Gedanken zur Landesausstellung 1988 auf Schloß Weinberg Karl Römer if,; r 'i , " •-:-■• ==»* Schwierige Themenwahl In der langen Reihe der öberösterreichlschen Landesausstellungen hat es wohl kaum je eine gegeben, in der die Bevölkerung bei den vorbereitenden Grundsatzüberlegungen so engagiert mitberaten hätte, wie im Zusam menhang mit der kommenden Präsentation auf Schloß Weinberg. Das beweist, daß sol che kulturelle Großveranstaltungen zahlrei chen Menschen ein Anliegen geworden sind, die sie mit bestimmten Vorstellungen und Er wartungen verbinden. Man will, daß die Lan desausstellungen ein Besuchserlebnis bie ten, das man selbst genießt und anderen gönnt. Es ist daher auch kaum unrichtig, wenn man behauptet, daß der Stellenwert dieser Ausstellungen in der Bevölkerung ge stiegen Ist. Das Bedürfnis nach Mitsprache wurde aber diesmal zusätzlich durch die Variationsbreite der Themenmöglichkeiten verstärkt, die der Ausstellungsort zuläßt. Da wäre zum einen die Tatsache ausnützbar gewesen, daß das Schloß Weinberg in eine Gegend des Mühl viertels eingebettet ist, die man mit Recht als „die gotische Ecke" bezeichnet. Hauptanzie hungspunkt in diesem Raum ist zweifelsohne der spätgotische Flügelaltar in der Pfarrkir che von Kefermarkt. Schon wenige Kilometer entfernt sind weitere gotische Flügelaltäre zu finden, die zu besichtigen für jeden kunsthi storisch Interessierten Menschen von Wert ist. Zentrum des ganzen Gebietes ist Frei stadt, das den Namen „die gotische Stadt" trägt. Die besondere Wirkung dieser Stadt wird nämlich von dem Vorzug bestimmt, daß sie sich durch die Jahrhunderte hindurch ihr mittelalterliches Antlitz weitgehend von Ent stellungen freihalten konnte. Von den ge nannten Gesichtspunkten ausgehend wäre es durchaus naheliegend gewesen, das The ma der Landesausstellung In Weinberg auf die Gotik in Oberösterreich abzustimmen. Dem standen jedoch die nicht unberechtig ten Bedenken entgegen, daß im Rahmen vor angegangener Ausstellungen des Landes bereits wichtige Werke der Gotik präsentiert wurden und Wiederholungen vermieden wer den sollten. Ein anderes Konzept wollte vom Schloß Wein berg ausgehen und sich mit der historischen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Bedeutung der Burgen und Schlösser befas sen, denn Weinberg gehört zu den mächtig sten Burganlagen des Landes, Spätrenais sance und Barock prägen seinen Stil. Vermittelt das Schloß mit der Ringmauer, der Rundbastion und den Ecktürmen nach außen hin ein vrehrhaftes, respekteinflößendes Bild, so strahlen viele Räume im Inneren, Insbe sondere jene, die der Repräsentation dien ten, wie der Rittersaal, der Ahnensaal oder das Kaiserzimmer, im gleichen Maße Qualität wie Originalität aus. Es ist wohl nicht zu viel gesagt, wenn man behauptet, daß sich ein Besuch in Weinberg schon um dieser Räume willen lohnt. Anerkennt man zudem die Be deutung der Geschlechter, die seinerzeit im Besitz des Schlosses waren, vor allem die Zelkinger und die Thürheimer, so kann man nicht ableugnen, daß Weinberg einen pas senden Rahmen für eine solche landeskund liche Schau abgegeben hätte. Doch auch hier überwog schließlich der Einwand, daß für dieses Thema eine attraktive Exponatenliste nur schwer erstellbar wäre. Zudem wurde von verschiedenen Seiten mit Nachdruck die Not wendigkeit betont, endlich von der Behand-
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