6. Jahresbericht HAK Steyr 1992/93

So kann der Lehrer sein ganzes Repertoire an gemeinen, hinterlistigen Erzie hungsmethoden ausspielen. Der unbeschwerte Junge wird zum Rechtsanwalt umfunktioniert - Wartezeit etwa 12 Jahre eigentlich dürften jetzt alle zufrie den sein. Also ran an die Arbeit! Der Kreis schließt sich Die Stadt glich einem Trümmerhaufen. Stus Panzer rollte die ehemalige Hauptstraße entlang. Stu öffnete die Metalluke vorsichtig und spähte mit Hilfe des Feldstechers in Richtung Feind. Das leise Klicken der Gashebel, welches aus dem Inneren des Stahlmonsters kam, klang lieblos und weit entfernt. Mar kus war ein guter Chauffeur. Der Unteroffizier drehte die Bordkanone mittels weiterer Hebel, sodaß Stu ein erneutes Klicken feststellte. Stu blickte über Wiesen und Felder hinweg zum eigenen Panzer, der ihre Flanke sichern sollte. Ein kleines Erdbeben, Flammen am verbündeten Panzer, und sie standen da und konnten nichts unternehmen. Erst jetzt erkannte Stu die Ursache. „Zwölf deutsche Panzer auf drei Uhr", schrie Stu und die Worte hallten im Metallka sten wider, verwandelten sich in ein kurzes Echo. Sie konnten es nur kurz be wundern, denn schon schloß er hastig die Luke und gab somit den Befehl, das Feuer zu eröffnen. In der Hitze des Gefechts - Feuer. Die Panzerkette des Ge fährts wurde in Stücke gerissen und der Unterleutnant zu Boden geschleudert. Es folgte eine neue Detonation, der Panzer wurde frontal getroffen. Großes Erdbeben. Stu saß in Embryonalhaltung in einer Ecke des Panzers und wußte, daß sie getroffen worden waren, wußte, daß die gesamte Besatzung außer ihm tot war, spürte, wie sein Gesicht zu schmelzen begann. Das Feuer breitete sich aus. Die Luke war zu heiß, um sie anzufassen. Er ließ es beim ersten Versuch bleiben, sie zu öffnen. Er hustete und keuchte. Gestank und Qualm ließen seine Augen kratzen. Dann krabbelte er zur Markus, griff nach dessen Pistole im Halfter, steckte sie sich in den Mund und feuerte. Ich schlug den Brockhaus zu, und die Doppelseite mit kurzen, aufregenden Geschichten über den 2. Weltkrieg verschwand. Benommen sank ich in den bequemen Polstersessel der Bücherei zurück. Meine Gedanken spielten Räu ber und Gendarm, schlugen Purzelbäume, und ich kramte tief in meiner Erfah rung und meinem Wissen, um sie zu beruhigen. Wie sieht es denn heute aus? Und morgen? Gibt es überhaupt ein Morgen ohne Krieg, denn der Faschismus lebt weiterhin, auch 50 Jahre danach. Er lebt in uns, mit uns, durch uns und GEGEN uns. Wer eine schlechte Wirtschaft sät, wird Unzufriedenheit ernten. Wer Unzufriedenheit sät, wird rechtsradikale Gruppen ernten. Eine schlechte Ernte, würden die Bauern sagen. Und sie ha ben nicht unrecht. Es liegt nämlich an uns, die Wirtschaft zu verändern, nicht umgekehrt. Gute Früchte tragen gute Samen. So schön das auch klingen mag, wir müssen unser Möglichstes tun, um uns zu verändern, denn es wird sich wahrscheinlich genau so sicher wiederholen, wie morgen zum x-ten Mal die Sonne wieder aufgeht und später dem Mond Platz macht.

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