Besitzgeschichte von Schieß Weinberg Herbert Erich Baumert Fotos: Franz Gang! Die mitteiaiteriiche Burg entstand — in be herrschender Lage auf der Terrasse eines nach Südwesten zur Feidaist abfaiienden Hö henrückens — ais Ausbruch auf dem Boden der aiten Herrschaft Freistadt, diesem ersten geschiossenen Besitz der Babenberger im späteren Land ob der Enns, der nach dem erbeniosen Aussterben der Herren von Veiburg-Clam im Jahre 1217 vertragsgemäß an Herzog Leopold iV. gekommen war. Die Herr schaftsgeschichte von Weinberg wird, im Ge gensatz zu manchen anderen wechseivolien Besitzverhäitnissen in unserem Lande, von nur zwei adeligen Geschlechtern iangzeitig dominiert: Dreihundert Jahre, von der Mitte des 14. Jahrhunderts an, saßen die Zelkinger ais Herren auf der Feste, dann waren die Thürheim mehr ais 250 Jahre bis ins 20. Jahr hundert über di^ Aufhebung der Grundobrig keit hinaus im Besitz des Schlosses. Als frühester,bekannter Inhaber der Feste be zeugt 1305 Peter der Fiber von dem Weinperige mehrere Verkaufsurkunden der Lobensteiner. Peter, mit der Tannbergerin Frau Berchta vermählt, erscheint ein letztes Mai im Jahre 1359 in der Zeugenreihe einer Urkunde. — Um diese Zeit war ein Teil der Feste Weinberg bereits im Lehenbesitz der Zelkinger. im Güterteiiungsvertrag' nach dem 1365 verstorbe nen Ulrich von Zelking vom 19. Jänner 1369 zwischen dessen Brüdern Aibrecht (Aiber), Otto und Rudolf (Ruger) sowie der Schwester Elisabeth, Gattin des Hans Schweinbeck, wird allen vier Geschwistern ein Anteil an Weinberg zugesprochen. Wer von dieser Fa milie seinerzeit Anteile an der Feste Wein berg erwarb, ist nicht festzustellen. Vielleicht schon der von 1286 bis 1317 ais Burghaupt mann von Freistadt erwähnte Otto oder erst einer seiner Söhne, der 1345 kinderlos ver storbene Aibrecht bzw. Heinrich, der Vater der vorgenannten Kinder. Am 22. März 1378 verkaufte Gottfried von Wiidungsmauer die halbe Feste Weinberg, die er ais herzogliches Lehen seines Vaters Johann erbweise übernommen hatte, um 450 Pfund Wiener Pfennig an die Brüder Albrecht und Rudolf von Zelking, deren Bruder Otto, fürstiich-saizburgischer Hofmarschaii, durch Her zog Aibrecht Iii. nach dem Lehenbuch von 1380 mit dem anderen halben Haus der Feste belehnt wurde. Nachfolgende Streitigkeiten zwischen Otto und Aibrecht um diesen Besitz entschied der Herzog schließlich durch einen Schiedsspruch am 14. Juli 1381 zugunsten des letzteren, dem Otto dann auch am 20. Au gust vertraglich die Abtretung seines Anteiles zusicherte. Jedoch erst am 25. September des folgenden Jahres verkauften er und seine Hausfrau Katharina endgültig die halbe Feste Weinberg mit allen Zugehörigen um 974 Pfund Wiener Pfennig an Aibrecht. ;■ Wappen aus Grabplatte für Christoph von Zelking, gestorben 1491, Pfarrkirche Kefermarkt Auf den bis 1399 urkundlich handelnden Aibrecht „von Zelking auf Weynperg" folgten die beiden Söhne aus der Ehe mit Agnes von Rohr, Erhard und der noch minderjährige Wil helm ais Besitzer Weinbergs. Der freieigene und Lehenbesitz der Herrschaft Weinberg reichte Ende des 14. Jahrhunderts bereits von der böhmischen Grenze des Landes im Norden bis zur Donau im Süden und umfaßte damals 219 Häuser, davon 64 in den heutigen Marktorten Kefermarkt und Lasberg und im Dorf Kerschbaum sowie 155 in 19 Pfarren ver streut. Am 16. Oktober 1408 erhielt Erhard von Zel king von Herzogin Beatrix die Feste Wein berg samt Zugehörungen ais iandesfürstiiches Lehen; nach der Erreichung der Mündigkeit Wilhelms wurden beide Brüder gemeinsam am 27. Juni 1414 durch Herzog Aibrecht iV. mit Weinberg belehnt. Durch die Erwerbung von einzelnen Gütern, Ämtern und Zehenten kam es unter den beiden Brü dern zur ersten wesentlichen Erweiterung und Abrundung des Weinberger Herrschafts bereiches. Am 14. Juni 1455 belehnte König Ladislaus Postumus den Erhard und seinen Neffen Christoph, Sohn Wilhelms, mit der Fe ste Weinberg. Von 1427 bis 1429 und von 1433 bis 1435 war Erhard auch Pfleger der iandesfürstiichen Herrschaft Freistadt, 1460/62 Mitglied des iandesfürstiichen Rates aus dem obderennsischen Herrenstande. Er starb hochbetagt 1470 und wurde in der Klo sterkirche Baumgartenberg beigesetzt. Christoph von Zelking, der nach dem Tode seines Onkels nun in den Gesamtbesitz von Weinberg gelangte, vergrößerte abermals durch zahlreiche Güter- und Zehentkäufe den Herrschaftsbesitz und erwirkte 1479 von Kai ser Friedrich Iii. die Erhebung des am Fuße der Burg gelegenen grundherrschaftiichen „Keferndorfes" zum Markt. Er gilt ais Erbauer der Pfarrkirche daselbst und Stifter des weit berühmten Fiügeiaitares. Christoph war Vierteihauptmann des Machiandes und hatte auch sieben Jahre — von 1484 bis 1491 — ais Pfand die Pflegschaft über Schloß und Herr schaft Freistadt inne. Nach seinem Abieben am 2. August 1491 übernahmen die zwei ältesten Söhne aus der ersten Ehe mit Margarethe von Pottendorf, Hans und Veit, und deren noch unmündige Brüder aus der zweiten Ehe Christophs mit Apollonia von Poiheim, Wilhelm und Wolfgang die hinteriassenen Herrschaften. Hans über nahm die Pflegschaft von Freistadt mit dem Schloß samt dem Landgericht und dem Ungeid für 800 Pfund jährlich und hatte sie bis 1500 zu eigen. Am 15. Dezember 1491 wurde er ais der älteste der Brüder vom Kaiser mit der Herrschaft Weinberg belehnt. 1510 teilten die vier Brüder nach erreichter Großjährigkeit der zwei jüngeren endgültig das Erbe ihres Vaters, Weinberg fiel an Hans und Veit. Noch im selben Jahr löste Kaiser Maximilian I. die Lehenbande und übergab Weinberg den Brü dern ais freies Eigen. Mit Kontrakt vom 7. No vember 1524 erwarb schließlich Veit den hal ben Anteil seines Bruders Hans an der Herrschaft Weinberg und war nun bis zu sei nem Tode 1559 deren alleiniger Besitzer. Un ter ihm wurde 1497 die Arbeit an dem von sei nem Vater in Auftrag gegebenen Schnitzaitar in Kefermarkt mit der Zahlung der letzten Rate von 20 ungarischen Gulden an den bis heute unbekannt gebliebenen Meister abge schlossen. Anstelle des von seinen zwölf Kindern aus drei Ehen als Erbe heranstehenden jüngsten Sohnes Heinrich, der an Geistesstörungen litt, übernahm dessen Cousin Wolfgang Wil helm die Verwaltung der Herrschaft Wein berg, die er jedoch schon zehn Jahre später — 1569 — seinem Bruder Carl Ludwig, erzherzogiich-geheimen Rat und Oberstaiimeister, überließ, der sie schließlich am 18. Jän ner 1574 bestandweise an seinen Vetter Hans Christoph weitergab mit der Verpflichtung zu einer jährlichen Zahlung von 2000 Gulden an die anderen Vettern.
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