Familiengeschichte Huber - Prietzel Goldfasan zu unterstreichen, an so manchen Wochentagen kam auch Herr Sommerhuber auf eine Besprechung vorbei und kühlte sein vom Geschäft erhitztes Gemüt. Papa hatte zwei Schwestern Maria und Juliane. Die ältere Schwester Maria lebte in Wien. Sie hatte mit ihrem Maim Ludwig eine Baumschule im 22. Bezirk aufgebaut. Meinen ersten Brief habe ich ihr geschickt, ihre Adresse war: Am langen Felde, das klang recht abenteuerlich. Die Antwort ließ nicht lange warten. Ein großer Korb Kirschen kam postwendend retour. Hin- und Wieder besuchten wir sie. Durch Onkel Ludwig, der ein gebürtiger Oberösterreicher war, lernte Papa den Wein schätzen. In reglmäßigen Abständen suchten nun Mama und Papa gemeinsam mit den Wolfseggers verschiedene Weinbauern auf. Einer meiner ersten Besuche bei Onkel und Tante sind mir unauslöschlich in Erinnerung geblieben. Ein kleines, halbfertiges Haus in einem großen Garten. Die Tante eine energische Frau mit roten Haaren, einmal, als ich eine mir angebotene Schokomilch nicht trinken wollte ( ich mag soetwas auch heute noch nicht) schalt sie mich einen verwöhnten Fratzen, ihr Mann, Onkel Ludwig war ein spindeldürres Männlein mit Glatze. Nie vergesse ich das erste Bild das mir Onkel Ludwig bot: Er hauste am liebsten am Dachboden in einem alten Bett gemeinsam mit 4 Katzen, die ihn umschnurrten. Er und Tante Mitzi liebten diese Vierbeiner abgöttisch. Auch ein sprechender Wellensittich der in der Küche geräuschvoll umherflog war da. Pfingsten 1964 ließ mich Tante Mitzi im Stephansdom firmen. Als besondere Attraktion mietete sie einen Fiaker der uns einen Tag lang zur Verfügung stand. Das Frühstück nahmen wir in einem herrlichen Cafe mit wundervoller Aussicht auf den Dom ein, das war so recht nach Tante Mitzis Geschmack. Das Mittagsessen gabs in einem echt urigen Praterbeisl. Papas zweite Schwester, unsere Tante Juliane lebte in Golling und war Oberlehrerin an der dortigen Volksschule. Ihr Mann stammte aus der Familie Eckschlager und fiel am Beginn des Krieges. Tante Julie zog mit ihrer Tochter Edeltraud ins ausgebaute Elternhaus in Papas Wohnung ein. Im 1. Stock des Hauses lebte Papas Mutter. Sie litt an Athritis und humpelte schwerfällig mit zwei Krücken , ich nannte sie "Omi Stock". Dabei müssen Papas Lieblinge erwähnt werden: das waren der Kater Mucki und der zahme Rabe Hansi. So sehr sie Papas Lieblinge waren, so waren sie Oma Stocks Quälgeister. Einmal wollte Oma Stock auf der Dachterasse die Zeitung lesen, da kam der freche Vogel geflogen und schnappte ihre Lesebrille. Mühevolle stand sie auf und humpelte zum Tisch da nahm das böse Tier abermals die Brille und verschwand damit. Ein anderes Mal knöpfte er ihr die Schuhbänder auf. Damit war das Maß voll, Opa schubste das freche Tier in einen Rucksack und fuhr mit dem Fahrrad in den nächsten Wald, dort entleerte er ihn. Wer beschreibt sein Erstaunen als er zu Hause angekommen von dem krächzenden Raben begrüßt wurde. Die Nächte in Golling waren immer finster und unheimlich, denn in den späten Abendstunden erhob sich ein mächtiger Sturm, der sich erst in den Morgenstunden legte. Inzwischen war auch ich 1968 in die Firma eingetreten. Ich sollte die 4 jährige Lehre zum Reprofotographen antreten, dazu sollte mich Papa ausbilden. In einer fernen Zukunft sollte ich, so war der Plan meiner Eltern die Druckerei übernehmen. 4 Jahre besuchte ich die Berufsschule in Linz. Als die Zeit gekommen war und alle Gleichaltrigen den Führerschein machten, schloß auch ich mich dieser Bewegung an und schaffte es beim ersten Anlauf. Zur gleichen Zeit absolvierte ich einen 2 !/2 jährigen Abendkurs mit Abschlußprüfung.. Leider erlebte Opa das nicht mehr. Er verließ uns am 12. Februar 1972. Eine große Lücke entstand. Nun war nur noch Oma da, die mir von der alten Zeit berichten konnte. Am 2. Februar 1973 mußte ich in die Steyrer Kaserne einrücken, den Präsenzdienst abzuleisten, ich erwarb dort den Führerschein für den "Haflinger" und verließ das Bundesheer als Vormeister der Reserve. Im Herbst des Jahres trat ich wieder in die Firma ein und war ab da an im Verkauf tätig. Am 24. Oktober 1964 kam Wilfried in Wien zur Welt. Ab da an waren wir zu dritt. Rupert, der immer in Papa sein großes Vorbild sah, tat sich bei der Berufsentscheidung leicht. Er absolvierte vorerst die HTL Maschinenbau und studierte anschließend an der Technische Hochschule in Wien Verkehrstechnik. Er bezog bei einem älteren Ehepaar ein Zimmer in einem Haus mitten in den Weinbergen am Rande der Stadt. Einmal, als wir ihn dort besuchte, schien mir die Gegend ziehmlich öd und verlassen. Nach fünfjähriger Studienzeit war es so weit! Ich erinnere mich noch an die Sponsionsfeier die in einer Gastwirtschaft einer Bahnstation der Westbahn gefeiert wurde. Rupert feierte gemeinsam mit seinem Freund Weiler. Es war ein schöner Tag, auch Ruperts Patentante Julie war von Golling angereist. Wilfried beschritt denselben Weg, auch er besuchte die HTL Maschinenbau in Steyr, brach aber dann das Studium ab und trat in die Firma ein. Der Sommer 1978 nahm uns unsere liebe Oma und mit ihr das Empfinden eine Großfamilie zu sein. Doch standen die größten Veränderungen noch bevor. Als erster vermählte sich Rupert 1984 mit seiner langjährigen Freundin Brigitta Hofmann. Gleich nach der Hochzeit verließ Rupert die Familie und zog in die Wohnung seiner jungen Frau auf der Ennsleite. 1985 kam Sohn Rupert jun zur Welt. Papa genoß das neue Gefühl nun Großvater zu sein. Die junge Familie übersiedelte bald in eine Eigentumswohnung der
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