Chronik der Familien Huber - Prietzel

Familiengeschichte Huber - Prietzel Schlühslmayrsiedlung, in dieser Zeit kamen auch Daniela und Thomas zur Welt. Nach einigen Jahren erwarb Rupert ein leerstendes Siedlungshaus am Leitenweg. Das Haus war Brigitta schon lange aufgefallen. Mit Feuereifer renovierten sie die kleine Villa, während Brigitta sich mit dem limenleben beschäftigte, baute Rupert an einer kleinen Eisenbahn die er auf einem Gleis rund um das Haus fahren ließ. Zweimal fuhr ich mit Papa zu Treffen seiner alten Kriegskameraden nach Deutschland, dabei war einmal Faldungen in der bayrischen Rhöhn, dann Bad Windsheim das Ziel. Es war eine schöne, sorgenfreie Zeit, es sollte aber nur ein Luftholen vor dem nächsten Tief sein.. Wilfried hatte sich einer Gruppe von Leuten angeschlossen, die eine Almhütte im Ennstal gemietet hatte. Fern vom Stadtgetriebe verbrachten sie dort ihre Wochenden. Dort lernte auch seine spätere Frau Ruth Stemberger kennen. Nach wie vor war ich im Verkauf tätig, doch fühlte ich mich außer Stande wie vorgesehen die Firmenleitung zunübemehmen. Zuviel hatte ich gesehen mit wieviel Kummer und Sorgen damit verbunden sind. So sprang Rupert für mich ein, er übernahm in einer Art Pachtvertrag die Firmenleitung, so konnten Mama und Papa in einen verdienten Ruhestand treten. Doch waren beide noch nach Kräften in der Firma tätig. Die Katastrophe nahte mit dem schwarzen Jahr 1986. Das Jahr begann mit einem prächtigen Winter der in Papa die Sehnsucht nach dem Weißen Sport weckte. Im Februar dieses Jahres brach er mit Wilfried zu einer Tagestour nach Spital am Phym aufs Linzer Haus auf. Als sie dann wieder zu Hause eintrafen, war Papa für immer eingeschlafen. Die nun folgende Zeit war unübersichtlich und verwirrend. Wie ein Schiff auf tobender See ohne Steuermann, so bin ich mir damals vorgekommen. Ich glaubte ins Bodenlose zu stürzen. Rupert sah, daß die Firma im damaligen Zustand keine drei Familien würde ernähren können, kurzentschlossen übergab er Wilfried das Ruder. Wilfried führte Ruth Stemberger zum Traualtar. Das junge Ehepaar zog in Ruths Eigentumswohnung in Aschach, erst nach einigen Jahren wechselten sie was besonders Mama freute, die bis dahin allein im Haus gelebt hatte, in die Pachergasse. 1995 kam Wilfrieds Tochter Jasmin zur Welt. Rupert nahm nun die Stellung eines Konsulenten für SKF an und entwickelte außerdem Computer Programme für viele Firmen, was ihn sehr bald bekannt und geschätzt machte. Nach einiger Zeit drängten Rupert und Wilfried Mama auf eine rasche Übergabe des Betriebes aus finanziellen Gründen. In einer Nacht und Nebelaktion wurden Mama und ich zum Notar gebracht. Mama war wie gewohnt nach Lignano in den Sommerurlaub gefahren, da ließ mich Wilfried wissen, daß Mama von mir abgeholt werden wollte. Eigentlich war ich erstaunt, denn es gab viel im Betrieb zu tun. Doch dann entschied ich mich die Fahrt anzutreten. In Lignano angekommen fand ich Mama nicht im Hotel vor, ich verspürte eine leise Unruhe in mir aufsteigen. Doch nach einiger Zeit betrat sie die Hotelhalle. Ich sah in ihr Gesicht und entdeckte darauf einen Schatten. Ich war nun auf der Lauer. Bei einem Essen außerhalb des Hotels erklärte sie mir die schwierige Lage in der sich die Firma befände, und bat mich um mein Einverständnis der Firma ein- oder zwei Jahre fernzubleiben. Ich stimmte zu. Die Folgen waren verheerend. Nun war ich endgültig aus der Firma. Wilfried und seine Frau Ruth übernahmen das Steuer. Das Führen des Betriebes ohne entsprechende Erfahrung war alles andere als ein Kinderspiel das erfuhren beide allzurasch. Als sich die ersten Anzeichen von Turbulenzen zeigten, war es bereits unabwendbar. Ein Teil des Hauses mußte verkauft werden. Der verbliebene Raum mußte nun sorgfältig umgestaltet werden. So setzte Wilfried einen von ihm lange schon gehegten Plan durch: man überdachte den alten Hof. Einwände des Denkmalamtes wurden ignoriert. Doch alles hat auch sein Gutes die Produktion war nun erstmals in der Geschichte der Firma auf einer Ebene, was eine bedeutende Erleichterung darstellte. Die Verwaltung der Firma, sowie die Büros wurden zwangsweise in den rückwärtigen Teil des Hauses verlegt. Neue Maschinen für die geänderten Anforderungen wurden beschafft. Die Zahl der Druckermeister erhöht, nichts blieb beim Alten. Gegenwärtig versucht die Firma mit Fertigungsarbeiten ein Überleben. Die neue Strategie scheint sich als der richtige Weg zu erweisen, denn in Steyr sind sämtliche Firmen in der Branche verschwunden und nur Wilfrieds Firma konnte weiterbestehen. Doch nicht nur Wilfried hatte zu kämpfen, am schwersten hat mich diese Umstellung getroffen, was sollte ich nun tun? Soviel wußte ich, mein erlernter Beruf Reprofotograph war überflüssig geworden. Also mit diesem Beruf hätte ich sowieso keine Chancen. Ich fühlte mich nun auf meine elementarsten Neigungen zurückgeworfen und besann mich meiner Neigung für Geschichte, schließlich hatte ich ja sogar die Matura in diesem Gegenstand abgelegt. Rupert, der in enger geschäftlicher Verbindung zum Vermessungsamt des Magistrates Linz stand, stellte mich dem Leiter Hr. Dr. Haslinger vor, der mich zum Linzer Stadtarchäologen Dr. Ruprechtsberger vermittelte.

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