Oberösterreich, 38. Jahrgang, Heft 1, 1988

pr: ml 1 gel von Kefermarkt, zum Teil auch spiegel bildlich, kopieren, sondern auch beim Ma rientod die Physiognomien der Apostel am gleichen Ort wiedergeben. Die Landschaften deuten hier bereits das Kolorit der Donau kunst an. immer wieder wird die Frage nach dem Schöpfer des Retabeis gestellt, wobei sehr viel Scharfsinn, Phantasie und Fleiß aufge wendet wurden. Zuletzt haben sich Zuschreibungsproblematlker für die Passauer Künstlerfamille des Martin Kriechbaum festgelegt und es wurde sogar für die verlorenen und daher unbekannten Tafelbilder ein Mitglied der Familie namhaft gemacht. Die vielen und sehr aussagefreudigen Urkunden zu dieser Familie geben einen umfassenden Einblick in eine Bildhauer- und Maierwerkstatt, einen Betrieb, aus dem mehrere urkundlich erfaß bare Retabei hervorgingen. Allerdings gibt es bisher kein einziges Werk, das für diese Werkstatt oder Familie gesichert ist und von dem aus stilistisch andere Arbeiten zuge schrieben werden könnten. Bis zur Lösung dieser Frage muß der Altar als das Werk des großen Meisters von Kefermarkt angesehen werden. Links: Kefermarkter Altar, Verkündigungsrelief. Die Szene dargestellt in der Stube eines Bürgerhauses. Verzierungen in Kerbschnittechnik. Kopftypus Mariens und des Erzengeis hochoval scheiden die runden Löcher, durch die das Ungeziefer das Holzmehl ausgestoßen hat. Eher für eine Fassung sprechen die Wurm umkehrgänge, die entstanden sind, als der Wurm auf den Kreidegrund traf und sich eine kleine Strecke darunter fortfraß, bis er wieder in das besser verdauliche Holz zurückkehrte. Es steht aber seit fast dreißig Jahren fest, daß der Altar nach dem Willen des Stifters Chri stoph Zeiking ausgeführt, gemalt und vergol det worden ist. Allerdings muß noch beachtet werden, daß große Teile des Altares, vor allem aber die Rückseiten des Schreines und der Flügel mit ihren Gemälden „verweißet" wor den sind. Wann dieser Leimfarbenauftrag durchgeführt wurde, ist nicht bekannt; aber mit ihm können sich große Teile der Fassung und der Tafelbilder fest verbunden haben. Sie waren einerseits nicht mehr erkennbar, ande rerseits konnten sie auch durch Kiimaschäden zusammen abgeplatzt sein. Eine derbe Vorstellung von der ursprünglichen Farbig keit überliefern vier Reliefs mit dem Marien ieben, die nicht nur die Komposition der FiüRechts: Kefermarkter Altar, Relief Marientod. Kopftypus der Madonna mit spitzem Kinn. Auf dem Kopfkissen Verfärbung des Holzes durch die ursprünglich blau-weiß karierte Leinenwebe. An der unteren Apostelfigur war der Halsausschnitt vergoldet und mit Punzen verziert

RkJQdWJsaXNoZXIy MjQ4MjI2