Oberösterreich, 38. Jahrgang, Heft 1, 1988

w bürg, die sich heute ganz als renaissance zeitliches Schloß gibt, aber bereits 1491 auf dem völlig unbebauten Stettenfels nahe bei Grein errichtet worden ist. In dieselbe Zeit gehört die kleine Inselburg Pragstein zu Mauthausen, die als sechsecki ger Baukörper ohne Hof, wie ein Schiffsbug die Donauwellen teilend, auf einer winzigen Felseninsel oberhalb des Marktes Mauthau sen zur Stromübergang- und Landsicherung 1491 erbaut wurde. Aus den auch in den Innenräumen noch gut ausgestatteten Objekten ragt vor allem Burg Clam, seit sechzehn Generationen in der gleichen Familie (!), hervor. Recht eindrucksvoll hat sich auch des öfteren die Einheit von Burg und Meierhof, von Ver waltungssitz und Wirtschaftshof, erhalten. Man vergesse nicht, daß lange Zeit hindurch Ritter und Bauer miteinander in einer Überle bensgemeinschaft vereint waren, einseitige Ausbeutung sehr rasch eine derartige Sym biose zerstört hätte. Also wohnte wohl auch nicht immer der Ritter nur in seinem feuch ten, steinernen Turm, sondern ebenso in den gezimmerten Nebengebäuden unmittelbar daneben; wuchsen die Kinder miteinander auf, liefen vielleicht auch die Bankerte dazwi schen herum und verlangte so manche Ar beitsanstrengung den gemeinschaftlichen Einsatz aller vorhandenen Mittel und Köpfe. Der Meierhof ist somit auch Sinnbild der spä ter oft verlorengegangenen gesellschaftli chen Einheitlichkeit der mittelalterlichen Rodungs- und Kolonistenbevölkerung. Den Platz der ersten Meierhöfe haben oft die spä teren Burgerweiterungen eingenommen; so vielleicht auf der kleinen Burg Lobenstein bei Errichtung des heutigen Berings, bei Piberstein, wo erst 1562 der Hof dem erweiterten Mauerring weichen mußte, in Hagenberg, wo der Graben in einen Keller und der Meier in ein Schloß umgewandelt wurden, ähnlich auch in Wildberg. Besonders eindrucksvolle Meierhöfe besit zen noch Prandegg und Falkenstein, Wein berg, Rannariedl und Rottenegg, Pürnstein, Lobenstein, Steyregg, Schwertberg und Riedegg. Die größte und repräsentativste derartige An lage aber, Meier und Schloß gleichzeitig, mit riesigen, gewölbten Kellern besteht in Luftenberg. Auch die zum Wirtschaftskörper Burg gehöri gen Tavernen sind, oftmals in Rufweite, heute noch als lebendige Wirtshäuser aufzuspü ren, so u. a. in Pürnstein und Piberstein, in Windegg und Clam, in Marsbach und Arbing, in Reichenstein und Lichtenau, in Sprinzenstein und Eschelberg, sogar in St. Ulrich, wo von der um 1422 zerstörten Burg nur Kapelle und Wirtshaus übrig geblieben sind. Das Ende des Burgenzeitalters brach gerade im Mühlviertel, in vielerlei Hinsicht ein Rück zugsgebiet, nicht plötzlich herein. Zuerst begann eine zunehmende Überfor mung der vorhandenen, verteidigungsfähi gen oder auch nur als Verwaltungssitze ge nützten Objekte. Zumeist an der Süd- oder 16

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