6. Jahresbericht HAK Steyr 1992/93

Mit 7 Jahren endet die fürsorgliche Erziehung durch die Mutter, nicht durch Sklaven wie in Griechenland! Es beginnt der Unterricht des Knaben (!) durch den Vapersönlich. Die Mädchen werden in Rom für ge- - wöhnlich zwischen dem 12. und 17. Lebensjahr verheiratet, sie erlernen in der Obhut der Mutter Wcllespinnen und häusliche Arbeiten. V "t: DieKnabenhaltenTafelnaufihremSchoß.aufdenendieerstenBuchStäben des Alphabets (A B C) zu sehen sind. Späthellenistische Terrakottagruppe. Der starke Einfluß der griechischen Kultur ab dem 3. Jh. v. Chr. prägt das römi sche Erziehungssystem entscheidend. Das hellenistische, dreistufige Schul system wird eingeführt; zwar besteht in Rom keine allgemeine Schulpflicht, doch die meisten Knaben und auch Mädchen besuchen in der Kaiserzeit die Elementarschule. Stock und Peitsche in griechischen und römischen Schulen: Der Römer Auscnius (4. Jh. n. Chr.) gibt in einem Brief an seinen Enkel einige Ratschläge ^ | Ibr^ I zum Schulanfang: • r i « ^ „Lerne bereitwillig und verabscheue nicht die Zügel des strengen Lehrers, mein Enkel. Nie- lllöWM mals Ist die Gestalt des Lehrers schrecklich. Auch du seilst dich nicht fürchten, wenn auch ^ . Wandmalerei aus Pompeji die Schule von Schlägen widerhallt und der Die Rute ist das „zepter der Lebgreise Lehrer ein griesgrämiges Gesicht hat..." Die Rute ist das „Zepter der Leh rer". Eine gängige Bezeichnung für den Schuiabschluß war „die Hand unter dem Stock wegziehen" (manum subducere feruiae). LehrerdSSein: num subducere terulae). Bei den Römern Ist der Lehrer, speziell in den Elementarschulen, nicht angese hen; sein Leben ist unsicher und mühevoll. Er ist wie in Griechenland ein armer Schlucker - dies wird sich übrigens bis ins 20. Jahrhundert nicht ändern I Nach dem Dichter Juvenal stehen Lehrer mit Badewärtern, Wahrsagern und Seiltän zern auf einer Stufe. Auf dem Gebiet der Erzlehungsthecrien sind die Römer bis heute von enormer Bedeutung: mit ihrer Rezeption des griechisch-hellenistischen Schul- und Er ziehungssystems leiten sie den Traditionsprozeß ein, der das ganze Abend land durchdringen soll und auch uns noch mit den griechischen Ursprüngen verbindet. Schule im Mittelalter und in der Neuzeit „Von Gott, durch Gott, für Gott" charakterisiert das Bildungs- und Erziehungs ideal des Mittelalters. Im frühen Mittelalter werden nur Knaben unterrichtet - an Klosterschulen mit angeschlossenen Schreibschulen (wie Mondsee und

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