4/8 Ausstellungsorte Trattenbach: „Im Tal der Feitelmacher" Es „kamen mir da und dort vage Gerüchte zu Ohren von einer rührigen Arbeiter gemeinde, weit hinter hohen Bergen, in einem schmalen Graben an der Enns. Niemand wusste mir etwas Genaueres davon zu melden und man kam auf dieses Thema nur, wenn von den armen Wlesserern in Grünburg,Steinbach oder Neuzeug die Rede war; man wollte eben ein Beispiel anführen,dass es bei diesen nicht so sein müsse,wie es leider der Fall ist, denn die Industriellen am Trattenbache seien ja auch nur Messerer und ihr Erzeugniss das anspruchsloseste, der Taschenveitl. Man wisse jedoch, dass bei ihnen keine Noth herrsche, dass die Mitglieder der Genossenschaft fest zusammenhalten und jeden sich anbietenden ,Verleger' mit vereinten Kräften zum Thale hinausjagen." So beginnt der k. k. Gewerbe-Inspector Dr. Heinrich Vittorelli den Exkurs„Die Tratten bacher"im Bericht über seine Amtstätigkeit im jähre 1890.In seinem Aufsichtsbezirk sieht es vor allem für die Kleineisenindustrie recht düster aus. Unzählige Werk stätten gehen zugrunde, Handwerker werden zu Proletariern oder arbeitslos, hungernde Familien, trostlose Orte, hoffnungslose Zukunftsaussichten. Inmitten dieses Trauerspiels strahlt einzigVittorellis Ausflug ins anachronistische Wirtschafts idyll Trattenbach hervor. Denn die zitierte Wehrhaftigkeit der Trattenbacher hat den hohen Herrn aus Linz nicht abgehalten,ihnen einen Besuch abzustatten: „Schon von aussen bilden die Niederlassungen der sechzehn Messerer,welche zu einer Genossenschaft vereinigt sind, einen erfreulichen Anblick. Nette, sauber getünchte Häuser,theilweise mit roth bestrichenem Blech gedeckt, mit Blumen in den Fenstern und Vorgärtchen, da und dort eine Laube, ein Sommerhäuschen deuten auf einen gewissen Wohlstand und Behaglichkeit. Bei mancher Werkstätte ist der Holzfluther durch Eisenröhren ersetzt und kleine selbstgebaute Pumpwerke schaffen das Wasser in die Küche des höher gelegenen Wohnhauses.In den letzten finden wir freundliche Zimmer mit glänzenden Kachel öfen, von blanken Messingstangen umfaßt; um runde, niedrige Tischchen sitzen die weiblichen Familienmitglieder, jung und alt, mit der Confectionirung der Taschenveitl beschäftigt." Dem Wirtschaftswunderkleinod scheint man 1890 nicht mehr angesehen zu haben, wie hart es einst umkämpft worden war. Begonnen hat alles im ersten Viertel des 16. Jahrhunderts. Um 1520 wurden die ersten Klappmesser mit hölzernem Griff in Trattenbach hergestellt. Es sei dahingestellt,ob diese Produktidee tatsächlich vom sagenumwobenen Messerer Barthl Löschenkohl aus Frankreich mitgebracht worden ist. Viel wichtiger ist, daß man sich in jener noch immer streng zünftisch
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