Chronik der Familien Huber - Prietzel

Familiengeschichte Huber - Prietze! 1913 wird das Braumeistershaus Haratzmüllerstraße 6 mit den Brauhaussälen in der Pachergasse erworben. In den Gebääuden wird eine der ersten Zentralheizungen der Stadt, sowie ein Wasserleitungsanschiuß installiert. 1919 am 25. Dezember starb unser Urgroßvater Prietzel nach einem Sturz auf der eisigen Bahnhofstraße. Eine Operation im Spital konnte ihm keine Hilfe bringen. 1920 kam Mama zur Weit. Die Schwierigkeiten zwischen Opa und seinem Stiefbruder Carl vertieften sich und Opa sah sich gezwungen mit der Familie nach Innsbruck zu übersiedeln. Zuerst lebten sie in einem Stift in der Nähe der Hofkirche. Später erwarb Opa ein mehrstöckiges Haus am Inn und war in der Wagner'schen Universitätsdruckerei als Vertreter beschäftigt. Mit einem Motorrad ftihr er zu den weit verzweigten Kunden. Aber auch in Steyr war die Zeit nicht stillgestanden. Das Inflationsjahr 1925 brachte Urgroßvater Kraft um sein gesamtes Vermögen. Das alles zehrte an dem vom Schicksal schwer geschlagenen Mann, 1928 schlief er bei seinem Mittagssschlaf für immer ein. Onkel Carl, der nun allein die Last der Verantwortung für die Firma tragen mußte, versagte. Die Verwandten unterrichteten Opa über den üblen Zustand der Firma. Dieser verkaufte sein Haus am Inn und siedelte mit der Familie zurück nach Steyr. Doch sollte dieses Opfer lange nicht genügen, auch das Haus Bahnhofstraße 10 und die der Haratzmüllerstraße zugewandte Hälfte der Druckerei mußte verkauft werden. Durch Anraten der Verwandten lieh Opa sich eine größere Geldsumme von der Familie Eisinger, als Gegenleistung wurde Herr Johann Eisinger bis zu seiner Pensionierung als Buchhalter eingestellt. Opa mußte nun mit dem Fahrrad als sein eigener Vertreter durch die Umgebung fahren und konnte so manche Kunden für einige Jahrzehnte gewinnen. Doch die schlechten Zeiten machten auch vorUrgroßmutter Kraft nicht Halt, die ihre zahlreichen Kinder finanziell unterstützte, sie mußte letztendlich ihre schöne Villa vermieten. Sie selbst zog mit ihrem jüngsten Sohn Norbert zu Opa, der in das Haus in der Pachergasse eiligst eine Wohnung einrichtete. Der jüngste der Kraftfamilie Norbert 1910 geboren, besuchte die Lehrerbildungsanstalt Petrinum in Linz. Seine erste Anstellung war an der Volksschule Sieminghofen. Im Nachbarhaus der Bäckerei Gröbner fand er Quartier und Aufnahme. Später ehelichte er die Tochter der Bäckerswitwe Gröbner, Cäcilia. Mit Freunde besuchen wir immer Tante Cilli in ihrem schönen Zu Hause. Onkel Norbert wurde zum Direktor der Volksschule Sieminghofen ernannt. Bei seinen Schülern war er überaus beliebt. Die Zeit verging.... die Kinder wuchsen heran. Nach seinen Schuljahren erlerate Walter das Druckereigewerbe. Auch besuchte er die Graphische Lehr- und Versuchsanstalt in Wien. Nachher arbeitete er 1 Jahr im väterlichen Betrieb und ging dann für 1 'A Jahre nach Kufstein zur Druckerei Lipott, wo er es bald bis zum Geschäftsführer brachte. Der Beginn des 2. Weltkrieges 1939 veränderte die Lage drastisch. Trotz aller Interventionsversuche Opas mußte Walter zu den Waffen. Dunkelheit breitete sich nun über der alten Eisenstadt. Die Luftangriffe der Alliierten mehrten sich. Auch das Haus in der Pachergasse war davon betroffen. Eine Seitenwand des Hauses stürzte ein, dabei ging ein Teil der alten Fotoplatten unwiederbringlich verloren. 1942, mitten in den Tagen des Schreckens verließ Theresia Kraft unsere Familie. Doch der schwerste Schlag traf die Familie 1944 als von Walter keine Nachricht mehr eintraf und er von nun an als „vermisst" galt. Allen Hoffiiungen zum Trotz mußte Walter für tot erklärt werden. Die Familie Prietzel war damit ausgestorben. Doch auch nach dieser schrecklichen Zeit kam die Familie nicht zur Ruhe, die Besatzungsmächte beherrschten das Leben. Die Brücke wurde gesperrt, der Fluß wurde zur Grenze zwischen den Besatzungszonen. Russen und befreite KZler drangen plündernd in die Häuser ein, davon blieb auch unser Haus nicht verschont. Im Haus hatten sich viele Flüchtlinge aus dem Osten Österreichs eingefunden. Sie waren vor der russischen Soldadeska geflüchtet. Die Druckerei wurde nur von den Familienmitgliedern geführt und mußte für die Besatzung und die Kommunistische Partei Arbeiten durchführen, das Lagerleben wurde ihnen so erspart. Die Kommunistische Partei wollte die Firma käuflich erwerben. Ein abendlicher Weg auf den Treschberg entschied das weitere Schicksal der Firma. Opa behielt sie. Langsam normalisierte sich das Leben in der Stadt. Die Druckerei erhielt einen kommisarischen Leiter, ein Setzer wurde dazu bestimmt. Nach dessen Scheitern übernahm Mama in Form eines Pachtverhältnisses den väterlichen Betrieb. Aber Opa ließ es sich nicht nehmen, jeden Tag der erste zu sein und auch an Sonn- und Feiertagen die Vormittage im Geschäft zu verbringen. Erst in seiner letzten Lebenswoche blieb er dem Betrieb fern. DAnn trat Papa in Mamas Leben. 1917 in Golling an der Salzach als Sohn des Schlossermeisters Rupert Huber geboren, war er nach seiner Pflichtschulzeit nach Steyr in die HTL gekommen und hatte dort Maschinenbau studiert. Nach Abschluß seines Studiums absolvierte er sein Praktikum in mehreren Firmen Deutschlands. 1937 meldete er sich freiwillig zum Militärdienst - lange Zeit sollte vergehen bis die Heimat ihn wiedersehen sollte. Den 2. Weltkrieg verlebte er vom Beginn bis zum bitteren Ende. So kam er erst 1949 wieder nach Steyr und lernte dort Mama kennen. 1951 fand die Hochzeit statt. Am 9. März 1952 kam ich zur Welt.

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