ren. In der Hand trugen wir eine brennende Kerze. Ganz besonders Ausersehene hatten kleine Körbchen mit Blütenblättern, die sie vor dem Allerheiligsten, das der Priester in der Monstranz unter dem „Himmel" — einem von vier Männern an Stangen getragenen reichbestickten Baldachin — feierlich trug, auf den Weg streuten. Alles, was irgendeiner Vereinigung oder einem Verein angehörte, war korporiert und in Uniform vertreten. Hin ter dem „Himmel" gingen die sogenannten „Honoratioren"; der Bürgermeister mit dem Gemeinderat, der Gendarmerieinspektor, die „Goldhauben"-Bürgerfrauen in prachtvollen seidenen Gewändern mit weitem Reifrock und Schultertuch und auf dem Kopf die ei gentlich aus Linz importierte Goldhaube. Dann kamen der Kirchenchor, die St.-Josephs-Bruderschaft, die „Legio Mariae", die jungen Burschen und Mädchen, die Männer und Frauen — natürlich streng voneinander getrennt —, die Bäuerinnen wieder mit dem „Schwalbenschwanz", die Bauern im Fest tagsgewand, mit schönen Samtwesten und silbernen Knöpfen und der stolz zur Schau getragenen silbernen Uhrkette, oft mit böhmi schen Granaten verziert. Auch Veteranenver eine, oft noch aus dem Ersten Weltkrieg, mit Fahnen. Später, nach 1956, auch der soge nannte „Kameradschaftsbund". Natürlich alle Kompagnien der Bürgergarde in prächtigen Uniformen mit Federnbuschhelmen, die Offi ziere mit den Säbeln an der Seite, die Einfa chen mit Gewehren, aus denen sie beim Se gen schössen. Ich habe mich früh schon gefragt und mit meiner Mutter heftig disku tiert, was Tötungsinstrumente wie Gewehre und Säbel und oft genug auch Menschen, die diese Instrumente zum Töten bereits ge braucht haben, eigentlich bei einer Feier zu Ehren der Einsetzung der Heiligen Euchari stie, dieses Glaubensgeheimnisses, zu tun haben, wie das mit dem Glaubensgedanken christlicher Versöhnung und Friedfertigkeit vereinbar sein soll. Damals als Kind hat mir das Ganze als eine Art Schauspiel irgendwie imponiert, dann aber spürte ich immer mehr eine innere Distanz zu diesem Zur-Schau-Tragen des Glaubens. Und dies verbunden mit Musik und Tamtam, mit militärischen Kom mandos und Gewehrschüssen beim Segen mit dem Allerheiligsten. Profanierung der Re ligion, in manchem auch Mißbrauch; ver ständlich wiederum nur aus historischen Be zügen. Abgelebte Lebensform oder noch Brauchtum? Ganz anders waren die Bittprozessionen an den Bittagen. Da sah man fast nur „einfache Leut" und die bäuerliche Bevölkerung. Und alle gingen, laut den Rosenkranz betend oder singend, hinter dem Kreuz und den Fah nen mit dem Priester, dem Mesner, dem Zechpropst, dem Vorbeter und den Ministran ten, meist schon am frühen Morgen, auf klei nen Wegen durch die schon grünen Wiesen. Man betete um gutes Wetter, um Schutz vor Hagel und Frost, um das gute Gedeihen der Frucht, um den Segen Gottes für die Arbeit. Alles war einfach und schlicht und von tiefem Glauben erfüllt. Das Wetter und die Witte rung, Hagel, Sturm, Frost oder Dürre hatten mit dem Willen Gottes zu tun und nicht mit meteorologischen Gegebenheiten. Auch die Maiprozessionen und Maiandach ten waren schön. In den Häusern hatte jede Familie ihren eigenen schön geschmückten Maialtar mit einem Muttergottesbild. Jeden Abend war in der Kirche die Maiandacht zu Ehren der Gottesmutter Maria. Bei den Bau ern in den Dörfern gab und gibt es noch im mer kleine Kapellen, wo sich allabendlich im Mai die Dorfbewohner zum Rosenkranzbeten versammelten. Manchmal kam auch der Herr Pfarrer oder der Kaplan und hielt mit ihnen ■ "T Jh T ,T.
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