Kefermarkter Altar, Schreinfigur des hl. Petrus. Die Stola ist gerautet, die Rauten sind mit Knöpfen besetzt Ii K» Die Kunstwissenschaft hat wesentliche und übereinstimmende Erkenntnisse zum Stil, zum sich ändernden Kunstwollen gewonnen. Hierzu Ist vorzugsweise vom Schrein, den Flügeln und den Schreinwächtern auszuge hen, denn es Ist erkannt worden, daß das Ge sprenge als Architektur mit seinen Figuren nicht dem ursprünglichen Entwurf entspre chen kann. Die Schreinfiguren lassen an sich einen Wandel des Gewandstlls erkennen. Es wird der Faltenrelchtum, aber auch die Schmuckfreude am Petrus hervorgehoben und auf eine Auseinandersetzung mit der Ge staltungswelse der Figuren am Altar zu St. Wolfgang von Michael Rächer hingewiesen. Im Christopherus erscheint der Stil beruhig ter, nur die große Falte, die der Wind um den Baumstamm schlingt, Ist das beherrschende Bewegungsmotiv. Im Kirchenpatron haben sich die Motive der ornamentalen Schmuck freude und der rauschenden Bewegung ge klärt, alle Falten fallen parallel gemäß der stofflichen Schwerkraft. Die scharfen Falten grate vor den tiefunterschnittenen Schatten zonen bewirken Im Licht eine eigene dynami sche Schönheit voll graphischer Phantasie. Dieser graphische Grundzug Ist durch den Verlust der Fassung beherrschend In den Vordergrund gerückt, aber er verbindet die würdevollen monumentalen Rundfiguren mit den märchenhaft erzählenden Hochreliefs der Flügel. Zwischen den Reliefs der Epistel selte mit Weihnacht und Marlentod und den evangellenseltigen der Verkündigung und der Anbetung der Könige sind trotz des ein heitlichen Entwurfs grundsätzliche formale und schnitztechnische Unterschiede festzu stellen. Die Schärfe des Schnittes und der Charakterisierung der Apostel des Marlento des tritt auf dem Drelkönigsrellef zurück, der selbe Gesichtstypus Ist welcher, unbestimm ter und lyrischer. Hier treten auch neue Haarformen auf. Zwischen dem Gesichts schnitt der Madonnen gibt es keine Ver wandtschaft. Auf den rechten Reliefs läuft er zum Kinn hin spitz zu, während das Antlitz auf der linken Seite In ein Hochoval einge schrieben erscheint; bedeutsam werden auch die eingezeichneten Halsfalten. Im Schnitt folgen die Reliefs der Evangellenselte den tiefen Unterschneldungen der Schrein figuren, die Falten sind dünn gegenüber den flachen, fleischig wirkenden der Nordrellefs. Hier Ist ein neuer Schnitzer tätig, der dem Entwurf des Meisters folgte, aber seine eigene sehr ausgeprägte Technik behielt. Der Kunsthistoriker leitet das Neue vom Altar des Michel Erhart In der ehemaligen Kloster kirche zu Blaubeuren her; auch die lyrische Grundhaltung Ist schwäbisch. Ein wichtiges Motiv beweist die Einheit des Entwurfes von Schrein und Flügeln: Die ein malige Verwendung der kerbschnittartigen Ornamentik, wie sie In der Holzbaukunst auch Im bäuerlichen Bereich bis Ins vergan gene Jahrhundert z. B. an geschnitzten Bal kendecken verwendet wurde. In der Spätro manik bestimmten diese Formen In Stein übertragen Portal- und Fensterlelbungen. In Kefermarkt wird die Stola des hl. Petrus mit einem z. T. eingekerbten fortlaufenden Rau tenmuster, z. T. mit In die Rauten eingesetz ten kugeligen Knöpfen geschmückt. Das Or nament Ist als Stickerei gedacht und In Kontrast zu der Borte des Pluvale (Vesper mantel) gesetzt, die mit Apostelblldern geschmückt Ist. Die Verkündigung geschieht In einem Bürgerhaus; die baldachlnartige Ar chitektur ruht auf einem gerauteten Rundpfeller, der andere Ist geschuppt. Auch die Stola des Erzengels Gabriel Ist mit Kerbschnltzerel verziert, die hier zickzackartig aus gegenständigen Dreiecken gebildet wird. Und schließlich begrenzt den Mantelsaum ein gekerbtes, fischgrätähnllches Band. Die Einmaligkeit des Auftretens an einem Reta bel wird noch übertroffen durch das Phäno-
RkJQdWJsaXNoZXIy MjQ4MjI2