Bücherecke Geschichte, Kunstgeschichte, Kuiturgeschichte Ein Weltgebäude der Gedanken. Die Österreichi sche Nationalbibliothek. Hrsg. von Otto Mazal. — Graz: Akademische Druck- und Veriagsanstalt 198,7 338 Seiten, mit mehr als 100 Farbtafeln und 200 Schwarzweißabbildungen im Text, Format 21 X 26 cm. Ganzleinen mit Schutzumschlag, Ladenpreis S 680.—. Die enge Zusammenarbeit der Akademischen Druck- und Verlagsanstalt in Graz mit der Österrei chischen Nationalbibliothek in Wien hat in den letz ten Jahren zu einer wesentlichen Bereicherung der österreichischen Buchproduktion geführt. In ternationales Niveau wurde erreicht. Jährlich er scheinen bemerkenswerte Verlagstitel aus der Faksimile-Werkstatt, aus der Welt der historischen Buchkunst. In dem vorliegenden Werk wird die Österreichische Nationalbibliothek in ihrer Ge samtheit vorgestellt. 14 Autoren wirkten unter der redaktionellen Leitung von Otto Mazal zusammen, in Wort und Bild „ihre" Bibliothek zu beschreiben. Hugo Blotius, der erste offizielle kaiserliche Biblio thekar, zu seinem Amt in Wien 1575 bestellt, schrieb bereits zu seiner Zeit: „Eine Bibliothek, die niemandem offen steht, ist eine Kerze, die zwar brennt, aber unter einem Gefäß verborgen bleibt und niemandem leuchtet." Lange Zeit blieb die alte Hofbibliothek allein der Wissenschaft vorbehalten. Ab 1860, so erfahren wir, begann dann eine allge meine Öffnung, die heute vollständig ist. Aus der Hofbibliothek wurde 1920 die Nationalbibliothek, nach den traurigen Kriegsjahren 1945 die Österrei chische Nationalbibliothek. Die Einrichtung eines neuen Hauptlesesaales und eines Zeitschriftenle sesaales in der Neuen Hofburg 1966 ermöglicht seitdem ein vorbildliches Bücherservice. Der auf Kaiser Karl VI. (1711—1740) als Bauherr und Mäzen zurückzuführende Prunksaal gehört heute zu den bedeutendsten kulturellen Veranstaltungszentren in Wien mit jährlich bis zu drei Großausstellungen. Der Wahlspruch dieses Habsburgers „constanter continet orbem" (Fest hält er das Weltreich zusam men) hat Politik und Kriegswirren überstanden, kann nun überzeitlich für das Weltreich des Gei stes gelten. Wie bereits erwähnt, werden laufend Kostbarkeiten dieser Büchersammlung in Buch form einer breiteren Leserschicht bekannt ge macht. Letzte Ankündigungen der Akademischen Druck- und Verlagsanstalt: Die Wenzelsbibel (acht Dokumentationen zum Faksimile) und von Otto Mazal „Europäische Einbandkunst aus Mittelalter und Neuzeit" (270 Einbände der Österreichischen Nationalbibliothek). Der reiche Inhalt des vorliegenden allgemein infor mativen Werkes aus und über die Nationalbiblio thek kann nur mit Angabe der einzelnen Kapitel an gedeutet werden, wobei die umschreibenden Kapitelüberschriften belegen, daß sich die Autoren um eine allgemein verständliche Darstellung be mühten: Von der Fürstenbibliothek zur modernen Ge brauchsbibliothek. — Vom Wüstensand bewahrt: Die Papyrussamm lung. — Schatzkammer der Buchkunst: Die Handschriftenund Inkunabelsammlung. — Bücher bewegen die Welt: Die Druckschriften sammlung. — Plakate, Parolen und Programme: Die Flugblätter und Plakatsammlung. — Aus den Büchern: Die Exlibrissammlung. — „Meine Sprache versteht die ganze Welt" (J. Haydn): Die Musiksammlung. — Das Abbild der Welt: Die Kartensammlung. — Vorhang auf: Die Theatersammlung. — Bilder-Zeugen der Kulturgeschichte: Porträtsamm lung und Bildarchiv. — Der Welt eine Sprache: Das internationale Espe rantomuseum. — Entstehen und Werden der „Chartiatrie": Das Insti tut für Restaurierung. Einen besonderen Hinweis verdienen die vorzügli che Bildausstattung und typographische Gestal tung dieses Buches. Bei der Lektüre erleben wir in Buchform eine prunkvolle Buch- und Bibliotheks ausstellung. E. Wutzel Gerbert FrodI: Wiener Malerei der Biedermeierzeit. — Rosenheim: Rosenheimer Veriagshaus Alfred Förg 198,7 280 Seiten, 48 Seiten Einführung und 192 Seiten Bildteil mit 96 Färb- und 96 SW-Abbildungen, 21 Seiten Künstlerbiographien, Registe,r 24 x 32 cm, Leinen mit Schube,r Ladenpreis S 990.60. Ein biederer Herr Meier darf auch heutzutage nur Spott erwarten. Wer will schon bieder sein? Herr und Frau Biedermeier dagegen sind längst aus stellungsreif geworden. Könnten sie von Ferdinand Raimunds Zauberinsel, wohin sie, wenn ihnen die Geister gnädig waren, aus ihren Gräbern auf Alt wiener Friedhöfen dem schrulligen Bartholomäus Quecksilber hoffentlich folgen durften, auf das heutige Welttheater blicken, würden sie sich freu en, wie sehr sie nach jahrzehntelanger Verspot tung plötzlich geehrt werden. Erfreulich ist bei dieser historischen Ehrenrettung, daß nostalgi sche Schwärmerei immer mehr verdrängt wird von sachlicher Geschichtsforschung und -Schreibung. In diese Kategorie ist die neue Rosenheimer Rari tät, in der sich der Wiener Kunsthistoriker Gerbert FrodI kenntnisreich mit der „Wiener Malerei der Biedermeierzeit" beschäftigt, einzuordnen. Wie bei einem Kunstbuch üblich, gilt das Interesse des Lesers zuerst den Abbildungen und wie bei einer Rosenheimer Publikation bekannt, ist der Ta felteil dieses neuen Verlagstitels wieder großzügig und drucktechnisch hervorragend gestaltet. Die Auswahl der Bilder und ihre Reihung zeigt deutlich die Handschrift des Autors. Gerbert FrodI bemüht sich vor allem um eine zeitgeschichtliche Einord nung der österreichischen Malerei in der Bieder meierzeit. Bewußt vermeidet er, von einem Bieder meierstil zu sprechen, der nur für die Wohnkultur Geltung hatte. Die Anordnung der Abbildungen er folgt chronologisch zwischen den „Grenzpfählen" dieser österreichischen Geschichtsperiode: Wie ner Kongreß (18. September 1814 bis 9. Juni 1915) und Revolutionsjahr 1848. Es ist in politischer Sicht der „Vormärz", die „Ära Metternich", wobei dieser viel gepriesene und ebenso oft verdammte Staats mann Wenzel Lothar Fürst Metternich von 1810—1848 auch Kurator der Wiener Akademie war. Eingehend wird das Statut dieser Lehranstalt, deren bedeutendste Lehrerpersönlichkeit bis zum Jahr 1818 Friedrich Heinrich Füger war — ein kon servativer Geist von hoher künstlerischer Qualität — erörtert. Eingehend wird der Begriff „Bieder meier" analysiert: „,Biedermeier' ist kein Stil mit ei nigermaßen verbindlichen Stilmerkmalen.,Bieder meier' ist eine Einstellung zum Leben, ein Lebens gefühl, das zugleich in Werken der Literatur, der Musik, des Kunsthandwerks und der bildenden Kunst seinen Ausdruck finden konnte." Diese Defi nition deckt sich mit der Aussage des berühmten österreichischen Historikers Hugo Hantsch in des sen „Geschichte Österreichs" (4. Aufl. 1968). We sentlich ist weiters die Formulierung: „Die Kunst der Biedermeierzeit war eine Kunst des Bür gertums." So haben wir es mit einer vielschichtigen Zeitkunst zu tun, im Vergleich mit unserer Gegenwart kön nen wir von einer „pluralistischen" Kunstwelt spre chen. Es gibt das Historienbild, die religiöse The matik, Blumenmalerei, bevorzugt allerdings das Porträt, die Landschaftsmalerei und die Genrema lerei, der in der Einführung und auch im Tafelteil der breiteste Raum gewidmet wird: „Es kann keine Zweifel geben, daß das Genre des Biedermeier themas schlechthin ist." Insgesamt sind es rund 86 Künstler, mit denen wir bekannt gemacht werden. Seit langem berühmte Namen wie Waldmüller, Gauermann, Daffinger, Kupelwieser, Danhauser, Rudolf von Alt in seinen Anfangsjahren u. a. erhalten eine zahlreiche Ge folgschaft. Aus Oberösterreich sind Adalbert Stifter und Johann Baptist Reiter anzuführen. Zu unserer Überraschung erfahren wir, daß ein Maler namens Eduard Swoboda, geboren 1814 in Wien, am 13. September 1902 in Hallstatt gestorben ist. (Bisher noch nichts gehört von diesem Maler). Überhaupt zeigt sich an Hand der sorgfältig gear beiteten Künstlerbiographie, wie wenig eigentlich noch über diese österreichische Malergeneration gearbeitet worden ist, sehen wir ab von den Mono graphien über die großen Namen. Meist muß das antiquierte, aber noch immer unerreichte „Biogra phische Lexikon des Kaiserthums Österreich" von Constant von Wurzbach, 1856—1891 aushelfen. Mit diesem Kunstbuch leistet die Rosenheimer Ver lagsanstalt Alfred Fört erneut einen wichtigen und anerkennenswerten Beitrag zur österreichischen Kunstgeschichte. Verständlich, daß das Werk am 29. September 1987 in der Österreichischen Gale rie im Oberen Belvedere festlich präsentiert wor den ist. O. Wutzel Siegfried Haider: Geschichte Oberösterreichs. — Wien: Verlag f. Geschichte und Politik 198,7 508 Sei ten, 46 Abbildungen, 1 Karte Pappband, Ladenpreis S 490.—. Endlich ein oberösterreichischer Landeshistoriker, der den Mut aufgebracht hat, eine oberösterreichi sche Landesgeschichte zu schreiben. Die Metho dik der Geschichtsforschung hat sich in den letzten Jahrzehnten zunehmend auf Spezialisierung ein geschworen. Die Möglichkeiten einer Zusammen schau, einer Universalgeschichte — im gewissen Sinne ist auch eine Landesgeschichte eine Univer salhistorie — rückten in eine immer weitere Ferne. Ein solches Unternehmen schien nur mehr in Form eines mehrköpfigen Arbeitsteams mit einem mehr bändigen Ergebnis denkbar zu sein. Siegfried Hai der ist als Oberarchivrat am Oberösterreichischen Landesarchiv und als Professor des Mittelalters und für Historische Hilfswissenschaften an der 95
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