Familiengeschichte Huber - Prietze! Familiengeschichte Huber - Prietzel 1. Fassung 2002 Walter Huber im März 2002 Am 9. März dieses Jahres feiere ich meinen 50. Geburtstag. Grund genug innezuhalten und auf flinf vergangene Jahrzehnte zurückzublicken. Sowenig 50 Jahre in der Geschichte bedeuten, so sind sie doch für uns kleine Menschen ein nicht unbedeutender Meilenstein unserer Entwicklung. Immer schon habe ich mit Interesse die Geschichte unserer Familie verfolgt, die bestimmt nicht uninteressant ist. Geweckt hat dieses Interesse in mir Opa mit dem ich viel Zeit verbracht habe, er hat für mich die Schleier der Vergangenheit gelüftet und mir von längst vergangenen Tagen berichtet. Später habe ich weitere Informationen von Tante Julie über die Familie Huber erhalten und Oma hat mir von den Familien Kraft und Fürst erzählt. Ich selbst bin mit Mama nach der Wende in die Heimat der beiden Urgroßväter Kraft und Prietzel gefahren, und haben dort deren engere Heimat besichtigt. Diese Aufzeichnungen werden nie vollständig sein, weil sich bei der Durchsicht alter schriftlicher Dokumente, Sichtung einer Fülle von Material wie Bildern aber auch persönliche Gespräche mit Zeitzeugen immer wieder ein neues Bild entstehen lassen. Das vorläufige Ergebnis jahrelanger Forschungen liegt nun hier vor. Schon im Jahre 1400 tritt der erste, bekannte Vorfahre der Familie Prietzel - ein Bauer im Nuder aus dem Dunkel der Geschichte. Man bedenke! 1400 Amerika war zu dieser Zeit noch nicht entdeckt, die Lausitz, wie die engere Heimat unserer Vorfahren genannt ist, ist zu dieser Zeit eine Grenzmark des Kurfürstentums Sachsen. Eine wechselvolle Geschichte ließ diese Landschaft an der Neisse einmal sächsisch, dann österreichisch, dann wieder preussisch werden und zuletzt wurde sie zwischen Deutschland und Polen aufgeteilt. Östlich der Neisse wurde die Bevölkerung gnadenlos vertrieben. Der Heimatort unseres Urgroßvaters spiegelt diese leidvolle Geschichte wider. Inmitten der Lausitz befindet sich die prächtige Stadt Görlitz, an einer wichtigen Handelsstraße gelegen. Die prächtigen Bürgerhäuser zeugen vom Wohlstand ihrer Bewohner. In der Stadt und deren näheren Umgebung ließen sich die Prietzels nieder. Bald schon ergreifen sie den Beruf des Bäckergewerbes. Manche von ihnen bringen es sogar bis zum Innungsmeister dieses Berufsstandes und sind stolze Bürger der Stadt. Sie sind Anhänger der Lehre Luthers. Die Wahl ihrer Vornamen bezeugt dies. Am 1. März 1842 wird dem Bäckermeister Johann Gottlieb Prietzel, in Kuhna bei Görlitz ein Sohn geboren, und auf den Namen Carl Emil Fürchtegott Prietzel, nach der lutherischen Lehre AB getauft, unser Urgroßvater. Der strenge Vater zwang den Sohn das Bäckerhandwerk zu erlernen, erst dann durfte er seinen Neigungen nachgehen und die Lithographie in einem der Betriebe von Görlitz erlernen. Meisterlich beherrschte er die Federführung, erhaltene Zeichnungen bestätigen seine Fertigkeit. Dort lernte er auch die neue Technik der Fotographie kennen.. Nach mehreren Wanderjahren die ihn unter anderem nach Dresden und Bielitz führten, erreichte er die Druckerei Haas in Wels. Dort dürfte er auch eine Frau, namens Amalie Marschner aus Ranshofen geheiratet haben. Der Ehe entsprossen ein Sohn (Carl) und eine Tochter, die 1884 nach New York auswanderte. Der Chef der Haas'schen Druckerei war unserem Urgroßvater wohlgesonnen, der nun selbst eine Druckerei gründen wollteEr riet ihm diese in Steyr zu errichten. Steyr war zu dieser Zeit eine aufstrebende Industrieu. Handelsstadt. Der Industrielle Josef Wemdl hatte hier eine bedeutende Waffenproduktion aufgebaut. Nun hatte er auch die Ausstellung „Licht, durch mit Wasserkraft betätigte Turbinen" ins Leben gerufen. Infolgedessen eilten nun zahlreiche Fremde aus allen Teilen der Welt nach Steyr um diese Neuerungen zu betrachten. Nach zwei mißglückten Ansuchen unseres Urgroßvaters in Steyr eine eigene Firma zu gründen, war ihm beim dritten Versuch im Herbst 1869 Erfolg beschieden. Bescheiden waren die Anfange, in der Enge 18 (Haubeneder) im 1. Stock dieses Hauses, auf kleinstem Raum entstand die Druckerei Prietzel. Vorerst befaßte er sich mit der Herstellung der damals so begehrten mit Goldblatt unterlegten Glas-Firmenschildern, so wie der Prägung von Geschäfts- und Visitenkarten. In seiner Nähe wohnte auch der bekannte Steyrer Maler und Lithograph Diltsch, der viele wertvolle Steingravuren für Urkunden und Diplome anfertigte. Bald wurden die Räume zu klein für die aufstrebende Firma, so übersiedelte unser Urgroßvater in den 1. Stock der „Zipfer Bierhallen" in der Langen Gasse an der Ennsbrücke. Dort erblickte am 12. April 1884 unser Opa das Licht der Welt. Seine Mutter, war die Braumeisterstochter Marie Schachinger aus Wolfsegg, die zweite Frau seines Vaters. Bald konnte die ehemalige Volksschule des Ennsdorfes in der Langen Gasse erworben werden, stolz nannte der Urgroßvater nun seine Firma „Graphisches Institut des Emil Prietzel Buch-, Steindruckerei und Prägeanstalt".
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