Land der Hämmer - Heimat Eisenwurzen

382 Ausstellungsorte „Anna Selbdritt", Mutter Anna mit Maria und Jesus, Steinguß, Mitte 14.Jh., Pfarramt Garsten festgelegt wurden.In dieser Notiz wird nicht nur neben der Burg Steyr auch erstmals Garsten genannt,sondern vermutlich auch der gesamte damalige Siedlungsbereich am Zusammenfluß von Enns und Steyr angeführt. Dieses Gebiet ist offensichtlich von Sierning, das 777 als Dotationsgut Krems münsters genannt wird,christianisiert und missioniert worden,und nun wehrte sich Sierning gegen Abspaltungstendenzen der sichtlich expandierenden dörflichen Gemeinschaften. Garsten war also noch keine selbständige Pfarre. Die Entwicklung konnte aber nicht aufgehalten werden,erfahren wird doch bereits um die Mitte des 11. Jahrhunderts von einem parrochianus Wolfgangus (Pfarrer Wolfgang). Für Otakar l. (t 1064/65 oder vor 1075), der als Markgraf der Karantanischen Mark sichtlich um Steyr sein FJerrschaftszentrum einrichtete, war es nicht nur eine Frage der politischen, ökonomischen und repräsentativen Notwendigkeit, sondern auch eine Frage des spirituellen und sozialen Ansehens,in unmittelbarer Nähe seiner Burg ein geistig-religiöses Zentrum einzurichten und wirtschaftlich abzusichern. Die bereits in der Mistelbacher Synode genannte Taufkirche an der Mündung des Garstenbaches in die Enns- wahrscheinlich inmitten einer slawischen Siedlung gelegen, Johannes dem Täufer und dem heiligen Stephanus,dem Schutzheiligen des Bistums Passau, geweiht - hatte sich sichtlich von der Abhängigkeit von Sierning gelöst und war bereits - vielleicht mit Unterstützung des Markgrafen - selbständige Pfarrkirche geworden. Dieser Pfarrkirche schenkte nun Otakar auf Bitte des Pfarrers Wolfgang( rogatu Wolfgangi hic quondam parrochiani ...") den Damberg am gegenüberliegenden Ennsufer mit Weide- und Flolzrecht-das Jagdrecht aber ausgenommen-und das Land von der Mündung des Mühlbaches nach Norden. Die Pfarrkirche Garsten, die zu einer Eigenkirche der Otakare wurde, erhielt vom Passauer BischofAltmann die Seelsorgerechte zwischen dem Ramingbach,der am rechten Ufer unterhalb von Steyr in die Enns mündet,und dem Neustiftbach sowie zwischen Enns und Steyr bis zum Rettenbach; weiters am linken Ufer der Steyr ein Gut mit einer Mühle und an der Mündung des Ramingbaches in die Enns einen Flof mit denselben Rechten. War für Passau dieses noch sehr unkultivierte und reich gegliederte Berg- und Flügelland von untergeordneter Bedeutung, so war es für Otakar 11. eine wirt schaftspolitische und verkehrsmäßige Notwendigkeit,die Landbrücke von seinem Flerrschaftssitz in Steyr zu seinem Aufgabengebiet in der Karantanischen Mark,wo er ja auch um Flartberg reichere Besitzungen übernommen hatte,auszubauen und durch einen verläßlichen Personenverband abzusichern. Otakar 1 1. war als Eigenkirchenherr jetzt an einer möglichst raschen seelsorglichen und auch wirtschaftlichen Erschließung dieses Bereiches interessiert, um seine kirchenpolitische Stellung nichtzu gefährden. Diese Aufgabe konnte aber nur von einer größeren Gruppe von Weltklerikern bewältigt werden. Die Errichtung eines Säkularklerikerstiftes um 1082 entsprach durchaus den Gepflogenheiten der Zeit. Als nun nach dem Tode Bischof Altmanns 1091 auch nach Göttweig Benediktiner aus dem Reformkloster St. Blasien im Schwarzwald berufen wurden, war es nur noch eine Frage der Zeit, bis auch in Garsten das Kanonikat durch Benediktiner mönche ersetzt wurde. Die Umwandlung in ein Benediktinerstift der Flirsauer Reform,der St. Blasien angehörte,ermöglichte eine gewisse Unabhängigkeit dem

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