(Kulturzeitschrift) Oberösterreich, 6. Jahrgang, Heft 1/2, 1956

IM NEUEN KOHLENREVIER DES OBEREN INNVIERTELS VON GEORG RENDL Das Gebie t südlich des Weilha rtforstes hat in den letz ten Jahren eine große Verwand- lung erfahren ; nicht, daß sein herb-lieb- licher Charakter beeinträchtigt oder gar zerstört worden wä re, aber es sind Bauten entstanden, die dem Landstri ch zwischen Ostermiething und Wildshut, zwischen St. Panta leon und der Salzach eine beson- dere Note verl eihen . Von weitem schon sieht man zwei hohe, durch eine lange Brücke miteinander verbundene Türme emporragen . Es sind dies di e beiden Förder- türme des Kohlenbergwerkes Trimmelkam der Sa lzach-K ohlen -Bergbau-Gesellschaft m . b . H. , welche zum Wa hrzeichen dieses ganzen Landstriches geworden sind. Trimmelkam war bislang ein zwar freund- licher, aber durch nichts auffallender kl einer Ort, wie es sie zu Hunderten in Oberösterreich gibt ; nun ist er zum Zen- trum eines Kohl enbergbau-Betriebes ge- worden. Schon vor zweihundert J ahren wurde ein Kohlenvorkommen bei Wildshut fes tges tellt, von Zeit zu Zeit wurde dort auch K ohl e gefördert, aber erst im J a hre 1948 ging man ernstlich und mit großer Energie da ran , den so schwierig zu erobernden Schatz zu heben. Man begann nach viel en fündigen Bohrungen einen Schacht abzuteufen, man bezwang einbrechendes Wasser und den viel tückischeren Schwimmsand, man stieß bis zu den Flözen hina b und baute da unten in hundert Meter Tiefe a lle j ene Anlagen , die ein moderner , Kraft und Gesundheit des Menschen schonender und zur Höchstleistung bes timmter Betri eb braucht. Eine Besich tigung di eses Werkes hä lt den Besucher , so mühsam sie auch ist, in un - unterbrochener , mit Sta unen und Be- wunderung durchse tzter Spa nnung, denn die Abfolge all es dessen, was an neuen Eindrücken auf ihn zukommt - wä hrend man von oben nach unten fährt und während man unten geht und kriecht - vollzieht sich so rasch, da ß man Mühe ha t, es als Bleibendes in sich aufzunehmen . Es beginnt schon oben in der Verwaltung und Betriebsleitung; helle, geschmackvoll in vornehmer Sac hlichkeit eingerichtete R äume lassen spüren , da ß hier ein gesun- der, dem Wohle des Menschen dienender Geist herrscht. Für ihn ze ugen auch die mustergültigen Badeanlagen, die von den verschmutz t und verstaubt aus der Grube kommenden Bergleuten a ls eine gro ße VVohlta t empfunden werden . In einer benac hbarten Halle hängen hoch oben a n ve rsperrba ren K etten die Kl eider, die von einem H eißluftstrom durchlüftet und getrocknet werden. Beim H auptschacht ist eine Sanitä tsstation eingerichtet , in der ein H eilgehilfe Dien t tut und bei U nfällen bis zum Eintreffen des Werksarztes Erste Hilfe leiste t ; daneben ist ein ste ts fahrbereiter R ettungswagen sowie ein mit den modernsten Appara turen ausges ta tteter Bestrahlungsraum. Im Lampenra um stehen die Ges tell e mit den Kopflampen und den Ba tterien ; die Bergleute bedienen sich selbst, hängen bei Schichtbeginn di e Ba tterien am Leibriemen auf und stecken die Kopfl ampe a uf den Schutzhelm. Bei Schichtschluß kommen Ba tterie und Kopflampe wieder ins Gestell , wora uf die Aufladung automa tisch einse tz t. Früher mußten die Bergleute die Gruben- lichter noch in der Hand tragen , aber d ie Entwicklung der T echnik ha t sie von di eser ihre Bewegungsfreiheit so sehr einschränken- den Tragart befreit. Gut ausgerüstet mit Gummistiefeln, Berg- mannskl eidern, Knieschützern , Schutzhelm und eiern Licht da ran, geht es durch den Hilfsschacht in di e Tiefe, wo die ·w anclerung durch die Strecken beginnt. D a durch- schreitet man Strecken , di e im Trapez- profil mit Grubenhol z verpöl zt sind, und andere lange Strecken , die kreisrund durch Sta hlringe ges ichert sind. In kl eineren Nebenstrecken sind \,Verkstä tten unterge- bracht, lager t Grubenholz, in a nderen stä hl erne Ringe, Stempel und andere Dinge, deren Namen und Verwendungs- zweck nur der Bergmann kennt. Es ist fas t kühl hier unten, und in j edem Winkel ist die Luft so frisch wie über T ag. Wir sind zu den Abbauen und S trecken- vortrieben unterwegs ; uns entgegen fließt auf dem Gummiförderband mi t großer 68

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