Oberösterreich aktuell Schon die Gestaltung des Freigeländes auf dem Weg zum Eingang und die ersten Innen räume sind auf dieses Ziel ausgerichtet. Hier wird uns In Einzelbeispielen der Granit als geologisches Fundament, aber auch als Ma terial mit einer nicht zu unterschätzenden wirtschaftlichen, künstlerischen und volks kundlichen Bedeutung vor Augen geführt. Von selbst leitet das Ausstellungsthema zur Landschaft des Mühlviertels über, die weltge hend vom böhmischen Massiv geprägt Ist und durch eine ebenso eigenwillige wie phantasievolle Oberflächenformung ge kennzeichnet Ist. Geologisch Ist damit das Mühlviertel der älteste oberösterreichische Landesteil. An Hand von übersichtlichen Dar stellungen kann der Besucher sich ferner die Lage des Mühlviertels vergegenwärtigen, die als Mitte und als Peripherie definiert wird, er kann sich über die wichtigsten Fossilvorkom men unterrichten und die Welt der hier vor handenen Minerale studieren. Auf Grund der geologischen Voraussetzun gen hat sich hier eine eigene Pflanzen- und Tierwelt entwickelt. Diese dem Ausstellungs besucher an vier Biotopen (das Moor, der Böhmerwald, das Tal der Waldalst und die kultivierte Landschaft der Hochfläche) nahe zubringen, Ist aus zwei Grünen wichtig: zum einen, well wir es hier mit Besonderhelten zu tun haben; und zum zweiten, well die Pflanzen- und Tierwelt Im hohen Maß gefähr det Ist. Das gilt für den Wald, dem natürliche Schadeinflüsse, etwa Naturkatastrophen, aber auch schwerwiegende menschliche Eingriffe hart zugesetzt haben. Das bezieht Schloß Weinberg, Rittersaal, Ölgemälde (auf Leinwand) In einem der Felder des stuckverzierten Gewölbes, 1678—1689, nach der Restaurierung. Thema: Venus im Olymp. — Foto: Franz Gangl sich auf die Ackerpflanzen und Ihre „Beglei ter", die zum Teil wertvolle Kräuter darstellen, aber als Unkräuter zielstrebig bekämpft wer den. Das trifft auf die ungemein bedrohte Le benswelt der Moore und auf die Immer gerin ger werdende Vielfalt der Wiesenpflanzen zu. Wir sehen ferner die Gefährdung Im Rück gang des Artenreichtums Im Bereich der Vo gelwelt. Zur Zelt leben hier noch Vogelarten, die In anderen Ländern bereits vom Ausster ben bedroht sind. In Ihrem Bestand gefährdet sind schließlich auch andere Tierarten, wie etwa der Fischotter. Nicht Immer werden bei der gegebenen Themenstellung die wirt schaftlich orientierten und die von der Not wendigkeit eines konsequenten Landschafts schutzes überzeugten Menschen einer Meinung sein. Umso notwendiger Ist es, daß es zwischen den beiden Gruppen zu einem Dialog kommt, der von der Einsicht getragen Ist, daß alles getan werden muß, um unseren Lebensraum vor einer drohenden Katastro phe zu bewahren. Die Landesausstellung könnte In diesem Sinn eine wichtige Funktion erfüllen. Und vielleicht könnte sie obendrein der Forschung neue Impulse gegen, die Im Mühlviertel noch vor manchen ungelösten Fragen steht. Die Veranstaltung von zwei wis senschaftlichen Symposien kann In diesem Sinn als hoffnungsvoller Beginn gewertet werden. Das erste Stockwerk, In das sich der Ausstel lungsbesucher begibt, will Ihn streiflichtartig mit der Geschichte des Mühlviertels vertraut machen. Zunächst soll uns bewußt werden, daß dieses Viertel auch zu den ältesten Sledlungsräumen des Landes zählt. Den Beweis hIefür liefern archäologische Fundstücke, die man Im Gallneukirchner Becken, Im Linzer Becken, Im Machland und In der Gegend von Ottensheim gefunden hat. Selbstverständlich wird bei der Darstellung der urgeschlchtllchen Perlode auch auf Material von den Gra bungen In Gusen-Berglltzl und Mitterkirchen zurückgegriffen. Man kann an Hand beson ders ausgewählter Objekte die Keltenzelt nacherleben und begegnet schließlich Infor mativen Beispielen aus der frühmittelalterli chen Geschichtsperiode, der sogenannten Bayernzelt. Wenige, aber bedeutsame Archi vallen, darunter die Schlägler Rodungsur kunde aus 1325, der Modellcharakter zu kommt, sollen Einblick In die Zelt der Rodekolonisation geben. Es wird die Entste hung und Entwicklung der Rodeherrschaften beleuchtet, den geistlichen und weltlichen Grundherrn sowie der Gründung der Klöster Im Mühlviertel Raum gewidmet, der Weg der Rodung und Kolonisierung von den Donau ebenen über die Südabhänge des böhmi schen Massivs In die geschützten Tallagen der Hochfläche gezeigt, das rechtliche, wlrt84
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