derts den Handwerkern der Aufstieg zu den Stadtämtern nur in wenigen Ausnahmsfällen offenstand. Mit der Betonung der Grenzlage der Stadt gegen Böhmen wollte man Kaiser Maximilian I. für die Interessen des Stadtpatriziats gewinnen. Am 6. Februar 1517 fand nun ein Verhör beider Parteien statt, dem der Bescheid der Niederösterreichischen Regie rung vom 7. Februar 1517 folgte. Die „Gemein" hatte nun das Recht, 36 Personen zu bestim men, aus denen die acht Ratsmitglieder acht Genannte zu erwählen hatten. Nur geringfü gig war der Einfluß der Bürgerschaft gestie gen. Die Anführer des Aufruhrs vergaßen bald ihre Versprechungen an die Bürger schaft, wie z. B. daß der geringste Bürger aus der Gemein soviel sein müßte, wie jetzt der einflußreichste. Jörg Scheferl, einer der An führer wurde bis 1520 Stadtschreiber und Ga briel Weissenauer 1520 Stadtrichter und 1526 Bürgermeister. Das 14. und 15. Jahrhundert hatte für die Stadt auf Grund ihrer wirtschaftlichen Vor rechte einen gewissen Wohlstand gebracht. Durch Förderung des Landesfürsten wurde die Stadt mit dem Bau der neuen Burg zum stark befestigten Punkt gegen Böhmen, 1390—1393 wurden die Befestigungsanla gen der Stadt von den Bürgern selbst ver stärkt, die Gräben erweitert, die Mauern ver größert und erhöht. Die Baurechnung im Stadtarchiv Freistadt gehört zum wertvollsten Bestand. Sie nennt den Baumeister, Meister Niklas mit seinen Gesellen, und auch die Bauaufsicht führender Bürger wie Jacob Megerl, Bürgermeister, Friedlein den Pekh, Stadtrichter, Thomas Zinnispan, alle Vertreter des Stadtpatriziats. 1398 bis 1412 weilte Her zogin Beatrix, die Witwe Herzog Albrechts, als Inhaberin der Herrschaft Freistadt oft in der Stadt und fühlte sich in ihr recht wohl, worauf auch der zahlreiche Briefwechsel zwi schen ihr und den Stadtbürgern schließen läßt. Besonders beliebt waren bei ihr die Gansschmäuse, zu denen sie von den Bür gern eingeladen wurde und an die sie sich gern erinnerte. An der Spitze der Stadt standen im 14. und frühen 15. Jahrhundert Geschlechter, die sich durch Reichtum auszeichneten und mehr fach die Stelle eines Stadtrichters bzw. Bür germeisters innehatten: die Schaffer, Gülher, Greißenegger, Schaler, Pästl, Mühlwanger, Weißenauer, Trafeyer, Zinnispan, Wurm und Herzog. Mehrere unter ihnen stiegen in den Adelsstand auf wie die Greißenegger, Scha ler, Mühlwanger und Zinispan. Zahlreiche Studenten aus Freistadt waren in dieser Zeit Hörer an der neugegründeten Wiener Univer sität. 1377 waren Jacobus und Johannes Pawngartner „de libera civitate" in die Univer sität Wien eingetreten und zahlten 2 Gro schen Aufnahmstaxe. So mancher Ratsbür ger gewährte seinem Sohn ein Studium. Zu Beginn des 15. Jahrhunderts waren ferner einige Armenschüler aus Freistadt in Wien, deren Studium wahrscheinlich von einem gönnerhaften Geistlichen finanziert wurde. Das erste Drittel des 15. Jahrhunderts und auch noch die folgenden Jahrzehnte brach ten für die Stadt und ihre Bevölkerung schwe re Zeiten. Hussitenscharen drangen ins Mühlviertel ein, sie belagerten auch die Stadt, konnten sie aber nicht einnehmen. Dann folgte der Kampf der habsburgischen Brüder Friedrich III. und Albrecht VI. um das Erbe des 1457 verstorbenen Königs Ladis laus Postumus. Wieder litt Freistadt unter dem Schaden, der dem Handel zugefügt wurde. Gerade diese Zeit war es aber, in der Freistadt kurzzeitig eine Münzstätte besaß, deren Ergüsse aber keine rühmliche Periode in der österreichischen Münzgeschichte dar stellen. Sie fällt in die Zeit der Schinderlinge von 1457—1460, die erste große Münzkrise in Österreich. Kreuzer und Pfennige wurden in Freistadt geprägt. Erst gegen Ende des 15. Jahrhunderts trat wieder Ruhe ein und der Handel konnte zu neuer Blüte gelangen. Schwere Rückschläge erlitt die Wohlhaben heit der Freistädter Bürger durch die beiden großen Brände der Jahre 1507 und 1516. „1507 Jar ist die ganz Freinstat ausprunen an des Heilligen Krewczabent der Erhechung und sand Kathrein Kirchen und 5 Glockchen in dem Thuern verprunen und 20 Person, auskomen in dem altn Pharhoff", heißt es in der Chronik des reichen Bürgers und Ungeldpächters Herzog. Fast die ganze Stadt bis auf das neue Schloß und einige wenige Häuser wurde ein Raub der Flammen. Die Glocken in der Pfarrkirche und die auf den Befesti gungstürmen stehenden Geschütze wurden durch die ungeheure Hitze geschmolzen. Über den Ausbruch dieses Brandes gab es noch 1515 Streitigkeiten. Das Feuer brach in der „Hölle" aus, wie der niedrigst gelegene Stadtteil in vielen Städten heißt, und zwar im alten Pfarrhof, der damals aus zwei Priester häusern bestand. In der Stadt ging bald das Gerede, daß das Feuer im Haus des Benefiziaten Johannes Hueter, der bereits 1484 Ka plan des St. Leonhardaltares war, entstanden sei. Der Streit ging bis zur Landeshaupt mannschaft und zum Landrecht nach Linz, Hueter mußte Freistadt verlassen. 1515 be zichtigte ihn noch immer ein Freistädter Rats bürger in Steyr öffentlich als Brandstifter. Die Bauarbeiten nach diesem Brand waren noch nicht abgeschlossen, als Anfang Sep tember 1516 „an sand giligen Tag in der Vier den Stund nachmittag abermals die Freinstadt ausprunen an allein die ZaII zenagst Hoff gegen dem TuerdI hinauf 10 Hewsser davonkomen und ist auskomen bey dem Erhard Schuester gegen Altnhoff über und sind 19 Person verdorben". Kaiser Maximilian I. lag der Wiederaufbau der abgebrannten Stadt sehr am Herzen. In einem Reversbrief des Jahres 1514 von Frei stadt an Maximilian versprechen die Freistäd ter „also was in bemelter stat pawen das wir solch gepew auf Ynsprugherisch soviel unser vermögen ist machn und pauen lassen wol len". Es sollte also durch die Errichtung von Vorschußmauern und flacher Grabendächer die Feuersgefahr eingedämmt werden. Im Jahre 1516, knapp nach dem zweiten Stadt brand, gewährte Maximilian den Freistädtern Steuerfreiheit unter der Bedingung „. .. das dieselben unnser Bürger mit dem gepaw in derselben unnser stat unnsers gefallens auf Ynnsbruggerisch hinwider pawen wer den . . ." Was verstand man unter „Innsbruggerisch"? Aus einem Schreiben der Freistäd ter um 1520 um Steuerbefreiung geht nun hervor, was damals unter dieser Bauweise verstanden wurde: „. . . doch der mainung das wir unser hewser auf Ynsbrugkherisch in zinen pawen sollen, damit khünftigklich sol cher schaden nimer beschech ..." In der 1518 an die Stadt Klagenfurt ausgestellten Verordnung legte Maximilian fest, daß keine Behausung mehr gebaut werden dürfe, „es seye dann von gemeuer mit zinnen und verporgen dächern, oder aber nidre dach von stain auf Innspruggerisch für das fewer ge macht". Aus den Textstellen Freistadt betref fend geht nicht hervor, ob das Dach eines je den Hauses ringsherum mit einem zinnengekrönten Mauerkranz oder nur an der Straßenseite mit Zinnen versehen war. Wäh rend sich die Grabendächer mit dem oberen allseitigen Mauerabschluß nicht gänzlich durchsetzen konnten, wurden die horizonta len Vorschußmauern vom 16. bis zum 18. Jahrhundert gebaut. Diese verheerenden Feuersbrünste hatten aber auch die Vernichtung zahlreicher schriftlicher Ordnungen zur Folge. „Die Stu ben im rathauß sambt dem alten statpuech, darine alle alte geschieht und herkumen be griffen gewest und andre der Stadt notdurftig vil briefliche Urkunden und vilerlai uralt Privi legien sind verprunnen." So schritten Bürger meister, Richter, Rat und die Geschworenen 1534 im Beisein einiger aus der Gemein zur Abfassung einer Stadtordnung. Diese legte nun die Wahlordnung für die Bürgermeister-, Richter- und Ratswahlen fest, sie schilderte bis ins Detail den Vorgang der Wahl und die Funktion der einzelnen Organe. Damit ist sie eines der wichtigsten Zeugnisse, das Ein blick in die Verfassung der Stadt gewährt. Diese Ordnung bietet nun auch erstmals Aus kunft über den eigentlichen Wahlvorgang. 58
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