Land der Hämmer - Heimat Eisenwurzen

300 Konzept,Gestaltung, Didaktik, Restaurierung Vorder- und Rückseite der Medaille „100jähre innerberger Hauptgewerkschaft", 1/25(mit Porträt Karl VI. und Erzberg darstellung), Kat. Nr. 2.2.1.6.1. Das Eisen war ein Exportprodukt von höchster Bedeutung. Nach Oberdeutschiand und Westeuropa, in das Baltikum und in den Donauraum führten die Wege des Eisens. Das meiste Geld aber ließ sich im Handel mit Venedig machen,im Tausch der Halb- und Fertigprodukte des Eisenwesens mit den begehrten und geheimnis vollen Waren des Orients und Mittelmeerraums. Das Eisen war seit jeher Kriegsmetall, die Eisenerzeugung daher von hoher Bedeutung für das Kriegswesen. Nicht zuletzt deshalb war die Eisenwurzen immer wieder umkämpft. Die Eisenwurzen war die westlichste von Türken durchstreifte und verheerte Region. Sowohl im Österreichischen Erbfolgekrieg wie in den Napoleonischen Kriegen war die Eisenwurzen Kriegsgebiet, und das reicht bis ins 20.Jahrhundert,wo sich hier die Armeen der Alliierten trafen und entlang der Enns die Besatzungsgrenze verlief. Eiserner Glaube: Religiöse Unruhen,Bauernaufstände und die soziale Unzufrieden heit der Eisenarbeiter gingen Hand in Hand. Die aus Südfrankreich kommende Waldenserbewegung konnte gerade im Gebiet von Steyr und der Eisenwurzen eine besondere Intensität erreichen. Als politisches Symbol blieb in Steyr die Erinnerung an die Verfolgung und Hinrichtung der Waldenser bis ins 20. Jahr hundert lebendig.Steyr wurde auch rasch zum Mittelpunkt der Wiedertäuferei und zum starken Bollwerk des Luthertums. Die Gegenreformation wurde mit militärischer Härte und propagandistischen Mitteln durchgedrückt. Die militärischen Ausein andersetzungen, die im 16. und 17. Jahrhundert die Eisenwurzen erfaßten, waren die sozialen Begleitumstände der Glaubenskämpfe. Die Region fand ihre eigenen Heiligen, natürlich die Patroninnen und Patrone des Bergbaus und der Eisen wirtschaft,aber auch Heilige,die durch die Fernhandelsbeziehungen hierher kamen und innerhalb der österreichischen Kultlandschaft eine auffällige Sonderstellung einnehmen. Das zweite Stockwerk des Speichers ist dem ökonomisch-sozialen Netzwerk gewidmet,das die Eisenwurzen als Eisenproduktionslandschaft von europäischer Bedeutung darstellte. Es ist ein langer Weg, der von der Innerberger Hauptge werkschaft der frühen Neuzeit,die auch den Proviantkasten in Weyer erbauen ließ, zur VA Stahl AG der Gegenwart führte. Die „Innerberger Hauptgewerkschaft", die 1625 aus dem Zusammenschluß der Radwerke in Eisenerz, der Welschhammer werke des Ennstales und der Steyrer Eisenhändler hervorgegangen war, beschäftigte im 17. und 18. Jahrhundert ungefähr 2000 bis 3000 Menschen und galt zumindest für das 17. Jahrhundert als größtes eisenproduzierendes Unter nehmen der Welt. Nach der Verstaatlichung zu Ende des 18.Jahrhundert wurde die Innerberger Hauptgewerkschaft 1869 nach einer langen Phase als staatliches Unternehmen wieder privatisiert, ging 1881 in der neugegründeten Öster reichischen Alpine Montangesellschaft auf, wurde nach 1945 wieder verstaatlicht, 1973 mit der VÖEST zur Voest Alpine fusioniert und als VA Stahl AG in den 1990er Jahren wiederum teilprivatisiert. Der Besucherweg führt von den vielfältigen Techniken des Erzabbaus über die Stuck- und Hochöfen zu den diversen Verfahren der Stahlerzeugung, beschäftigt sich mit der Holz- und Lebensmittelwirtschaft,dem Transportwesen und der Vielfalt der Produkte,die aus Eisen gefertigt wurden und werden.Der Besucher kann einen „Wirtschaftsweg" wählen,der die einzelnen Stationen der Eisenerzeugung doku-

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