Chronik der Familien Huber - Prietzel

Familiengeschichte Huber - Prietzel Mein Tauipate wurde Omas Bruder, der Schuldirektor Norbert Kraft. Für Papa kam nun eine Zeit der Doppelbelastung: während er die Wochentage in seiner Schlosserei in Golling und als Berufsschullehrer in Hallein verbrachte, pendelte er an den Wochenenden zu seiner jungen Familie nach Steyr. Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich oft mit Mama am Bahnsteig stand und ein mit einem dunklen Mantel und breitkrempigem Hut bekleideter Mann dem Zug entstieg und mich auf den Arm nahm. Ich äußerte dann immer dieselbe Frage „hast Du mir etwas mitgebracht?" Nie wurde ich enttäuscht. So erhielt ich unter vielen anderen Geschenken auch einen kleinen Zwerg „Pucki" der mit einer grünen Zipfelmütze und rotem Wams mit grauer Hose und Stiefeln bekleidet war. Er wurde zu meinem liebsten Spielgefährten. Opa und Oma waren froh wieder einen Walter in der Familie zu haben und suchten mich mit allen möglichen Dingen zu verwöhnen. Wenn Papa in Golling war nahm Opa sich ganz besonders meiner an. Immer gab er mir Zeichenhefte in der Hoffiiung auch ich hätte die Begabung seines Vaters geerbt, leider hatte ich sie aber nicht. Opa unternahm viele Spaziergänge mit mir und Jagte mich ob es stürmte, schneite oder die Sonne unbarmherzig hemiederbrannte auf den Damberg, wo wir regelmäßig beim „Schoiber" Rast machten und dort von der Fanny begrüßt wurden. An Samstagen oder Sonntagen fuhren wir mit der Bahn nach Dürnbach und gingen auf einer schmalen Staubstraße nach Temberg. Am Weg dorthin genoß ich meinen ersten Philosphieunterricht. Wenn wir Temberg erreicht hatten, gabs dann immer ein Appetitbrot im Gasthaus Derfler. Dort führte Opa dann immer Gespräche mit der Frau Dr. Fries. Manchmal durfte ich Opa auf seinen geschäftlichen Rundgängen durch die Stadt begleiten und genoß es zu sehen wie so manche Leute vor Opa den Hut lüfteten. Einmal, versperrte er etwas früher das Geschäft und ließ das schwere Eisenrollo herab und ab gings zum Jahrmarkt bei der "Industriehalle". Dort gab es eine Menge verschiedener Belustigungen, eine davon war ein wildes Kamssel - die Spinne. Trotz innerer Abneigung setzte sich Opa zu mir in die Gondel, da flog sein Hut weit davon. Ob er den wiederbekommen hat, ich weiß es nicht mehr. Einmal in der Woche ging Opa saunieren in die Sauna am Grünmarkt. Dann packte er seine Aktentasche mit einem Bademantel und den anderen Utensilien und machte sich auf den Weg. Das Jahr 1957 brachte viele Veränderungen in unser aller Leben. Am 21. August dieses Jahres bekam ich ein Brüderchen, Rupi erblickte das Licht der Welt. Nun zog Papa fix nach Steyr. Er hatte zuvor die Schlosserei seines 1955 verstorbenen Vaters geleitet. Schöne Werke der Stahlschmiedekunst waren entstanden. Nun verpachtete er seine Werkstatt an einen seiner Gesellen. In Steyr erlernte er nun das Buchdruckerhandwerk von der Pike auf. Durch seine Initative führte die Druckerei Prietzel als erste am Platze 1958 den Offsetdruck ein. Der bis dahin noch sehr verbreitete Steindruck wurde damit verdrängt. Auch verhalfen Papas photographische Kenntnisse der Firma zu großem Aufschwung. Er richtete sich ein fotographisches Labor mit einer modernen Lithographie ein, immer wieder kamen ihm seine Kenntnisse aus vergangenen Tagen zu Gute. Eigenhändig fertigte er eine Maschine zum Körnen der Druckplatten an. Sein handwerkliches Geschick und Können waren der Firma bald unetbehrlich, und eine große Hilfe bei der nun folgenden Umstellung. Mit einem Schlag hatten die alten Steindruckpressen ausgedient und den viel schnelleren Offsetmaschinen Platz gemacht. Die erste Maschine dieser Gattung die bei uns aufgestellt wurde war von der Marke Solna aus Schweden. Doch auch die Setzerei sollte von der neuen Welle erfaßt werden. Die erste Bleisatzmaschine hielt Einzug und bedrängte den Handsatz. Sogar die großteils händisch durchgeführten Fertigungsarbeiten wurden immer mehr von den Maschinen übernommen. Es war Papas Verdienst, der in einem Domröschenschlaf schlummernden Firma neues Leben einzuhauchen. Bis an sein Lebensende war er bemüht alle Neuerungen in die Firma einzubringen. Selbst der Computersatz wurde von ihm aufgegriffen und selbst hierin wurde unsere Firma führend. In langen, schlaflosen Nächten erweiterte Papa seine Kenntnisse. Zahlreiche Vertreter wurden von ihm mit einem Glas Wein bewirtet, wodurch sie ihm dankbar die neuesten Informationen über die Branche lieferten, er hörte ihnen dann immer geduldig zu. So konnte die Firma 1969 getrost ihr 100 jähriges Bestands Jubiläum feiern. Die Kunde von dieser Feier wurde groß in der Steyrer Zeitung gedmckt und allerseits gewürdigt. Zu Papas Fixpunkten im Wochengeschehen gehörte das wöchentliche Turnen an den Donnerstagen. Im Turnverein der Stadt bestand seit Anfang der 60iger Jahre eine ganz besondere Riege im Turnverein - die "Mahabus" (Männer, harte Burschen) Papa wurde dort mit Freuden aufgenommen, dort konnte er die Unbillen des Alltags vergessen. An Samstagen scharte Papa eine muntere Runde um sich und bewirtete sie mit Wein, den er selbst vom Weinbauern in Doppelliterflaschen nach Steyr brachte. Bis am frühen Nachmittag wurden diese Zusammenkünfte ausgedehnt, im Sommer am Dachgarten und im Winter im Wohnzimmer. Es herrschte dabei Ausgelassenheit und Heiterkeit. Immer mehr Freunde und Bekannte, ja sogar so mancher Vertreter kannte den fröhlichen Brauch. Zum eisernen Kern der Runde gehörten der Gablonzer Josef Rudolf (Joschi) genannt, der singende Oberstleutnant Gradisnik, der alle Damen umschwärmte und bei jeder Gelegenheit seinen Rang als

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