Oberösterreich, 31. Jahrgang, Heft 2, 1981

Inhaltsverzeichnis Schwerpunktthema Denkmalpflege Musik in Oberösterreich Dr. Gerhard Ritschel Brucknerhaus und Brucknerpflege in Linz 2 Dr. Balduin Sulzer Die Stellung der oberösterreichischen Klöster im Musikbetrieb der Gegenwart 13 Mag. Rupert Gottfried Frieberger Musikpflege in der Praemonstratenserabtei Schlögl 21 Dr. Silvia Müller Ischl - Stadt der österreichischen Operette 27 Mag. Rupert Gottfried Frieberger Die Brucknerorgel im Alten Dom von Linz - Geschichte und Bericht nach der jüngsten Restaurierung 65 Oberösterreich aktuell Landeshauptmann Dr. Josef Ratzenböck Musikiand Oberösterreich - Ein Rundblick über die Musikförderung des Landes Oberösterreich Dr. Balduin Sulzer Das Musikgymnasium in Linz 75 85 Kulturzeltschrift Oberösterreich 31. Jahrgang, Heft 2/1981 Vierteijahreszeitschrift: Kunst, Geschichte, Landschaft, Wirtschaft, Fremdenverkehr Erscheinungstermine; März, Juni, September, Dezember Eigentümer, Herausgeber und Verleger: Oberösterreichischer Landesveriag; Redakteur: Dr. Otto Wutzei; verantwortlich für den Inhalt im Sinne des Pressegesetzes: Dr. Elfriede Wutzei; Druck: 00. Landesveriag Linz, sämtliche 4020 Linz, Landstraße 41, Ruf (0 73 2) 78 1 21. Jahresabonnement j(4 Hefte): S 230.-; Einzeiverkaufspreis: S 75.-. (Alle Preise inkl. 8 % MWSt.) Historische Kunst Konsulent Max Eltzimayr Die Wallfahrtskirche St. Valentin zu Haseibach - Die Legendenbiider und Fresken Literaturbeilage Erinnerung an Franz Karl Ginzkey 87 37 Kunst der Gegenwart Professor Carl Hans Watzlnger Der Florianer Bildhauer Franz S. Forster 47 Landeskunde Helmut Grassner Kurorchester und Kurtheater Bad Hall - Wo Gustav Mahler seine ersten Sporen verdiente 57 Umschlag: Westfassade der Stiftskirche von Wiihering, erbaut in der 1. Hälfte des 18. Jahrhunderts nach Plänen des Linzer Baumeisters Jo hann Haslinger, im Erdgeschoß eingefügt romanisches Rundbogentor aus dem Be ginn des 13. Jahrhunderts. Dieses Bild wurde als Symbol -Teil eines Ganzen -für die Stellung der oberösterreichischen Klö ster im heimischen Musiklebenausgewählt. Aufnahme: Eifriede Mejchar Gestaltung: Herbert Friedi Schwerpunktthema Heft 3/1981 Das Hausruckviertel Bellagenhinwels: Seit dem Jahr 1925 gestalten alle zwei Jahre spieifrohe Bewohner des Marktes Frankenburg das Geschehen um das ,,Frankenburger Würfelspiel". Der belügende Prospekt informiert Sie über die Aufführungstage. p. r.

Kulturzeitschrift Zwischen zwei Landsohaftsheften - Salzkam mergut (1/1981) und Hausruckviertel (3/1981) - wird Heft 2 des Jahrganges 1981 einem ausschließlich musischen Schwer punktthema gewidmet: Musik(pflege) in Oberösterreich. Der Thematik entspre chend, die in unserer Zeitschrift bisher nur in gelegentlichen Einzelaufsätzen behandelt worden ist, mußten neue Mitarbeiter ge wonnen werden, die wir dankbar in unserer Redaktionsgemeinschaft begrüßen: Dr. Sil via Müller, Geschäftsführerin der,,Operet tengemeinde Bad Ischl". - Dr. Gerhard Ritschel, Musikkritiker der ,,Oberösterreichi schen Nachrichten". — Dr. Balduin Sulzer vom Zisterzienserstift Wilhering und Mag. Rupert Gottfried Frieberger von der Prämonstratenser-Chorherren-Abtei Schlögl, beide im Musikleben ihrer Klöster und unseres Heimatlandes sehr aktiv. - Konsulent Max Eitzimayr, Heimatforscher aus Braunau am Inn. Wie bei ailen bisherigen Heften konnten auch für diese Nummer aus einem überrei chen Stoffgebiet nur einige Themata her ausgegriffen werden, wobei eine gewisse Aktualität angestrebt wird. Musikhistorische Gesichtspunkte wurden zurückgestellt. Diese inhaltliche Ausrichtung wird sogleich bei der ersten Abhandlung ,,Brucknerhaus und Brucknerpflege in Linz" deutlich. Der Autor nützte seine Erfahrungen aus der Mu sikkritik, um darzusteilen, wie sich Bau und Betrieb des Linzer Brucknerhauses bisher auf die örtliche Pfiege von Bruckners Ton dichtungen ausgewirkt haben. Dabei sollten vor allem die statistischen Tabellen beach tet werden. Auch Balduin Sulzer beschränkt sich in sei nem Beitrag ,,Die Stellung der oberösterrei chischen Klöster im Musikbetrieb der Ge genwart" auf allgemeine historische Hin weise. Im Mittelpunkt seiner Darstellung steht die Gegenwart mit den ,,Oberösterrei chischen Stiftskonzerten" und den stiftsei genen Musikaktivitäten in Reichersberg, Schlögl, in der Linzer Martinskirche, in Wil hering, St. Florian und Waldhausen (Orgel konzerte). In der Sparte ,,Oberösterreich aktuell" gibt der gleiche Autor einen interes santen Bericht über das ,,Musikgymnasium in Linz", genauer,,Realgymnasium für Stu dierende der Musik", das seit 1974 im Rah men des Oberstufenreaigymnasiums der Diözese Linz mit Erfolg betrieben wird. Mit zwei Beiträgen ist auch Mag. Rupert Gottfried Frieberger, Subprior des Stiftes Schlögl und Lehrbeauftragter an der Uni versität Innsbruck sowie am Mozarteum in Salzburg, vertreten. Sein Aufsatz ,,Musik pflege in der Prämonstratenserabtei Schlögl" ergänzt die Darstellung von Bal duin Sulzer. Besonderes inhaltliches Ge wicht besitzt seine Abhandlung über die Re staurierung der Brucknerorgel im Alten Dom von Linz. Unsere Leser werden darin von berufener Seite über eine denkmalpflegerische Aktion informiert, die auf dem Gebiet der Wiederherstellung historischer Klang denkmale wohl eine Sonderleistung dar stellt. Über dieses Thema ist in nächster Zeit auch eine Publikation des ,,Anton-Bruckner-Institutes Linz (ABIL) zu erwarten. Diese Berichte aus dem Bereich der ernsten Musik ergänzt in liebenswürdiger Weise Dr. Silvia Müller mit ihrem Ausflug in die leichte Muse.,,Ischl - Stadt der österreichi schen Operette", damit wird ein Thema an geschnitten, das man allzugerne auf die leichte, sommerliche Schulter nimmt. Die Autorin ist Theaterwissenschafterin. Sie skizziert ein anschauliches Bild von der Theatergeschichte Bad Ischls, die weit ins 19. Jahrhundert zurückreicht und mit den jährlichen Operettenwochen lebendige Ge genwart geblieben ist. Die Fachsparten ,,Kunst der Gegenwart" und ,,Landeskunde" konnten auf das Schwerpunktthema abgestimmt werden. Der Florianer Bildhauer Franz S. Forster - wir gratulieren ihm herzlich zu seinem 85. Geburtstag, den er am 25. Mai 1981 fei ern konnte - hat sich in seinem reichen künstlerischen Schaffen vor allem mit Anton Bruckner beschäftigt. Seine Brucknerbü sten sind unverlierbare Dokumente der Brucknerverehrung in Oberösterreich. In Professor Carl Hans Watzinger fand er ei nen einfühlsamen Biographen. Helmut Grassner führt uns in lockerer jour nalistischer Darstellung in das musikalische Leben eines Kurbetriebes ein. Am Beispiel von Bad Hall wird aufgezeigt, weiche Be deutung Musik und Theater in einem Kurort besitzen, weich hoher Stellenwert ihnen dort zukommt. In der Fachsparte ,,Historische Kunst" be weist Max Eitzimayr mit seiner Beschrei bung der Wallfahrtskirche St. Valentin zu Haselbach bei Braunau am Inn, wie viele künstlerische Schätze in unserem Heimat land verborgen sind, wieviel kunsthistori sche Lokalforschung noch zu betreiben sein wird, soll dieser Traditionsreichtum ins rich tige Licht gerückt werden. Landeshauptmann Dr. Josef Ratzenböck danken wir für die umfassende und reichhal tige Information, die er unserer Zeitschrift über die Musikförderung des Landes Ober österreich zur Verfügung gestellt hat. Diese Abhandlung beweist erneut, wie wichtig heute die amtliche Kulturarbeit ist. Nachdem in Heft 1 /1981 aus Raumgründen keine Literaturbeilage gebracht werden konnte, dürften unsere Leser die ,,Erinne rung an Franz Karl GInzkey" mit besonderer Freude begrüßen. Dieser liebenswürdige österreichische Poet (1871-1963), viele Jahre ansässig in Seewaichen am Attersee, ist wohl ein berufener literarischer Zeuge für die Schönheit des Salzkammergutes und für österreichische Musikalität.

Bmcknerhaus und Brucknerpflege in Linz Gerhard Ritschel Als am 23. März 1974 das Konzerthaus an der Donaulände in Linz eröffnet wurde, ging ein viele Jahrzehnte alter Wunschtraum der oberösterreichischen Musikfreunde, insbe sondere aber der Brucknerverehrer, in Erfüiiung. Die Pflege von Bruckners Musik, ihre Aufführung und Verbreitung nahm schon in den Tagen von August Göiierich, dem Schü ler, Freund und Biographen von Anton Bruckner, ihre Anfänge, die noch in das vo rige Jahrhundert zurückreichen. Höhe punkte bedeuteten diesbezügiich die ,,Bruckner-Stiftungs-Konzerte", deren er stes am 20. März 1898 stattfand und dem weitere zehn foigten, die ,,Linzer Musik feste" der zwanziger sowie die ,,Bruckner feste" und ,,Donaufestwochen" der dreißi ger Jahre. Hand in Hand mit den Aufführungen der Brucknerwerke-eine vollständige Serie der Symphonien war bereits unter Göiierich er folgt- entstand der Wunsch nach einem re präsentativen, der Kathedralsymphonik des oberösterreichischen Meisters würdigen Konzerthaus. Es fehlte nicht an Initiativen. Das ,. Projekt eines Kunst- und KonzerthauDas Brucknerhaus. Ein großes Trapez aus Stahl und Glas inmitten einer Parkiandschaft am Donauufer ist Mittelpunkt des kultu rellen und gesellschaftlichen Lebens der Landeshauptstadt Linz. Das vom finnischen Architekten Helkkl SIren geschaffene, 1974 eröffnete Gebäude ist ein überaus eindrucks voller Beweis dafür, daß großzügigfuturistische Architektur sehr wohl mit dem historisch gewachsenen Bild einer Stadt harmonieren kann. Die .Neue Zürcher Zeltung" sprach von „einem der repräsentativsten Gebäude des Jahrhunderts". Seine zweckmäßige Schönheit entfaltet das Haus im inneren: Die großzügig und bequem ausgestat teten Foyers sorgen für unverwechsel bare, entspannende Atmosphäre und bieten Platz auch für großen Pubiikumsandrang. Die kreisförmig angeordneten Garde-- roben ermöglichen eine reibungslose und schnelle Abfertigung. Für körperbehinderte Besucher steht ein Speziaiiift zur Verfügung. ses auf dem Pestaiozzipiatz in Linz" der Architekten Arndt und Theer wischte der zweite Weltkrieg hinweg, 1949 riefen die im Musikleben prominenten Linzer Toni Hofer, Gerhard Schröder, Fritz Rauch und Joseph Kronsteiner eine Brucknerhausgemeinde vereinsmäßig ins Leben, Herbert von Karajan stellte ein in der Diesterweghalle veranstaltetes Konzert unter das Motto ,,Kara]an dirigiert die Wiener Symphoniker für das Brucknerhaus", und schiießlich starteten 1967 die ,,Oberösterreichischen Nachrich ten" eine Unterschriftenaktion für eine Brucknerhausresoiution, die größten Widerhail fand und die Politiker in ihrem Ent schluß unterstützte, die Mittel für ein Bruck nerhaus durch die öffentliche Hand aufbrin gen zu iassen. Das Linzer Brucknerhaus ist somit aus dem iang gehegten, immer wieder durch musikaiische Aktionen dokumentierten Wunsch nach einer würdigen, über den Rahmen ei nes aligemeinen Musikbetriebes hinausrei chenden Brucknerpflege entstanden. Nicht unwesentlich dürfte dabei das Festspiel haus in Bayreuth Pate gestanden sein, das f. - iirg f in idealer Weise den geeigneten Rahmen für Wagners Gesamtkunstwerk bildet. Um wie viel beeindruckender müßte auch eine Bruckner-Symphonie wirken, wenn sie in einem ihr korrespondierenden Saal erklän ge. Ist doch Bruckners Musik ebenfalls ein Gesamtkunstwerk, in dem sich Bachs Polyphonie, Beethovens Symphonik und die neue, zukunftweisende Tonsprache zu sammenfinden zu weiträumiger Architekto nik. Die geistige Vor- und Entstehungsge schichte des Brucknerhauses muß man sich - zumindest skizzenhaft - vor Augen halten, wenn man die in ihm nunmehr ins achte Jahr gehende Pflege der Werke ihres Namens patrons zusammenfaßt. Die Erfüllung von Wünschen und Vorstellungen, von Erwar tungen und Hoffnungen, die in den Händen der Linzer Veranstaltungsgesellschaft (LIVA) liegt, ist an dieser Geschichte zu messen, sie bildet aber auch die Begrün dung für weiterreichende Projekte und zukunftsgerichtete Vorhaben. Ais zentrales Sammelbecken für die Auffüh rungen von Brucknerwerken wurde noch im Eröffnungsjahr des Brucknerjahres, 1974, das,, Internationale Brucknerfest" ins Leben gerufen, das seitdem jährlich im Monat Sep tember stattfindet. Einschließlich dem Brucknerfest 1981, das in Planung vorliegt, wurden von Bruckners Symphonien (dazu sind auch die ,,Studiensymphonie" in f-Moll und die sogenannte ,,Nullte" in d-Moll zu zählen) insgesamt 38 Aufführungen veran staltet. Sie verteilen sich mehr oder weniger unregelmäßig auf die verschiedenen Sym phonien, wie aus folgender Aufsteilung her vorgeht (Übersicht 1): 'i... Anschrift: Linzer Veranstaltungsgesellschaft mbH Brucknerhaus Untere Donaulände 7 A4010 Linz Telefon (0732) 75225-29 Telex 021011 !* :« I « fiu,v',. 'T Prospekt der Linzer Veranstaltungsgesellschaft für das Brucknerhaus Linz, S 3 - Beispiel zeitgemäßer Werbung

Die Symphonien Im Brucknerfest (Übersicht 1) f-Moll „Studien symphonie' d-Moll „Nullte" Nr. 1 c-Moll „Linzer Fassung" Nr. 1 c-Moll „Wiener Fassung" Utah-SymphonyOrchestra, Maurice Abravanel Bruckner orchester, Theodor Guschlbauer Basler Sinfonie orchester, Moshe Atzmon Tschechische Philharmonie, Vaclav Neumann Bruckner orchester, Theodor Guschlbauer Wiener Sympho niker, Carlo Maria Glullnl Nr. 3 d-Moil 1. Fassung Nr. 3 d-Moll 2. Fassung Nr. 3 d-Moll 3. Fassung Bruckner orchester, Theodor Guschlbauer Philharmonisches Basler Sinfonie- Staatsorchester Orchester, Hamburg, Moshe Atzmon Aldo Ceccato Philharmonica Hungarica, Reinhard Peters Berliner Warschauer Sinfoniker, Philharmonie, Theodore Tadeusz Strugala Bloomfleld Radio-SinfonieOrchester Frank furt, Ellahu Inbal Bruckner orchester, Theodor Guschlbauer ResidenzBamberger Orchester Symphoniker Den Haag, MarekJanowskI HansVonk Nr. 4 Es-Dur 1. Fassung Münchner Philharmoniker, Kurt Wöss Nr. 4 ORF-SymphoEs-Dur nieorchester, 2. Fassung Milan Horvat Sydney Symphony Orchestra, Willem van Otterloo Wiener Wiener Philharm. Philharm. Claudio Claudio Abbado Abbado Dresdner Staatskapelle, Herbert Blomstedt Bruckner orchester, Theodor Guschlbauer Gewandhaus orchester Leipzig, Kurt Masur Scottish National Orchestra, Alexander GIbson Stockhol- Bruckner- Orchestre Phllmer Phil- orch., Th. harmonique de harmonie, Gusch/- Radio France, B. Klee bauer Hubert Soudant Bayrische Staatskapelle, Wolfgang Sawalllsch Staatsphilharmonie Rheinland/Pfalz, Christoph Eschenbach Nr. 8 Brucknerc-Moll Orchester, 1. Fassung Kurt Wöss Nr. 8 Brucknerc-Moll Orchester, 2. Fassung Kurt Wöss Wiener Phil harmoniker, KarlBöhm Bamberger Symphoniker, lEugen Jochum Cleveland Symphony Orchestra, Andrew Massay Bamberger Symphoniker, Eugen Jochum Berliner Staatskapelle, Otmar Suitner Tonhalle-Orche ster Zürich, Gerd Albrecht

11 .1 SÄ? ■ : ::: ■ ■- ,.: ■■ . Oben: Die moderne Architektur des Brucknerhauses im barocken Stadtbild von Linz (Turm der Stadtpfarrkirche und angeschnitten ein Turm des Alten Domes). Foto: P. Wurst hC-'Vf-". Mitte: Der Genius loci des Linzer Brucknerhauses: Porträtbüste Anton Bruckners von dem Fiorianer Bildhauer Franz S. Forster, Untersberger Marmor, aufgestellt im Brucknerkonservatorium des Landes Oberösterreich. Foto: P. Wurst An der Spitze steht die dritte Symphonie mit acht Aufführungen, gefolgt von der vierten mit sechs, der achten mit fünf und der sieb ten mit vier Aufführungen. Je drei Interpre tationen erlebten die Symphonien Nr. 1, 2, 6 und 9, abgeschlagen rangleren die ,,Nullte" mit zwei und interessanterweise die ,,Fünf te" mit nur einer Wiedergabe. Die f-MollSymphonie, bekannt als ,,Studiensympho nie", wurde im Brucknerfest noch nie aufge führt. Es wäre zu hoffen, daß sich die Auf führungszahlen in Zukunft gleichmäßiger verteilen, eine Hoffnung, die nur schwer zu erfüllen sein wird. Bekanntlich setzen sich die Konzertprogramme (nicht nur des Brucknerfestes) hauptsächlich aus den Zu fälligkeiten des Managementangebotes der verschiedenen Orchester zusammen. Daraus resultiert auch die unverhältnismä ßig große Zahl der Klangkörper, die bereits Im Brucknerfest Symphonien von Anton Bruckner spielten. An den 38 Aufführungen waren insgesamt 26 Orchester beteiligt, da von 22 mit je einer einzigen Einstudierung. Nur vier Orchester waren öfter zu hören: zweimal das Baseler Sinfonieorchester (un ter Moshe Atzmon) und je dreimal die Wie ner Philharmoniker (unter Karl Böhm und zweimal unter Claudio Abbado) und die Bamberger Symphoniker (unter Marek Janowski und zweimal unter Eugen Jochum).

Die mächtige Fassade des Brucknerhauses vom Donaupark aus gesehen. Foto: P. Wurst f I - , iaiiiiii»i'iietflaMI{liSfti^^ä*a^!i«iiSg«Mm^ ■ ■ ':^~- ■t vs.' "xm y- s' • s-:.\; i ■frFV^-.-y.V-; ■■ Vi: -" ,A;,:-V V ■:...'- ■■ ■■:■■: ■ B \nif " in TCik' •■ - i-, An der Spitze steht das Linzer Bruckneror chester, das achtmal verpflichtet war, davon zweimal unter Kurt Wöss und sechsmal un ter Theodor Guschlbauer. Auch in diesem Zusammenhang ein vorläufig wahrschein lich unerfüllbarer Wunsch für die Zukunft; Neben dem heimischen Brucknerorchester sollte ein auswärtiges Spitzenorchester etwa im Rang der Bamberger Symphoniker ständig im Brucknerfest mitwirken. Ein fast identisches Bild bietet sich bei den Dirigenten. Bei ihnen verteilen sich die 38 Aufführungen der Bruckner-Symphonien auf 28 Namen, von denen 23nureinmal auf scheinen. Je zweimal waren Claudio Abbado (mit den Wiener Philharmonikern), Eugen Jochum (mit den Bamberger Sym phonikern) und Moshe Atzmon (mit dem Ba seier Sinfonieorchester) zu hören. Kurt Wöss dirigierte zweimal das Bruckneror chester und einmal die Münchner Philhar moniker. Oberösterreichs Generalmusikdi rektor Theodor Guschlbauer stand sechs mal vor dem Pult und dirigierte ausschließ lich sein Brucknerorchester, erstmals übri gens im Brucknerfest 1977. Es fällt auf, daß Namen, wie Herbert von Karajan oder des Bruckner-Spezialisten Ber nard Haitink, fehlen, oder daß der ,,Bruck ner-Apostel" Eugen Jochum zuletzt 1978 im Brucknerfest dirigierte. Auch hier zeichnen sich Wünsche ab: in jedem Brucknerfest sollte neben Theodor Guschlbauer minde stens ein prominenter Bruckner-interpretzu finden sein (das war bereits in einigen Brucknerfesten nicht der Fall), BrucknerSpezialisten von internationaler Größe wie Jochum oder Haitink würde man sich wenig stens alternierend jährlich im Brucknerfest wünschen. Schließlich sollte beim Angebot der Bruck ner-Symphonien auch rein zahlenmäßig eine Konstante erreicht werden. Denn wäh rend im ersten Jahr, 1974, sieben Sympho nieaufführungen auf dem Programm stan den, waren es 1975 bis 1977 nur je drei. Ab 1978 stiegen die Aufführungszahien etwa gleichmäßig und halten 1981 wieder bei sie ben. Diese als Richtzahi wären bei den ,,in ternationalen Brucknerfesten" als Minimum anzusehen.

Nicht-symphonische Werke im Brucknerfest (Übersicht 2) w , Seit Errichtung des Brucknerhauses konnte das Linzer Konzertpublikum viele prominente Dirigenten und Orchester erleben, so z. B. auch Herbert von Karajan. Er leitete das Eröff nungskonzert des Brucknerhauses und führte Bruckners siebte Symphonie zweimal auf. Im Juni 1979 war er mit ,.seinen" Berliner Philharmonikern mit Bruckners Vierter im Brucknerhaus zu Gast, im gleichen Monat führte er mit den Wiener Philharmonikern Bruckners Achte in der Stiftskirche St. Florian auf. Foto: F. Timpe Bekanntlich hat Anton Bruckner ein nicht so breitgefächertes CEuvre hinterlassen wie etwa Wolfgang Amadeus Mozart, der Jahr für Jahr die Programme der Salzburger Festspiele sowohl mit Bekanntem als auch mit Unbekanntem randvoll füllt. Dennoch findet man auch bei Bruckner eine Vielfalt von Werken, die zum Teil die Meisterschaft des Komponisten zeigen, wie vor allem seine Vokalwerke, zum Teil seinen Weg zur Vollendung nachvollziehen lassen. Gerade ein Brucknerfest müßte eine wesentliche Aufgabe darin sehen, diese Kompositionen aufzuführen und insbesondere auch syste matisch dem Konzertrepertoire einzuglie dern. Diesbezüglich hat es bisher einige An satzpunkte gegeben, am bedeutendsten war die zyklische Aufführung der drei Mes sen in d-, e- und f-Moll durch Theodor Guschlbauer. Oberösterreichs Generalmu sikdirektor hat sich bereits auch für viele an dere Werke verdienstvoll eingesetzt, wie ja überhaupt die Aufführungen der nicht-sym phonischen Werke Bruckners zum Gutteil heimischen Künstlern vorbehalten bleiben Werktitel 1974 Vorspiel und Fuge c-Moll Streichquartett c-Moll Streichquintett F-Dur Vier Orchesterstücke (zweimalige Aufführung) Orgelimprovisationen über von Anton Bruckner verwendete Improvisations themen 1975 Messe Nr. 1 d-Moll Streichquintett F-Dur (1. Satz) Mein Herz und deine Stimme Im April Amaranths Waldeslleder Os justl Virga jesse Marsch für Orchester d-Moll Drei Orchestersätze Es-Dur, e-Moll, F-Dur Messe Nr. 2 e-Moll Streichquintett F-Dur Ava Maria Tota pulchra es Christus factus est Ecce sacerdos Präludium C-Dur Nachspiel d-Moll 1977 Ouvertüre g-Moll 150. Psalm Träumen und Wachen Messe Nr. 3 f-Moll Locus iste Tantum ergo Os justl Ave Maria Christus factus est Locus iste Os justi Virga jesse Vorspiel und Fuge c-Moll Streichquintett F-Dur 1978 112. Psalm Streichquartett c-Moll (2. Satz) Ausführende Augustinus F. Kropfreiter, Orgel Contemporary Arts Quartet Contemporary Arts Quartet Wiener Philharmoniker unter Claudio Abbado Peter Planyavsky, Augustinus F. Kropfreiter, Hans Vollenweider Brucknerorchester unter Theodor Guschlbauer, Davidchor Eferding, Lin zer Singakademie, Julia Migenes (So pran), Margarete Palm (Alt), Werner Hollweg (Tenor), Franz Crass (Baß) Wiener Philharmonia-Quintett Tom Krause, Bariton Irwin Gage, Klavier (zweimalige Aufführung) Rundfunkchor Stockholm unter Eric Ericson Brucknerorchester unter Theodor Guschlbauer Brucknerorchester und Rundfunkchor Stockholm unter Theodor Guschlbauer Prager Streichquartett The Monteverdi Choir Equale Brass Ensemble Malcolm Ricks, Orgel John Eliot Gardiner, Dirigent Albert de Clerk, Orgel Brucknerorchester, Chor des Linzer Landestheaters, Gerlinde Lorenz (Sopran), Theodor Guschlbauer, Dirigent Ein Doppelquartett des Linzer Landes theaters, David Gordon (Tenor), Ernst Dunshirn, Dirigent Brucknerorchester, Wiener Staats opernchor, Gerlinde Lorenz (Sopran), Trudeliese Schmidt (Alt), Ticho Parly (Tenor), Hans Helm (Baß), Augustinus F. Kropfreiter, Orgel, Theodor Guschl bauer, Dirigent Regensburger Domspatzen, Georg Ratzinger, Dirigent Münchner Motettenchor und sein Bläserensemble Hans Rudolf Zöbeley, Dirigent Augustinus F. Kropfreiter, Orgel Wührer-Sextett Brucknerorchester, Chor und Extrachor des Linzer Landestheaters, Theodor Guschlbauer, Dirigent Arzt-Quartett

Os justi Virga jesse Licus iste Missa solemnis b-Moll Ouvertüre g-Moll Vorspiel und Fuge c-Moll Vier kleine Präludien Es-Dur Präludium Es-Dur Vorspiel d-Moll Nachspiel d-Moll Präludium C-Dur Fuge d-Moll Vorspiel und Fuge c-Moll Messe Nr. 1 d-Moll Streichquartett c-Moll Requiem d-Moll 1980 Marsch Es-Dur Festkantate für den Linzer Dom Aus Bruckners Improvisationsskizzen Virga jesse Christus factus est Locus iste Os justi Te Deum C-Dur Im April Zwei Asperges me 114. Psalm Requiem d-Moll Vexilla regis Tantum ergo Messe Nr. 2 e-Moll Fünf Klavierstücke Helgoland The Monteverdi Choir, John Eliot Gardiner, Dirigent Brucknerorchester, Chor und Extrachor des Linzer Landestheaters, Kathleen Kaun (Sopran), Margarete Palm (Alt), Adolf Tomaschek (Tenor), Reid Bunger (Baß), Johann W. Hühl, Orgel, Theodor Guschlbauer, Dirigent Radio-Symphonie-Orchester Berlin, Rafael Frühbeck de Burgos, Dirigent Elisabeth Ullmann, Orgel Herbert Tachezi, Orgel Hofmusikkapelle Wien Hans Gillesberger, Dirigent Talich-Quartett Brucknerorchester, Linzer Kammer chor, Evangelische Kantorei, Gabriele Fuchs (Sopran), Birgit Greiner (Alt), David Hamilton (Tenor), Kurt Rydl (Baß), August Humer, Orgel, Johannes Wetzler, Dirigent Brucknerorchester unter Theodor Guschlbauer Brucknerorcheser, Männerchor des Linzer Landestheaters, Alfred Muff (Bariton), Theodor Guschl bauer, Dirigent Rupert Gottfried Frieberger, Orgel Warschauer Philharmonie, War schauer Philharmonischer Chor, Delfina Ambroziak (Sopran), Krystyna Szostek-Radkowa (Alt), Richard Mer ten (Tenor), Andrzej Mroz (Baß), Augu stinus F. Kropfreiter, Orgel, Kazimierz Kord, Dirigent Christa Ludwig, Mezzosopran, Erik Werba, Klavier Brucknerorchester, Linzer Singakade mie, Ennser Singkreis, Martha Heigl (Sopran), Heidi Schmid (Alt), Hans Reinprecht (Tenor), Kurt Rydl (Baß), Augustinus F. Kropfreiter, Orgel, Nor bert Baiatsch, Dirigent Regensburger Domspatzen, Georg Ratzinger, Dirigent Brucknerorchester und Davidchor Eferding unter Theodor Guschlbauer Hans Petermandl, Klavier Vereinigte Linzer Männerchöre, Theodor Guschlbauer, Dirigent Adagio Nr. 2 aus der 3. Symphonie Brucknerorchester, Theodor Guschlbauer, Dirigent Um Mitternacht, Fassungen von 1 864, Bach-Chor Wels unter Ernst Ludwig 1870 und 1886 Leitner Drei kleine Stücke für Klavier zu vier Händen Ouvertüre g-Moll Te Deum C-Dur Residenz Orchester Den Haag, Hans Vonk, Dirigent ORF-Symphonieorchester, Wiener Staatsopernchor, Kurt Wöss, Dirigent Karl Böhm ist besonders als Operndirigent und Interpret der Orchestenwerke von Mozart, Bruckner und Richard Strauss berühmt. Ein Höhepunkt des Brucknerfestes 1 976 war seine Interpretation von Bruckners achter Symphonie. Foto; P. Wurst wird. Ein beredtes Beispiel hiefür liefert das Chorwerk ,,Helgoland", das schon 1978 auf dem Programm des Brucknerfestes gestan den wäre. Der Wiener Staatsopernchor hatte sich für die Aufführung dieses schwie rigen Werkes verpflichtet, mußte aber we gen zahlreicher auswärtiger Engagements die Einstudierung - und somit auch die Auf führung - zurückstellen. ,,Helgoland" er klingt nun 1981 in einer Wiedergabe der vereinigten Linzer Männerchöre unter Theodor Guschlbauer. Ein Aufstellung der bisher (einschließlich der Planung 1981) aufgeführten Werke zeigt, wie bei den Symphonien, eine recht unregelmäßige Verteilung. Nach einem Tiefpunkt 1975 scheint der Höhepunkt des Brucknerfestes 1980 leider wieder etwas abzuflachen (Übersicht 2). Bruckners Symphonien außerhalb der Brucknerfeste (Übersicht 3) Die Ballung der Aufführungen von Bruck ner-Symphonien Im Rahmen der ,,Interna tionalen Brucknerfeste" hatte in den übrigen elf Monaten des Jahres ein gewisses Va kuum zur Folge. In den Abonnementkonzer ten und fallweise in außerordentlichen Ver anstaltungen schienen In den Konzertsalsonen 1973 bis 1975 noch fünf beziehungs-

Die Symphonien außerhalb des Brucknerfestes (Übersicht 3) f-Moll Bruckner- ,,Studien-Orchester, Symphonie Kurt tVöss d-Moll ,,Nuilte" Nr. 1 c-Moli ,,Linzer Fassung" Nr. 1 c-Moli ,,Wiener Fassung" Bruckner orchester, Alexander Rumpf österreichisches Jugendorchester, Gert Meditz Bruckner orchester, Theodor Guschlbauer Nr. 3 d-Moil 1. Fassung Nr. 3 d-Moli 2. Fassung Nr. 3 d-Moii 3. Fassung Wiener Sympho niker, Eugen Jochum Nr. 4 Es-Dur 1. Fassung Amsterdam Phiiharmonic Beriiner PhilOrchestra, Anton harmoniker, Kersies Herbert v. Karajan Nr. 4. Es-Dur 2. Fassung ConcertgebouwOrchester, Am sterdam, Bernard Haitink Staatskapelie Dresden, Herbert Blomstedt Nr. 6 A-Dur Wiener Wiener Phiihann. Phiiharm. Herbert v. Herbert v Karajan Karajan Nr. 7 E-Dur Nr. 8 c-Moil 1. Fassung Los Angeies Symphony Orchestra. Zubin Mehta Wiener Symphoniker Lovrovon Matacic Wiener Phil harmoniker, Herbert v. Karajan Nr. 8 C-Moli 2. Fassung Bruckner orchester, Kurt Wöss

weise vier Aufführungen auf, in der folgen den Saison 1975/76 stand keine Bruck ner-Symphonie auf dem Programm. 1976 bis 1978 gab es so wie 1979/80 je eine In terpretation, während 1978/79 und 1980/81 je zwei Werke aufgeführt wurden. Auch hier, wie in den Brucknerfesten, das Bild weitgestreuter, nur schwer lenkbarer Programmierung. Immerhin wurde in einem Saisonkonzert die ,,Studiensymphonie" in f-Moii aufgeführt, leer ging lediglich die zweite Symphonie aus. Die Symphonien Nr. 4 und 8 wurden je dreimal dargeboten, die siebte zweimal, alle übrigen je einmal. Ebenso sind die Orchester und Dirigenten breit gefächert, in den sechzehn Aufführun gen gab es elf Dirigenten, davon acht nur je einmal. Karajan dirigierte viermal (die Berli ner Philharmoniker und dreimal die Wiener Philharmoniker), Eugen Jochum war zwei mal mit den Wiener Symphonikern zu Gast und Kurt Wöss bestritt mit dem Bruckneror chester zwei Konzerte. Ähnlich die Zahlen bei den Orchestern: die sechzehn Bruck nerkonzerte bestritten neun Orchester, sechs davon traten je einmal auf. Das Brucknerorchester wirkte viermal mit (zweimal unter Kurt Wöss und je einmal un ter Alexander Rumpf und Theodor Guschibauer), es folgen die Wiener Symphoniker (zweimal unter Eugen Jochum und einmal unter Lovro von Matacic), sowie die Wiener Philharmoniker (dreimal unter Herbert von Karajan). Glanziichter, wie sie in der Saison 1980/81 mit den beiden Konzerten der Wie ner Symphoniker unter Eugen Jochum und NIcht-sympfionische Werke außerhalb des Brucknerfestes (Übersicht 4) Werke 1973/74 Je Deum (zweimalige Aufführung) Locus iste Os justi Christus factus est Ave Maria (zweimalige Aufführung) Präludium und Fuge c-Moil 1974/75 Streichquintett F-Dur Je Deum Präludium und Fuge c-Moli 1975/76 Nachspiel d-Moii Fuge d-Moii Präludium C-Dur 1976/77 Keine Aufführungen 1977/78 Keine Aufführungen 1978/79 Präludium und Fuge c-Moil Locus iste 1979/80 Keine Aufführungen 1980/81 Keine Aufführungen Ausführende Brucknerorchester, Brucknerchor Linz, Davidchor Eferding, Linzer Singaka demie, Elisabeth Speiser (Sopran), Agnes Baltsa (Alt), Waldemar Kmentt (Tenor), Peter Meven (Baß), Alois Fo rer, Orgel, Kurt Wöss, Dirigent Singverein der Gesellschaft der Musik freunde in Wien, Heimuth Froschauer, Dirigent Alois Forer, Orgel Wiener Phiiharmonia-Quintett Bruoknerorchester, Brucknerchor Linz, Davidchor Eferding, Linzer Singaka demie, June Card (Sopran), Helga Wagner (Alt), William McKinney (Te nor), Kurt Rydi (Baß), Alois Forer, Or gel, Kurt Wöss, Dirigent Leopoidas Digris, Orgel Rainer Böhme, Orgel Elisabeth Uilmann, Orgel National-Vokaiensemble, Belgien, Hubert Schoonbroodt, Dirigent Lovro von Matacic gesetzt wurden, würde man sich auch ,,unterm Jahr" weiterhin wünschen. Das Publikum war jedenfalls von diesen beiden Konzerten besonders ange tan. Aufführungen von nicht-symphonischen Werken Anton Bruckners (Übersicht 4) während des Jahres haben Seitenheits wert. Sieht man von der dreimaligen Wie dergabe des ,,Te Deum" (zweimal anläßlich der Eröffnung des Brucknerhauses und einmal als Beiwerk zur neunten Symphonie in einem Sonntagnachmittagskonzert) und von einer Motettengruppe, die ebenfalls an läßlich der Eröffnung zweimal auf dem Pro gramm stand, ab, so verbleiben lediglich das Streichquintett F-Dur, einige Orgei stücke und das,,Locus iste". Hiersprichtein Vergleich zwischen den beiden Übersichten 2 und 4 für sich allein: Das Brucknerfest hat sich als Magnet erwiesen. So ideal sich das Brucknerhaus als Auffüh rungsstätte von Brucknerwerken anbietet, so intensiv wird Bruckner von hier aus auch wissenschaftlich und medial verbreitet. Auf dem Gebiet der Forschung wurden bisher die Weichen für eine in Osterreich einmalige Zusammenarbeit zwischen der Linzer Veranstaitungsgeseiischaft (LIVA) und der österreichischen Akademie der Wissen schaften gestellt. Die Verbreitung von Bruckners Werk über die Medien wird einer seits in Form von ORF-Übertragungen aus dem Brucknerhaus seit dessen Bestehen vorgenommen, andererseits sollen ge plante Schaliplatteneinspieiungen etwa un ter dem Motto ,, Bruckner aus dem Bruck nerhaus" den oberösterreichischen Meister auch auf dem Piattensektor stärker in Er scheinung treten lassen. Die Zusammenarbeit mit der Wissenschaft dokumentierte sich zum erstenmal nach au ßen hin in einem Bruckner-Symposium, das im Rahmen des ,,internationalen Bruckner festes 1977" veranstaltet wurde. Gleichzei tig wurde im Brucknerhaus eine Ausstellung unter dem Titel ,,Anton Bruckner zwischen Wagnis und Sicherheit" gezeigt, die aus der Musiksammiung der österreichischen Na tionalbibliothek zusammengestellt war. Das Thema der Ausstellung war auch Aus gangspunkt des Einleitungsreferates von Hofrat Dr. Franz Grasberger, der das Sym posium leitete. Die Persönlichkeitsstruktur Anton Bruckners wurde von einer Reihe von Wissenschaftern anschließend unter ver schiedenen Aspekten untersucht. Der Er folg dieses Symposiums lag vor allem darin, daß das klischeehafte Brucknerbiid - etwa ,,Der Musikant Gottes" - aufgebrochen wurde und neue Gesichtspunkte den Oha-

Eugen Jochum gilt als einer der bedeutendsten Bruckner-Dirigenten. Unter seiner Leitung wurden erstmals Bruckners Symptionien (Nr. 1 bis 9) auf Schaiipiatten eingespieit. Er verfaßte aucfi einen Rechen schaftsbericht ,,Zur interpretation der Fünften Symphonie von A. Bruck ner". Im Brucknerhaus dirigierte Jochum bisher die Symphonien Nr. 3, 4, 8 und 9. Foto: P. Wurst Theodor Guschibauer ist seit 1975 Opern- und Orchesterchef in Linz und erhieit ais solcher den Titel Generalmusikdirektor für Oberösterreich. Als Chef des Linzer Brucknerorchesters setzt er sich für das Werk des oberösterreichischen Meisters besonders ein, nicht nur in Linz, sondern auch bei seinen internationalen Konzertreisen ins Ausiand. Foto: P. Wurst rakter und damit auch das Werk Bruckners in einem realistischeren, anekdotengerei nigten Licht erscheinen ließen. Der Wunsch nach einer wissenschaftlichen Brucknerbetrachtung unter einem weniger allgemein gehaltenen und vor allem auf die Musik gerichteten Blickwinkel hatte im Rahmen des ,,Internationalen Bruckner festes 1980" ein zweites Bruckner-Sympo sium zur Folge, das sich mit den ,,Fassun gen der Bruckner-Symphonien" beschäftig te. Auch dieses Symposium wurde von Flofrat Dr. Franz Grasberger vorbereitet und geleitet und brachte interessante Ergeb nisse. Das Problem der verschiedenen Fassungen ein und desselben Werkes erhebt sich bei keinem anderen Komponisten in so spezifi scher und zwingender Fragestellung wie bei Anton Bruckner. Es beginnt bereits bei der Definition des Begriffes ,,Fassung" (was ist nur eine Verbesserung, Änderung, was kommt einer Neuschöpfung gleich?) und ufert in der verwirrenden Fülle von Unterbe griffen wie Ur-, Erst-, Neu-, Best-, Original-, Letzt-, authentische Fassung und derglei chen aus. Natürlich gibt es auch Idealfas sungen und seit dem Linzer Symposium so gar eine synthetische Fassung. Zumindest im Falle der dritten, vierten und achten Symphonie setzte sich die Ansicht durch, daß es sich bei den verschiedenen Fassun gen um wertfrei nebeneinander existierende Formen dieser Symphonien handelt. Höhepunkt dieses Symposiums, das sich mit dieser Veranstaltung auch an ein breite res Publikum wandte, war die Gegenübersteliung der ersten und dritten Fassung der dritten (,,Wagner"-)Symphonie im Großen Saal des Brucknerhauses. Außerdem wur den beide Fassungen in eigenen Konzerten aufgeführt. Parallelaufführungen dieser Art hat es übrigens bereits im Brucknerfest 1974 gegeben, als die beiden Fassungen der achten Symphonie gespielt wurden, dann 1978, als ebenfalls die erste und dritte Fassung der dritten Symphonie auf dem Programm standen, und weiter 1979 mit der Gegenüberstellung der,,Linzer" und ,,Wie ner" Fassung der ersten Symphonie. Im Brucknerfest 1981 schließlich werden die Fassungen Nr. 2 und 3 der dritten Sympho nie zu vergleichen sein (siehe Übersicht 1). Die Zusammenarbeit des Brucknerhauses mit der Kommission für Musikforschung der österreichischen Akademie der Wissen schaften über deren Leiter Hofrat Dr. Franz Grasberger hat noch ein weiteres Ergebnis gezeitigt. 1978 wurde das Anton-BrucknerInstitut Linz (ABIL) gegründet, das eine ge meinschaftliche Einrichtung der LIVA und der Akademie ist und darüber hinaus von vier Linzer Geidinstituten gefördert wird. Das ABIL hat trotz seines kurzen Bestandes kräftige Aktivitäten in Form von Publikatio nen gesetzt. Bisher liegen vor: der erste Band eines Brucknerjahrbuches sowie im Rahmen der Schriftenreihe ,,Anton Bruck ner- Dokumente und Studien" eine Unter suchung über Anton Bruckner und die Wie ner Hofmusikkapelle, um deren Vizehof kapellmeisterstelle er sich 1877 beworben hatte (siehe Abbildung), eine weitere über Bruckner und seine Wiener Umwelt und schließlich ein Band über Bruckners musi kalische Entwicklung in den Jahren 1843 bis 1855 und seine Studien beim Ennser Musi ker Leopold von Zenetti (siehe Übersicht 5). Das ABiL hat inzwischen auch eine lokale (also nicht nur geistige) Heimstätte im Brucknerhaus gefunden: Ein Archiv und ein

Schriftenreihe „Anton Bruckner - Dokumente und Studien" des ABIL (Übersicht 5) Autor(8n) Band 1 Theophil Antonicek Anton Bruckner und die Wiener Hofmusikkapeiie Band 2 Manfred Wagner, Johannes Leopold Anton Bruckner in Wien. Eine kritische Mayer, Elisabeth Maier, Leopoid Studie zu seiner Persöniichkeit M. Kantner, Herausgeber; Franz Grasberger Band 3 Eiisabeth Maier, Franz Zamazai Anton Bruckner und Leopoid von Zenetti Schlußsatz im Gesuch Anton Bruckners an das Oberhofmeisteramt um die Steile eines Vizehofkapellmeisters, 31. 10. 1877. - Repro duktion aus Band 1 der Schriftenreihe ,.An ton-Bruckner-Dokumente und -Studien", her ausgegeben vom ,,Anton-Bruckner-instltut Linz", Verlag Akademische Druck- und Ver lagsanstalt Graz j-^ ^ .y if Kiif i Hw //n f »<■>' • J■/ •>.. r/f /,7 Dokumentationszentrum wurden im Gar derobenfoyer eingerichtet und personell mit Sekretärinnen und wissenschaftlichen Fachkräften besetzt. Die Zusammenarbeit der LIVA mit dem ORF-Landesstudio Oberösterreich findet - außer in der gemeinsamen Veranstaitung der ,,ars eiectronica" - ihren Niederschlag auch in regelmäßigen Übertragungen aus dem Brucknerhaus im Rundfunk, vornehm lich im Sender 0 Regional, aber auch im überregionalen Sender 0 1. Nach anfängli chen Schwierigkeiten scheint man auch auf dem Gebiet der Schaliplattenproduktion ak tiv zu werden. Bisher ist ein Mitschnitt des Konzertes der Münchner Philharmoniker unter Kurt Wöss mit der ersten Fassung der vierten Symphonie als Schallplatte veröf fentlicht worden. In Zukunft sollen aber di rekt Schaliplatten produziert werden, wobei das heimische Brucknerorchester und GMD Theodor Guschibauer mitwirken. Gepiant sind vorerst nicht Einspielungen der gängi gen Werke Bruckners, sondern von eher ünbekanntem, das auf dem Plattensektor noch unterrepräsentiert oder nicht vorhan den ist, wie zum Beispiei die verschiedenen /i H tiy t .A -V /■ '• Fassungen der dritten und achten Sympho nie, und Seiten gespieite Werke, wie die Psalmen, das Requiem und dergieichen mehr. Als weitere Partner der LIVA treten hiebei neben dem ORF-Landesstudio das Land Oberösterreich und die Landeshaupt stadt Linz in Erscheinung. Erstes Produkt wird die ,,Nulite", Bruckners Studiensym phonie in d-Moil, sein. Die Brucknerpfiege hat im Brucknerhaus eine geistige und materielle Heimstatt ge funden. Sei es die Vielzahl der Brucknerauf führungen, sei es das Bekanntmachen mit weniger bekannten Werken, sei es die wissenschaftiiche Beieuchtung der Persönlich keit und des Werkes Bruckners oder sei es die Verbreitung seiner Musik durch Medien und Schaiiplatten - in jedem Fail sind erfreuiiche Ergebnisse erzielt worden bezie hungsweise werden sie weiterhin ange strebt werden. Man darf hoffen, daß diese Erfoige, die weitgehend den Erwartungen entsprechen, die man in die Errichtung ei nes Brucknerhauses gesetzt hat, auch wei terhin anhalten. Die Anfänge der Bruckner pflege im Brucknerhaus sind jedenfalls viel versprechend.

ANTON BRUCKNER - DOKUMENTE & STUDIEN Bd. 1: Theophil Antonicek, Anton Bruckner und die Wiener Hofmusikkapelle. Bd. 2; Anton Bruckner in Wien. Eine kritische Studie zu seiner Persönlichkeit. BRUCKNER - JAHRBUCH 1/1980 * BRUCKNER - SYMPOSION „Die Fassungen" (1980 - Bericht) Akademische Bd. 3: Elisabeth Maier - Franz Zamazal, Anton Bruckner Druck- ü. Verlagsanstalt Ausführliche Informationen senden wir Ihnen auf und Leopold von Zenetti. Graz / Austria Wunsch gerne zu. II ^ 1 I I VI Mi \l I 1 Mi VL—L— BRUCKNERFEST '81 ORCHESTER: Bruckner-Orchester Linz / Staatsphilharmonie Rheinland/Pfalz / Nouvei Orchestre Philharmonique de Radio France / Residenz-Orchester Den Haag/Wiener Philhar moniker/Orchestra Sintonico RAI Mllano/Tschechische Philharmonie/WienerSymphoniker / Berliner Sinfoniker / ORF-Symphonieorchester / Bayerische Staatskapelle. - DIRIGENTEN: Theodor Guschlbouer / Christoph Eschenbach / Hubert Soudant / Hans Vonk / Giuseppe Patane / Karl Böhm / Zoltan Pesko / Vaclav Neuman / Carlo Mario Giulini / Theodore Bloomfield / Kurt Wöss / Woltgong Sawollisch. - SOLISTEN: Hein rieh Schiff / Sviotoslov Richter / Karl Ridderbusch / Jean-Bernard Pommler / Bernd Weikl / Galina Savova / Bruno Baglioni / Carlo de Bortoli / Margareta Lilowa / Jose Correros/Wassili Janulako/ Kurt Rydl / Salvatore San na / Nikolaus Wiplinger / Rupert Gottfried Frieberger / Uto Ughi / Joset Suk / Lucio Popp / MorjonaUpovsek/Thomas Moser/WolterBerry/Ernst Kovocic/Justus Frontz/JaneMorsh/ Ida Kirllova / Neill Jenkins / Paul Esswood. - SYMPOSION '81: „Die österreichische Symphonie noch Anton BruckneT: - AUSSTELLUNG: „Textilkunst '81 Unz". - UND VIELES ANDERE MEHR. Ausführliche Informationen von: UVA, Brucknerhous Unz, Untere Donouiände 7,4010 Un^ Tel. (0732) 75225-30 Dr. Kaltenböck vom MUSIKHAUS WILLBURGER LINZ Ist der beste Klavierberater, den Sie finden können, denn er ist selbst ein Pianist mit Leib und Seele und das WILLBURGER-Team steht mit gewissenhaftem Service hinter ihm. ZENTRALE: Linz, Humboldtstraße 36 TELEFON (0 73 2) 51 6 58-0

Die Stellung der oberösterreichischen Klöster im Musikbetrieb der Gegenwart Balduin Suizer „Lesen und Singen" waren nach Auskunft einer „Schulordnung" von Lambach die grundlegenden Fächer, die in den mittel alterlichen Klosterschulen unterrichtet wur den; zusätzlich wurden die Schüler im Eiementarstadium, dem sogenannten Trivium, mit Grammatik, Rhetorik und Dialektik be kanntgemacht. In der Oberstufe, dem Quadrivium, wurden Arithmetik, Geometrie, Astronomie und Musik angeboten, wobei sich die musikaiische Ausbiidung sowohl auf Theorie wie auch auf Praxis (neben kul tiviertem Ghoralgesang scheint ein Großteil des damals verwendeten Instrumentariums, wie Zupf-, Streich- und Blasinstrumente, im klösteriichen Bereich auf) bezog. Interes sant Ist die Tatsache, daß sich über viele Jahrhunderte die gesamte Weiterentwick lung der Musik Im Rahmen der Klosterschu len vollzog, etwa Entstehen und Wachsen der Mehrstimmigkeit, Notierbarkelt der Mu sik, stiiistische Differenzierungen im Rah men der ,,Ars antiqua", ,,Ars nova" oderder ,,niederländisch-burgundischen" Musik: die damalige Avantgarde steilten die Musikmei ster der den Klöstern und Bischofsresiden zen angegliederten Sängerknabenschulen. Zieht man dazu in Betracht, daß derartige institutionen die einzigen Vorposten im Kampf gegen den Analphabetismus waren, daß also die gesamte geistige Elite diese Schuien durchlaufen mußte und daher mit den Bereichen der Kunstmusik engstens vertraut war, erklärt sich die zentrale Stel lung derTonkunst In den Jahrhunderten des Mittelalters. Freilich waren es im Hochmitteiaiter vornehmiich die französischen Kiöster, die als Hochburgen musikalischer Kunstgalten,die an der Peripherie des christlichen Kuiturbereiches liegenden Mönchsniederlassungen hatten jedoch mit ihren Stammklöstern gu ten Kontakt und stimmten neben den monastlschen und diszipiinären Beiangen gerne auch die künstierischen Interessen auf die französischen Vorbilder ab; nurso ist die ra sche Verbreitung des französischen Bau stils, d. h. der Gotik, aber auch der französi schen Musik, d. h. der Mehrstimmigkeit nach dem Vorbiid der Schuie von NotreDame in Paris, zu erkiären; kurzum, die Kiö ster waren in ailer Weit hinsichtiich der Kunst erklärte Vorkämpfer für das Neue. Diese Zelten sind vorbei. Heute gelten die Kiöster, von wenigen Ausnahmen abgese hen, als Bewahrungsstätten für Künste ver gangener Epochen und als Stätten intensi ver, zu einer eigenen Disziplin ausgebauter Denkmaipfiege. Die Baugeschichten wer den erforscht, man lebt sich in die Ästhetik früherer Epochen ein, Restaurierungen die nen vor allem der Wiederaufdeckung stillstl- / ..vT' 'kl Die oberösterreichischen Kiöster erhielten im Barockzeitaiter ihre heute noch bestim mende Architektur, den unvergleichlichen Zauber ihres künstlerischen Dekors. Die Ver herrlichung der Musik war für die barocken Stukkateure und Maier eine Selbstverständlichkeit. Ais Bildbeispiei: Stuckdetail aus der Decke des Prinz-Eugen-Zimmers im AugustinerChorherrenstift St. Florian. Foto: M. Eiersebner scher Urideen, die prachtvoll wiederherge stellten Abteien und Stifte künden gleichzei tig von einer kulturbewußten Vergangenheit wie auch von einer kunstgeschichtlich ver sierten Gegenwart. Was liegt nun näher, als daß die Ihrerseits ebenfalls schon seit etwa 150 Jahren auf denkmalpflegerische Aktivitäten ein schwenkende Kunstmusikpflege mit den ihr stilistisch adäquaten Bauwerken in Verbin dung gebracht wird? Die Zeit ist reif dafür, daß Musik vergangener Zeiten in dem ihr angemessenen baulichen Rahmen erklingt; der für stilistische Valeurs sensibilisierte Musikfreund erlebt In dieser optisch-akusti schen Symbiose ein Gesamtkunstwerk von erstaunlicher Intensität. Nurso ist etwa der außergewöhnliche Publi kumserfolg der ,,Oberösterreichischen Stiftskonzerte" zu erklären, die einige fin dige Köpfe, darunter die Wiener Hochschul professoren Hans Petermandl und Heinz Medjimorec, sowie der Linzer Dipl.- Ing. Carl Steiner, gerade zur rechten Zeit ins Leben gerufen haben. Die kommerzielle Basis die ses nunmehr seit acht Jahren bestehenden Unternehmens bildet ein Verein von rund 370 Mitgliedern, der auch den Hauptanteil der Abonnenten stellt. Großzügige Förde rung des Landes Oberösterreich, sowie eine Subvention des Bundesministeriums für Un terricht und Kunst ermöglichten bisher einen positiven Rechnungsabschluß. Weitere Hil feleistungen kommen von der Oberösterrei chischen Volkskreditbank, die Druck- und Werbekosten übernahm, vom Verkauf von Schallplatten sowie von ORF-Mitschnitten. Das künstlerische Konzept der oberöster reichischen Stiftskonzerte definiert sich als eine Art Kammermusikfestival, das von Mitte Juni bis Anfang August in den dafür geeigneten Räumlichkeiten einiger Stifte unseres Bundeslandes abläuft. Von den In Anspruch genommenen Sälen erweist sich der nach Plänen von Carlo Antonio Carlone 1694—1696 erbaute, an die 450 Per sonen fassende ,,Kaisersaal" von Krems münster als Idealfall. Ob es sich um Lieder abende, Klavierabende oder Quartettver anstaltungen handelt: der Kaisersaal der Benediktinerabtei stellt die musikgerechte ste Akustik bei. Der berühmte Prandtauersaal des Stiftes St. Florian hingegen, der Marmorsaal, bringt durch seine Helligkeit speziell für reine Klaviermusik und größere Ensembles (vor allem für Chöre und in Baßund Schlagwerkbereichen stärker besetzte Instrumentalgruppen) akustische Eintrü bungen. Hervorragendes KammermusikFeeling erwächst dem Zuhörer im Garstener ,,Sommerchor". Der mit reichlichen Stuck arbeiten ausgezierte, knapp 250 Personen fassende Saal eignet sich trefflichst für Cembaloabende oder reine Soloabende für ein Streichinstrument - unvergeßlich etwa Heinrich Schiffs Celloabend In der Saison 1980 mit Werken von Bach und Kodaly. Die kleinste Räumlichkeit stellt das Stift Schlier bach mit dem um 1700 erbauten ,,Bernhardisaal" bei. Hier läßt sich vorzüglich auf al ten Instrumenten musizieren, deren eher zarte Tonqualität in diesem intimen Rahmen voll zur Geltung kommt. Wenn es die Pro grammgestaltung erfordert, laden die Ober österreichischen Stiftskonzerte von Zeit zu Zeit auch in die Dreifaltigkeitskirche von Stadl-Paura ein. Die spezifische Anlage dieser Kirche mit ihren drei Emporen und den drei gut restaurierten Egedacher-Orgeln eignet sich vornehmlich für mehrchöriges Musizieren.

# f ',>Ä- <f%.d } %r■ $i| Ein anderes prominentes Beispiel barocker Apothese auf die Musik: Chorgestühl und Musiktribüne von Adam Franz (1690/91) mit Chororgei von Josef Remmer (1691) an der rechten Seitenwand der Vierung in der Stiftskirche St. Florian. Foto: M. Eiersebner Das Werkangebot der Stiftskonzerte ent spricht stilistisch weitgehend den Räumen, in denen musiziert wird, und kommt daher aus einem Bereich, der vom Frühbarock bis in die späte Wiener Klassik reicht. Romanti sches wird seltener, Zeitgenössisches nur in Einzelfällen präsentiert. Auffallend ist die Scheu der Veranstalter, gelegentlich eine Rarität, von denen doch viele in den Musikarchiven der bespielten Klöster liegen, aufs Programm zu setzen. Auch gegenüber der Sakralmusik verhält man sich eher reser viert, obgleich die traditionelle Literatur ein schlägige, kammermusikalisch besetzte Arbelten enthielte. Eine außergewöhnlich gute Hand beweisen die Verantwortlichen in der Auswahl der Künstler, immer wieder gelingt es ihnen, eine stattliche Anzahl interessanter, künst lerisch gereifter und international avancier ter Junginterpreten aufs Podium zu bringen, die in ihrer Artzu überzeugen vermögen, ob sie mit feiner Bedächtigkeit zu Werke gehen, wie Petermandl, Medjlmorec oder das Haydn-Trio, oder sich mit wilder Aggressivi tät durch die Musik wühlen, wie Heinrich Schiff oder die Leonskaja, ob sie elegante Gelehrsamkeit ausstrahlen wie der Cemba list Johann Sonnleitner, blühende Poesie wie Edith Mathisoderobsiean ihrer inneren Glut zu verbrennen scheinen wie Ernst Kovacic oder Gidon Kremer. Es gibt kaum ei nen Abend, der nicht zumindest strecken weise mitreißende Wirkung ausübt. Zu Recht reisen die faszinierten Zuhörer (in der vergangenen Saison waren es mehr als 7000) ihren Interpreten an den Wochenen den der Sommermonate von Stift zu Stift nach und freuen sich an dargebotenen Mu sik. Ausgedehnte musikalische Aktivitäten sind jedoch auch bei einigen nicht im Verband der Oberösterreichischen Stiftskonzerte aufscheinenden Klöstern zu verzeichnen, in Reichersberg zum Beispiel hat sich seit vielen Jahren eine in den Sommermonaten ablaufende Konzertreihe gebildet, die viele Zuhörer aus dem benachbarten Bayern an lockt und deren Programmm vorwiegend solistische Musik und Kammermusik bringt. Der mit schönen Fresken geschmückte, um 1695 errichtete Augustinussaal bildet dazu den stimmungsvollen Rahmen. Größere Konzerte, namentlich mit Werken oratorischer Prägung, werden durch das Nahver hältnis der Verantwortlichen zum Linzer Brucknerkonservatorium beziehungsweise zu den ,,Europäischen Wochen Passau" ermöglicht und finden in der spätbarock ausgestalteten großräumigen Stiftskirche statt. Konzerte mit Kammermusik organisiert

Wilhering, Stiftskirche, musizierende Engel gruppe, Detail aus dem Deckenfresko von Bartolomeo Altomonte, 1741. Foto: Archiv des Landeskonservators für Ober österreich auch das Stift Schlägl in der um etwa 1850 erbauten Stiftsbibliothek. Der schmale, langgezogene Saal verfügt über eine eher trockene Akustik, die den Musikern viel Sorge bereitet; dennoch werden die Veran staltungen gerne besucht, da sich der Zuhö rer schnell an die akustischen Gegebenhei ten gewöhnt und gerne der originellen Archi tektur folgt, welche Bibliothek und Gemäl degalerie zu einem eigensinnigen Raum ensemble verbindet. Ganz auf.das Cembalo-Instrument und das kompositorische Schaffen Johann Seba stian Bachs ist derzeit die Konzerttätigkeit in der Linzer Martinskirche ausgerichtet, die durch das Linzer Kapuzinerkloster betreut wird. Der bekannte Organist und Cembalist August Humer hat die akustisch ausneh mend frischtönende Kirche für die zyklische Wiedergabe des gesamten Klavierwerkes von Bach gewählt. Die bisher durchgeführ ten Konzerte dieser Reihe fanden den be geisterten Zuspruch der Linzer BachFreunde. Auch das Stift Wilhering hat sich in den letz ten Jahrzehnten seine feste Position im Musikleben Oberösterreichs gesichert. Voraussetzung dazu war die großzügige Auslegung des Begriffes ,.Sakralraum" durch Abt Gabriel Weinberger, der die in den beginnenden sechziger Jahren noch wenig üblichen Kirchenkonzerte im Altarraum er möglichte und außer der konzertanten Auf führung liturgischer Musik auch die Wieder gabe außerliturgischer Kompositionen, weitgehend auch Werke aus dem Grenz bereich zur profanen Musik, förderte-wie er s. iv:. Links: Die Musikkammer der Benediktinerabtei Kremsmünster mit ifirer reicfien Sammiung von aiten Musikinstrumenten ist ein besonderes Beispiel für die Musiktradition in den oberösterreicfiiscfien Klöstern, im Bild eine ,,Kammer orgel", österreicfiiscfie Provenienz, aus der Zeit um 1580. Foro: E. Widder Oben: Lebendige Musikpflege im Stiftsgymnasium Kremsmünster. Foto: E. Widder

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