Oberösterreich, 38. Jahrgang, Heft 1, 1988

Oberösterreich aktuell Blick auf Schloß Weinberg aus dem Schloßgarten nach Fertigstellung der Außenrestaurierung. „Der Eindruck des prachtvollen Schlosses stammt von einem durchgreifenden Umbau aus der 2. H. 16. Jh." (Benno Ulm). Der deutlich sichtbare Hauptturm erhielt nach einem Dachbrand im Jahr 1882 seine heutige Form mit Zwiebel und Laterne. — Foto: Franz Gangl lung weit zurückliegender historischer Fak ten wegzugehen und sich zeitnahen Themen zuzuwenden. Was Steyr mit seiner Ausstel lung über die industrielle Entwicklung im Land im wirtschaftlichen Bereich bot, sollte in Weinberg auf dem kulturellen Gebiet ange strebt werden. Man einigte sich auf die Idee einer Landesausstellung über die zeitgenös sische Kunst. Dabei mußte im Hinblick auf die künftige Verwendung des Schlosses in be sonderer Weise auch auf die Musik Bedacht genommen werden. So tauchte der Gedanke auf, die Wechselbeziehungen von bildender . Kunst und Musik näher zu erläutern. Dies wurde zunächst in Form einer methodisch-di daktischen Schau angestrebt, in deren Rah men man wichtige Werke von oberösterrei chischen, aber auch österreichischen und ausländischen Malern, Graphikern und Bild hauern auf ihre musikalischen Strukturen hin untersuchen wollte. Die diesbezüglichen Überlegungen bezogen alsbald den Plan mit ein, eine bedeutende internationale Samm lung, die sich in Prag befindet, als Leihgabe zu erbitten. Die Verhandlungen schienen er folgreich, da kam plötzlich die Nachricht, daß diese Sammlung für eine Ausstellung in Paris zur Verfügung gestellt wurde. Unter dem Ge sichtspunkt, daß Bilder und Zeichnungen der eher klassische Reflex auf die Wechselbezie hungen zwischen Musik und bildender Kunst sind, die jeder Künstler unseres Jahrhun derts auf die eine oder andere Art artikuliert habe, rückten in der Folge immer stärker die Fragen des Beitrages der Kunst zur Verdeutli chung und Erweiterung der musikalisch-aku stischen Ausdrucksmöglichkeiten in den Vor dergrund. Es sollte gezeigt werden, wie Künstler das Akustische entdecken, in wel cher Weise sie Klänge als plastisches Ele ment sehen und welche phantasievolle Klang objekte sie bauen. So verlagerte sich der Ausstellungsschwerpunkt mehr und mehr auf die Darstellung einer Entwicklung der musikalischen Klangfarben, angefangen von den frühen mechanischen Versuchen bis zum akustischen Environment von heute. Da die Vertreter des Landes Oberösterreich diese Idee zwar für gut und originell, ihre Ver wirklichung auf Schloß Weinberg jedoch für problematisch und wenig erfolgversprechend hielten, wurde dieses Gesamtkonzept fallen gelassen. Ausstellung über das Mühlviertel Landeshauptmann Dr. Ratzenböck regte nun an, den früher wiederholt vorgebrachten Plan aufzugreifen und das Mühlviertel als Natur-, Kultur- und Lebensraum in den Mittelpunkt einer entsprechenden Schau zu rücken. Al lerdings mußte damit die Forderung verbun den werden, in den Themenkreis vor allem jene überregionalen Aspekte aufzunehmen, die Berücksichtigung in einer Landesausstel lung verdienen. Die Bewohner und Freunde des Mühlviertels griffen den Gedanken des Landeshauptmannes weithin gern auf, weil sie der Meinung waren, daß dieses nördliche oberösterreichische Viertel nach 14 Jahren ununterbrochener Ausstellungstätigkeit des Landes durchaus einmal eine solche Präsen tation verdient. Sie wollen dabei keineswegs eine beschönigende Darstellung der Welt, in der sie leben, und auch keine nichtssagen den Worte über ihre Leistungen. Was sie aber anstreben, ist, daß sich möglichst viele Men schen davon überzeugen, daß das Mühlvier tel nicht ein armes, zurückgebliebenes Kind, sondern ein lebenskräftiges und lebenstüch tiges Mitglied im Kreis der oberösterreichi schen Familie ist, daß es nicht nur hart und karg ist, wie der Granit, der die Landschaft prägt, sondern auch schön und erholsam, daß es ein Landstrich für alle ist, die Kraft, Mut und Ausdauer besitzen und zu Entbeh rungen bereit sind, aber auch für jene, denen es Freude macht, auf Entdeckungsreise zu gehen, die sich einen Blick auch für die klei nen Kostbarkeiten bewahrt haben und die ihr Leben auf den verläßlichen Pfeiler der Ein fachheit aufbauen. Nicht selten hat dem Mühlviertel in der Vergangenheit gerade die Bescheidenheit seiner Ansprüche über schwere Situationen hinweggeholfen. Das Mühlviertel ist ein Gebiet, das durch die Do nau sowie den Böhmerwald und den Weinsbergerwald in sich geschlossen, ja von der übrigen Welt isoliert erscheint, das aber an dererseits seit jeher ein wichtiges Durch gangsland für den Nordsüdverkehr war. Es ist ein Grenzraum, aber zugleich ein echt ober österreichisches Viertel, das schon vom Geo logischen her mit dem südlichen Landesteil fest verbunden ist. Von der Landesausstellung wird unter diesen Voraussetzungen erwartet, daß es ein weit gespanntes, aber zugleich realistisches Bild des Mühlviertels zeichnet. Die Mitarbeit eines namhaften Teams von Wissenschaf tern bietet dafür wohl von vornherein Gewähr. Das Konzept Das Konzept der Landesausstellung in Wein berg will, dem Wesen des Mühlviertels ent sprechend, ein möglichst vielgestaltiges Bild vermitteln. Dies allerdings, ohne die Räume des Schlosses zu überladen und die Besu cher zu überfordern. Nicht die Fülle wird den Charakter der Ausstellung bestimmen, son dern die sorgsame Auswahl des Materials. Die Ausstellung soll die einzelnen Themen kreise in überschaubarer und leicht faßlicher Form behandeln, ohne die wissenschaftliche Solidität zu beeinträchtigen. Sie soll durch die Mittel der modernen Technik das Ausstel lungsgut in attraktiver Form präsentieren, ohne daraus eine reine Spielwiese zu ma chen. Gehlinie und innere Logik der Ausstel lung sollen übereinstimmen und dabei den noch den Gegebenheiten des Schlosses Rechnung tragen. Wie bereits angedeutet, verfügt das Ausstellungsgebäude über eine Anzahl prächtig ausgestatteter Räumlichkei ten und es besticht auch durch die roman tisch wirkenden Winkel, Nischen, Ausblicke, Gänge und Stiegen, doch erschwert es auf der anderen Seite durch seine baulichen Verschachtelungen die systematische Aufberei tung des Ausstellungsmaterials. Der Ausstel lungsbesucher soll im übrigen nicht nur mit der Vergangenheit des Mühlviertels, sondern auch mit der Gegenwart konfrontiert werden. Und vor allem will sich die Ausstellung, der Aufgabenstellung entsprechend, nicht in all gemeinen Betrachtungen über das Mühlvier tel ergehen, sondern das Charakteristische, das Besondere dieses Gebietes hervorhe ben, das, was es von den anderen Regionen unterscheidet. 83

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