Oberösterreich, 38. Jahrgang, Heft 1, 1988

Links: Burgruine Ruttenstein, Gemeinde Pierbach, Bezirk Freistadt. Im 12. Jh. Erbauung der Hauptburg mit Wohnturm, Bergfried und Ringmauer, vor 1500 die weitiäufige Vorburg angebaut. — Luftaufnahme vom 9. 4. 1986, freigegeben vom BMLV mit Zahi 13083/165 — 1. 6. 86 Rechts: Burgruine Windegg, Gemeinde Schwertberg, Bezirk Perg. „Die Burg liegt auf einem aus dem Tale aufsteigenden Felssporn, im Grundriß ein verschobenes Quadrat. Sie ist in Oberösterreich bemerkenswert ais einziger romanischer Buckelquaderbau, 1. H. 13. Jh." (Benno Ulm: Das Mühlviertel, Salzburg 1971). — Luftaufnahme vom 9. 4. 1986, freigegeben vom BMLV mit Zahi 13083/165 — 1. 6. 86 Ii Westseite wurden moderne Wohnräume anoder eingebaut und diese über einige Hofar kaden neu erschlossen. Der Arkadenhof, bei Italien-Aufenthalten kennen und lieben ge lernt, sollte ins rauhe Mühlviertei übertragen werden. Arkaden, eingebaut in kleinste und große Burgen, finden wir ab der Mitte des 16. Jahr hunderts in Götzendorf und Piberstein, in Rannariedl und Clam, in der Greinburg am ausgereiftesten, aber auch an der Ostseite von Wildberg und am Palas von Kreuzen. Die Ringmauern, gegen Pfeilbeschuß mehr und mehr erhöht, bekamen nun gegen FeuerBeschuß weitere Mauerringe mit Rundtürmchen — Rondellen — und geeigneten Schießscharten vorgelegt. Sehr schön ist dies an der etwa 1562 errichteten äußeren Mauer von Burg Piberstein abzulesen. Die gewaltigste Abwehr- und Feuerkraft be saß in dieser Zeit wohl Ruttenstein mit seinen sieben schweren Rondellen. Auch der Burg berg von Weinberg ist durch Mauerzüge und Gräben mehrfach abgesichert, in Waxenberg sollte ein vorgeschobener halbrunder Wehr turm das Flankenfeuer auf den Angreifer sichern. Unter den Torbauten fallen zwei fast barbakanenartlge Bauten aus der Spätzeit auf. So be sitzen Neuhaus und Weinberg außerhalb des Grabens eine halbrunde äußere Torkammer, in Pürnstein sitzt dieser Torbau in der Ringmauer. Bezeichnenderweise behielt die Amtsburg der katholischen Landesherren, Freistadt, ihren altertümlichen hölzernen Umgang im Hof. Denn die Arkaden und Arkadenhöfe scheinen das letzte Vermächtnis ihrer aufge schlossenen, protestantisch-modernen Bau herren an das Land gewesen zu sein. Bau ernkrieg und Dreißigjähriger Krieg brachen über Oberösterreich und das Mühlviertel her ein, warfen das Land kulturell und wirtschaft lich zurück und hinterließen so manche ver lassene und gebrochene Burg. Die neuen Herren residierten bald in ba rocken Schlössern. Viele Burgen sanken nun zu Forstverwaltungen, Bauernhöfen und end lich Armenwohnungen und Ruinen ab. Das Burgenzeitalter war endgültig vorbei. Oft hat auch manche bescheidene Funktion den Fortbestand des alten Gemäuers gesi chert. Was jedoch weiter herrschaftlich ge nutzt wurde, war ständigem Umbau, ständi ger Verformung ausgeliefert. Gerade der wehmütige Anblick so mancher Ruine half erst das Interesse an den alten Denkmälern wieder zu wecken. Die Zeichner der Romantik waren die ersten, die wieder die oft funktionslosen, aber maleri schen Bauten aufsuchten und in Skizzen festhielten. Zuerst Sammelleidenschaft und später Verantwortungsbewußtsein gegen über der Geschichte bereiteten den Boden für erste Erhaltungsmaßnahmen. Gleichzei tig wurde jedoch die Zerstörung durch Steu ergesetze und Grundbefreiung weiter voran getrieben. 17

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