Ausstellungsorte 383 Bischof gegenüber,so daß Garsten als Eigenkloster wohl in noch größere Abhän gigkeit vom Markgrafen gelangte. Die lockere Lebensweise der Kanoniker, die den Markgrafen dazu bewogen haben soll, das Kollegiat aufuzulösen, wird ebenso in Göttweig kolportiert,so daß wir sie nur mit Vorbehalt als auslösendes Moment der Umwandlung betrachten dürfen. Garsten wurde nun 1107 als Priorat von Göttweig vom dortigen Groß-Prior Wirndt, einem ehemaligen Mönch von St. Blasien, übernommen.Dieser beriefsichtlich nun Berthold aus St. Blasien nach Göttweig. Als Wirndt von den Mönchen in Formbach(Vornbach)a. Inn zum Abt gewählt wurde und er dieses Amt um 1109 antrat, wurde dessen Stelle in Garsten nun Berthold übertragen. Berthold ist als Abt eines nun selbständigen Klosters in Garsten ab 1111 nachweis bar, welches er bis zu seinem Tode 1142 vorbildhaft ausgebaut und geführt haben dürfte. Das von Otakar I I. gegründete Kloster benötigte umfangreiche Schenkungen, um die gestellten Aufgaben und Erwartungen erfüllen zu können. Zunächst erfolgte der Bau des Klosters auf dem mit der Pfarre eingetauschten Grund. Kloster und Klosterkirche waren der heiligen Maria geweiht, womit der Geist von Cluny ver deutlicht werden sollte. Da der Abt auch nach der Umwandlung des Kollegiates in ein Benediktinerkloster das Vergaberecht über die dem Stift inkorporierten Pfarren behielt, blieb der direkte Einfluß Garstens aufdas nun stark prosperierende Gebiet bis zur Auflösung des Stiftes erhalten. Der Ruf und das Charisma des ersten Abtes Berthold haben sicher nicht unwesent lich zum starken Anwachsen der Besitzungen des Stiftes beigetragen. Besonders eindrucksvoll ist die Schenkung der Markgräfin Sophie, der Gattin Leopolds des „Starken" (1122-29), die nach dem Tode ihres Gatten für das Seelenheil ihres verstorbenen Gemahls dem Kloster diesen eindrucksvollen Besitz im Räume Gaflenz übergab. Diese Schenkung umfaßte das Einzugsgebiet der Gaflenz, im Norden begrenzt durch eine Linie vom Falkenstein zur Enns,das kultivierte und das unkultivierte Land in diesem Bereich sowie an der Enns das Weiderecht zwischen Roßfall und Pfaffenstein und das Recht der Flolzentnahme im ganzen Forst. Ausgenommen waren zwei Kolonnen (später Forsthuben) und die Jagd in den Bergwäldern, die zur Rodung nicht geeignet waren. Mit dieser Schenkung zeichnet sich in etwa schon die spätere Landesgrenze zwischen den Markgrafen der Steiermark und den Babenbergern ab,eine Grenze, die sich auch heute noch in der Landesgrenze zwischen Ober- und Niederösterreich nachvollziehen läßt. Wie der heilige Berthold,als Gründerabt von Garsten,in allen Orten der Region über Jahrhunderte hinweg als strahlendes Vorbild verehrt wurde und damit bis zu einem gewissen Grade ein verbindendes Vaterbild symbolisierte,so wurde in der Barock zeit mit den bemerkenswerten Altarbildern der Stiftsangehörigen Karl v. Reslfeld (t1735) und den Plastiken Marian Rittingers(t1712)der gesamten Region bis heute der Stempel Garstens aufgedrückt. Waldemar Huber HL Benedikt, Kolossalstatue aus Eichenholz, Hans Spindler, 1630/40, Pfarramt Garsten LITERATUR Huber, W.: Beiträge zur Geschichte Garstens von seiner Gründung bis zur Melker Reform. Diss. maschgeschr., Univ. Sbg.1982 Kirche in Oberösterreich. 200 Jahre Bistum Linz. Katalog zur oö. Landesausstellung 1985 Lenzenweger,J.: Berthoid Abt von Garsten, 11142. Forschungen zur GS OÖ.,5. OÖ. Lan desarchiv (Hrsg.). Linz 1958 OÖ. Kuiturzeitschrift: 900 Jahre Kloster Garsten. 35. Jg., Hi/1985 Pferschy, Gerhard (Hrsg.): Das Werden der Steiermark. Die Zeit der Traungauer. Veröff. d. Stmk. LA, Bd.10, mit Beiträgen von F. Posch, H. Appeit, H. Dopsch, Heimut J. MezierAndeiberg, M.Weitin u. a. Styria 1980 Tausend Jahre Oberösterreich. Das Werden eines Landes. Kat. zur Ausstellung d. Landes OÖ.1983 Zauner, A.; Der Rechtsinhait der älteren Garstener Urkunden, in: Mittig. d. OÖ. LA, 5. Bd.Sonderdruck 1957
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