Oberösterreich, 38. Jahrgang, Heft 1, 1988

Professor Ernst Balluf, Stadt am Strom, Aquarell, 1987, 50 x 65 cm. — Foto: Atelier des Künstlers „Daß es auch Innerhalb von Künstlervereini gungen verschiedene Stoßrichtungen gibt, ist Tatsache. Daß solche Strömungen nicht zum Bruch führen müssen, sondern eine Be reicherung für das Ganze darstellen können, demonstrieren beispielsweise die fortschrittli chen Kräfte der Mühlviertler Künstlergilde, die im Rahmen dieser eher konservativen Vereinigung die Zülow-Gruppe gründeten. Vielleicht ist es charakteristisch für diese Gruppe, daß ihre führenden Männer wie Ernst Balluf und Maximilian Stockenhuber bereits über fünfzig Jahre alt sind. Sie reprä sentieren keinen unausgegorenen ,Sturm und Drang', sondern den ausgereiften Willen zum künstlerischen Fortschritt."^'' „Die Mühlviertler Künstlergilde, die sich von anderen Gilden (auch) dadurch unterschei det, daß sie eine respektable Vlerteljahreszeltschrift herausbringt. Die ,Mühlviertler Heimatblätter' waren jahrelang ein freundli ches und heiteres Organ der Heimatkunde mit künstlerischer Verbrämung. Unter der Leitung des 1979 verstorbenen Dichters Ru dolf Pfann setzte eine gemäßigte Unterwan derung mit moderner Kreativität ein. Trotz dem blieb die Zielgruppe heimatverbundener Oberlehrer unverkennbar. Der Generations wechsel kam mit dem neuen Redaktionslei ter Peter Ratzenböck, einem originellen Er zähler und Kulturpraktiker. Der Gewinnung neuer Publikumsschiohten für die Kunst als Zielvorstellung der modernen Kulturpolitik wird die Zeitschrift jetzt hervorragend gerecht.'"^ Galerle Im Ursullnenhof „Es erscheint ein gutes Omen für die Zukunft der Mühlviertler Künstlergilde, daß sie einen neuen Abschnitt in ihrer Vereinsgeschichte, der mit dem Einzug dieser Vereinigung in das Landeskulturzentrum Ursullnenhof anzuset zen ist, mit der Gedächtnisausstellung Franz Zülow beginnt. Er wird und soll ihr geistiger Mentor bleiben.'"® Ohne eigene Galerieräume präsentierte sich jahrelang das künstlerische Schaffen der Mühlviertler Künstlergilde. In Pfarr- und Ge meindesälen, In Schulen und Wirtshäusern fanden In vielen Bezirksstädten Oberöster reichs Gruppenausstellungen und Lesungen statt. In den neuen Galerieräumen kommt es seit 1975 zu vielen Einzelausstellungen bil dender Künstler. Auch literarisch-musikali sche Veranstaltungen ermöglicht die neue Heimstätte. Ein reger Ausstellungsaustausch entwickelt sich. Deutschland, Schweiz, Italien, UdSSR, USA und Schweden sehen Werke von „Mühl viertler Künstlern". Unter der Galerieleltung von Ernst Balluf werden auch bedeutende Gedächtnisausstellungen von Künstlern ge zeigt, deren Werke der Öffentlichkeit lange nicht zugänglich waren. „Wenn jemand etwas künstlerisch Gutes macht, kann er das in der Galerie herzeigen. Dazu muß er nicht unbe dingt Mitglied der Mühlviertler Künstlergllde sein. Auch für die Veröffentlichung In der Mühlviertler Kulturzeltschrift gilt derselbe Maßstab. Die Aktivitäten erschöpfen sich ja nicht in den Ausstellungen der Galerie. Dort ist ja nur das Zentrum jetzt."'" Kulturelle Außenstellen Im Mühlvlertel In den letzten Jahren entwickelten sich kultu relle Unternehmungen Im Mühlvlertel, die zu mindest teilweise ihre Wurzeln In der Mühl viertler Künstlergilde haben. Zu nennen sind die CART-Veranstaltungen in Pregarten (Her bert Friedl, Günter Giselher Krenner u. a.), Theater- und Literaturveranstaltungen In Perg (Gerhard Pilz), Lesungen Im Atelier Her mann Haider in Pulgarn-Steyregg (organi siert durch Christian Schiff und Peter Ratzen böck) und die traditionellen Kunst-Standlmärkte In Bad Leonfelden (organisiert durch Ernst Balluf). Die „Jungen" In der WIKG Kunstvereinigungen haben wie viele andere Organisationen heutzutage an Bedeutung verloren. Unter dem Decknamen Individuali tät verbreitet sich der Egoismus. Einstige So lidarität hat sich vielfach in Einzelinteressen aufgelöst. Gilden waren einstmals GenosBILDER LINZ DAMETZSTRASSE 25, Tel. 270-270, 270-654 (keine Mittagssperre) DINGHOFERSTRASSE 69, Tel. 53 5 36 (Ecke Blumauerstraße) geöffnet Mo.—Fr. von 9—12 und von 13.30—17.30 Uhr Orig. Ölgemälde Kunstdrucke Rahmungen Spiegel, Karniesen Graphikgalerie 16.—20. Jhdt. Restaurierungen Kupferstiche und alte Landkarten Gemäldeschau besonders preisgünstiger Ölgemälde. Gute Parkmöglichkeit 71

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