Ausstellungsorte 379 Enns: „Römisches Eisen in Lauriacum" Ab dem Ende des 2.Jahrhunderts n. Chr. war Lauriacum eine römische „Großstadt" an der Donau und der wichtigste Waffenpiatz der Provinz Noricum. in der Endphase der Markomannenkriege oder haid nach deren Beendigung im Jahre 180 n. Chr. hatte hier die Legio i i itaiica ihr festes Lager errichtet. Der Mannschaftsstand einer Legion betrug etwa 6000 Mann. Rechnet man nun noch den Troß und aii die Menschen,weiche mit einer Legion ziehen und durch sie ihren Lebensunterhalt bestreiten, zu der Masse der Soldaten, so erhält man für Lauriacum einen dem römischen Heer angehörenden oder von ihm abhängigen Bevöikerungsanteii von gut 10.000 Menschen. Etwa gleich hoch wird man die in Lauriacum lebende Zivilbevölkerung ansetzen dürfen, die in der Stadt und dem zugehörigen Landbezirk lebte: Händler, Handwerker,Landwirte,Gastwirte, Fuhrwerker,Taglöhner etc., Männer,Frauen und Kinder, Freie und Unfreie (Sklaven). Die Werkstätten von Lauriacum versorgten nicht nur die städtische Bevölkerung, sondern auch die Landgüter und Gehöfte des Umlandes und belieferten die Legion, soweit das Militär seinen Bedarf nicht in den lagereigenen Werkstätten,lateinisch fabricae, decken konnte. Lauriacum war der Standort einer ärarischen, auf Schildeproduktion speziali sierten Fabrik,einerfabrica scutaria,deren Gebäude mit hoher Wahrscheinlichkeit von der archäologischen Forschung im Legionslager gefunden worden ist. Verschiedene Funde aus dem Bereich dieses Gebäudes lassen vermuten,daß hier auch andere Waffen gefertigt und ausgebessert worden sind. Lauriacum war daher Waffenproduktionszentrum von überregionaler Bedeutung, denn mit den hier gefertigten Schilden sind auch andere Truppen als die Legio II Italica ausgerüstet worden. In allen zivilen und militärischen Werkstätten Lauriacums wurden, wie die Funde deutlich machen,große Mengen von Roheisen zur Herstellungderverschiedensten Geräte,Waffen und Werkzeuge verarbeitet. Da der antike Mensch mit Rohmaterial (weil teuer) sehr behutsam umging, wurde, was irgend verwertbar war, wieder verwendet. Eisen wurde umgeschmiedet, Buntmetall ein- und umgeschmolzen. Wasan Eisenwaren in Lauriacum selbst nicht hergestellt werden konnte,wurde auf dem Wasser- und Landweg herangeführt. Lauriacum war Verkehrsknotenpunkt. Nahe der Stadt mündet der schon in antiker Zeit als Wasserstraße befahrene Fnnsfluß in die Donau. Und in der Stadt selbst kreuzt eine aus dem Ennstal von Süden her kommende Landstraße die große OstWest-Verkehrsader der Limesstraße. Diese kam aus dem Osten über Carnuntum und führte über Ovilava (Wels) an den Rhein und in die gallischen Provinzen. In
RkJQdWJsaXNoZXIy MjQ4MjI2