384 Ausstellungsorte Garsten: „Krippenland an der Eisenstraße" Die Weihnachtskrippe-hineingestellt in den heimischen Lebensraum einer Region, die von der Bearbeitung des Eisens geprägt war und deren Wurzein zurückführen in das Wirkungsfeid des ehemaligen Benediktinerstifts Garsten. Das Krippeniand an der Eisenstraße ist erst spät in seiner Bedeutung entdeckt worden. Es war nicht viel mehr bekannt über die eine oder andere noch erhaltene Krippe in den Bauernhöfen und Bürgerhäusern etwa in Garsten, als „daß sie ein Nageischmied gebaut haben soll" und daß sie „mauait" ist. Auf eine dieser Kastenkrippen hatte der Besitzer schon 1926 geschrieben: „Dieses Kripperi ist cirka 100 Jahre alt. 12. Dez.1926." Die Bürger der Stadt Steyr leisteten sich für ihre Krippe gerne geschnitzte Figuren, die wertvoller waren als die einfachen Loahmmandelfiguren. Der Messerer A(nton) H(eindl) hat um 1820 die 50 Figuren seiner Krippe selbst geschnitzt, der „Messerschmitgesell" Joseph Pölzl hat die Krippe später umgebaut. Die Nagelschmiede waren - wie die Messerer- bei ihrer handfesten Arbeit auch kunstfertige Menschen,die in ihrer Freizeit im Winter ihre „Nagelschmiedkrippen" bauten und mit den Loahmmandelfiguren aus den alten Steyrer Modeln ausstatteten. Die Kastenkrippe mit ihrer volkstümlichen Weihnachtsdarstellung und den typischen Loahmmandeln wurde zur bodenständigen Form der Weih nachtskrippe an der Eisenstraße, seit sich um 1800 das Krippenschaffen von den Klöstern in die Bürgerhäuser und Bauernhöfe verlagert hatte. Die Tradition der Weihnachtskrippe im Land an der Eisenstraße geht in die Zeit des Benediktinerstifts Garsten zurück. Von hier aus nahm die barocke Kunstkrippe auch ihren Weg in die Pfarreien.1637schnitzte der Bildschnitzer zu Steyr-Garsten, Elans Spindler,für die Stiftskirche Kremsmünster „ain ganz Newes Khrippel in die Khürchen". 1697 wurde für die Garstner Pfarre Gaflenz „von Flerrn Staindorffer, Mahler und Dischler zu Garsten, ein Neues Kribel gemacht". Staindorffer war Garstner Hofmaler(„Faßmaler"). Um 1705 schuf der Garstner Laienbruder Marian Rittinger die berühmte Buchsbaumkrippe.Sie ist „eine der zartesten und zugleich formvollendetsten Weihnachtskrippen Österreichs und eine Spitzenleistung barocker Kleinplastik"(Franz Lipp). 1725 entstand die ehemalige Garstner Stifts krippe mit zehn großen bekleideten Figuren. Sie kann Johann Spindler d. J., einem Mitarbeiter Marian Rittingers,zugeschrieben werden. Nichtzu übersehen sind die Altarbilder, die Johann Carl von Reslfeld im Auftrag des Garstner Abtes für die Stiftspfarren malte. Das Benediktinerstift Garsten wurde 1787 von Kaiser Josef II. aufgelöst. Nur kurz wirkte sich das Krippenverbot des Kaisers aus, mit dem er die „verweltlichte" Darstellung des Weihnachtsgeschehens aus der Kirche verbannen wollte,denn die
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