Chronik der Familien Huber - Prietzel

Familiengeschichte Huber - Prietzel Emil Fürchtegott war ein genauer und gewissenhafter Mensch. So sind seine Kartenspielabende in Ramingdorf bekannt, zu denen er pünktlich wie die Uhr erschien. Den Weg legte er zu Fuß zurück. Ich habe selbst noch eine Frau gekarmt die behauptet hat, daß man eine Uhr danach hätte richten körmen so pünktlich und genau sei er gewesen. Er war energisch und vorausschauend, sein Leben verlief schlicht und einfach, genügsam und bescheiden, er liebte die Natur. Seine täglichen Spaziergänge bei jedem Wetter stärkten sein Wohlbefinden. Opa verlebte eine spannungsgeladene Jugendzeit mit seinem um ein Jahr jüngeren Bruder Fritz. Meist werden sie durch die Lange Gasse gelaufen sein und mit einer Zille in der damals noch ungebändigten Enns gerudert haben. Später wurde er Mitglied des Rudervereines „Germanen" mit denen er oft Fahrten bis Wien unternahm. Irgendwann hat sich Opa mit der ebenfalls in der Gasse wohnenden Hafner Familie Sommerhuber befreundet, besonders mit Rudolf verband ihn eine tiefe Freundschaft. Viele überkommene Fotos aus dieser Zeit erzählen von der sorglosen Zeit am Ende des 19. Jahrhunderts. So wollten beide eine Reise nach Venedig unternehmen, zu dieser Zeit trug Opa ein besonders auffalliges Bartgebilde, aber der Freund wollte nicht eher mit ihm fahren, bevor er sich nicht diesen „komischen" Bart abrasiere. Nachdem Opa und Bruder Fritz das Oberrealgymnasium in Steyr besucht hatten, schlug Fritz die Laufbahn eines Beamten der Staatsbahnen ein, und übersiedelte nach Villach. Dort schenkte ihm seine Frau Luise einen Sohn Fritz, der später das Medizinstudium aufnahm und in Innsbruck ein bekannter HNO Arzt wurde. Er heiratete eine Rheinländerin, Tante Emmi, die ihm zwei Töchter schenkte. Nach dem Tod seiner Frau Luise vermählte sich Fritz senior mit der Musikprofessorin und Pianistin Karoline Stepanophsky aus Pulkau, die uns als Tante Lintischi unvergesslich bleibt. Mit ihr erreichte er ein hohes Alter und starb Ostern 1973. Emil jedoch erlernte im Betrieb seines Vaters die Fotographie. Bald schon zog er mit den Fotographen der Firma, mit einer Plattenkamera bewaffhet, aus, um das Leben von Steyr und Umgebung fotographisch festzuhalten. Ein Fotoalbum für den Erzherzog Franz Salvator inWallsee war es, das unserem Urgroßvater als Krönung seines Schaffens, im Jahre 1900 den Titel eines „k. und k. Hoflieferanten" einbrachte. Die Firma wurde bekannter und erhielt nun auch von der Waffenfabrik Aufträge über illustrierte Prospekte und Kataloge. Die Fotos dazu wurden selbst hergestellt. Alles schien geregelt, Stiefbruder Carl war in der Buchdruckerei beschäftigt. Opa wurde nach Wien in die Graphische Lehr- und Versuchsanstalt geschickt um dort seine Kenntnisse in der Reproduktionsfotographie auf selbstgegossenen Platten zu erweitem. Darauf volontierte er etliche Monate bei der Firma Löwy in Wien. 1905 - 1908 leistete er den Militärdienst beim Infanterie Regiment 14 (den Hessen) ab. Als eine ganz besondere Ehre empfand es Opa bei einem großen Manöver vom General Feldmarschall Konrad von Hötzendorf persönlich angesprochen worden zu sein. Auch hatte er Gelegenheit bei einem Manöver in Kämten den Kaiser Franz Joseph zu Pferd fotographieren. Mit Begeistemng war Opa Soldat und brachte es im letzten Jahr zum Instruktor und Abrichter der Einjährig Freiwilligen Abteilung. 1910 heiratete der Stiefbmder die Tochter Käthe des Cafetiers Weizmann in der Bahnhofstraße. Zwei Jahre darauf 1912 vermählte sich Opa mit Anna, der ältesten Tochter des Josef Kraft. Unser Urgroßvater Josef Kraft war Oberwerkmeister der Waffenfabrik und stammte aus Rockizan bei Pilsen. Zu seinen Vorfahren gehörte auch der bekannte Nürnberger Bildhauer Adam Kraft, der ein Zeitgenosse von Hans Sachs und Veit Stoß war. In Steyr brachte es unser Urgroßvater bis zum Metalleinkäufer und Leiter zweier Objekte der Waffenfabrik. Gesellschaftlich war er weniger erfolgreich, so gelang es ihm nicht, eine Angebetete die dem Großbürgertum angehörte, für sich zu gewinnen. Aus Protest nahm er sich im Jahre 1888 ein junges, hübsches Mädchen zur Frau, die Kellnerin Theresia Fürst und vermählte sich mit ihr in ihrem Heimatdorf Laussa. Am 13. Oktober 1889 erblickte Oma im "Ledererhaus" im Wehrgraben als älteste von 4 Geschwistern das Licht der Welt. Vorerst wohnte die Familie in einem der neuerrichteten Sozialbauten Josef Wemdls im Wehrgraben. Später, 1901 übersiedlete die Familie in eine vom Urgroßvater selbstbewußt errichteten Villa in der Marie Valerie Straße. Die zur Neulust führende Straße war von Villen bedeutender Familien der Stadt gesäumt zu denen er nun gehörte. Urgroßvater Kraft war sehr um das Wohl der Seinen besorgt, so erhielt Oma Hausunterricht in Französisch und Klavierspielen. Auch wurde ihr eine Ausbildung in kaufmännischen Fächern zuteil. Als das junge Brautpaar 1912 zum Traualtar schritt schien eine goldene Sonne über ihren Häuptern. Ein Bild, aufgenommen im Garten der Villa Kraft, zeigt das junge Paar inmitten der Familie. Onkel Norbert, Nachzügler der Familie Kraft sitzt dabei auf dem Arm seiner Schwester Rosa. In der Bildmitte die Eltern der Brautleute. Auch Omas Großeltern aus der Laussa sind zugegen. Erst auf ihrer Hochzeitsreise erlangt Oma ihre Volljährigkeit. Am 13. April 1914 schenkt sie einem Sohn (Walter) das Leben.

RkJQdWJsaXNoZXIy MjQ4MjI2