Oberösterreich, 32. Jahrgang, Heft 1, 1982

Lager zu bergen. Da verursachte ein durch ei nen Lastträger unabsichtlich entzündeter Heuhaufen in Lagernähe eine Panik. Inner halb der Mauern glaubte man offenbar, der Feind sei schon da, und brach in Geschrei aus; die Alemannen wieder fühlten sich dadurch verraten und ergriffen die Flucht. Nach ihrem Abzug entdeckte man, daß bereits die Leitern zur Erstürmung herbeigeschafft worden wa ren. Nun mußte man zugeben, daß Severin mit seinen Warnungen recht gehabt hatte. Man bat ihn um Verzeihung. In der Angelegenheit der Feindabwehr wandte sich Severin in erster Linie an den ,,pontifex Constantius". Aus dieser Stelle wissen wir, daß Lorch ,.Bistum", möglicherweise sogar ,,Erzbistum" war, findet sich doch sonst diese Würdebezeichnung in der ,,Vita" nur für den Papst Gelasius. Freilich haben sich bisher in Binnennorikum für diese Zeit keine anderen Bischofssitze mit Sicherheit nachweisen las sen. Constantius fungiert in unserem Kapitel offenbar als Herr der Stadt, was Severin durch sein Verhalten respektiert. Auch die Angele genheiten der Verteidigung sind Sache des Bischofs. In dieser Zeit des Zusammenbruchs fielen offenbar den kirchlichen Instanzen auch die weltlichen Agenden zu. Nach dem Tod des Severin scheint Constantius sogar die ge samte ,,Landesverteidigung" übernommen zu haben (F. Letter). Ein letztes Mal wird in der ,,Vita" \m Kapitel 31 von Lorch berichtet. Die Stadt war auf die Dauer nicht zu halten und so empfahl Severin den Abzug nach Favianis. Wir hören von der Annäherung des Königs der Rugier (Feletheus bzw. Fewa), der die in Lorch weilenden Flüchtlinge festnehmen und abführen wollte. Der Heilige, der sich damals offenbar in Lauriacum aufhielt und von diesen Plänen gehört hatte, eilte ihm entgegen und erreichte auf dem Verhandlungsweg die Umsiedlung der ,,Romanen" nach Favianis, wo sie als Föderaten der Rugier noch einige Zeit friedlich le ben durften. Streng genommen sagt Eugippius nicht, daß die gesamte Bevölkerung Lorchs abzog. Er spricht nur von jenen ,,Ro manen, die Severin in seinen vertrauensvollen Schutz übernommen hatte" (Romani, quos in sua sanctus Severinus fide susceperat), d. h. wohl von den Flüchtlingen aus den oberen Donaukastellen; diese verließen damals Lorch wieder (de Lauriaco discedentes); die ,,cives" mögen zum größten Teil geblieben sein.

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