Konzept, Gestaltung, Didaktik, Restaurierung 371 Daß dieser geschlossene und ungestörte Bestand in so unverfälschter Weise erhal ten wurde, ist dem Verständnis und den kontinuierlichen schonenden Wartungs und Pflegemaßnahmen der Eigentümer sowie ihrem bescheidenen Engagementzu danken. Durch die Rücksichtnahme auf das Gegebene sind kaum Konflikte bezüglich einer Nutzungsänderung oder störenden Adaptierungen gegeben. Das „Im-System-Bleiben" hat sich hier bestens bewährt. Einen gewissen Gegensatz dazu bildet hinsichtlich der Nutzung und den dadurch verursachten Eingriffen dasSensenschmiedeensemble"am Gries" oder„Gradnwerk" in Micheldorf, in dem das Oberösterreichische Sensenschmiedemuseum unterge bracht ist. Auch hier ist die Erhaltung dem Engagement der traditionsbewußten Eigentümer zu verdanken. Durch deren Initiative und Einsatz, die Unterstützung durch das Land Oberösterreich und die ünterschutzstellung war es in den siebziger Jahren möglich,die Objekte-gemäß den damaligen Maßnahmen-zu sanieren und das Museum einzurichten.Im Zuge der Vorbereitung der heurigen Landesausstellung wurden zwei weitere Objekte, das Bauernhaus und der Stainhuberhammer, unter Denkmalschutz gestellt und die Sanierungsmaßnahmen durchgeführt. Durch die beabsichtigte Nachnutzung ergaben sich manche Differenzen zwischen den Anliegen der Denkmalpflege und den für diese Zwecke beabsichtigten Eingriffen. Viele dieser Reibungspunkte konnten bereits in der Planungsphase durch konstruktive Zusam menarbeit und Verständnis ausgeräumt werden. Im Bauernhaus wurde ein Gastro nomiebetrieb und Bauernladen, im Stainhuberhammer eine „Gesundheits schmiede",ein Bildungs- und Beratungszentrum für Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz, eingerichtet. Zwar wurde das Wort „Schmiede" vom alten Schmiede hammer beibehalten, der Nutzungszweck unterscheidet sich jedoch gewaltig von der einstigen Funktion und den Arbeitsbedingungen. Denn wie die ölverschmierten und verrußten Wände zeigten,waren die damaligen Standards hinsichtlich Gesund heit am Arbeitsplatz nicht mit den heutigen zu vergleichen. Trotz dieser Konflikt punkte, den Auflagen der Gesundheitsbehörde, der gewerbepolizeilichen Auflagen für die Gastronomie etc., war es schließlich-wenngleich unter Abstrichen-dennoch möglich,für beide Objekte ein denkmalpflegerisch vetretbares Ergebnis zu erzielen. Da hier einige Teile der Ausstattung, wie der mit Schadstoffen belastete Putz, geopfert werden mußten,konzentrierte sich die denkmalpflegerische Erhaltung auf die Beibehaltung der baulichen Struktur,der Außenerscheinung und die Einbindung in den Konnex des Ensembles. Diese beiden zuletzt genannten Beispiele sollten Konfliktpunkte zwischen Anliegen der Denkmalpflege und der Nutzungsänderung aufzeigen. Lösbar sind sie nur, wenn der Bestand und die vom Objekt vorgegebenen Bedingungen respektiert werden. LITERATUR Arbeltshefte zur Österreichischen Kunst topographie. Steyrdorf, Wehrgraben-Wieserfeid. Wien 1987 Lipp, W./ Kohout, K. / Huber, W.: 14. Septem ber: Tag des offenen Denkmals, in: Ober österreichische Kuiturberichte, 51. Ig., F. 9. September 1997,S.5 ff. Lipp, W.: Denkmal-Wert. Das Beispiel Steyrdorf-Wehrgraben oder Schwierigkeiten mit einem Erbe, in: Kunstgeschichtsforschung und Denkmalpflege. Festschrift für Norbert Wiblral. Linz 1986,S.177 ff. Podbrecky, i.: Sensen,Sichein, Messer, Ahlen. Die Eisenwurzen als einstiges Zentrum der niederösterreichischen Kleineisenindustrie, in: Denkmalpflege in Niederösterreich, Bd.13.1994,S. 22 ff.
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