Kunst der Gegenwart Auch das Schweigen spricht im Stein Roswitha Reichart Herbert Friedl ist es gelungen, nach einem sorgfältigen Ausbildungsgang zwischen sei nen Tätigkelten als Maler, Graphiker und Buchkünstler eine reife Ausgewogenheit zu finden. Seit 1974 betreut er die typographi sche Gestaltung der Zeitschrift „Oberöster reich". Seine künstlerisch-disziplinierte Ar beitsweise geben seiner Handschrift das signifikante Gepräge, wovon das Layout dieser Zeitschrift zeugt. Er lebt mit seiner Fa milie in Pregarten im Mühlviertel. Hier, in sei ner Heimat, entstehen seine Werke im eige nen Atelier, abseits des gängigen Kunstbetriebs. Ein kritisches und offenes En gagement gegenüber den anstehenden Fra gen von Lebensgestaltung und Umwelt lie ßen ihn zu einem Gründungsmitglied der Kulturgruppe GART werden. „Wer den Farn betrachtet, wird auch den Stein erkennen." Dieses Wort aus einer chi nesischen Weisheitslehre klingt wie eine Ver heißung. Das Geheimnis der Meditation steht dahinter: Auf dem Grund der inneren Erfah rung liegt Wesenhaftes. Für den Maler und Graphiker Herbert Friedl ergibt sich hier ein wichtiger Ansatz, denn seine Kindheitserleb nisse verbanden sich mit der Natur. Auf einem Bauernhof in Unterweitersdorf kam er zur Welt, dort verbrachte er die erste Zelt sei nes Lebens und dorthin ist er immer wieder zurückgekehrt. Von der mütterlichen Linie her und auch väterlicherseits bäuerlicher Herkunft, auch wenn sein Vater als Arbeiter für das Fortkommen der Familie sorgte. Was ist ein Wiesenrain, der sich hinab in eine Senke schlängelt? Was eine Blume, die ihren Kelch entfaltet, was das Feld, auf dem Im Sommer das Korn wächst, was der grüne Wald auf dem anderen Hügel? Welche Ent deckungen waren zu machen, wenn an Re gentagen der Feuersalamander durch den Lattich kroch oder wenn im Sonnenschein ein Krebs am seichten Bachufer auftauchte? Unvergeßlich sind die übereinander getürm ten Felsen aus Granit, deren Nischen und Höhlen man mit warmem und trockenem Laub auspolstern konnte. Seine Wahrneh mungsfähigkeit nahm zu durch das Beobach ten von Tieren, durch das geduldige An schauen der Naturformen. Seine Freude war es dann, zu zeichnen und mit dem Stift dem Gesehenen nachzuspüren. Bereits in der Volksschule fiel er durch seine bildnerischen Arbeiten auf. Das Zeichnen behielt er bei, auch als er den Tischlerberuf erlernte, gemäß dem Wunsch seiner Eltern, und auch als er beim Militär war. „In dieser Zeit habe ich viel nachgedacht und viel gelesen", berichtet er. „Damals ist mir auch klar geworden, daß ich der Verpflichtung gegenüber meinem Talent folgen soll." Bücher, das hieß von klein auf Faszination! Und sie gehörten im bescheidenen Haushalt seiner Eltern zur Selbstverständlichkeit. Dar unter waren auch solche, die Rätsel aufga ben, die zum Denken anregten, denn ein Bru der der Mutter hatte Philosophie studiert. Im Besitz der Familie der Mutter befand sich auch eine Truhe, aus der er noch einen ande ren Schatz hob, nämlich Kunstbücher mit vie len Bildern, beispielsweise von Waldmüller, Reinmichl, Deffregger, Makart, Kllmt und Schleie. „Bücher haben mir den Blick in die Weite geöffnet." Nach Abschluß seiner Lehre hatte Herbert Friedl an der HTBL In Linz Gra phik studiert. Was lag näher, als daß er nun mit Büchern zu tun haben wollte? In einem Verlag lernte er gründlich die einzelnen Abtei lungen kennen, Druckerei, Buchbinderei. Viele Jahre übte er dann eine Haupttätigkeit als Graphiker und Buchgestalter aus. Am meisten Interessierten ihn die Veröffentli chungen über Landschaften, über Kulturepo chen, Kunst und Religion. Er gestaltete Bü cher, vom ersten Entwurf über das Layout bis zum fertigen Exemplar. Einige Bücher erhiel ten Auszeichnungen, auch internationale. Der Lyrikband Rudolf Weilharters „Landspra che" und Erwin GImmelsbergers „Moment aufnahmen fremder Landschaften" müssen hier angeführt werden. Auch der Bildband „Oberösterreich in alten Fotographlen" zählte dazu. Bei aller Liebe zur Buchgestaltung füllten ihn diese Tätigkeiten aber nicht ganz aus. Eine ' '' ganze Reihe von Jugendbüchern hatte er be reits illustriert. Er sah aber noch andere Mög lichkeiten für sich im bildnerischen Bereich offenstehen, in denen er sich nicht unbedingt nach einem kaufmännischen Rahmen rich ten mußte. Seine individuelle Ausdruckskraft verlangte nun in einer nicht länger aufzu schiebenden Dringlichkeit nach freier künst lerischer Betätigung. Deshalb ging er 1978 unter die freischaffenden Künstler, ohne viel Aufhebens davon zu machen. Dennoch ist es eine Tat, die nur der ermessen kann, der selbst schon einmal — was einen geregelten Verdienst angeht — zwischen Erde und Ab grund schwebte. In jener Zeit stand ihm seine Frau, die Lehrerin ist, mit Zuversicht zur Sei te. Bald wirkten sich aber auch das fundierte Studium sowie die Praxis im Verlag aus, und Herbert Friedl wurde die graphische Gestal tung der beiden Zeitschriften „Kunst und Kir che" sowie „Oberösterreich" übertragen. Was Herbert Friedl auszeichnet, sind seine abso lute Ernsthaftigkeit und Wachsamkeit, sein Verlangen, aus einem Urgrund zu schöpfen. Im Gespräch bleibt er sehr ruhig, wählt be dacht seine Worte, vermeidet Überflüssiges. „Er ist durstig nach Erkenntnis. Er sucht sie im gedruckten Wort, aber auch im fachlichen Gespräch. Leeres Wortgeplänkel ist ihm zu wider. Deshalb erlebt man Ihn oft als Schwei ger", schreibt Otto Wutzel. „Künstlerisches Bilden Ist für Herbert Friedl auch ein geistiger Vorgang. Seine Bilder sind nicht Ergebnis einer spontanen Ausdrucksweise, auch nicht optisch berauschende Impressionen. Seine Zeichnungen, Druckgraphiken, Malereien sind ins Bildnerische übersetzte DenkvorHerbert Friedl an der Druckpresse in seiner Werkstatt
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