Familiengeschichte Huber - Prietze! Es war ein schöner Frühlingsmorgen als ich mich auf der Keplerwiese in Linz zum ausgemachten Treffpunkt dem Keplerdenkmal aufmachte. Unter mir glitzerte der Donaustrom und gedämpft vernahm ich das Treiben der pulsierenden Stadt. Da tauchten zwei heftig gestikulierende Herren auf. Beide trugen Brillen und schienen in ein Gespräch vertieft zu sein. Kurzentschlossen ging ich auf die beiden zu, stellte mich vor und fragte nach Herrn Dr. Ruprechtsberger, der eine der Herrn, ein schlanker großer Mann mit hoher Stirn gab sich als der Gesuchte zu erkennen. Ich fragte ihn ob ich mich an einer Campangne beteiligen könne. Lachend erklärte er mir, ich könne wenn ich wolle gleich am nächsten Tag beginnen, aber ohne Krawatte und Anzug fügte er schmunzelnd hinzu. Am nächsten Tag erschien ich zur ausgemachten Zeit. Herr Ruprechtsberger übergab mich seinem Restaurator der künftig mein Vorgesetzter sein sollte. Man zeigte mir wie man einen Quadranten anlegt und aussteckt und wurde dann mit weiteren Arbeitsvorgängen der Archäologie vertraut gemacht. Die Zeit verging und ich lernte rasch den Aushub von den Fundstücken zu unterscheiden. Rückblickend denke ich gern an die schöne Zeit zurück, die ich hier am Römerberg im Schatten der Martinskirche und an weiteren Grabungsorten wie unter anderem in Pulgam verbrachte. Es war ein herrliches Gefühl Geschichte so hautnah zu erleben. Fünf Jahre sollte ich in den Sommermonaten mit Studenten und Professoren verbringen. Am Abend kam ich dann immer sehr müde und abgespannt nach Hause, mußte aber wieder sehr bald auf, da wir sehr zeitig mit unserer Arbeit anfingen. Es war eine zermürbende Zeit. 1996 war meine Tätigkeit bei Herrn Ruprechtsberger beendet. Ein Versuch einen Werksvertrag zu erlangen scheiterte. Wiederum zurückgeworfen und dazu verurteilt zu sein immer wieder beim Arbeitsamt vorzusprechen sowie dort den Beweis der Arbeitswilligkeit zu erbringen ging manchmal über meine Kräfte. Da erinnerte ich mich, daß Herr Ruprechtsberger den Leiter der Steyrer Altstadterhaltung lobend erwähnt hatte. So trachtete ich mit Herrn Dr. Kaiser in Verbindung zu kommen. Von einer Tumschwester, Frau Hasenleitner erfuhr ich von einer Baustelle in einem Haus der Gleinkergasse. Als historisch interessierter Mensch war meine Neugier geweckt. Außerdem hoffte ich dort Herrn Kaiser zu treffen. Kurz entschlossen machte ich mich auf den Weg. Ich besichtigte die Baustelle und tatsächlich erfuhr ich, daß Herr Dr. Kaiser erwartet würde. Mit klopfenden Herzen ging ich die Gleinkergasse hinab, da kam mir auch schon ein großer, bärtiger Mann entgegen, ich fragte ihn ob er der Gesuchte wäre, wortlos drückte er mir seine Visitenkarte in die Hand und wir vereinbarten ein Treffen im Rathaus. Ich erschien pünktlich zur ausgemachten Zeit im Bauamt, die Chefsekretärin des Bauamtes Frau Panis erklärte mir Herr Dr. Kaiser sei gerade in einer Besprechung ich möge nur eine kleine Weile warten. Dann ging Herr Dr. Kaiser auf mich zu und führte mich in sein Büro, ich berichtete ihm von meinen alten Fotos die Steyr im vergangenen Jahrhundert präsentierten. Er hörte aufmerksam zu dann bohrten sich seine Augen in die meinen, "und warum sind sie eigentlich wirklich hier?" - Hastig erzählte ich ihm von meiner prekären Lage. Er sah mich lange an, dann meinte er er würde überlegen wie er mir helfen könne, ich solle in zwei Wochen wieder bei ihm vorsprechen. Wieder erschien ich zur vereinbarten Zeit. Herr Dr. Kaiser stellte mir seine beiden Mitarbeiter Herrn Bodory und die Sekretärin Frau Fixl vor. Er ließ mich auf seinem Schreibtisch Platz nehmen und überließ mir seinen Computer um meine alten Bilder einzutragen und zu beschreiben. Auch gewährte er mir Einsicht in sämtliche Akten des Denkmalschutzes. Eineinhalb Jahre vergingen da erhielt ich einen Anruf Herrn Ruprechtsbergers, der mir von einer freien Stelle am Vermessungsamt Linz erzählte. Er forderte mich auf, ehest mich mit Frau Dr. Krappmann in Verbindung zu setzen. Gesagt, getan ich rief Frau Krappmann an, die ein sofortiges Treffen anberaumte. Dort erfuhr ich, daß ich ab sofort anfangen könne. Mit dem ersten Zug fuhr ich nun in alier Morgenfrühe von Steyr nach Linz. Dort mit der Straßenbahn nach Urfahr zum neuen Rathaus der Stadt. Ich wurde im Vermessungsamt als neuer Meßgehilfe freundlich willkommen geheißen. Am Anfang war ich fürchtbar nervös, zitterte und schwitzte, erst allmählich wurde ich ruhiger. Ich wurde Herrn Matousek und Frau Heu zugeteilt und für einfachere Arbeiten in der Kartographie eingesetzt. Nach kurzer Zeit hatte ich mich eingewöhnt und fühlte mich sehr wohl. Immer interessantere Aufgaben wurden mir gestellt, die ich dann stolz ausführte. Auch fuhr ich mehrere Male zum Vermessen ins freie Feld. Dann erzählte ich davon, schon öfters am Computer Schreibarbeiten erledigt zu haben. Sofort wurden mir eine Reihe neuer, interessanter Aufgaben übergeben. Ich mußte unter Anderem alle Gaststätten und Beisln der Stadt mit Adressen und Telefonnummern, alle Kirchen, Pfarrhöfe und Friedhöfe notieren. Das alles gehörte zum neuen digitalen Stadtplan von Linz. Stolz und Freude erfüllte mich bei dieser verantwortungsvollen Tätigkeit. Erst war mein Werkvertrag von September bis Dezember befristet, er wurde jedoch immer verlängert, bis im Mai das Personalamt meinen Austritt verlangte. Alle waren wie vor den Kopf geschlagen.
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