Bücherecke see beweist einmal mehr, wie reich unser Land an Begabungen ist und wie wenig wir davon wissen. Gewidmet ist dieser Band 9 des Kammerhofmu seums Bad Aussee und des steirischen Institutes für Zeitgeschichte einem Menschen von besonde rer Art, dem Maler und Grafiker Emmerich Millim. Geboren wurde Emmerich Millim 1909 im steiri schen St. Gallen, auf dessen Ortsfriedhof Friedrich Simony begraben ist. Er war Sohn eines dörflichen Schneidermeisters, ausgestattet mit einer Doppel begabung (Musik und Malerei), Kunststudium in Graz und Wien, in den vierziger Jahren von keinem Geringeren als Garzarolli-Thurnlack gefördert, mit Werken vertreten im Joanneum, in der Stiftsgalerie Admont und bei privaten Sammlern. Mit Hilfe seine Witwe — er starb 1971 — Mariedl Millim, einer ge bürtigen Ausseerin, wurde im Kammerhofmuseum Bad Aussee eine Emmerich-Millim-Abteilung ein gerichtet. Dazu ergänzend wurde dieser Bildband mit einem hervorragenden einleitenden Text des Goiserer Malers und Grafikers Franz J. Pilz heraus gebracht. Emmerich Millim lebte als freischaffender Künstler. Er unterwarf sich keinem Kunstdiktat, weder von Käufern, noch von Kunstkritikern. Bestimmend für sein Leben und Schaffen wurde die herbe, an ver borgenen Schönheiten jedoch so reiche Land schaft des Toten Gebirges. Auf der Henaralm ver brachte er mit seiner Familie 15 Sommer als Hirte — heute würden wir sagen: ein Aussteiger. Im Krieg hat es ihn nach Nordnorwegen verschlagen. Auch diese Landschaft sagte ihm künstlerisch zu. Zu Lebzeiten wurde er gerne als „Maler des Toten Gebirges" bezeichnet. Seine Zeichnungen und Aquarelle sind tatsächlich unvergleichbare bildne rische Dokumentationen dieses karstigen Gebirgs zuges. Auch seine Menschenbildnisse sind heute bereits Zeitdokumente. O. Wutzel Landschaftsbücher Georg Brüggl: Das Mühlviertel. Einblicke in die tausendßhrige Kuituriandschaft zwischen Donau und Böhmerwaid. — Wien: Weifhart Verlag 198,7112 Sei ten mit rund 100 Farbfotografien, Ganzieinen, färbi ger Schutzumschiag, Ladenpreis S 348.—. Wer ist dieser Georg Brüggl? Aus dem Klappentext erfahren wir, daß er aus einer alteingesessenen Fa milie des oberen Mühlviertels stammt, „die in alle Winde zerstreut, dennoch an ihrem Ursprungsland festhielt." Ist er jener Thomi, der an seinen „Dear Dad, lieber Vater in New York City" schreibt, ihm so begeistert von seiner Väterheimat erzählt? Damit ist die literarische Seite dieses sehenswer ten Bildbandes angedeutet. Der Autor bedient sich „Imaginärer Briefe", mit denen er Einblick in die „tausendjährige Kulturlandschaft zwischen Donau und Böhmerwald" gibt. Er beginnt mit einem Schreiben an den Schulrat Adalbert Stifter und en det mit einem Dankesbrief an den ehrwürdigen Dichter. Dazwischen sind chronologisch köstliche, tragische, freundliche Skizzen eingestreut, etwa der Bericht des Prämonstratensermönches Wernher an seinen Mitbruder im Mutterhaus Mühlhau sen, datiert Lichtmeß 1333 aus Maria vom Schlage, in dem die mühselige Gründungsgeschichte von Schlägl geschildert wird, bis hin zu dem Schreiben eines „Michael Undesser", in dem von der bitteren Not der Mühlviertler Kleinhäusler in der Zwischen kriegszeit erzählt wird. Neben diesen „imaginären Briefen" finden sich auch landeskundliche Kurzbe schreibungen, die typische Mühlviertler Ge schichtsereignisse behandeln. Die Bildtexte sind gemischt historisch und stimmungsmäßig. Bei den historischen Daten hapert es manchmal an Genau igkeit, so wurde Schloß Rosenhof 1733 und nicht 1773 erbaut. Oder ist es nur ein Druckfehler? Den bleibenden Wert dieses Buches stellen jedoch die Farbfotos dar. Als Bildautoren werden Arnold und Josef Samuel und Wolfgang Ziegler angeführt. Dem Bildquellenachweis ist zu entnehmen, daß auch der Autor einige Aufnahmen beigesteuert hat. Durchwegs erfreuen den Beschauer Meister werke der Fotografie, technisch ausgefeilt, künstle risch in der Bildauffassung, in der Motivenwahl. Anläßlich der oberösterreichischen Landesausstel lung 1988 im Schloß Weinberg sind noch einige Buch- und Zeitschriftenveröffentlichungen zu er warten. Sie werden es schwer haben, diesen Bild band zu übertreffen. Der Pongau. Porträt einer poetischen Landschaft. Text: Christoph Wagne.r Biider: M. Leitne,r R. Schmid, G. Trumier u. a. — Saizburg: Veri. d. Saizburger Druckerei 1986, 132 Seiten, III Biider (101 farbig, 18 schwarzweiß) 23 x 21.5 cm. Einband Efaiin wattiert, Ladenpreis S 298.—. Der Fiachgau. Saizburgs iiebiicher Vorgarten. Text: Franz Paui Enzinge.r Biider: Woifgang Pöizi u. a. — Saizburg: Veri. d. Saizburger Druckerei 198,7 117 Seiten mit 80 Farbabbiidungen, 23 x 21,5 cm. Ein band Efaiin wattiert, Ladenpreis S 298.— „Die Zeit war reif für dieses Buch", ist im Vorwort des Bildbandes über den Pongau zu lesen. Für uns in Oberösterreich ist es höchste Zeit, diese vorbild lichen Landschaftsbücher aus dem benachbarten Salzburg zur Kenntnis zu nehmen. Nicht nur die unmittelbare Nachbarschaft macht sie für uns in teressant, sondern vor allem die vorzügliche Buch gestaltung. Hier wird beste Femdenverkehrswerbung betrieben. Es wird im Leser und Betrachter die Lust geweckt, diese landschaftlichen und kul turellen Schönheiten wandernd, schauend, genie ßend zu erleben. Den Schwerpunkt bilden die Bilder, im PongauBuch nach folgenden Themenkreisen geordnet: Streifzüge, Ortsbilder, Auf den zweiten Blick, Aus alten Tagen, Im weißen Kleid, Poetische Land schaft. — Die Bildtexte für jede Bildgruppe sind einleitend zusammengefaßt, mit Nummern verse hen, die auf einer Kartenskizze eine rasche geo graphische Orientierung ermöglichen. Die Foto grafen bemühten sich, mit der Kamera selbst Poesie einzufangen. Ein Register hilft überdies, sich in dieser Bildwelt mühelos zurecht zu finden. Es muß aber auch der Text gelobt werden. Nach sprachlichem Überschwang im Vorwort (almige Wiesen!!) werden dem Leser in angenehm lesba rer Form die wesentlichsten Informationen über diesen Salzburger Gau, im Norden vom Paß Lueg, im Süden von den Tauernhöhen begrenzt, im We sten bei Lend in den Pinzgau übergehend, im Osten im „Ennspongau" ausklingend, vermittelt. Christoph Wagner versteht es meisterhaft, in seine Darstellung Details einzuflachten, die wertvolle INH. DR. M. SCHOBESBERGER OFFSETREPRODUKTIDNEN ELEKTRON. SEITENMONTAGEN RETOSCHEN KLISCHEES 4021 LINZ POSTFACH 414 SPAONSTR. 5 TEL.0732/42331-0 TELEX 21012 97
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