Oberösterreich, 38. Jahrgang, Heft 1, 1988

Bücherecke Universität Wien sicherlich ein berufener Fach mann. Im Alleingang hat er das Wagnis einer mo dernen oberösterreichischen Landesgeschichte unternommen und schließt damit eine Lücke in un serer Landeskunde, die seit Jahren schmerzlich empfunden wurde. Er schuf ein Handbuch, das im Umfang handlich und in der Darstellung anregend lesbar ist. Er erweist sich in dieser Publikation nicht nur als gewissenhafter Historiker, der die gesamte Spezialliteratur kennt, sondern auch als sprachlich gewandter Geschichtsschreiber. Jedes Kapitel ist interessant geschrieben, reich an historischer In formation, die der Leser gerne in sich aufnimmt. Als Beispiel sei das 4. Kapitel „die Entstehung des Landes Oberösterreich" angeführt. Die Frage der Landwerdung von Österreich ob der Enns war bis her ein Alptraum für jede landeskundliche Darstel lung. Meist blieb man bereits an dem Problem der Tres comitatus (Drei Grafschaften) hängen. Auch erschien es schwierig, die verfassungsrechtlichen Umstände des Mittelalters für die Gegenwart be greiflich darzustellen. Haider ist die Schilderung dieses Kernproblems der oberösterreichischen Geschichte überzeugend gelungen. Eine Karte hilft zur Verständlichung. Und — obwohl Professor für mittelalterliche Geschichte — bleibt er nicht in diesem fernen Zeitraum stecken. Als Mediävist fühlt er sich auch in der Neuzeit daheim. Ein weiterer Pluspunkt dieser Landesgeschichte ist ihre Ausgewogenheit zwischen politischer Ge schichte und Kulturgeschichte. Soziales, Wirt schaft, kirchliche Verhältnisse, Kultur, Wissen schaft, Kunst, später auch Technik werden neben den politischen Fakten gleichwertig behandelt. Eine Literaturauswahl, Zeittafel und Namensregi ster sind als wissenschaftlicher Handapparat an geschlossen, auch hier zeigt der Autor seinen Sinn für die Praxis. Keine Anmerkungen!! Mit dieser Landesgeschichte kann ganz Ober österreich zufrieden sein: die Wissenschaft und das breite Lesepublikum, die Schule für den Unterricht. O. Wutzel Rudolf Zinnhoble,r Harry Slapnicka und Peter Gradauer (Hrsg.): Bischof Franz Joseph Rudigier und seine Zeit, Linz: LANDESVERLAG 198,7 265 Seiten, eine Färb- und 102 Schwarzweiß-Hiustrationen, Ladenpreis S 298.—. Über Franz Joseph Rudigier, den fünften Bischof der Diözese Linz, den unbestritten bedeutendsten der bisherigen Bischöfe, wurden schon bald nach seinem Tod umfangreiche und gründliche Biogra phien verfaßt. Mag dazu gelegentlich die Meinung vertreten worden sein, das Naheverhältnis der Au toren zum Bischof habe nur die Lichtseiten Rudigiers aufgezeigt, so kann man dies schon von Her mann Bahrs „Rudigier" nicht mehr behaupten. Die Reihe der Rudigier-Würdigungen wurde auch nach dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg fort gesetzt. Nun, etwas mehr als hundert Jahre nach des Bi schofs Tod, erschien ein Sammelwerk von 13 Histo rikern, die die Zeit, den Bischof und sein Werk viel seitiger beleuchten, als dies bisher geschah. Sorgfältig gegliedert wird die Lage in Vorarlberg zur Zeit der Geburt Rudigiers dargestellt (1811) und später die Oberösterreichs, als der Bischof sein Amt antrat (1852). Der Darstellung seines Wirkens in Vorarlberg, Tirol und Wien, insgesamt des We ges zum Bischofsamt, folgen als Schwerpunkt des Bandes die sechs Beiträge über Rudigiers 32jähriges Wirken als Diözesanbischof. Ähnlich gewich tig folgt der Abschnitt „In der politischen Arena", die — unfreiwillig — 23jährige Tätigkeit als Land tagsabgeordneter, Konkordat und Kündigung des Konkordats, die Beschlagnahme von Rudigiers Hirtenbrief und seine Verurteilung, das Entstehen der Parteien, auch der Katholischen Volksbe wegung. Gewichtig ist das Kapitel „Rudigier und die Kunst" und das Abschlußkapitel „Würdigung und Nachleben". Der sorgfältig gestaltete Band ist keineswegs ein einziges Loblied. Es stellt den Bischof hinein in seine Zeit und zeigt vor allem sein Wirken in Linz in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Inmit ten der Hochblüte des Liberalismus ist er ganz un gewöhnlich harten Angriffen ausgesetzt, die sei nen Widerstand nur noch verstärken und den Bischof noch unbeugsamer machen. Die gut lesbare wissenschaftliche Arbeit verfügt ganz selbstverständlich über eine ausführliche Zeittafel, verweist auf die bisher erschienene Rudi gier-Literatur und bringt vor allem erstmals sämtli che Bildnisse (Büsten, Ölbilder, Graphiken, Glas fenster, Fotographien usw.) mit kunsthistorischer Einordnung und Wertung. hs. Harry Siapnicka/Gerhart Marckhgott: Aufbau der Demokratie. Politik und Verwaltung 1861—1918. — Linz: OÖ. Landesarchiv 198,7 140 Seiten mit 26 Schwarzweißabbiidungen, Ladenpreis S 150.—. „Quellen zur Geschichte Oberösterreichs im 19. und 20. Jahrhundert" nennt sich eine vom Ober österreichischen Landesarchiv herausgegebene Reihe, deren erster Band mit dem Titel „Aufbau der Demokratie" nun vorliegt. Harry Slapnicka, der ehemalige Leiter der Abteilung Zeltgeschichte im Landesarchiv, und Gerhart Marckhgott, sein Nach folger, haben sich der Mühe unterzogen, aus der schier unüberschaubaren Fülle von Akten, Doku menten, Protokollen, Gesetzen und Rechen schaftsberichten jene Stellen herauszufinden, die markante Ereignisse, Veränderungen, „Meilenstei ne", aber auch alltägliche Begebenheiten aus der Landesgeschichte betreffen. In knappen Einleitungen stellen die Autoren zu nächst die jeweilige Situation dar und lassen dann die Texte unverfälscht auf den Leser wirken. Dabei entfaltet sich ein überraschend unmittelbares, le bendiges und fesselndes Lagebild vom Land Ober österreich in den letzten Jahrzehnten der Monar chie. Von Kapitel zu Kapitel — Das Land, seine Verwaltung und sein Landtag; Wahlrecht im Aus bau; Das Land und das Kaiserhaus; Minderheiten diskussion ohne Minderheit; Von den Liberalen zu den Nationalen; Vom Katholischen Volksverein zur Christlichsozialen Partei; Sozialisten zwischen Lassalle und Marx — hat man zunehmend das Ge fühl, direkt an den Geschehnissen teilzuhaben und den Wunsch, sich näher mit den einzelnen The men und Abschnitten auseinanderzusetzen. Ein weiterer Band der Reihe, den wirtschaftli chen und sozialen Veränderungen im genannten Zeitraum in Oberösterreich gewidmet, ist in Vorbe reitung. Man darf sich auf sein Erscheinen freuen. Helga Litschel Winfried Aubeii: Bad Ischl mit Zeichenstift und Pin sei. — Bad Ischl: Verlag R. Wimmer 198,7173 Seiten mit Wiedergabe von 42 Aquarellen und 71 Zeichnun gen, Format 22 x 30 cm, Ganzleinen, färbiger Schutzumschlag, Ladenpreis S 298.— Nach seinen erfolgreichen Büchern „Bergmann im Salz", 2. Auflage 1987, und „Goiserer Skizzen" 1985/86, widmet der geborene Leobener Winfried Aubell sein drittes publizistisches Werk seiner ge liebten Wahlheimat Bad Ischl. „Mein Haus in der Herrengasse zu bekommen war ein Glücksfall". So beginnt er seine Darstellungen in Wort, Pinsel und Zeichenstift mit dem Brieftext Kaiser Franz Jo sephs an Katharina Schratt: „Ich freue mich so sehr auf mein liebes Ischl." Dieses kaiserliche Zitat illustriert er mit einem Aquarell „Bad Ischl", auch Motiv des Schutzumschlages, in dem sich der be deutende Fortschritt dokumentiert, den der mu sisch so begabte und engagierte Bergingenieur (im wohl verdienten Ruhestand) in letzter Zeit in seiner Aquarelltechnik gemacht hat. Nun hat er sich frei gemalt, benötigt keine graphischen Stüt zen mehr, ist ganz Maler. Es fällt schwer, einige Bil der hervorzuheben. Nur einige besonders gelun gene Beispiele seien genannt: An der Traun (S. 17), Blick vom Siriuskogel nach Süden, Panorama des Ischllandes (S. 74/75, beide Blätter auch wirkungs voll in ihrer Raumtiefe), Sterzens-Abendsitz, Am Nussensee, für mich am bezauberndsten „Abend stimmung in Lauffen" (S. 125). Nicht minder reizvoll sind seine Zeichnungen, mit denen er Ischl nicht nur als Topograph getreu er faßt, sondern das geschaute Motiv oft sehr locker in eine ganz persönliche Sicht umsetzt, mit Staffa ge im Stil biedermeierlicher Veduten belebt, dabei nicht auf den Humor verzichtet, wenn er etwa bei seinen Studien auf der Rettenbachalm im Vorder grund Kühe mit neugierigen Klotzaugen als „Inter essiertes Publikum beim Zeichnen" mit seinem Zeichenstift festhält. Die erläuternden Texte zu seinen Bildern schrieb Winfried Aubell selbst und erweist sich in diesen schriftlichen Proben ebenso als gewandter Plau derer, dem es gelingt, Information mit literarischer Impression zu verknüpfen. In die Darstellung einbezogen ist auch die nähere und weitere Umgebung von Ischl, wobei der Rund gang — wie es bei einem ehemaligen Berg ingenieur nicht anders sein kann — am Ischler Salzberg endet. Der Stadt Ischl kann man zu dieser Lobpreisung „mit Zeichenstift und Pinsel" herzlich gratulieren. Günter Graf: Emmerich Miiiim. — Bad Aussee: Steirisches Institut für Zeitgeschichte 198,7 132 Seiten mit zahlreichen Abbildungen in Farbe und schwarz weiß, Ladenpreis S 300.—. Dieses liebevoll gestaltete Kunstbuch aus Bad Aus96

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