Oberösterreich, 38. Jahrgang, Heft 1, 1988

Mit den aus Schwaben stammenden Thürheimern trat nun das zweite große Besitzer geschlecht auf Weinberg in die Geschichte dieser Herrschaft ein. Dem ersten Inhaber, der auf Fürsprache seines bischöflichen Herrn, Erzherzog Leopold Wilhelm v. Öster reich, bei dessen kaiserlichem Bruder Ferdi nand II. 1625 in den Freiherrenstand erho ben und 1627 in die . obderennsische Landmannschaft aufgenommen wurde, war nur ein kurzes Leben beschieden. Johann Christoph starb bereits fünf Jahre nach dem Erwerb Weinbergs am 14. August 1634, knapp 45 Jahre alt, in seinem Linzer Frei haus, heute Neubau aus dem Jahre 1801/03, Altstadt Nr. 30. Seine 1619 angetraute Ehefrau, Anna Martha Freiin von Taufkirchen, hatte neun Kinder ent bunden; vier Knaben überlebten den Vater. Als Witwe verwaltete Anna Martha den über kommenen Besitz mit sparsamer Hand und konnte ihn durch günstige Ankäufe sogar noch vergrößern, obwohl ihr kostspielige Pro zesse um Besitzrechte mit ihren Nachbarn nicht erspart blieben. 1650 übernahmen die zwei jüngsten Söhne, Christoph Leopold und Philipp Jakob, gemein sam die Verwaltung Weinbergs; 1656 kam der erstere in den Alleinbesitz der Herrschaft, nachdem er den Anteil seines Bruders einge löst hatte. Christoph Leopold bekleidete das Amt eines kaiserlichen Kämmerers und Land rates. Als kaiserlicher Kommissär hatte er während des Türkenkrieges 1663 für die Mu sterung und Aufstellung des Aufgebotes im Machlandviertel mit dem Sammelplatz in Perg zu sorgen. ■— Durch Dekret vom 30. Ok tober 1666 wurden er und seine Brüder und ihre Nachkommen beiderlei Geschlechtes vom Kaiser in den Reichs- und erbländischen Grafenstand erhoben und gleichzeitig das Familienwappen durch die Aufnahme des sil bernen Einhorns aus dem Wappen der Groß mutter Kordula von Nußdorf „vermehrt". 1672 und 1683 wirkte Graf Christoph Leopold als Verordneter des Herrenstandes in Österreich ob der Enns. — In erster Ehe war er seit 1657 mit Anna Judith Gräfin Salburg, die 1668 an Blattern verstarb, verheiratet, 1678 ehelichte er Maria Katharina Gräfin Preysing. Den bei den Ehen entsprossen insgesamt acht Söhne und sieben Töchter. — Der Graf, der am 26. August 1687 die Herrschaft Weinberg als Fideikommiß, das heißt als unveräußerlichen Besitz zur Erhaltung des Familiengutes im Mannesstamme, stiftete, beschloß am 9. Au gust 1689 sein Leben; er wurde in der neu er richteten Familiengruft in der Pfarrkirche Kefermarkt bestattet. Das Erbe trat sein ältester, 1661 geborener Sohn aus der ersten Ehe, Christoph WHheim an. Er wurde ebenso wie sein Vater vom Kai ser zum Rat und Kämmerer ernannt und ver sah bei den Ständen des Landes ob der Enns zahlreiche Ämter, so als Landrat, Ausschuß der Landschaft, Raitrat und seit 1701 als Ver ordneter. Am 24. September 1705 betraute ihn Kaiser Josef I. mit dem Amt des OberstErbland-Falkenmeisters im Erzherzogtum ob der Enns. 1713 ernannte Kaiser Karl VI. den Grafen zum Landeshauptmann von Ober österreich, als welcher er 25 Jahre bis zu sei nem Tode erfolgreich tätig war. Er starb am 8. Jänner 1738 im kaiserlichen Schloß zu Linz im Alter von 77 Jahren. 1690 hatte er sich mit Maria Franziska Michaela Gräfin Kueffstein vermählt, die ihm 16 Kinder schenkte. Der äl teste, 1692 in Linz geborene Sohn Johann Wilhelm übernahm nach dem Tode des Vaters das Fideikommiß und die Herrschaft Wein berg. Der Graf studierte in jungen Jahren an der Hochschule in Löwen/Belgien, war dann im Staatsdienst tätig, beteiligte sich 1717 am Feldzug gegen die Türken und wurde schließ lich zur Dienstleistung als Kämmerer der Kai serinwitwe Amalie berufen. 1740 wurde er Präsident der obderennsischen Herrenstandsverordneten und als solcher von Kaiser Karl VI. zum Wirklichen Geheimen Rat be stellt. —• Wegen der Beteiligung an der Huldi gung des bayerischen Kurfürsten Karl Albrecht durch einen Teil der oberösterreichischen Stände am 2. Oktober 1741 im von den Bay ern besetzten Linz fiel er bei der Königin Ma ria Theresia in Ungnade, mußte 1742 auf sei nen Posten als Präsident der Landschaft verzichten und lebte zurückgezogen meist im Schloß Weinberg. Er verstarb an den Folgen eines Schlaganfalles in Linz am 23. Aprii 1749. Der 1729 mit Maria Alberta Gräfin Sprinzenstein eingegangenen Ehe Johann Wil helms entstammten acht Kinder. Die Verwal tung der zufolge der 1750 erstellten (theresianischen) Rustikalfassion 951 Unter tanenhäuser zählenden Herrschaft Weinberg wurde bis zur Großjährigkeit der Erben, 1754, von den Grafen Norbert Anton Salburg und Josef Johann Gundaker Thürheim als dazu bestellte Vormünder geführt. Der Erstgeborene Christoph WHheim II. über nahm schließlich 1755 als Fideikommißinhaber die Herrschaft Weinberg. Auch er trat in den Staatsdienst, wurde Landrechts-Beisitzer, 1754 Wirklicher Kämmerer, drei Jahre darauf Regierungsrat und mit 30. September 1763, erst 32 Jahre alt, durch Reskript an die Stände von der Kaiserin Maria Theresia zum Landeshauptmann von Oberösterreich er nannt. Als solcher nahm er 1779 im gewonne nen Innviertel die Huldigung der dortigen Be wohner entgegen. 1783 wurde er nach Aufhebung der Landeshauptmannschaft der erste Präsident der neuen (josefinischen) Landesregierung; 1786 enthob ihn der Kaiser „in Gnaden" von diesem Amte. — Graf Chri stoph Wilhelm hatte erst spät, 1763, geheira tet. Aus seinen drei Ehen, sowohl mit Maria Antonia Gräfin Kaunitz-Rietberg, dann 1771 mit Maria Anna Gräfin Migazzi, geb. Gräfin Künigl, sowie 1802 mit der Stiftsdame Maria Gräfin Gaisruck sind keine männlichen le benden Erben gediehen. 1806 übergab Christoph Wilhelm die Herr schaft Weinberg seinem Vetter Josef Wenzel aus der Schwertberger Linie, Sohn seines Onkels und seinerzeitigen Vormunds Josef Johann Gundaker, gegen die Zahlung einer Einstandssumme von 200.000 Gulden an seine beiden Töchter Maria Aloisia Antonia, verehelichte Gräfin Migazzi, und Marie Wil helmine, verehelichte Gräfin Paris-Lodron. Die dritte Tochter Maria Franziska, verehe lichte Gräfin Althan, hatte er bereits 1802 mit den neu erworbenen Herrschaften Hagen berg und Bodendorf bei Katsdorf abgefun den. — Der Altlandeshauptmannstarb im ho hen Alter von 79 Jahren am 29. Juli 1809 in seinem Linzer Freihaus. Graf Josef Wenzel vereinigte den Weinberger und Schwertberger Herrschaftsbesitz in einer Hand, starb jedoch bereits 1808 im 59. Lebensjahr. Seit 1783 war er mit Marie Louise Gräfin Berlo-Houzemont, geborene Gräfin Berghe von Trips, verheiratet, die einem Sohn und vier Töchtern das Leben schenkte. Die Witwe verwaltete nun bis 1815 vormundschaftlich mit dem Onkel der Kinder, Franz Hager Freiherrn von Allentsteig, die vereinigten Herrschaften für die noch unmün digen Erben. 1815 übernahm der 19jährige Josef Ferof/nanc/ Ignaz nach Vollendung seiner juridischen Studien und Teilnahme an den Befreiungs kriegen die Herrschaft Weinberg-Schwert berg. Er wurde 1829 zum Verordneten des Herrenstandesin Österreich ob der Enns be stellt, starb jedoch schon 1832 an typhösem Fieber in Linz. Die Vormundschaft während der Unmündigkeit der hinterbliebenen Kinder — zwei Töchter und zwei Söhne aus der 1816 geschlossenen Ehe mit Leopoldine Gräfin Starhemberg — führte der Bruder der Witwe, Graf Anton Gundaker, bis 1841 Graf Josef Ludwig Egbert Thürheim nach erreichter Großjährigkeit die Besitznachfolge antreten konnte. Er war der letzte Patrimonialherr des 1848 aufgehobenen Untertanenverbandes der Herrschaft Weinberg-Schwertberg und starb als Justizritter des souveränen Malteser ordens und k.k. Kämmerer am 19. Juli 1894. — Sein Bruder, der als Militärhistoriker be kannte Graf JosefAndreas, Komtur des Malte serordens, starb am 23. Dezember 1904 auf Schloß Weinberg. Sein 1874 aus der zweiten Ehe mit Sophie Zeßner Freiin von Spitzen berg geborener Sohn D.r Ludwig Goswin 23

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