Konzept, Gestaltung, Didaktik, Restaurierung 361 mentiert, oder einen „Kunstweg", der ausgewählte Beispiele der künstlerischen Auseinandersetzung mit der Eisengewinnung und -Verarbeitung präsentiert. Immer mehr hat sich die Struktur der in der Eisenwurzen tätigen Unternehmen seit dem späten 19. Jahrhundert von der Eisengewinnung und Eisenverarbeitung auf den Fahrzeugbau verlagert: Fahrräder,Automobile,Traktoren, Motoren prägten die Wirtschaft der Eisenstadt Steyr im 20. Jahrhundert. Verkehr und Mobilität sind zu den wichtigsten Kennzeichen der modernen Industriegesellschaft geworden und der Fremdenverkehr in der Krise der Kleineisenindustrie zu einem Floffnungsbereich der Eisenwurzen. Dem europäischen Rang der Wirtschaftslandschaft Eisenwurzen als Kunst- und Kulturlandschaft ist das dritte Stockwerk der Ausstellung gewidmet, von der Romanik bis zur Romantik,mit einer Nachblüte im Flistorismus und im Jugend- und Heimatstil und neuer Bedeutung der Region in der Gegenwartskunst. Nicht zuletzt geht es in der Ausstellung um die „Heimat Eisenwurzen", um die politische Dimension des Heimatbegriffs und seine symbolische Interpretation im Eisen: Der Erste Weltkrieg, der erste Krieg, der in Materialschlachten und „Stahlgewittern" mit ungeheurem Einsatz von Eisen ausgefochten wurde,führte zu einem Beschäftigungsboom in den Waffenschmieden und Eisenwerken der Eisenwurzen. Zwischen den beiden Weltkriegen wurde die Eisenwurzen zum Symbol der sozialen Krise. Steyr war zu einer der „ärmsten Städte der Republik" geworden. Ende 1931 war rund die Hälfte der Steyrer Bevölkerung auf Arbeits losenunterstützung und andere öffentliche Fürsorge angewiesen. Die politischen und sozialen Gegensätze der Zwischenkriegszeit prallten gerade hier in der Gegnerschaft der Wehrverbände mit besonderer Härte aufeinander. Eine Politik von „Blut und Eisen" begleitete den Nationalsozialismus und seine Heimat ideologie.Dann schien der „Eiserne Vorhang"an der Enns niederzugehen. Heimat vertriebene aus Südtirol,dem Banat,Siebenbürgen und dem Sudetenland fanden hier zu einer neuen Heimat.Zahlreiche Betriebsgründungen,zum Beispiel die der Gablonzer, brachten neue Impulse. Der Beitritt zur EU, die Öffnung der Grenzen und der Fall des Eisernen Vorhangs bedeuten auch für die Region Pyhrn-Eisenwurzen neue Herausforderungen in einer globalen Wirtschaft. Rosalia Kerzenmandl, Mutter des Gründers der tnnerberger Hauptgewerkschaft, 1608 Das Dachgeschoß ist den Menschen der Eisenwurzen gewidmet:ihren Sorgen und Schicksalen,den fast vergessenen Berufen und den neuen Herausforderungen. Die Hämmer sind verstummt, die Wasserräder sind vermorscht, der Rauch der Kohlenmeiler hat sich verzogen,Erz wird kaum mehr abgebaut,niemand wird mehr „hammerderrisch". Dröhnende Betriebsamkeit ist von Stille und Einsamkeit abge löst. Die Ausstellungsorte präsentieren sich als touristische Attraktionen und als regionale kulturelle Initiativen. Man erhält Informationen über das wirtschaftliche, soziale und politische Potential der Eisenwurzen. Die Menschen der Region treten auf. Man kann sich informieren und wie im Flug in einem Simulator über die Landschaft gleiten. Draußen, in den vielen Eisenstraßenorten und auf der Eisenstraße, wird die Begegnung mit jener Kulturlandschaft, die mit dieser Ausstellung in den Mittelpunkt gerückt wird, erst wirklich real werden.
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