Land der Hämmer - Heimat Eisenwurzen

Geschichte der Eisenwurzen 105 Josef Werndl ist schon zu Lebzeiten zu einem Mythos geworden: Mit Ehren über häuft, errichtete ihm die Stadt nach seinem frühen Tod im Jahre 1889 zahlreiche Denkmäler:das Werndl-Fenster in der Stadtpfarrkirche,gestiftet von den Töchtern Josef Werndls, Caroline Imhof und Anna von Lamberg; das Werndl-Denkmal, gestaltet von einem der besten Bildhauer der Zeit, Viktor Tilgner, und das Ehren grab am Stadtfriedhof. Das Votivfenster der Steyrer Bürgerschaft, das 1893 aus Anlaß des (fiktiven) 900-Jahr-Jubi[äums der Stadt und des 500-Jahr-Jubiläums des Bürgercorps in der Stadtpfarrkirche gestiftet wurde, vereinigte den ganzen Bürgerstolz der Arbeiterstadt: unter dem Hauptbild der Rosenkranzspende und der Auferstehung Christi die Patrone der Stadt (Ägyd und Michael), des Kronlandes (Florian, Severin, Maximilian, Koloman, Berthold und Leopold), eine Vedute von Steyr,die Wappen der einzelnen Berufszweige und schließlich ein Gruppenbild der prominentesten Steyrer aus dem Jahr 1880, mitten drin wiederum Josef Werndl. Der Erste Weltkrieg, der erste Krieg, der in Materialschlachten und „Stahl gewittern" mit ungeheurem Einsatz von Eisen ausgefochten wurde, führte zu einem Beschäftigungsboom in den Waffenschmieden und Eisenwerken der Eisenwurzen.Allerdings nur kurzfristig; denn um so härter bekam die Eisenwurzen nach Kriegsende die Folgen des Zerfalls der Habsburgermonarchie, die ökonomi schen Probleme der neu entstandenen Republik Österreich, das Verbot der Rüstungsproduktion und die Weltwirtschaftskrise zu spüren. Über den österreichischen Inflationsspekulanten Camillo Castiglioni war die Alpine nach dem Ersten Weltkrieg an den italienischen Fiat-Konzern und von diesem weiter an den deutschen Inflationsgewinnler und Eisenindustriellen Hugo Stinnes gelangt, von dem sie nach dessen Tod 1924 in den Besitz der Vereinigten Stahl werke AG Düsseldorf übergegangen war. Damit wurde sie zum Spielball deutscher Wirtschaftsinteressen und nach 1933 auch massiver politischer Einflußnahmen. Vier der fünf Hochöfen wurden stillgelegt; der fünfte stand ebenfalls knapp vor dem Aus. Nicht viel anders erging es den Böhlerwerken in Kapfenberg und Bruck bach. Dem gesamten Eisenwesen rund um den Erzberg drohte das Ende. Nach dem Anschluß Österreichs an das Deutsche Reich wurde der steirische Erz berg zu einem wichtigen Faktor im Autarkiedenken und Rüstungskalkül des Deutschen Reiches. Die Hochofenkapazität Österreichs sollte ausgebaut werden, wobei der Neubau eines Eisen-, Stahl- und Kokereikomplexes mit Donaustandort forciert wurde. Darüber hinaus sollten auch die bestehenden österreichischen Stahlwerke eine Kapazitätserhöhung erfahren. Bereits zwei Monate nach dem Anschluß,am 13. Mai 1938,erfolgte der Spatenstich der „Reichswerke AG für Erzbergbau und Eisenhütten ,Hermann Göring', Linz". Da die Neugründungen angesichts des damaligen Bedarfs eine zusätzliche Konkurrenz darstellten,war der im Ruhrgebiet beheimatete Deutsche Stahlverein als Eigentümer der Alpine-Montan-Gesellschaft wenig begeistert. Diese Situation verhalf dem staatlichen Großkonzern „Reichswerke Hermann Göring", Einfluß auf den Erzberg und auf wesentliche Industriebetriebe der Eisenwurzen zu gewinnen.1939 erfolgte auf nicht ganz freiwilliger Basis die Fusion der Alpine-Montan-Gesellschaft mit den Linzer „Reichswerken" zur „Aipine Montan AG ,Hermann Göring', Linz". Auch die Steyr-Daimler-Puch-AG wurde dem Göring-Konzern angegliedert. 1941 wurde der erste der in Linz im Bau befindlichen Hochöfen angeblasen. Bis Bürgerfenster der Stadtpfarrkirche Steyr (Ausschnitt), Kat. Nr. 3.1.5.8.

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