Oberösterreich, 38. Jahrgang, Heft 1, 1988

Kleindenkmale im Bezirk Freistadt Hannes Etzlstorfer Fotos; Elfriede Wöhry Wenn im Spätfrühling dieses Jahres erstmais das Mühlviertel zu einer Landesaussteliung einlädt, ergibt sich damit für viele die Mög lichkeit, diese hügelige Granitlandschaft mit ihren Besonderheiten näher kennenzuiernen. Dem Wesen der Landschaft und ihrer Bewohner entsprechend, eröffnet sich das Mühiviertel in der Regel nur aufmerksamen und geduldigen Zeitgenossen (Rast statt Hast). Dieses rauhe und oft abweisende Lan desviertel drängt sich nicht auf, überrascht mit keinen Sensationen. Man spürt auch, daß in diesem Landstrich alle Uhren langsamer gehen und hier jede Ernte auch heute noch den täglichen Kampf mit dem harten und kar gen Boden voraussetzt — trotz Traktor, Mäh drescher und dergieichen. Als Ausdruck des Ringens mit dem gottgewollten Schicksal und den Gewalten der Natur sind die zahl reichen steinernen und hölzernen Zeugnisse der Volksfrömmigkeit entstanden, die heute einen wesentlichen Bestandteil dieser Kultur landschaft ausmachen. Diesbezüglich ist das Mühlviertel eine wahre Fundgrube, denn der Formenschatz der Kreuzsäuien und Bild stöcke ist kaum zu überschauen — ganz ab gesehen von den unterschiedlichen Motiven, weswegen derartige Zeugnisse frommen Denkens einst gesetzt wurden, ja heute noch errichtet werden L Bildstöcke und Kapellen säumen auch die Straßen und Wege, die den Aussteiiungsbesucher zum Schieß Weinberg führen. Dieser Exkurs über die Kleindenkmäier im Bezirk Freistadt möge deshalb nicht nur die Vielfait dieser meist namen- und „zeitlosen Kunst am Wege^" in Erinnerung rufen und so auf ein in der Landesausstellung repräsentiertes De tailgebiet einstimmen, sondern den Besu cher auch zu einer besinnlichen Wanderung in der näheren Umgebung von Kefermarkt anregen. Obwohl der Begriff „Kleindenkmal" vorrangig religiös determiniert ist, umfaßt die Palette der Klein- oder Fiurdenkmäler nicht nur Kreu ze, Bildstöcke und Kapellen. In der vom „Ar beitskreis für Fiurdenkmalforschung" 1977 erarbeiteten Einteilung finden wir deshalb neben den religiösen Kleindenkmalen auch steinerne Naturdenkmäler, steinerne Kultur denkmäler der Vor- und Frühzeit, Rechts- und Verkehrszeichen (Grenz-, Weg- und Postzei chen, Marktzeichen, Pranger und Galgen), Steinkreuze und Kreuzsteine, Totengedenk male, Brunnen und sonstige Steindenk male®. Es gilt deshalb, in diesem kurzen Überblick Schwerpunkte zu setzen. Aus dem Bereich der Rechtszeichen stam men beispielsweise die alten Pranger. Von den zwanzig erhaltenen Exemplaren des Mühlviertels stehen acht im Bezirk Freistadt. Der Pranger (mittelhochdeutsch pfrengen — pressen, drücken) erinnert an mittelalterli ches Strafrecht, demzufolge der Missetäter, oft durch einen Halsring festgehalten, ausge stellt und dem öffentlichen Spott ausgeliefert wurde". An diesen erhaltenen Rechtsaltertü mern wird einerseits das gesteigerte Bewußt sein von Adel und Bürgertum ablesbar, ande rerseits läßt sich an ihnen die strenge Gebrauchsform, wie auch die Ornamentik der Zeit studieren®, in erster Linie wird dies durch die datierten Beispiele gewährleistet: Bad Zell 1574, Weitersfelden 1648 und Sankt Leonhard bei Freistadt 1759. Die undatierten Pranger von Leopoldschiag, Königswiesen, Gutau, Kefermarkt und Lasberg sind großteiis nur mehr in fragmentiertem Zustand auf uns IV ^ I Eine der Burgfriedsäulen in der Umgebung von Bad Leonfelden, die an die ehemaligen Rechte dieses alten Marktortes erinnern Einsamer Bildstock in der Ortschaft Lest an der Straße nach Kefermarkt Marterl aus dem Jahr 1865 im Raum Sandl

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