GEDANKEN ZUR PENSIONIERUNG endspurt an der schule Der bekannte japanische Schriftsteller Haruki Murakami hat einmal in seinem Buch „Wovon ich rede, wenn ich vom Laufen rede“ geschrieben, dass das Laufen für ihn „ein zweites Leben“ bedeute, in dem er sich Kraft, Inspiration und Zähigkeit hole. Laufen bedeute für viele Menschen eben nicht ein Weglaufen, sondern viel mehr einen Lauf zu sich selbst. Während meiner ersten Jahre an der Handelsakademie Steyr wusste ich von Hubert Stockmaier, meinem Gegenüber im Konferenzzimmer, nicht mehr, als dass er ein ebensolcher passionierter Leistungssportler wäre. Nach dem großen Konferenzzimmerumzug des Jahres 2006 sollte Hubert dann mein Sitznachbar werden, eine nachbarschaftliche Freundschaft konnte damit beginnen. Hubert Stockmaier wurde 1956 in Steyr geboren, maturierte 1976 an der Handelsakademie Steyr und beendete 1982 sein berufsbegleitendes Studium der BWL und Wirtschaftspädagogik an der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck. Noch im selben Jahr begann er als Vertragslehrer an der HAK-Steyr. Seit vielen Jahren zeichnet er für den höchst erfolgreichen HAK-Schwerpunktzweig „Sport+“ mitverantwortlich. Die „Ökonomie“ scheint im Hause Stockmaier seit jeher ein familienbestimmendes Element zu sein. Huberts Ehefrau Klaudia maturierte an der HAK Steyr und auch sein Sohn Thomas ist studierter Wirtschaftspädagoge. Huberts sportliche Erfolge hier anzureihen, würde den Rahmen sprengen. Seine Landes- und Staatsmeistertitel sind Legion, seine vielen Pokale und Medaillen muss er wahrscheinlich in Schwerlastregalen lagern. In unserem Lehrkörper, und sicher auch bei den Schülerinnen und Schülern, war Prof. Stockmaier bekannt für seine Konzentration auf das Wesentliche und das Substanzielle. Hubert war immer skeptisch gegenüber Belanglosigkeiten und oberfl ächlichem Geschwätz. In seinem Schulalltag hat es wenige Konjunktive gebraucht, kein „würde“, kein „müsste“, kein „wäre“. Im Gegenteil, wenn man ihn um etwas gebeten hatte, lautete die Antwort fast immer „ja“, unter schlechten Umständen vielleicht auch einmal „nein“, aber es brauchte dazu kein Palaver. Gejammer über 30 Schularbeiten, die über das Wochenende zu korrigieren waren, gab es bei ihm nicht. Auch Kritik an seinem Stundenplan war seine Sache nicht. Ebenso hörte man von Huberts Seite nie unqualifi zierte und distanzlose Kritik an Schülerinnen oder Schülern. Was Prof. Stockmaier indes missfi el, waren Unwille, Apathie und die Unfähigkeit Chancen zu nützen - und diese Einstellung galt sowohl für die Menschen vor als auch für die hinter dem Katheder. Huberts Konsequenz und Hartnäckigkeit waren sozusagen am Sport trainiert. Ein Sportler und besonders einer, der einen Sport über lange Jahrzehnte ausüben will, braucht Konsequenz und Leidenschaft. „Unsere Winter sind feucht, kalt und lang“, hat er einmal formuliert, „aber, wer in dieser Zeit nicht eisern ist, dem bleibt im Sommer dann nur das Unter-ferner-Liefen“. Huberts sportliche Lebenshaltung hat auch seine pädagogische Einstellung geprägt: Einsatz, Überwindung und Ausdauer zählten für ihn immer mehr als der reine Notenerfolg. Seine Maxime war: Er wollte Beispiel sein und Vorbild. Gewiss hat er so auch die „Wirtschaftslehre“ 12 Ruhestand gesehen und vermittelt. Nicht als einen Selbstzweck, sondern als die Lehre von einem uns alle erhaltenden Mittel, das aber, wenn es allzu sehr in die Mitte gerückt wird, Menschen auch an den Rand drängen kann. Viele Kolleginnen und Kollegen werden Hubert wahrscheinlich als „den“ Läufer an der HAK in Erinnerung behalten. Ich werde in ihm immer auch den naturbegeisterten Bergsteiger sehen, der im Umkreis von 100 Kilometern jedes Gipfelkreuz, jeden Steig und jeden Steilhang kennt. Nicht selten zeigte mir Hubert am Montagmorgen seine spektakulären Bilder vom Wochenende: „Schau’, gestern um die Zeit in der Dietlhöll!“ Ich habe Hubert einmal in einem unserer nicht wortreichen, aber niemals seichten lebensphilosophischen Gespräche gefragt, was ihm im Leben wirklich wichtig wäre. „Meine Familie, mein Beruf und meine Schüler - und mein Sport“, gab er mir da zur Antwort. Und, was er gar nicht möge, seien: „Dummheit, Faulheit und Besserwisserei“. Huberts Fähigkeit, das, was im Leben wichtig ist, wie durch ein Brennglas zu konzentrieren, werden wir sehr vermissen. Mag. Harald Gundacker
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