründete 1109 das Benediktiner stift Seitenstetten. 1185 hat Erzhischof Wichmann von Magdeburg als letzter Sproß dei' Grafen von Seeburg, die auch im Ybbstal reich be gütert waren, dem Stift Seitenstetten einen großen Teil seines Besitzes geschenkt. Mit den Klostergründungen hat die Besiedlung von Bayern und Franken her von neuem eingesetzt und die Urbarmachung begann auch in den Gebirgstälern, um fruchtbaren Boden unter den Pflug zu nehmen. ©er l^ante (ßöftUng Zum ersten Mal taucht der Ortsname 1218 als „Gestnik" auf, der sich im Laufe der Zeit verschieden abwandelt; 1305 in Gestnich, 1315 Gesting, 1316 Gestnik, 1336 Gcstnikch und Gestnik, 1340 Gestnick, 1476 Gesting. Während im 15. Jahrhundert die Bezeichnungen Gestnikch und Gastnykch aufscheinen, ändern sie sich 1576 in Gesting, 1597 in Gess-
ling (Bauernaiiszug nach Gailling), 1674 in der Gesting, 1740 in Goss ling ab. Vom 18. Jahiliundert an schwankt die Bezeichnung zwischen Gossling, Gößling und Göslling. Seit 1860 ist Göstling die bleibende Bezeichnung. Die Entstehung des Amtes Göstling liegt vermutlich in der Zeit der großen Grundschenkungen König Ludwig des Deutschen, der im Jahre 890 weite Landstriche an der Ybbs dem Hochstift Freising übertrug. Kaiser Koiirad II. bestätigte diese Schenkungen und fügte neue hinzu (1024 bis 1039). Das Herrscliaftsgebiet des Hochstiftes reichte nun vom linken Ybbsufer und der Url bis zu den steirischen Bergen, während am rechten Ufer das Hochstift Passau mit der Herrschaft Gleiß usw. be gütert war, dem das gesamte Gebiet in kirchlichen Belangen unterstand. Ende des 12. Jahrhunderts rissen die Peilsteiner, die das Pflegeramt innehatten, die Herrschaft an sich, vererbten diese sogar an den ihnen verwandten Grafen von Möhring, nach dessen Ableben sie wieder an ihren rechtmäßigen Besitzer zurückkam. In der Folge wurde die Herr schaft noch dreimal Freising entzogen, und zwar unter Friedrich II., dem Balieiiberger, Herzog Budolf IV. und Kaiser Friedrich HL, bis sie schließlich von 1448 bis 1803 im ungeslörten Besitz des Hochstiftes verblieb. Da St (Eljriftentum Bischof Ulrich von Passau bestätigte 1116 die Gründung des Stiftes Seitenstetten und übergab ihm die umliegenden Pfarren und alle er bauten und zu erbauenden Kapellen bis zur steirischen Grenze. Damit begann die Christianisierung des oberen Ybbstales durch Seitenstetten. Göstling wurde anfänglich von der Pfarre Hollenstein aus pastoriert. Eine Urkunde aus dem Jahre 1311 beweist, daß die Pfarre Göstling von der Pfarre Höllenstein getrennt worden ist (item littera Passauensis episcopi de seperacione, Parochi in Gestnich ab ecclesia Holnstein). 1321 wird Göstling unter den Kirciien, über welche Freising das Patronatsrecht hat, aufgezählt. Da die Grenzen zuerst nicht feststanden, kam es wiederholt zu ernsten Grenzstreitigkeiten zwischen Freising und Seitenstetten, die unter Bischof Konrad II. (1258 bis 1279) beigelegt wurden. Schon Bischof Konrad 1. (1230 bis 1258) hatte das Patronatsrecht über Waidhofen, Hollenstein und Göstling sowie die Zehente von diesen Gotteshäusern begehrt. Der Streit wurde 1267 dahin entschieden, daß Freising das Patronatsrecht und Seitenstetien die Zehente begehren solle. 1310 wird als erster Pfarrer Konradus in Göstling erwähnt. Ein Verzeichnis aus dem Jahre 1476, das die Kirchen der Passauer Diözese aufzählt, bestätigt, daß die Pfarre Gesting zum Dekanat Lorch
und damit dem Patronat des Hochstiftes Freising zugehörte. Damit war die durch Jahrhunderte fortdauernde Verbindung mit der Herrschaft Waidhofen an der Ybbs gegelien. Das Bistum Passau übte die geistliclie, das Hochstift Freising die weltliche Herrschaft über Göstling aus. Doch gab es auch manche Beziehungen zum benachbarten Be nediktinerstift Admont im Ennstal, die durch gemeinsame Grenzen im Raum von Mendling gegeben waren. ©fe Hirdje Die Kirche von Göstling ist zweifellos eine Gründung des Stiftes Seitenstetten. Sie wird zuerst wohl eine einfache Holzkirche gewesen sein, darin der Pfarrer von Hollenstein ab und zu eine hl. Messe las. Christenlehre hielt, taufte und das verrichtete, was zum religiösen Brauch zählte. Als mit zunehmender Besiedlung die Seelenzahl größer wurde, hat man eine Kirche aus Stein gebaut. I^eider ist nicht bekannt, wann das geschehen ist. Das westlich gelegene Eingangstor dieser alten Kirche ist noch erhalten und weist in Stein gemeißelt die Jahres zahl 1488 auf. In dieser Kirche war bis 1785 an einem Fenster das Wappen des Stiftes Seitenstetten zu sehen, das leider entfernt wurde. Aus den pfarrlichen Aufzeichnungen ist zu entnehmen, daß die Kirche gut ausgestattet war. Sie war vom x\nfang an dem hl. Andreas geweiht. 1596 wird eine Turmuhr erwähnt. Die beiden ältesten Glocken tragen die Jahreszahl 1533. In den folgenden Jahrhunderten kamen noch mehrere Glocken dazu, die dann leider dem ersten Weltkrieg zum Opfer fielen. 1665 wird ein neuer Sängerchor erwähnt und zwei Fah nen mit den Bildern des hl. Georg und des hl. Martin sowie neue Meß gewänder werden angeschafft. 1680 wird auf dem Hochaltar ein großes Frauenhild genannt. 1700 wird die Kirche für 1437 Seelen zu klein und man hilft sich durch den Einbau von Emporen. Aber diese Not lösungen genügen auf die Dauer nicht und es wird an eine gründliche Erweiterung der Kirche gedacht. I7I7 wird der berühmte Baumeister Josef Mungenast aus St. Pölten herbeigerufen, um Anweisungen wegen des Turmes und des Neugebäudes zu geben. Die Bauleitung erhielt Po lier Sulzbacher. 1718 wurde der achteckige Kirchturm weitgehend ab gebrochen und höher aufgebaut. 1762 bewilligte der Bischof von Passau, Josef Maria Graf Thun und Hohenstein, die Erweiterung der Pfarrkirche. Aber aus der Erweite rung wurde ein Neubau. Die tatsächliche Bauerlaubnis erteilte 1783 Fürstbischof Ludwig Josef Freiherr von Weiden, Passau. Der Neu bau begann 1785 und dauerte bis 1792. Die neue Kirche wurde dreimal so groß wie die alte. Diese wurde abgebrochen, viele ihrer Bestand teile wieder verwendet. Die neue Kirche wurde ein schlichter Barock-
bau mit dem Altar im Norden, dem Eingang im Süden. Der seitlich stehende Turm blieb erhalten. Maurerpolier Johann Hueber aus Steyr hat den Neubau begonnen. 1792 wurde das Kirchengewölbe von Maurermeister Johann Stocki'eiter aus Göstling eingesetzt. 1788 war der zehn Meter hohe Dachstuhl, der heute noch steht, von Zimmermeister Michael Infang aus Göstling auf gerichtet worden. Die Kosten der neuen Kirche betrugen ohne Ein richtung 12.221 Gulden. Die Inneneinrichtung wurde erneuert. Das Altarbild, den hl. Andreas darstellend, und zwei weitere Bilder, die hl. Maria und der hl. Antonius von Padua, sind von Martin Johann Schmidt (Kremser-Schmidt) gemalt. 1830 wurde der zu niedere Turm, der völlig hinter der Kirche ver schwand und auch baufällig war, neu gerichtet. Das Mauerwerk hat nun eine Höhe von 24 Meter, der Dachstuhl von 10 Meter. 1848 erhielt die Kirche eine neue Orgel. Sie wurde 1909 durch eine andere aus der Werkstätte Breinbauer in Ottensheim bei Linz er setzt. Der Anschaffungspreis von 11.000 Kronen wurde durcli eine Sammlung aufgebracht, für die sich der damalige Bürgermeister Stoll und Oberlehrer Eppensteiner einsetzten. Bis auf die beiden ältesten Glodcen, die die Jahreszahl 1533 tragen und die daher nicht abgenom men wurden, sind alle anderen Glocken in den beiden Weltkriegen abgeliefert worden. 1919 erhielt die Kirche elektrische Beleuchtung. 1927 hat der Verschönerungsverein an der Ostseite der Kirche eine Gartenanlage mit Kreuzgitter geschaffen. 1931 wurden die ersten Kriegergedenktafeln beim Hau])teingangstor der Kirche angebracht. Von allen Renovierungen, die die Kirche in den letzten Jahrhunderten erfahren hat, ist die letzte, die 1959 bis 1960 vorgenommen wurde, die glücklichste. Pfarre, Gemeinde, Patronat und Bundesdenkmalamt haben zusammengeholfen, um dem Gotteshaus die schlichte und schöne Würde zu geben, die heute die Besucher entzückt. Es wurde alles auf geboten, um den einfachen Barockbau innen und außen als einen wah ren Mittelpunkt der Pfarre erstehen zu lassen. Die Bilder vom KremserSchmidt wurden vom Bundesdenkmalamt renoviert. Als Hochaltarbild wurde der hl. Andreas entfernt, da bereits 1900 ein neuer Hochaltar von Franz Schmalzt in Gröden geschnitzt worden war. Im Kircheninneren sind an den Längsseiten einige Grabtafeln an gebracht, die an alte Hammerherrengeschlechter erinnern. Sie tragen folgende Inschriften: 1. „Maria Constantia Fürst, Hammerfr. an Großbachleiten, geb. Müller, vermählt mit J. Matthä Fürst. Gest. 1807. Mutter der Armen, Stif terin der Kirche." 2. „Maria Josepha Pachmayrin, vermählt 1797 mit Seraphin Humel, Hammermeister allhier, gest. 1805."
3. „Seraphin Hiimel starb im 69. Jahre seine.s Alters am 8. May 1837. Genoveva Humel verschied im 39. Jahre ihres Alters." 4. „Katharina und Konstantia Springenschmidt, gest. 1833 im 23. J-ebensjahr und 1838 im 24. Lebensjahr." Der Vater dieser frühverstorbenen Mädchen und der Urgroßvater des berühmten und bekannten Schriftstellers Karl Springenschmid waren Brüder. 5. „Katharina Scheib, Großzerrennhammersgewerkin am Hammer, gest. 1838." 6. „Denkmal für Philipp Anton Scheib, Großzerrennhammergewerken am Hammer, obiit 1845. Zur Kriegszeit — Hungersnoth verstand er das Geboth, die Dürftigen zu nähren, fürs Seine sich zu wehren." 7. „Inivit R. D. Martinus Winter, Parochus. Gest. linc. Ensis Aeter Nitatis Her. XVII Martij MDCLXXX." Dies ist die einzige Grabtafel eines Priesters in der Kirche. fDfarcgef^idititilie Baten Die Matriken der Pfarre Göstling, Tauf- und Traubücher beginnen mit dem Jahre 1638, die Sterbebücher 1666. Wallfahrten sind bezeugt ab 1596 nach Hollenstein und Palfau, später auch nach Mariazell, Sankt Georgen am Reith, Sonntagberg, Lunz am See (Hl. Maria im goldenen Sessel), 1762 zum ersten .Mal nach Wildalpen. Sie fanden ihr vorläufi ges Ende durch die Josefinischen Reformen, lebten aber 1800 wie der auf. .Ab 1599 wird der Michaeli-Kirchtag, ab 1602 und 1603 der St.-Andrüund der Pfingstkirchtag erwähnt. Den ersten Bischofsbesuch erhielt Göstling 1748. Josef Dominik Graf Lamherg, Bischof von Passau, hat hier 810 Personen gefirmt. Mit Ge nehmigung des Bischofs von Passau firmte 1781 der Fürstbischof von Freising, Ludwig Josef Freiherr von Weiden. 1797 war der erste Bischof von St. Pölten in Göstling. Die milde Herrschaft Preisings verhinderte, daß in Göstling das Luther tum eindrang. Es ist aber bemerkenswert, daß durch die Bestimmungen der Passauer Diözesan-Sj node von 1564 bis 1568 die Kommunion unter beiderlei Gestalten erlaubt war. Diese Erlaubnis hielt sich in Göstling bis 1600. Doch wurde laut Kirchenchronik den Gläubigen teilweise ungeweihter Wein gereicht. Wegen der Größe der Pfarre war schon im 16. Jahrhundert neben dem Pfarrer ein Pfarrgehilfe tätig. Der erste Friedhof lag um die alte Kirche; er wird 1635 erwähnt. Durch den Kirchenneubau wurde dieser Friedhof zum größten Teil
verbaut und abgetragen, blieb aber bis 1806 in Benützung. In diesem Jahre wurde ein neuer Friedhof auf der Pfarrwiese neben der Straße nach Waidbofen errichtet. Er ist heute noch in Benützung. Der Pfarrhof wird 1596 zum ersten Mal genannt, war aber sicher schon mit der ersten Kirche, die 1305 erwähnt wird, vorhanden. Die Kirche ist mit dem Pfarrhof durch das sogenannte Pfarrstöckel und einen gedeckten Gang verbunden. 1951 ließ der Verschönerungs verein die Sgraffiti am Pfarrstöckel und am Pfarrhof, die nach dem ersten Weltkrieg übertüncht worden waren, durch den Restaurator L. Dohnal wieder herstellen. In den pfarrlichen Aufzeichnungen steht; „Im Jahre 1588 ist unter dem edlen, ehrenfesten Herrn Christoph Murheimer, Rat des hochw. durchlauchtigsten Herrn Ernst Bischof von Köln und Freising, Pfleger zu Waidhofen an der Yhhs, und auf Be sorgung des Pfarrers von Göstling Georg Stockt auf Kosten der Kirche und unter Mithilfe ehrsamer Männer dieses Gebäude erneuert worden. Zu dieser Zeit war Amtmann Johann Oberhäuser an der Bachleiten." Der Kreuzweg wurde 1729 errichtet. Zu seiner Erhaltung bestand eine Stiftung, die später eingezogen wurde. Prozessionen fanden daselbst am ersten Sonntag jedes Monats, an Fastensonntagen und zu den BittAn Kapellen seien genannt: Jene des hl. Johann von Nepomuk nahe am Kreuzweg, die Kapellen von Bernlehen und in Steinbach. Alt sind die Kapellen von Bruneck, Wunsamreit, Hinterberg, Jungbauer in Lassing und jene in Mendling. Einige Kapellen stehen an der Straße nach Waidhofen. Ein Wahrzeichen des Marktes ist die Statue des heiligen Johannes von Nepomuk an der Lunzerstraße, die 1775 wahrscheinlich von der Hammermeisterswitwe M. Constantia Fürst auf Bachleiten ge stiftet worden ist. Sie wurde in den letzten Jahren von der Gemeinde mit Hilfe des Bundesdenkmalamtes renoviert. Erst 1891 wurde die Kapelle in Hochreit erbaut. Sie ist aus Holz und alle Bewohner von Hochreit halfen beim Bau zusammen. An kirchlichem Brauchtum hat sich das Rauhnachträuchern erhalten. Ferner wurde die Statue des hl. Florian aus dem Bauernhaus GroßSteinbach am Bittsonntag zum Reitbauernkreuz getragen und am drit ten Bittag wieder in einer Prozession nach Hause gebracht. Dieser Brauch wird bis in die Gegenwart geübt.
I^farcer bon <§oftIing an bec^Dbbis Pfarrer de Parochia üestnich 312 Konradus Fridericus Christoph Schawr Wolfgang Plännkh Leonhard Hiieber Georg Stöckl Georg Schrecker Christoph Seybald Jakoh l^randtner Christian (Steur) Michael Bischof Johann Casseli (Kessl) Leonhard Jennewein Stefan Metz M (= Magister) Johann Strauss Elias Pez Sebastian Kneis Martin Winter Johann Baptist Sulzbacher Franz Anton Schwarzenherger Johann Augustin Rieder Franz Anton Gamon Johann Michael Schorler Josef Matthias Praunseis Josef Meedl Johann Matthias Günther Anton Kendler Leopold Konetschny Josef Schnellinger Alois Heiss Franz Popp Johann Schrattenholzer, Geistlicher Rat, seit 1931 Dechant Ignaz Schauer
Das erste Freisiiigisdie Urbar, das 1305 von dem Kanonikus Wolfart von Roebbelingeh verfaßt wurde, zählt im Amt Göstling 76 Bauern höfe und im Jahre 1316 89 Bauernhöfe auf, die ahgahenpflichtig waren. Diese ersten uns bekannten schriftlichen Aufzeichnungen weisen darauf hin, daß die Höfe schon lange vorher bestanden haben müssen, denn von eben erst urbar gemachten Siedlungen kann man noch keine Ab gaben verlangen. Die Hofnamen sind fast durchwegs die gleichen, die heute noch im Gebrauch sind. Einige Beispiele mögen folgen. 1305 wird ein „Heinrici auf Letenwach" (Groß-Lettenwag), ein „Dyetwein in der Butenawe" (Butenau), ein „Seyfritus in Staenglew" (KleinStanglau) genannt. Bernlehen wird 1558 „das Lehen Luxenreit, Pernlehen" genannt. Die Herren von Luchsenecke in Österreich waren Dienstmänner und Herrenstandsmitglicder des Bistums Freising und ihr Stammhaus wird in der Gemeinde Göstling angegeben. Bereits 1264 kommt in Waidhofen ein Bitter von Luchseneck vor. Vermut lich war auch Groß-Stanglau einst ein Herrensitz, da die ganze Anlage dieses Hauses darauf hinweist. Die Siedlungsform ist bis in die Gegenwart der Haufenhof geblieben. Die Viehwirtschaft war immer vorherrschend, da auf den nahen Ahnen reiche Weidenutzung möglich war. Unter den in den Urbaren genann ten Angaben werden Weizen, Korn, Gerste, Hafer, Linsen, Käse und Schmalz an erster Stelle genannt. Es mußten also auch vom sicher nicht großen Körnerbau Abgaben entrichtet werden. Flachs wurde ver hältnismäßig viel angebaut, da er neben der Schafwolle der Bekleidung der Bevölkerung diente. Die bäuerlichen Siedlungen in Lassing, auf Hochreit, auf dem Königs berg und an den Flußläufen von Ybbs und Göstlingbach weisen also ein hobes Alter auf und haben sich durch die Jahrhunderte gut erhal ten. Es gibt eine größere Anzahl von Bauerngeschlechtern, die seit Jahrhunderten auf dem gleichen Hofe ansässig sind. Zur Zeit der Hammerwerke hatten die Bauern zusätzlichen Verdienst durch deren großen Kohlenbedarf. Fast jeder Bauer betrieb damals jahraus jahrein ein oder mehrere „Kohlwerke", in denen selbst das schönste Holz zu Kohle verarbeitet und den Hammerwerken zugeführt wurde. Für jene Bauern, die nahe der Eisenstraße lagen, gab es weite ren zusätzlichen Verdienst durch den Vorspann für die schweren
Eisenl'uhrwerke, die z. B. auf dem Paß von Mendling-Lassing auf diese Leistung angewiesen waren. Die Marktgemeinde Göstling an der Ybbs ist die fünftgrößte Gemeinde des Landes Niederösterreich und umfaßt den ehemaligen Herrschaftsbesitz des Ilochstiftes Freising. Unter Kaiser Josef II. nahmen die Bestrebungen zur Verstaatlichung der Freisingischen Herrschaft zu. Aber erst im Jahre 1803 konnte sie durch den Beichsdeputationshauptscliluß vollzogen werden. Durch die Gesetze vom 7. September 1848 und vom 4. März 1849 wur den die Lehensverhältnisse in Österreich aufgehoben (Grundentlastung). 1850 wurde die Kameralverwaltung in die Finanz-Landesdirektion umgebildet, die politische Verwaltung ging an die Bezirkshauptmann schaften über und die Gemeinden wurden selbständige Verwaltungs körper. Für Zivil- und Kriminalangelegenheiten wurden die Bezirks gerichte und für Steuersachen die Steuerämter errichtet. 1864 trat die neue Gemeindeordnung in Kraft. Von 1849 bis 1853 waren in Göstling ein Bezirksgericht und ein Steueramt vorhanden. Das Bezirksgericht wurde 1853 nach Ganiing verlegt. Die Finanzwach-Fxpositur wurde 1908 aufgehoben, die weitere Führung der Geschäfte erfolgte von Ga illing aus. Das Genieindegebiet war ursprünglich in „Ruthen" eingeteilt. Nach seiner Neu Vermessung 1860 wurden fünf Katastralgemeinden gebildet: Göstling, Hochreit, Lassing, Unterybbs und Yblissteinbach, die in 11 Rotten gegliedert waren. Ihre Namen waren; Göstling, Fisenwiesen, Großegg, Hochreit, Königsberg, Lassing, Mendling, Stixenlehen, Strohniarkt, Unterybbs und Ybbssteinbach. Bereits 1936 wurde die Gemeindevertretung bei der Landesregierung wegen der Abänderung der alten Grenzen vorstellig. Diese Grenz berichtigungen mußten mit den Gemeinden Lunz am See und St. Geor gen am Reith getroffen werden. Bisher war die Ybbs Herrschaftsgrenze flußaufwärts bis zum Lechnergraben und die Grenze gegen Kogelsbach entsprach ebenfalls schon längst nicht mehr den neuen Frfordernissen. Frst am 1. Oktober 1940 wurden die neuen Grenzen diircli die Ver ordnung des Reichsstattbalters für Niederösterreich gezogen und die vor 700 Jabren festgelegten Grenzen fielen. Dadurch kam Ybbs aufwärts das Gebiet von Scböckelreit bis zum Lechnergraben an die Gemeinde Lunz am See, wäbrend diese an Göstling das Gebiet am rechten Ufer der Ybbs von Stiegengraben abwärts bis unterhalb des Bahnhofes Göst ling und einen Teil des Ahorntales abtrat. Am linken Ufer trat Göstling den größten Teil des Gebietes von Unterybbs an St. Georgen am Reitb ab, während das Gebiet vom Bahnhof abwärts bis Kogelsberg an Göst ling fiel. Von Hollenstein wurden die beiden Bauernhöfe Kurzeck und Aschenmoos auf dem Königsberg an Göstling abgetreten.
■r. -I.j.ä.ä'ii'' if Bauernhof „Schrollleiten" (typische Form des Haufeiihofes). Blick gegen Dürrenslein, im Hinlergrund „Groß-Lettenwag" und „Pfnurleiien" (Annaleilen). Diese Unigemeindung hatte eine vollständige Neneinteilung der Rotten bzw. Katastralgemeinden am rechten Ybbsufer zur Folge. Aus Teilen der Rotten Oberois und Ahorn, die früher zu Lunz gehörten, und dem abgetretenen Teil von St. Georgen am Reith wurde die neue Katastralgemeinde Steinhachmauer gebildet mit den Rotten Pernegg, Steinbach mauer und Oberkogelsbach. Weiters wurde eine neue Katastralgemeinde König.sberg gebildet, die aus dem Rest der ehemaligen Katastralgemeinde Unteryhh.s, der Rotte Königsberg und den Häusern Kurzeck und Aschenmoos besteht. ll&elioIhetungisbefDegunB 1854 wies Göstling im gesamten Ortsgebiet 156 Häuser auf mit einer Bevölkerungszahl von 1960 Personen. 1890 sind es schon 342 Häuser, aber nur 1620 Bewohner. Von 1900 bis 1910 stieg die Bevölkerung von 1844 Einwohnern auf 2139 Ortsinsassen. Das ursprüngliche Über gewicht der bäuerlichen Bevölkerung verschob sich frühzeitig zu Gun sten der Schmiede und der anderen Gewerbetreibenden. Der Einfluß der Kriege auf die Bevölkerungsbewegung war im Verhält nis zu jenem der Seuchen gering. 1598 wütete hier die Pest und pfarr-
liehe Aufzeichnungen hericlilen, daß in den Pfarren Göstling und Lunz 1500 lAIenschen an dieser Seuche starben. 1679 starben an der „roten Ruhr" in fünf Monaten 32 Personen, 1684 in zwei Monaten 43, 1707 gab es 70 Tote durch diese Seuche und 1784 starben wieder 138 Men schen daran. Nach der letzten 1961 erfolgten Volkszählung hat Göstling nun 2039 Einwohner und 441 bewohnbare Häuser. Der Bodenraum der Marktgeineinde verteilt sich wie folgt: Wald 10.527 ha Straßen, Wege . . 182 ha Wiesen 633 „ Almen .... . . 1.821 „ Acker 833 „ Fluß, Bach . . . . . 104 „ Garten und Obstgarten 14 „ Bauparzellen . 24 Weide 120 „ Yhbstalhahn . . 11 „ Unproduktive Fläche . 98 „ Begrenzt wird das Gemeindegebiet von dem langgezogenen Rücken des Königsberges (1451m), dem Scheihenherg (1399 m), den Göstlinger Alpen (Hochkai-, 1809 m), dem größten Teil des Dürrensteinmassivs (1878 m) und im Norden vom Hochplateau des Steinhachbodens bis ins Ahorntal. Das Reliefdes Gemeindegebietes von Göstling a. d.Y. wurde in mehrjähriger Arbeit von Schulrat Fritz A p e 1 d a u e r zu sammen mit HL. Johann K r o n e d e r und VL. Georg P e r s c h 1 unter Mithilfe von Schülern der Hauptschule geschaffen. Das Ausmaß ist 2X2 Meter im Maßstab 1:10.000. Die Berge, Flüsse und Gebäude sind mit großer Naturtreue geformt bzw. bezeichnet. Es befindet sich im neuen Schulgehäudc und kann als eine Sehenswürdigkeit der Markt gemeinde gelten.
forftfiöutfdjaft in (ßöftltnö an öct ybbsi Im Jahre 1864 wurde die Herrschaft, die bereits der Nationalbank ver pfändet war, an Hermann Maier Löwy aus Fürth in Bayern um 700.000 Gulden verkauft, der sie bereits 1865 an die Straßburger Gescliäftsleute Andre Götz et freres um 1,000.000 Gulden alDgab. Unter dieser Herr schaft entstand der Forstamtsbezirlc Göstling. Sie erwarb ctas Grießhaus in Göstling mit den Holzlagerplätzen und errichtete einen Holzrechen in Steinbach. Die durch die konservative Bewirtschaftung angesammelten Altholz vorräte wurden in den Jahren 1864 bis 1868 weitgehend genutzt (Franzosenschläge), ohne auf Wiederbegründung zu sehen. Zur Ver- ■ Ä iKW-i- m * p . - ■■i ■l Jagclsclilotl Steinbach mit Dürrenslein (Ehemaliger Rolhschild-Besitz, jetzt Ilundesfor.ste)
Wertung der Hölzer wurde auf der Ybbs die Langholzflößerei, in Amstetten eine Dampfsäge, in Waidhofen, Hollenstein und Steinbach eine Säge mit Wasserantrieb eingerichtet. Die Nutzungen des .lahres 1864 betrugen 44.200 fm, die des Jahres 1868 55.300 fm Nadelblochholz. Unter quotenmäßiger Zurechnung von Schwach- und Brennholz ergibt sich ein durchschnittlicher Einschlag in der Höhe des Fünffachen des heute festgesetzten nachhaltigen Hieb satzes. Im Hinblick auf die vorwiegend im Großkahlschlag geführten Nutzungen war eine bodendegradierende Wirkung weiten Ausmaßes die unvermeidliche Folge. 1869 wurde die Herrschaft von der Aktiengesellschaft für Holzindustrie um 3,172.000 Gulden erworben. Als die Gesellschaft wegen zu hohem Ankaufspreis und unrationeller Wirtschaftsführung in Betrieb und Ver waltung nach sechs Jahren zugrundeging, notierten die Aktien 14% des Nennwertes. 1875 kaufte Albert Freiherr von Rothschild den Besitz. Das Hauptaugenmerk war auf Jagd und nach dem ersten Weltkrieg auf Ertrag gerichtet. In diese Zeit fällt der Ausbau der Hundsau-, Windischbach- und Bodingstraßc sowie der Rotmoos- und Eisenberg grabenstraße. Im Zusammenhang mit dem Börsenkrach im Jahre 1929 (London, New York) und den dadurch eingeleiteten finanziellen Entwicklungen wurden vom Forstverwaltung.sbczirk Göstling die Reviere Buchniais und Lassing abgetrennt und in das Eigentum der Republik Österreich übertragen. (Schenkungsurkunde vom 14. November 1933). Ihre Ver waltung wurde von den Bundesforsten Hollenstein besorgt. Das Revier Steinbach mit Hachl verblieb bei Rothschild und wurde im Jahre 1938 vom Deutschen Reich eingezogen, dem Reichstreuhänder für die ehe maligen Rothschild'schen Besitzungen übergeben und an die Reichs forste verkauft. 1945 übernahmen die Bundesforste die treuhändige Verwaltung von Steinbach. 1946 stellte L. Rothschild der Republik Österreich den Antrag auf Übernahme seiner Besitzungen mit der Verpflichtung, die zur Zeit auf Rothschild'schen Besitzungen beschäftigten Beamten mit gleichen besoldungs- und pensionsrechtlichen Ansprüchen zu übernehmen als diese bei ihm in Geltung standen. Mit Ministerratsbeschluß vom 14. Jän ner 1947 wurde diesem Antrag stattgegeben und nach Erlaß des Rückstellungsbescheides vom 26. April 1948 wurde das Verfahren durch das Gesetz vom 13. Juli 1949 abgeschlossen. In der Folge wurden die Re viere Lassing und Buchmais von der Forstverwaltung Hollenstein und Steinbach von der Forstverwaltung Waidhofen a. d. Ybbs der Öster reichischen Bundesforste verwaltet. Am 1. Jänner 1950 wurde die Forstverwaltung Göstling a. d. Ybbs mit eigener Betriebsführung wiederbegründet und die genannten Reviere in dieser zusammengefaßt.
l^aturgesebcncBetriebsgrunDlaßcn Die Forstbetriebsfläche liegt in einer Höhe 550 bis 1878 Meter über dem Meer. Außer von klimatiscben Faktoren wird der forstlicbe Stand ort von dem vielfacli differierenden Ijodenbildenden Ausgangsmaterial, Sleinl)achklaniiTi „Die Notti
dem Gmndgestein, mitbestimmt. Seine Vcrwitterbarkeit ist wesentlich für die Bereitstellung mobiler Nährstoffe. Bei vorwiegender Triasbildung verschiedenster Schichten treten auch Formationen der Jura und der Kreide auf. Der Quellhorizont wird von Werfener Schichten gebildet, darüber lagern Reiflinger Kalke, die auch Göstlinger Schichten genannt werden. Sie treten unter anderem im Hagenhach, auf der Nachbargau und am Sattelforst zutage. Unter und über diesen liegen Lunzer Schichten, wie im Almwald und auf der Königsberg-Schattseite, und in weiterer Folge Opponitzer Kalke, so am Kreuzkogel, Hochkogel und im Steinbachtal. Dolomite kommen im Steinbach, Buchmais, Königstal und im Dürren graben vor, jüngere Kalke, sogenannte Dachsteinkalke, am Dürrenstein, am Königsberg, im Königstal und Dürrengraben, Juraformationen am oberen Königsberg und Kreidebildungen am unteren Königsberg, b erners sei noch der eiszeitlichen Moränenbildung Erwähnung getan. Mit Ausnahme der Dolomite und der Dachsteinkalke sind die genannten Schichten, je nach ihrem Gehalt an mergelig-tonigen Sub stanzen, gut verwitterbar. Sie ermöglichen in tieferen und geschützten Lagen die Entwicklung guter forstlicher Bonitäten. UBalDbau unö jFotftfdju^ Unsere Wälder bestehen zu rund 70% aus Nadelholz (Fichte, Tanne, Lärche, Föhre) und zu rund 30% aus Laubholz. Hievon ist vor allem die Buche vorherrschend, deren prozentueller Anteil rund 75% des Laubholzes und etwa 25% des Gesamtwaldhestandes beträgt. An .Misch holzarten treten vorwiegend Ahorn, Berguhne, Esche, Birke und Grau erle sowie die Saalweidc auf. Die naturgemäßen Mischbestände wurden in früherer Zeit durch Groß kahlschläge und die ihnen folgenden Fichten-Monokulturen \ielfach zurückgedrängt. Ihre Wiederherstellung ist heute das Ziel moderner naturnaher Forstwirtschaft, was durch Naturverjüngung und Pflanzung mit späterer Regulierung des Flolzartenmischungsverhältnisses an gestrebt wird. Der Ptlanzenbedarl der herrschaltlichen Forste beträgt pro Jahr der zeit 200.000 bis 250.000 Fichten und Lärchen. Dieser Bedarf kann min destens zur Hälfte aus betriebseigenen Pflanzgärten gedeckt werden. Zur Hintanhaltung von Schädigungen ist ein bedeutender Kulturschutz erforderlich. Als forstgeschichtliche Besonderheit mag das Auftreten der Nonne im Jahre 1948 an den Westhängen des Dürrengrabens vermerkt werden. Die Schäden durch Borkenkäfer sind derzeit nicht nennenswert. Da gegen sind in den letzten Jahren bedeutende Sturm-, Lawinen- und
Schneedruckschädeii aufgetreten, deren Umfang nur aus den öster reichischen Bundesforsten angeführt sei. Im Jahre 1956 vernichtete im Dürrengrafjen eine Schneelawine einen .\ltholzstreifen mit rund 200 fm Bestandesmasse. 1958 verursachten Schneefälle im Oktober innerhalb eines Höhenstreifens von 1000 bis 1400 Meter über dem Meer einen Schadholzanfall von 15.000 fm. Im Winter 1961/1962 haben Stürme rund 4000 fm geworfen. JForfteintidjtung Zur Ertragsregelung wurden im Herrschaftsgebiet Göstling an der Ybbs bereits in den Jahren 1814 bis 1845 Vermessungen durchgeführt. Unter der Aktiengesellschaft für Holzindustrie wurden neuerliche Ertragsermittlungen, allerdings ohne Flächenaufnahmen, vorgenommen, die bei 80jährigem Umtrieb einen Flächenhiebsatz von 76 Hektar ergaben. 1892 bis 1894 fand bei genauer Forstvermessung unter Verwendung der Ertragstafeln von Petraschek für Fichte und Baur für Buche eine Neueinrichtung statt. Die letzte Bevision erfolgte im Jahre 1950, wobei Ertragstafeln von Guttenberg und Flury zur Verwendung kamen. Die ersten Kartenwerke wurden im Jahre 1811 im Maßstab von 1:3.600 und 1:7.200 hergestellt, die aus 1841/1845 im Maßstab des Katasters.
Heute stehen dem Betrieb eine Wirtschaftskarte aus 1950 1:5.000 und eine Bestandskarte 1:20.000 zur Verfügung. Der Hiebsatz des berrscbaftlicben Waldes beträgt 12.700 im o. R. im Nadelholz und 3.000 fm o. R. im Laubbolz (überwiegend Buche). Das Nadelbolzaufkoninien ergibt .sieb aus der Hauptnutzung mit rund 8.000 fm und aus der Vornutzung mit 4.700 fm. Bei einer Umtriebszeit von 120 Jahren im Nadelbolz ergibt das eine jährliche Fläcbenabnutzung von imnd 41 ha und eine durcbscbnittlicbe Massenleistung von 310 Efm je ha. Die korrespondierenden Zahlen für das Laubbolz bei U = 140 Jahre betragen 12 ha und 250 Efm je ha. Im Kleinwald und im forstlichen Mittelbesitz kann eine dem gegen wärtigen Waldziistand entsprechende jährliche Nutzung von 5.600 fm Nadelbolz und 1.700 fm Laubbolz angenommen werden. Jfocftnu^ung Aus dem Nadelbolz werden folgende Sortimente erzeugt: Langbolz, Blocbbolz, Scbleitbolz, Mäste, Stangen, Grubenbolz und Brennbolz. Aus Laubbolz: Scbälbolz, Sägeblocbe, Scbwellcnblocbe, Easerbolz und Brennbolz. Die Holzbringung vollzieht sich zum Teil noch in Erdgefäbrten und über Holzriesen. Je nach Forstort und Menge werden bereits Seilgeräte und Raupenfahrzeuge (Motormuli) in eigener Regie zum Einsatz gebracht. Die Länge der zur Aufscbließung der P'orste angelegten Wege und Straßen ist beträchtlich. Diese Arbeiten wurden vor allem seit 1950 sehr vorangetrieben. Ab dieser Zeit wurden neu angelegt oder aus gebaut: Die Straße in den Almwald, in das Traxlertal, in den Hundsau graben, der Almauftriebsweg auf den Dürrenstein, die Umlegung auf den Nacbbargaiierboden zur Bärenlacke, die Bodingstraße, der Bodingbacbweg, die Rotmoosstraße, die Kurzeckstraße, die Sattelforststraße. V^erbessert wurden der Miesingauweg und der Weg in den Dürren graben sowie die Weißenbacbstraße. Die berrscbaftlicben Gründe sind zum Teil mit Weideservitiiten be lastet. Diese Gebiete liegen am Dürrenstein, am Königsberg-Ost, auf der Lassing-Hocbreitalm. Sie umfassen mit 1329 Anteilsrecbten eine Fläche von zusammen 2.015 ha und be.steben aus Waldweide und Reinweide. 31a0Ö unD JFifdjetei Die Jagd wird auf Rot-, Gems- und Rebwild, Auer- und Birkhahn so wie auf Raubwild ausgeübt.
In der Gemeinde Göstling an der Ybbs besteben als selbständige Jagd gebiete die Eigenjagd der Österreicbischen Bundesforste, 11 private Eigenjagden und die Genossenscbaftsgebiete Göstling I, II, III und IV. Auf einer Gesamtfläche von rund 14.200 ba wurden im Jahre 1961 zum Abschuß freigegeben: an Rotwild 43 Hirsche sowie 66 Tiere und Kälber, an Gemswild 35 Böcke sowie 35 Geißen und Kitze. Die Jagdgebiete der österreichischen Bundesforste sind zum weit über wiegenden Teil verpachtet. Es sind das die Reviere Steinbach, Hirzeck und Hochkar. Das Revier Bucbniais ist Regiejagd. Zur Forstverwaltung der Österreichischen Bundesforste gehören als Fischwasser der Göstlingbach und Steinbach samt Nebenbächen und die Ybbs von der Karlauer- bis zur Weidenauerbrücke. Sämtliche Fischwässer sind verpachtet. Die gesamte Waldflächc innerhalb unseres Gemeindegebietes beträgt nach dem letzten Stand 10.527 ha, davon entfallen auf Großwald (Öster reichische Bundesforste) 6.346 ha, auf Kleinwald und forstlichen Mittelbesitz 4.181 ha. Demnach sind rund 73% des Gemeindeausmaßes Wald land. Der Großwald umfaßt zirka 60%, der Klein- und Mittelbesitz rund 40% der Forstfläcbe. Die gesamte Betriebsfläche der Bundesforstverwaltung Göstling von 8.481 ha gliedert sich in 6.616 ha Wald, 841 ha produktive Nehengründe, d. s. Almen etc.) und in 1.024 ha un produktives Land. Ihre Verwaltung wird durch einen Forstmeister mit drei Revierförstern, zwei Forstadjunkten, einem Kanzleiförster und drei Kanzleiangestell ten besorgt. Für die Durchführung der betrieblichen Arbeiten sind in der Holzarheit 65 Mann, hei Häuser-, Hütten- und Betriehshauten und deren Instand haltung 7 Mann, für Wege- und Straßenneuhauten und deren Instand setzung 8 Mann, für Kultur- uud Pflanzgartenarbeiten 10 Frauen, ins gesamt 90 Personen eingesetzt. Diese sind zum größten Teil in betriebs eigenen Wohnungen untergebracht. Einzelne von ihnen betreiben auf den ihnen zugewiesenen Deputatgründen zur teilweisen Selbstversor gung noch Landwirtschaft. Objehte öer JForftbecöjaltung Der Bestand an Beamten- und Arheiterwolmhäusern, Forst- und Jagd hütten umfaßt 7 Forsthäuser mit 7 Nebengebäuden, 23 Arheiterhäuser mit 26 Nebengebäuden, 1 Jagdschloß mit einem Nebengebäude, 1 Kan tine mit einem Nebengebäude, 18 Arbeiterhütten, 6 Jagdhütten und 9 Sdiupfen, zusammen 100 Gebäude.
ieiter öer JForftbertoaltung (ßöftling an Der i'bbs (eljeinaltgcsi l^errfdjaftsgebi'et) Oberförster Engelbert Frutscbnigg 1870—1881 Forstverwalter Franz Reingruber 1882—1897 Forstingenieur-Assistent II. Frutscbnigg 1901—1928 Forstmeister Ing. Karl Scbwarz 1929—1936 Forstmeister Dipl.Ing. Karl v. Flasche 1937—1939 Verwaltet von den Forstverwaltungen Waidhofen a. d.Ybbs und Ilollenstein bis 1949 Nach Wiedererrichtung der Forstverwaltung Göstling a. d. Ybbs: Forstmeister Dipl.Ing. Josef Wögerer 1950—1954 Forstmeister Dipl.Ing. Adolf Reitter 1955— ;ltfIii; 1 Blick vom Königsberg-Giiterweg gegen Dürrenslein (1878 ml
6e£Detbe und Jnduftrte 1838 werden in der Rotte Göstling folgende Gewerbetreibende und Professionisten angefühi't: Ein Großzerrennhaminerwerk, 1 Hacken- und Stangelhammer, 1 Hufschmied, 1 Bäcker, 1 Fleischer, 1 Ledei'er, 1 Zimmermeister, 1 Maurermeister, 1 Blasbalgmacher, 1 Weber, 2 Schuster, 2 Schneider, ferner 1 Wundarzt, 2 Krämer und 3 Wirte. Der Bergbau auf Kohle und Gips war nicht hedeutend. Der Ahbau von dem an einigen Stellen vorkommenden Eisenerz war ehenfalls un bedeutend. Hingegen hat die Eisenverarbeitung einen breiten Raum eingenommen. Bereits 1305 wird am Hause Schmiedlehen „Chunradus der Schmied" erwähnt und 1316 sind in Göstling 3 Räder eines Eisen werkes als ahgahenpflichtig angeführt. Mit der Entwicklung der steirischen Eisenwerke, die aus ihren Schmelzöfen das Roheisen liefei'- ten, das auch in unseren Eisenwerken verarbeitet wurde, fand eine durch Jahrhunderte blühende Industrie ihren Anfang, Dieses Roh eisen, — Floßeisen — wurde zuerst durch Saumtiere über den Paß von Mendling-Lassing, vielleicht mit Karren, und nach dem Bau der Dreimärktestraße im 16. Jahrhundert mit Schwerfuhrwerken zu den Eisenhämmern gebracht. Diese Straße wurde von ärarischem Geld finanziert. 1625 bis 1781 hatte der Provianthandel der drei Märkte Gresten, Scheibhs und Purgstall für die Erhaltung zu sorgen. Diese Straße aber war nicht nur die Voraussetzung für das Fleranbringen des Roheisens in die Hammerwerke, sondern auch für die Eisen- und Pro vianthändler in den genannten Märkten, die den Proviant für die Knap pen nach Eisenerz zu liefern hatten. Das Roheisen wurde in den Zcrrennhämmern „gefrischt", d. h. es wurde mit Holzkohle ausgeheizt, bis ein rotglühender Klumpen zurückhlieh, der „Dachel" genannt wurde. Dieser Klumpen wurde zu so genannten „Maßein" zerschrotet, die nochmals ausgeheizt und dann zu Stäben ausgehämmert wurden. Unter den schweren, 500 Pfund wie genden Zerrennhämniern wurden starke Stäbe geschlagen, aus 100 Pfund vier Stück. Geringere Stäbe wurden unter leichteren Häm mern geschlagen. Erst dieses vorbearbeitete Eisen konnte zu den verschiedenen Werkzeugen und Gebrauchsgegenständen verarbeitet werden. In Göstling wird 1437 ein Hammerwerk am ..Seusenhach" erwähnt, das ah 1527 „am Flammer" heißt. Namen bedeutender Hammerherren,
wie Praunseis, Wecll, Brunner und Scheib, sind mit diesem Eisenwerk verbunden. Unter letzterem nahm das Werk einen großen Aufschwung als Sensenhammer. Bis vor dem ersten Weltkrieg wurden hier all jährlich 150.000 Sensen erzeugt, die aus naturgeschmiedetem Guß stahl und feinstem Spezialstahl hergestellt, weitverbreiteten Ruf hat ten. Die Hauptahsatzgehiete waren Deutschland, Rußland, die Balkan länder und Kleinasien. Die Werksmarken waren der Bär und die zwei Lilien. In der Mendling hat 1544 der Hammerherr Paul Kerzenmandl an der Stelle des alten einen neuen „welschen Hammer" erbaut. 1857 weist Mendling zwei Groß-Zerrennhämmer und ein Streck- und ein Zerrennhamnierwerk auf. Die Reste gehen dort noch Zeugnis von der Größe dieses Werkes. 1665 werden in Göstling vier Zerrennhammermeister genannt: Bartlmä Freißl, .lohann Wedl, Andrä Groissenegger, Hans Praunseissen. Ferner Georg Praunseissen in Mendling, Georg Fried rich Schweinzer am Faßzichhammer. Michael Josef Humel, Stixenlehen, Johann Caspar Fürst, Bachleiten, Anton Praunseissen am Ham mer, Wolf Walcher am Flof. Mit eigenen Ges|)annen haben diese großen Werke das Roheisen aus Eisenerz geholt und die in diesen Hämmern ausgeschmiedete Ware (Stangeneisen) an die Eisenverleger und Händ ler in Scheihhs, Purgstall usw. gebracht. Es wurde natürlich auch in Göstling ausgeschmiedetes Eisen verarbeitet. Die Einteilung der Eisenverarheiter aus dem Jahre 1785 führt an: 1. Grohzeug- und Schneide schmiede (Hammer-, Sensen-, Schwert-, Säge-, Hackenschmiede u. a.). 2. Feinzeug- und Stahlschmiede, Messer- und Scherenschmiede. 3. Schießeisen- und Blechschmiede (Nagel-, Pfannen-, Blechschmiede u. a.). Jede dieser drei Klassen bildete eine Zunft für sich, so daß jeder Meister die in seine Klasse fallenden Waren anfertigen konnte. Die Eisenwaage hatte der jeweilige Wirt von Lassing inne. Dieses Amt war besonders in jener Zeit wichtig, als die Eisen- und Proviant führer noch von den Eisenhändlern gestellt werden mußten, wovon aus Göstling 1565 zum ersten Mal berichtet wird. Nicht nur Eisenerz, sondern auch die Hammerwerke mußten von den Händlern mit aus reichendem Proviant versorgt werden, der als Gegenfracht auf der Eisenstraße befördert wurde. Die Zerrennhammergewerken des oberen Yhhstales, zwei in Lunz, sechs in Göstling und fünf in Hollenstein, bildeten schon frühzeitig eine Vereinigung und nannten sich Groß-Zerrennhammergewerken. Bis 1835 durften nur diese 13 Groß-Zerrennhammergewerken Eisen zerrennen. Sie bildeten eine eigene Körperschaft mit Unter- und Ohervorsteher, hatten eine eigene Llammerordnung und hielten alljähi-lich in Hollenstein eine Sitzung mit Umzug ah. Sie versorgten auch ihre dienstunfähig gewordenen Arbeiter hesser als die anderen Hammer-
schmiediiinungen. Noch 1860 betrug die Bruttoeinnahme der eisen verarbeitenden Gewerbe in Göstling 307.500 Gulden. Durch Jahrhunderte waren die Hammerherren, die „schwarzen Gra fen", aus dem Leben Göstlings nicht wegzudenken. Ihre Tätigkeit schaffte Wohlstand, solange ihre Hämmer dröhnten — bis die fort schreitende Technik diesen Werken ein Ende bereitete. Das heutige Markiwappen von Göstling wurde dem Wappenschild der Gewerkenfamilie der Humel entnommen. Die Genealogie der Fa milie Humel und ihre verwandtschaftliche Bindung zu den anderen Gewerkenfamilien sei nachstehend aufgezeigt: Michael Humel, 1665 in Waidhofen a. d. Ybbs Stadtrichter, führt im Wappen die Lilie. J o h a n n Adam Josef H u m e 1, vermutlich ein Sohn des Vor genannten. Er ist k. k. Kammergutsbeförderer, Amtsverwalter der Fürst Lichtensteinschen Herrschaft Weißenburg und Kammerherr. 1680 Besitzer des Groß-Zerrennhammerwerkes an der Großen Lunzmühle und Steinhaus in Lunz. Michael Josef H u m e 1, Sohn des obigen, war 1730 bis 1740 Amt mann in Göstling und Groß-Zerrennhammergewerke in Stixenlehen. Dessen Sohn Carl Engelbert Humel war von 1762 bis 1797 Anilmann in Göstling und Groß-Zerrennhammergewerke in Stixen lehen und Stellvertreter der Herrschaft Freising. Dessen Sohn S e r a p h i n Max Humel, Groß-Zerrennhammer gewerke in Stixenlehen, gestorben 1837. Seine Tochter Josefa Anna Flumel, vermählt 1829 mit F r a n z Xaver Scheib, Groß-Zerrennhammergewerke in Stixenlehen. Sein Sohn Johann N e p. Scheib, Groß-Zerrennhammergewerke in Stixenlehen und am Hammer, 1874 bis 1891 Bürgermeister in Göst ling, vermählt 1859 mit Maria P r a u n s e i s, Gewerkenstochter aus Hof. Sein Sohn F r i e d r i c h S c h e i b, 1860 bis 1915. führt das Sensenwerk am Hammer zu hoher Blüte. Die Tochter von Johann Nep. Scheib, Maria Scheib, vermählte sich 1883 mit Johann Staudinger, Gewerke in Mendling. Er starb 1931 als letzter der dreizehn Groß-Zerrennhammcrgewerken von Hollenstein, Lunz und Göstling. Mit der Erhebung des Humelschen Wappens zum Marktwappen von Göstling wird nicht nur eine Familie gewürdigt, sondern ein ganzer Berufsstand, der in mehreren Jahrhunderten dem wirtschaftlichen und sozialen Leben unseres Tales seine wesentliche Prägung gab. d. Ybbs Stadtrichter,
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