Oberösterreich, 38. Jahrgang, Heft 1, 1988

Bauchronik der Adaptierung von Schloß Weinberg für die oberösterreichische Landesausstellung 1988 und als neues Kulturzentrum des Landes Oberösterreich Nachdem vom Verein zur Rettung von Schloß Weinberg bauliche Rettungsarbeiten bereits in den Jahren 1984 und 1985 aus eigener Ini tiative durchgeführt worden sind, übernahm das Land Oberösterreich dieses einzigartige Baudenkmal 1986 in Pacht und begann mit einer großzügigen Gesamtrenovierung, die mit der Eröffnung der oberösterreichischen Landesausstellung im heurigen Jahr einen ersten Höhepunkt erfährt und 1989 mit der endgültigen Einrichtung eines neuen Lan deskulturzentrums ihren Abschluß finden wird. (Siehe dazu auch in diesem Heft: Gruß wort von Landeshauptmann Dr. Josef Ratzenböck an die oberösterreichische Landesaus stellung 1988 — „Der Vergangenheit eine Zukunft" und „Gedanken zur Landesausstel lung 1988 auf Schloß Weinberg" von W. Hof rat i. R. Dr. Karl Römer.) Schloß Weinberg besteht aus einem im Zen trum gelegenen viergeschossigen Palas mit einem Hauptturm und zwei Nebentürmen, sowie den um einen vierseitigen Innenhof gruppierten zwei- bzw. dreigeschossigen Vor werken mit vier Ecktürmen und einem Kapel lentrakt. Im Laufe der Jahrhunderte hat dieses prunk volle Baudenkmal viele Zu-, Um- und Erweite rungsbauten erfahren. Nach dem Zweiten Weltkrieg verursachte die vorübergehende Verwendung als Erholungsheim schmerzli che bauliche Veränderungen. Es war deshalb notwendig, ein denkmalpflegerisch gewis senhaft überlegtes Instandsetzungspro gramm zu erstellen, wobei es eine wesent liche Forderung der Denkmalpflege war, den historischen Bauzustand möglichst genau wiederherzustellen. Es mußte allerdings auch angestrebt werden, die Erfordernisse der Landesausstellung sowie das Raum- und Funktionsprogramm des künftigen Verwen dungszweckes als Kulturzentrum zu berück sichtigen. Im wesentlichen war der Bauzustand der Vor werke bedeutend schlechter als der des* Hauptgebäudes. So mußten hier alle Dächer, ebenso die Dach- und Deckenkonstruktionen erneuert werden, um — wie vorgesehen — die geforderten Internatszimmer unterzubrin gen. In den Obergeschossen dieser Vorwer ke wurden Ein- bis Dreibettzimmer mit den er forderlichen Sanitäranlagen eingebaut, insgesamt mit einer Gesamtbettenanzahl von ca. 45 Betten. Im westlich davon situierten Brauhaustrakt befinden sich in den zwei dar unter liegenden Geschossen Werkstätten und Arbeitsräume für Zwecke der Volksbil dung und Heimatpflege, im nördlich situier ten Trakt Räume für ein geplantes Instrumen tenmuseum. Im Hauptbau werden im wesentlichen die Verwaltungs- und Seminarräume, Büros und Referentenzimmer untergebracht. Im 1. Ober geschoß sind Aufenthaltsräume, sowie Kü chenanlagen mit den notwendigen Wirt schaftsräumen untergebracht. Die historisch interessanteste Raumgruppe befindet sich im 2. und 3. Obergeschoß. Hier ist die Herz kammer des Ausstellungswesens situiert. Nach Ablauf der oberösterreichischen Lan desausstellung 1988 werden die restlichen Adaptierungsarbeiten für die endgültige Nut zung des Schlosses als Kulturzentrum zur Ausführung kommen. Ihr Abschluß ist, wie bereits angedeutet, für das Frühjahr 1989 vorgesehen. Eine derart verantwortliche und umfangrei che denkmalpflegerische Großaktion machte ein Zusammenwirken aller für die Denkmal pflege zuständigen Behörden des Bundes und des Landes Oberösterreich notwendig. Eingeschaltet waren selbstverständlich auch das OÖ. Landesmusikschulwerk und das Landesinstitut für Volksbildung und Heimat pflege in Oberösterreich. Die Bauleitung lag in den bewährten Händen der zuständigen Mitarbeiter der oö. Landesbaudirektion, vor an W. Hofrat Dipl.-Ing. Karl Heinz Hattingen Die umfangreichen Bauarbelten besorgte in vorbildlicher Weise eine Baugemeinschaft der Firmen Kern Baugesellschaft, Unterweißenbach; Holzhaider- Hoch- und Tiefbau, St. Oswald bei Freistadt; Singer-Baugesellschaft mbH., Gutau. Es ist erfreulich, daß die heiklen Bauarbeiten von Mühlviertler Firmen durchgeführt werden konnten. Wesentlichen Anteil an dem guten Gelingen der Schloßrestaurierung hatten natürlich auch die Steinmetzarbelten. Hier bewährte sich ebenfalls eine heimische Mühlviertler Firma: Langthaler-Natursteln GmbH., Mauthausen. Nach Sicherung der Bausubstanz galt es, die ästhetische Wirkung des Schlosses innen und außen zur Geltung zu bringen. Die Holzfenster — die „Schloßaugen" — fer tigte die Bautischlerei Walter Rächer aus Grieskirchen an. Die umfangreichen und wichtigen Malerar belten inklusive der Fassaden besorgte die Firma Trimmel OHG. aus Linz. Die Herstellung der Fußböden und die erfor derlichen Fliesenarbelten besorgten die Firma Hörmedinger H. GmbH. & Co. KG., Kunst stoff-Fußböden, Linz, sowie Johann Kargl, Platten- und Fliesenlegermei ster, St. Georgen a. d. Gusen. Eine für den künftigen Verwendungszweck entsprechende Möblierung wurde übertra gen der Möbelwerkstätte Florian Schindlauer, Steinerkirchen/Tr. Die Sanitär-Elnrichtung stammt von der Firma Wimmer GmbH. & Co. KG., Freistadt. Für den heurigen Ausstellungszweck und die künftige Verwendung als Kulturzentrum wa ren umfangreiche elektrotechnische Instal lationen erforderlich. Licht und Heizung sol len auch in einem historischen Gebäude den modernen Bedürfnissen voll entsprechen. Die Trafo-Anlage wurde der ESG Linzer Elektrizitäts-, Fernwärme- und Verkehrsbetriebe AG. übertragen. Starkstrom und Heizung installierte für Weinberg die Linzer Firma Ransmayr OHG. Für die Schwachstromlnstallatlon zeichnet verantwortlich die Elektro-Bau AG. Das von der Abteilung Nachrichtentechnik dieser Firma gelieferte Leistungspaket bein haltet folgende Komponenten: • Digitale Telefonanlage der modernsten Bauart, ausgebaut für 2 Amtsleitungen und 30 Nebenstellen • Lautsprecheranlage mit über 100 Laut sprechern • Antennenanlage • Mikroprozessorgesteuerte Brandmeldean lage bestehend aus 25 Meldelinien und 150 Meldern • Vollautomatische Brandrauchentlüftungsanlage mit Notstromversorgung für händi sche Aus/Zu-Steuerung • Drahtlose Personensuchanlage • Torsprechanlage • Audio-visuelle Einrichtungen für die Seminar- und Veranstaltungsräume, ge steuert von einem zentralen Rangierfeld. Wichtig für die Außengestaltung des Schloß areals waren schließlich die Arbeiten für die Hofpflasterung und zur Herstellung der Gehsteige. Diese Arbeiten besorgte die Firma Peter NIssl, Pflasterungen, Wels. Allen an der Adaptierung von Schloß Wein berg beteiligten Firmen gebührt aufrichtiger Dank der Bauherrschaft, der Ausstellungsbe sucher und der künftigen Kursteilnehmer. 90

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