Oberösterreich, 38. Jahrgang, Heft 1, 1988

„Altes" Linz in neuem Glanz Zehn Jahre Altstadterhaltung — 350 steinerne Zeugen der Vergangenheit revitalisiert Im Jahr 1978, also vor einem Jahr zehnt, wurde im Linzer Planungs amt die Abteilung Altstadterhaltung geschaffen. Damit wurde gleichsam der Grundstein für denkmalpflegerische Initiativen zur Bewahrung des kulturellen Erbes der Stadt im Rah men vorbildlicher Altstadtrevitalisierung im Einklang zwischen Öf fentlichkeit und Privaten gelegt. Dank der seither laufenden Förde rungsaktion, die Zuschüsse bis zu 30 Prozent der Gesamtkosten für die Erhaltung von historisch, städtebau lich und architektonisch bedeutsa men Gebäuden vorsieht, konnten bisher rund 350 Altstadthäuser mit finanziellen Zuwendungen seitens der Stadt Linz von zusammen mehr als 54 Millionen Schilling restauriert werden. Linz besitzt heute eine Alt stadt, die sich sehen lassen kann. Breite Palette an Stilepochen Die vorbildlichen Initiativen zur Altstadtrevitalisierung der vergan genen zehn Jahre haben nicht nur zur Verschönerung des engeren Alt stadtbereichs unterhalb des Linzer Schlosses mit seinen reizvollen ba rocken, im Kern zumeist mittelalter lichen Ensembles beigetragen, son dern ziehen gleichsam auf „Schritt und Tritt" durch stilgerechte Sanie rungen im Bereich der Landstraße, aber auch an der Peripherie, etwa in Alt-Ebelsberg, St. Magdalena, St. Margarethen oder Alt-Urfahr den kulturell interessierten Betrachter in ihren Bann. Die breite Palette der Linzer Stadtarchitektur in neuem Glanz reicht von Barock über Klas sizismus, Biedermeier, Historismus und Gründerzeit bis zur profanen Baukunst der ersten Jahrhundert hälfte. Stadt der Breiterker Treibende Kraft im Rahmen der von der Stadtverwaltung gesetzten Maß nahmen zur Altstadterhaltung ist der Leiter des Linzer Planungsinsti tuts Altstadt, Architekt Dipl.-Ing. Otmar Brunner. Er gilt gleichsam als „Entdecker" der Landeshauptstadt Linz als Stadt der Breiterker. Seine Überlegungen über den Breiterker als wesentliches, für die Linzer Bür gerhäuser geradezu typisches archi tektonisches Element fließen auch in die anstehende Revitalisierung des Alten Rathauses und des umliegen den Gevierts ein, das dominierende Revitalisierungsvorhaben der kom menden Jahre. Rathausrevitalisierung beginnt Schon im Frühsommer soll mit der Freilegung von Breiterkern an der Westseite des Rathausgevierts be gonnen werden. Neben der Freile gung der Hauptplatz-Front als typi sches Linzer Stadtcharakteristikum ist geplant, wunderbare alte Arka denhöfe im Inneren des Gevierts, heute zum Teil zugemauert, der Öf fentlichkeit zugänglich zu machen und somit das Ensemble als künfti gen gesellschaftlichen Treffpunkt, als eine Stätte der Begegnung zu er schließen. Musterbeispiele gelungener Restaurierung Als Beispiele für vorbildliche Altstadtrevitalisierungsmaßnahmen in jüngster Vergangenheit seien ferner das Haus Pfarrgasse 4, das „Generali-Gebäude" Taubenmarkt 1 und das Haus Hauptplatz 17 zu erwäh nen. Als Motor dieser Sanierungen erweisen sich immer wieder enga gierte Initiativen seitens Privater, verbunden mit Unterstützung sei tens der Stadt aus dem Altstadt fonds, der alljährlich zehn Millionen Schilling an Zuschüssen bereithält. Beim öbjekt Pfarrgasse 4 handelt es sich um ein schönes Bürgerhaus, das im Kern aus dem 16. Jahrhundert stammt und bereits 1595 erstmals urkundlich erwähnt wurde. Der Hauseigentümer hat das öbjekt mit städtischen Förderungen von rund 400.000 Schilling vorbildlich und mit viel Liebe zum Detail revitali siert. Beispielsweise konnten im er sten und zweiten öbergeschoß wun1 o es' -"Iiml m Hl fiii sulUL. Als neuer Blickfang am nördlichen Ende der Landstraße fungiert das vorbildlich revitalisierte Haus Taubenmarkt I. Die Stadt Linz förderte die Wiederherstellung der präch tigen Außenfassade, die nach Plänen des Wiener Architekten Wickenburg restauriert wurde, mit finanziellen Zuschüssen in Höhe von 2,9 Millionen Schilling. Bildautor; Presseamt derschön anzusehende alte Holz decken freigelegt und restauriert werden. Blickfang am Taubenmarkt Das Haus Taubenmarkt 1, das soge nannte Generaligebäude, karm heute ohne Übertreibung als ein auch für den unvoreingenommenen Betrachter schon auf den ersten Mo ment faszinierender Blickfang im Landstraßenbereich bezeichnet wer den. Mit städtischen Förderungen in Höhe von insgesamt 2,9 Millionen Schilling konnte unter anderem die prachtvolle, feingegliederte Fassade des nach Plänen von Baumeister Karl Höbarth errichteten öbjekts vorbildlich wiederhergestellt wer den. Besonderer Bedeutung bedarf auch die Restaurierung des Hauses Hauptplatz 17, eines ehemals goti schen, dreiachsigen Bürgerhauses, die neben der Freilegung gotischer Elemente im Inneren unter anderen die Schaffung eines breiteren Durch gangsraumes im Hofbereich umfaß te. Auch zu diesem Sanierungsvorhaben steuerte die Stadt mit Förde rungen in Höhe von insgesamt 6,8 Millionen Schilling ihr — nicht un beträchtliches — „Scherflein" bei. Revitalisierung an der Peripherie Alle diese bereits realisierten und eindrucksvoll gelungenen Revitalisierungsmaßnahmen erscheinen ge eignet, den Ruf der Stadt Linz als ein Gemeinwesen, das sein kulturelles Erbe zu bewahren und vorbildlich zu erhalten weiß, zu begründen und weiter zu festigen. Insbesondere auch mit der vorbildlichen Restau rierung des Kremsmünsterer Stifts hauses und weiterer kulturhistorisch bedeutender öbjekte an der Peri pherie, wie des Schiffmeisterhauses in Urfahr, des Hörschingerguts, des Gebäudes des Boltzmann-Instituts für Stadtgeschichtsforschung auf dem Schloßberg oder der ehemali gen Pferdeeisenbahn-Station am Südbahnhofmarkt wurden prägen de Akzente gesetzt. Die Stadt Linz wird auch künftig, gerade im Hin blick auf das Jubiläum „500 Jahre Landeshauptstadt" 1990, alles dar ansetzen, ihrem Kardinalsziel, das Erbe aus früheren Jahrhunderten zu erhalten und zu revitalisieren, so zielstrebig wie bisher nachzukom-

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