Oberösterreich, 38. Jahrgang, Heft 1, 1988

Kunst der Gegenwart ' t,-' i ster — Realität und Sinnbild". Was in den Jatiren vorher da und dort in Präsentationen zu sehen war, nannte der Künstler „Fensterbil der". Sie hatten sich hartnäckig zwischen die anderen Darstellungen seines unmittelbaren Lebensraums geschoben, waren nicht abzu weisen gewesen, pochten darauf, artikuliert zu werden. Der Künstler verläßt auch in ihnen kaum das ländliche Milieu. Man sieht ihn auf bedrohliche Zustände im Naturhaushalt schauen. Schon drei Bilder von 1974 zum Thema „Blick auf Linz" dokumentieren sein Wachsein gegenüber der Belastung des Ökosystems. Andere zeigen auf, wie die Har monie eines Kulturraums zugrunde gerichtet wird durch technische Bauten, Silos, Auto bahnen. Die Aufgabe des Künstlers ist es — und Herbert Friedl entzieht sich ihr nicht — bei Verirrungen im Lebensstil ein Gegenwort zu sprechen, und sein stiller und unaufdring licher Realismus kommt von weit her und hat einen langen Atem, wirkt deshalb umso nachhaltiger. Eine andere Erkenntnis wird in diesen Bil dern gewonnen darüber, wie wir uns oft ver halten: Nicht sehen wollen! Nicht den Bück über die eigenen engen Grenzen hinauslen ken! Rollo herunterlassen! „Drinnen und Draußen" erhalten aber auch sinnbildliche Bedeutung im Hinblick auf das Selbstver ständnis des Künstlers und seines Tuns. Man kann es in Zusammenhang bringen mit den beiden Phasen, die der Gestaltungsprozeß bei ihm durchläuft. Alle Vorbereitung beginnt mit dem Blick auf die reale Gegenstandswelt, mit dem rationalen Verfahren, die Dinge in ihrer Zerteilung und Abgegrenztheit zu er kennen, sie zu analysieren und unter der Bündelung des schauenden Bewußtseins Außen: Von intensiver Ausdruckskraft sind Herbert Friedls Fensterbilder: „Drinnen und Drüben", Farbradierung, 32,5 x 24 cm, 1982 Links: Manchmal ist es schwer, eine Beziehung zu anderen Menschen zu finden: „Drinnen ohne Draußen", Farbradierung, 32,5 x 24 cm, 1982 wieder zu vereinfachen und zu abstrahieren. Versenkung, Besinnung, Meditation akzep tiert er, auch eine spielerische Methode. Ernster, kühler, distanzierter setzt er fort, wenn die Komponente des Allgemeinen das nur Besondere abgelöst hat, besser gesagt, wenn er beides so durchwirkt, daß eine Ein heit daraus entsteht. Im Bereich des Zerteil tens herrscht die Zeit als Vergänglichkeit, im Bereich der Einheit als Dauer. Das eine Mal agiert das Bewußtsein des Künstlers aktiv, das andere Mal bleibt es passiv, horcht, war tet auf die Intuition, auf das, was „einfällt". Wenn Herbert Friedl fürseine Gleichnisbilder Titel genommen hat wie „Mehr Draußen als Drinnen" oder „Drinnen ohne Draußen", so geht es ihm auch um Kommunikation, um menschliches Miteinander. Ein Mensch am Fenster bekommt ein Gegenüber in der dunk len Silhouette, die in einem anderen Fenster als Du erscheint. Doch der Mensch könnte sich auch, um dem Sinn seiner Existenz nahe zu sein, um durch nichts abgelenkt zu wer den, von den Dingen der Welt zurückziehen. Er könnte den Weg nach innen gehen, wie die Athos-Mönche das tun, die in der Eremia ihre Hütten aufschlagen. „Drinnen und Drü ben", das wäre eine Möglichkeit, sich zu kon zentrieren und das Fenster, das helle Leuch ten auf der anderen Seite zu sehen. Doch es gibt auch viele Zwischenphasen, und der Künstler verhehlt sie nicht: „Draußen ohne Drüben". In diesem Katalog schrieb Günter Rombold: „Der Mensch, der hinausblickt, ist nicht immer derselbe. Einmal sehnt er sich nach draußen, möchte dem Vogel folgen, der in die Weite des Himmels taucht, möchte mit einem Menschen, der drüben am Fenster steht oder in der behaglichen Stube sitzt, ein Gegen die Verdrängung dessen, was wir nicht wahrhaben wollen, hat Herbert Friedl ein Triptychon gemalt: „Verdunkle gewissenhaft", linkes Bild, Öl und Tempera auf Leinwand, 100 x 65 cm, 1983 78

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