6. Jahresbericht HAK Steyr 1992/93

Im folgenden einige Passagen aus der Rede „Ausländerhaß" von Jürgen Lichtkoppler: „Im Straßenbau arbeiten tausende Gastarbeiter, weil sich Inländer zu gut da für sind. Österreicher schämen sich teilweise sogar, auf diesen Baustellen arbei ten zu müssen. Einheimische sind höchstens die Vorarbeiter. \N\e wäre die Situation in diesem Bereich ohne Ausländer? In Krankenhäusern, wo ohnehin schon ein Mangel an Pflegepersonal und Ärzten besteht, verdienen tausende Ausländer ihren Lebensunterhalt. Wie wäre die Situation in diesem Bereich ohne Ausländer? In verschiedenen Branchen, wie zum Beispiel in der Fahrzeug,- in der chemi schen-, oder in der Elektroindustrie, werden ausländische Fachkräfte engagiert, weil einheimische noch nicht am neusten Stand der Technik sind. Da stören sie niemanden. Wie wäre die Situation in diesem Bereich ohne Ausländer? Im Sport, wo für Größen wie Ivanauskas, Narbekovas oder Kocian allwöchentlich Freudenchöre gesungen werden. Und ihre Landsleute, die keinen minder an strengenden Job ausüben, werden verachtet und gehaßt. Wie wäre die Situation in diesem Bereich ohne Ausländer? Ich bin sicher, wenn Sie, werte Anwesende, auf Urlaub ins Ausland fahren, ob wohl Sie die dortige Sprache und Kultur nicht oder nur spärlich verstehen, daß Sie es für selbstverständlich empfinden, gastfreundlich aufgenommen zu wer den. Auch Österreich ist ein Staat, der mit dem Fremdenverkehr Milliardenum sätze macht. Der Fremdenverkehr zählt zu unseren größten Einnahmequellen aus dem Ausland. Wie wäre die Situation in diesem Bereich ohne Ausländer? Die Antwort auf diese Frage liegt fast auf der Hand. Im ,Land der Hämmer' würde in kürzester Zeit ein Chaos sondergleichen ausbrechen, ganze Industriebran chen würden den Konkurs anmelden müssen, bei Baustellen auf Straßen würde nicht mehr weitergebaut werden, in den meisten Krankenhäusern würden sich die ohnehin schon überarbeiteten Ärzte um die Pflege der Patienten kümmern müssen, und obwohl viele Arbeitsplätze frei würden, käme es zu einem Anstieg der Arbeitslosigkeit. Kurz gesagt, der Lebenstandard würde rapide sinken, von einer Aufnahme in die EG wäre keine Rede mehr. Und dann gibt es Gruppierungen, die den Ausländern den Garaus machen wol len, und wie gerade gehört, nicht nur ihre eigene, sondern auch die Existenz vieler anderer Menschen gefährden. ,Haben ja eh nichts getan, zumindest in Öster reich. Warum machen wir uns Sorgen?' werden Sie vielleicht sagen. ,NOCH' sage ich. Wenn nichtjeder einzelne etwas gegen Rassismus tut, wird es nur mehr eine Frage der Zeit sein, bis es zu gewalttätigen Ausschreitungen Jugendlicher gegen Ausländer kommt. Und wenn im Laufe der Zeit alle schön langsam aus den Fugen gerät, wird vielleicht wieder ein Mann die Gunst der Stunde und die Angst der Bevölkerung nützen, um die Macht zu übernehmen. Und bald darauf werden die Waffen das Sagen haben. Doch hoffentlich wird es nie soweit kommen. Mit dieser Horrorvision als Folge von Rassismus möchte ich meine Rede been den. Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit."

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