Oberösterreich aktuell Grußwort an die oberösterreichische Landesaussteiiung 1988 — Der Vergangenheit eine Zukunft Landeshauptmann Dr. Josef Ratzenböck Der Vergangenheit eine Zukunft! Dieses Mot to galt bereits für die erste oberösterreichi sche Landesausstellung im Jahr 1965 im Augustiner-Chorherrenstift St. Florian und im Schloßmuseum Linz. Dieses Motto ergab sich aus der Zielsetzung, die nach den ver heerenden Folgen des Zweiten Weltkrieges für den kulturellen Wiederaufbau in unserem Heimatland postuliert wurde, die Denkmal pflege mit aktiver Kulturpolitik zu verbinden. Es ging und geht um die Rettung wertvoller Kultursubstanz. Ebenso wichtig ist aber auch die Schaffung neuer Kulturwerte. Daneben gilt ein sehr praktischer Effekt. Kulturelle Großvorhaben erfordern oft den Einsatz be deutender Finanzmittel. Diese budgetäre Be lastung muß gegenüber der Bevölkerung als Steuerzahler verantwortet werden. Diese Ver antwortung wird glaubwürdig, wenn sichtbar ein allgemeines kulturelles Bedürfnis befrie digt werden kann, wenn auch wirtschaftliche Erfoige zu erwarten sind, das heißt die hohen Ausgaben durch Einnahmen zumindest teil weise ausgeglichen werden können und eine Region im Weg der Umwegrentabilität eine wirtschaftliche Belebung erfährt. Oberösterreich kann seit dem Jahr 1965 auf eine stattliche Reihe von Großveranstaltun gen dieser Art zurückblicken. Jeder Ausstel lungsort lebt im Bewußtsein der Bevölkerung unseres Landes weiter, auch wenn die Aus stellungstore geschlossen sind. Als Beispiel möchte ich Steyr anführen. Durch die Aus stellung „Die Hallstattkultur" 1980 war es möglich, das prächtige Schloß Steyr, eine wahre Stadtkrone, vor dem langsamen, aber sicher scheinenden Verfall zu retten. Nun ist das Schloß wieder in das Stadtbild und in das Stadtleben von Steyr voll integriert. Im Vorjahr war Steyr Zielort einer ganz neuen Ausstellungsthematik — „Arbeit / Mensch / Maschine — Der Weg in die Industriegesell schaft". Dieser thematische Schritt aus einer fernen Vergangenheit in eine historische Pro blematik, die uns hautnah berührt, wurde be geistert aufgenommen. Die Denkmalpflege hatte den Gewinn, daß ein einzigartiges Bei spiel früher Industriearchitektur und Sozial struktur in Österreich — der Steyrer Wehrgra ben —, dessen Erhaltung jahrelang umstritten und verunsichert war, bestehen bleibt und dort das zeitnahe Projekt Museum Arbeitswelt verwirklicht werden kann. Es war dies eine Rettungsaktion in letzter Minute. Ähnlich war die Situation für Schloß Wein berg — fünf Minuten vor Zwölf! Weinberg zählt zu den bedeutendsten histori schen Schloßarchitekturen Österreichs, nicht nur Oberösterreichs. Seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges mußte dieses kostbare Baudenkmal arge Schicksalsschläge ertra gen. Zu Beginn der achtziger Jahre war es praktisch dem Verfall preisgegeben. Ideali sten gaben aber den Kampf um seine Erhal tung nicht auf. An dieser Stelle möchte ich aufrichtigen Dank sangen dem „Verein Schloß Weinberg" und seinem unermüdli chen Obmann Bezirkshauptmann DDr. Josef Seiringer. Von dort aus wurden die ersten Signale für Erhaltung und Rettung gegeben. Nach langwierigen Verhandiungen ist es nunmehr gelungen, durch Pachtung das Ob jekt für die Zukunft zu sichern. Nach der heu rigen Landesausstellung wird Schloß Wein berg als Schulungsstätte für Musikschul lehrer, Volksbildner und als Sitz eines ümweltschutzzentrums der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen. Über die schwierige Themenwahl zur dies jährigen Landesausstellung berichtet im An schluß w. Hofrat i. R. Dr. Karl Pömer. Ich freue mich, daß das Mühlviertel nach langer Warte zeit endlich Region einer Landesausstellung ist und das Ausstellungsthema sicherlich sehr den lokalen Vorstellungen entspricht. Auch die Besucher werden die Thematik ger ne annehmen, macht sie doch mit einer Landschaft bekannt, die es wahrlich verdient, besucht und beachtet zu werden. Ein reichhaltiges Rahmenprogramm sowie wissenschaftliche Symposien werden die Be gegnung mit der Landschaft und der Kultur des Mühlviertels vertiefen. Zu begrüßen ist es auch, daß die Kunst der Gegenwart in das Ausstellungsangebot einbezogen werden kann. Die Bearbeitung des Aussteilungsthemas war mühsam, da ja die Zielsetzung erst spät festgelegt wurde. Ich danke deshalb dem wissenschaftlichen Arbeitsteam für Weinberg ganz besonders. Es war sicherlich eine harte Knochenarbeit, diese Ausstellung zustande zu bringen. Ebenso gilt selbstverständlich mein Dank der Bauleitung, den Restauratoren sowie der Ausstellungsleitung. Es wurde ganze Arbeit geleistet. Die Zukunft von Weinberg habe ich bereits angedeutet. Warum eine Schulungsstätte dieser Art? Gerade der musischen Weiterbil dung des Menschen im Sinne einer ausge wogenen Persönlichkeitsentwickiung kommt heute mehr den je besondere Bedeutung zu. Das oberösterreichische Musikschulgesetz hat österreichweit eine Marginalie gesetzt. Die Beschäftigung von annährend 1000 Landesmusikschullehrern erfordert in Zukunft Fortbildungsseminare, um ein gleichmäßig hohes Unterrichtsniveau zu sichern. Sollen die im Lande bestehenden Musikschulen die in sie gesetzten Erwartungen in Bezug auf die musikalische und musikpädagogische Aufgabenstellung erfüllen, ist deshalb die ständige Weiterbildung der Lehrkräfte eine unabdingbare Voraussetzung. Dazu kom men der Erfahrungsaustausch im Rahmen von Schülerkonzerten, die Pflege des Ge meinschaftsmusizierens und die Berücksich tigung zukunftsweisender Musikpflege. Um Möglichkeiten zum Aufbau eines entspre chenden Kursprogrammes bemühen sich seit längerem das Umweltschutzinstitut des Landes Oberösterreich und das Landesinsti tut für Volksbildung und Heimatpflege. Das Raumangebot auf Schloß Weinberg eignet sich in hervorragender Weise für derartige Schulungsmöglichkeiten, so daß beide Insti tute gemeinsam mit dem Landesmusikschulwerk das Internat, die Vortragsräume und die auf das spezielle Fachgebiet abgestimmten Seminarräume benützen können. So dürfen wir hoffen, daß Schloß Weinberg nach einem langen Dornröschenschlaf für den Bezirk Freistadt und somit für das ge samte Mühlviertel, vor allem auch für den Fremdenverkehr, ein Kulturfaktor ersten Ran ges wird. In diesem Sinne und mit dieser Hoffnung gilt mein Gruß an die heurige Lan desausstellung. Jetzt kann bereits gesagt werden, daß ein Großprojekt der Denkmal pflege in Oberösterreich wieder einmal zu einem erfolgreichen Abschluß gebracht wer den konnte.
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