gekommen. Es waren in erster Linie die Rechtsreformen Josephs II., denen diese Pranger zum Opfer fielen. Vielfach wurden sie bereits im 19. Jahrhundert wieder zur Auf stellung gebracht. In Weitersfelden erinnern noch die zwei ge mauerten Pfeiler eines Galgens an die von Christoph von Haim, dem Herrn auf Schloß Reichenstein®, 1570 angelegte Richtstätte. Da Haim diese auf dem Territorium der Herr schaft Freistadt errichtete, kam es zum Gal genstreit. Haim wurde 1571 erschossen^ — als Mörder wurde der Bauer Sigmund Gaißrucker verdächtigt, welcher sich im Gefolge der von Pastor Koloman Kuenringer von Wei tersfelden angeführten rebellierenden Bau ern befand®. Zur Gruppe der Rechtszeichen zählen auch die alten Burgfriedsäulen. In Un terweißenbach haben sich zwei bemerkens werte Beispiele erhalten (die gotische For mensprache der beim Rentenberger stehenden Wegsäule bringt Ulm mit dem Meister des Langhauses der Pfarrkirche Un terweißenbach in Verbindung®). Der Bild stock an einer Wegkreuzung unterhalb von Schönau an der Naarn zeigt den Binden schild. Dieses Werk der „Nachgotik" des 16. und 17. Jahrhunderts steht wohl in Beziehung zur Herrschaft Ruttenstein und ist trotz sakra ler Überhöhung in die Kategorie der grenzan zeigenden Denkmäler einzuordnen^®. Wir sind damit bereits bei den religiösen Klein denkmälern angelangt, welche den Hauptan teil unter den Flurdenkmälern ausmachen und maximalste Formenvielfalt vor Augen führen. Bilder, Kreuze, Bildstöcke und Kapellen verdanken auch in diesem Gebiet ihre Ent stehung meist der Wiedererstarkung des katholischen Glaubens, vor allem der Heili genverehrung im Zuge der Gegenreforma tion^^ (vgl. den 1650 datierten Bildstock mit dem Freistädter Stadtwappen an der Bun desstraße 125/Kilometer 40,6, Rainbacher Zufahrtsweg). Wie schon F. C. Lipp andeutet, scheint der Oberösterreicher trotz des tief greifenden Erlebens der Glaubenskämpfe und trotz des Aderlasses und der Vertreibung von Zehntausenden aufrechter und unge beugter Menschen derselbe geblieben zu sein wie vor der Reformation^^ Qjgs kommt auch in den mehrfach nach dem Westfäli schen Frieden (1648) vorgenommenen Neuund Umdatierungen älterer Monumente zum Ausdruck^®. Auffallend erscheint dabei die Tatsache, daß im Umfeld von Schloß Wein berg kaum religiöse Kleindenkmäler aus dem 16. Jahrhundert existieren. Friesenecker hat dies in seiner Studie^"^ glaubhaft mit dem lutherischen Einfluß der Zelkingerherrschaft zu erklären versucht (zu den Freunden des Hans Wilhelm Zelking zählte ja auch der Cal viner Georg TschernembP®, ein besonderer Gegner der Bilder- und Heiligenverehrung). Auf dem halbenWeg zwischenSchloßWein berg und Kefermarkt begegnen wir einer Pestsäule, deren ältester Teil (der Sockel) aus dem Jahre 1477 stammt^® (ein Jahr zuvor weihte Bischof Albert von Passau die Kirche in „Khefferndorf"^^). Die Pest, einst eine Sammelbezeichnung für eine Reihe ver schiedener seuchenartiger Krankheiten^®, ist nur einer von mehreren Beweggründen, wes wegen diese Zeichen der Volksfrömmigkeit gesetzt wurden. Ob nun zum Schutz von We gen und Reisenden, zur Erinnerung an Un glücksfälle und Verbrechen, zur Abwehr von Unheil, als ursprünglich profanes Denkmal mit religiöser Umdeutung oder als MerkmaU numinoser Orte — immer steht hinter der Errichtung ein Funktionsgedanke, ein Anlaß. Die Frage nach dieser „Daseinsberechti gung^®" muß Hauptaufgabe der Regionalfor schung bleiben, will sie nicht in eine „Pseudoklassifikation nach nicht essentiellen Merkmalen" (E. Schneeweis)®® verfallen. Trotzdem läßt sich die Stilsprache der Hoch kunst auch an diesen Bildstöcken und Kapel len nachvollziehen — wenngleich als retar dierendes Phänomen. Gerade bei den Bildstöcken (Wegsäule, Kreuzstöckl) finden wir zahlreiche Mischtypen, die kunstvoll aus dem lokalspezifischen Material, dem Granit, gemeißelt wurden. Einzelne größere Stein metzwerkstätten und -schulen haben oft ein Modell, das vielfach wiederkehrt und bis in die kleinsten Details übernommen wird, ge prägt (dabei wurden die Vorbilder oft genera tionenlang unverändert beibehalten). In der Gegend von Rainbach und Sandl stoßen wir beispielsweise auf den Typus des „Stock werk-Bildstocks", welcher auf der Schauseite mehrere Bildnischen (meist drei) in vertikaler Anordnung präsentiert und erst ab dem letz ten Drittel des 19. Jahrhunderts auftaucht. Bei all diesen regional verschieden ausge prägten Bildstocktypen finden wir stets den blankpolierten bloßen Stein vor. Da es im Mühlviertel keine Kalkvorkommen gibt und mit diesem importierten Baumaterial seit alters her sparsam gewirtschaftet werden mußte (man vergleiche nur das Steinbloß mauerwerk der alten Bauernhäuser), suchen wir vergeblich nach jenen gekalkten Bild stöcken, wie sie zum Beispiel für das nieder österreichische Weinviertel charakteristisch sind. Von den belegbaren hölzernen Bildstöcken®^ dieser Region hat kaum ein Exemplar die Zeit überdauert. Diese witterungsanfälligen Ge bilde zeugten von der hohen Zimmermanns kunst, die heute noch mit den erhaltenen Rüstbäumen der alten Bauernhäuser unter Beweis gestellt werden kann. Für die Wahl des Holzes war neben seiner leichten Bearbeitbarkeit, dem geringen Preis und seiner vertrauten Verwendung im Alltagsleben gleichfalls eine mehrfache Symbolaussage gegeben: vor allem der direkte Bezug zum Kreuzesholz und die lang wirkende Ausstrah lung des heidnischen Baumkults®®. Die steinernen Sockelstandbilder zu Ehren des hl. Johannes von Nepomuk (* 1393) ha ben sich dagegen bis in unsere Tage behaup ten können. Sie vermitteln uns nicht nur einen Eindruck vom Können heimischer Bild hauer, sondern geben uns auch eine Vorstel lung von der großen Popularität dieses im Jahre 1729 kanonisierten böhmischen Brückenheiligen (Leopoldschlag 1750, Frei stadt 1723, Hagenberg, Bad Zell 1755, Schloß Weinberg/Meierhof 1729 und Lasberg 1733). Man hatte den Märtyrer, Wasserheiligen und Beichtpatron schon vor seiner Kanonisation zum allgemeinen Nothelfer umfunktioniert und ihn in der Barockzeit an die Stelle eines Christopherus, ebenfalls als Wegbegleiter bekannt und verehrt (vgl. Kefermarkter Altar), gerückt (zu den wichtigsten Kulturvermittlern gehörte zunächst der in Böhmen begüterte Adel, dessen Mitglieder sich selbstverständ lich auch in den Reihen der hohen Geistlich keit finden)®®. Die Habsburger (besonders Karl VI.) haben durch politisch-dynastische Überlegungen der Verehrung im Österreich des 18. Jahrhunderts einen deutlichen Ak zent verliehen®"^. Nepomuk, der Generalvikar des Prager Erzbischofs, trägt auf den ge nannten Standbildernin der Regel Birett, Rochett und Kruzifix. Die fünf Sterne im Heili genschein werden als die fünf Buchstaben des lateinischen Wortes „Tacui" (= ich habe geschwiegen) gedeutet und sollen damit an die Beichtlegende anspielen; manchmal hält der Heilige auch den gestreckten Zeigefinger seiner rechten Hand an den Mund, so als wollte er sagen: „Sei still, lieber Wanderer, und geh leise vorbei, aber denk daran, daß ich zu schweigen verstand und meine Zunge hüten konnte®®." Mit den in den Kapellenbildstöcken befindli chen Holzplastiken setzen wir den zu Ehren dieses böhmischen Heiligen entfachten Denkmälerreigen fort (Hirschbach, Lasberg, Netzberg bei Pregarten, Gutau und Wald burg). Im Vergleich dazu rücken andere Darstellungen stark in den Hintergrund (als Beispiele für die Umsetzung von Wallfahrts motiven sind die nach dem Sonntagberger Gnadenstuhl-Typus entstandenen Trinitätsgruppen in Lasberg®® und Freistadt®^ und die nach Lucas Cranachs Mariahilfbild angefer tigte Plastik der Edlauer Kapelle in Lasberg®® zu nennen). Eine Kostbarkeit bietet dagegen die 1635 er baute und von Schloß Weinberg nur wenige
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