Chronik der Familien Huber - Prietzel 2002
Familiengeschichte Huber - Prietze! Familiengeschichte Huber - Prietzel 1. Fassung 2002 Walter Huber im März 2002 Am 9. März dieses Jahres feiere ich meinen 50. Geburtstag. Grund genug innezuhalten und auf flinf vergangene Jahrzehnte zurückzublicken. Sowenig 50 Jahre in der Geschichte bedeuten, so sind sie doch für uns kleine Menschen ein nicht unbedeutender Meilenstein unserer Entwicklung. Immer schon habe ich mit Interesse die Geschichte unserer Familie verfolgt, die bestimmt nicht uninteressant ist. Geweckt hat dieses Interesse in mir Opa mit dem ich viel Zeit verbracht habe, er hat für mich die Schleier der Vergangenheit gelüftet und mir von längst vergangenen Tagen berichtet. Später habe ich weitere Informationen von Tante Julie über die Familie Huber erhalten und Oma hat mir von den Familien Kraft und Fürst erzählt. Ich selbst bin mit Mama nach der Wende in die Heimat der beiden Urgroßväter Kraft und Prietzel gefahren, und haben dort deren engere Heimat besichtigt. Diese Aufzeichnungen werden nie vollständig sein, weil sich bei der Durchsicht alter schriftlicher Dokumente, Sichtung einer Fülle von Material wie Bildern aber auch persönliche Gespräche mit Zeitzeugen immer wieder ein neues Bild entstehen lassen. Das vorläufige Ergebnis jahrelanger Forschungen liegt nun hier vor. Schon im Jahre 1400 tritt der erste, bekannte Vorfahre der Familie Prietzel - ein Bauer im Nuder aus dem Dunkel der Geschichte. Man bedenke! 1400 Amerika war zu dieser Zeit noch nicht entdeckt, die Lausitz, wie die engere Heimat unserer Vorfahren genannt ist, ist zu dieser Zeit eine Grenzmark des Kurfürstentums Sachsen. Eine wechselvolle Geschichte ließ diese Landschaft an der Neisse einmal sächsisch, dann österreichisch, dann wieder preussisch werden und zuletzt wurde sie zwischen Deutschland und Polen aufgeteilt. Östlich der Neisse wurde die Bevölkerung gnadenlos vertrieben. Der Heimatort unseres Urgroßvaters spiegelt diese leidvolle Geschichte wider. Inmitten der Lausitz befindet sich die prächtige Stadt Görlitz, an einer wichtigen Handelsstraße gelegen. Die prächtigen Bürgerhäuser zeugen vom Wohlstand ihrer Bewohner. In der Stadt und deren näheren Umgebung ließen sich die Prietzels nieder. Bald schon ergreifen sie den Beruf des Bäckergewerbes. Manche von ihnen bringen es sogar bis zum Innungsmeister dieses Berufsstandes und sind stolze Bürger der Stadt. Sie sind Anhänger der Lehre Luthers. Die Wahl ihrer Vornamen bezeugt dies. Am 1. März 1842 wird dem Bäckermeister Johann Gottlieb Prietzel, in Kuhna bei Görlitz ein Sohn geboren, und auf den Namen Carl Emil Fürchtegott Prietzel, nach der lutherischen Lehre AB getauft, unser Urgroßvater. Der strenge Vater zwang den Sohn das Bäckerhandwerk zu erlernen, erst dann durfte er seinen Neigungen nachgehen und die Lithographie in einem der Betriebe von Görlitz erlernen. Meisterlich beherrschte er die Federführung, erhaltene Zeichnungen bestätigen seine Fertigkeit. Dort lernte er auch die neue Technik der Fotographie kennen.. Nach mehreren Wanderjahren die ihn unter anderem nach Dresden und Bielitz führten, erreichte er die Druckerei Haas in Wels. Dort dürfte er auch eine Frau, namens Amalie Marschner aus Ranshofen geheiratet haben. Der Ehe entsprossen ein Sohn (Carl) und eine Tochter, die 1884 nach New York auswanderte. Der Chef der Haas'schen Druckerei war unserem Urgroßvater wohlgesonnen, der nun selbst eine Druckerei gründen wollteEr riet ihm diese in Steyr zu errichten. Steyr war zu dieser Zeit eine aufstrebende Industrieu. Handelsstadt. Der Industrielle Josef Wemdl hatte hier eine bedeutende Waffenproduktion aufgebaut. Nun hatte er auch die Ausstellung „Licht, durch mit Wasserkraft betätigte Turbinen" ins Leben gerufen. Infolgedessen eilten nun zahlreiche Fremde aus allen Teilen der Welt nach Steyr um diese Neuerungen zu betrachten. Nach zwei mißglückten Ansuchen unseres Urgroßvaters in Steyr eine eigene Firma zu gründen, war ihm beim dritten Versuch im Herbst 1869 Erfolg beschieden. Bescheiden waren die Anfange, in der Enge 18 (Haubeneder) im 1. Stock dieses Hauses, auf kleinstem Raum entstand die Druckerei Prietzel. Vorerst befaßte er sich mit der Herstellung der damals so begehrten mit Goldblatt unterlegten Glas-Firmenschildern, so wie der Prägung von Geschäfts- und Visitenkarten. In seiner Nähe wohnte auch der bekannte Steyrer Maler und Lithograph Diltsch, der viele wertvolle Steingravuren für Urkunden und Diplome anfertigte. Bald wurden die Räume zu klein für die aufstrebende Firma, so übersiedelte unser Urgroßvater in den 1. Stock der „Zipfer Bierhallen" in der Langen Gasse an der Ennsbrücke. Dort erblickte am 12. April 1884 unser Opa das Licht der Welt. Seine Mutter, war die Braumeisterstochter Marie Schachinger aus Wolfsegg, die zweite Frau seines Vaters. Bald konnte die ehemalige Volksschule des Ennsdorfes in der Langen Gasse erworben werden, stolz nannte der Urgroßvater nun seine Firma „Graphisches Institut des Emil Prietzel Buch-, Steindruckerei und Prägeanstalt".
Familiengeschichte Huber - Prietzel Emil Fürchtegott war ein genauer und gewissenhafter Mensch. So sind seine Kartenspielabende in Ramingdorf bekannt, zu denen er pünktlich wie die Uhr erschien. Den Weg legte er zu Fuß zurück. Ich habe selbst noch eine Frau gekarmt die behauptet hat, daß man eine Uhr danach hätte richten körmen so pünktlich und genau sei er gewesen. Er war energisch und vorausschauend, sein Leben verlief schlicht und einfach, genügsam und bescheiden, er liebte die Natur. Seine täglichen Spaziergänge bei jedem Wetter stärkten sein Wohlbefinden. Opa verlebte eine spannungsgeladene Jugendzeit mit seinem um ein Jahr jüngeren Bruder Fritz. Meist werden sie durch die Lange Gasse gelaufen sein und mit einer Zille in der damals noch ungebändigten Enns gerudert haben. Später wurde er Mitglied des Rudervereines „Germanen" mit denen er oft Fahrten bis Wien unternahm. Irgendwann hat sich Opa mit der ebenfalls in der Gasse wohnenden Hafner Familie Sommerhuber befreundet, besonders mit Rudolf verband ihn eine tiefe Freundschaft. Viele überkommene Fotos aus dieser Zeit erzählen von der sorglosen Zeit am Ende des 19. Jahrhunderts. So wollten beide eine Reise nach Venedig unternehmen, zu dieser Zeit trug Opa ein besonders auffalliges Bartgebilde, aber der Freund wollte nicht eher mit ihm fahren, bevor er sich nicht diesen „komischen" Bart abrasiere. Nachdem Opa und Bruder Fritz das Oberrealgymnasium in Steyr besucht hatten, schlug Fritz die Laufbahn eines Beamten der Staatsbahnen ein, und übersiedelte nach Villach. Dort schenkte ihm seine Frau Luise einen Sohn Fritz, der später das Medizinstudium aufnahm und in Innsbruck ein bekannter HNO Arzt wurde. Er heiratete eine Rheinländerin, Tante Emmi, die ihm zwei Töchter schenkte. Nach dem Tod seiner Frau Luise vermählte sich Fritz senior mit der Musikprofessorin und Pianistin Karoline Stepanophsky aus Pulkau, die uns als Tante Lintischi unvergesslich bleibt. Mit ihr erreichte er ein hohes Alter und starb Ostern 1973. Emil jedoch erlernte im Betrieb seines Vaters die Fotographie. Bald schon zog er mit den Fotographen der Firma, mit einer Plattenkamera bewaffhet, aus, um das Leben von Steyr und Umgebung fotographisch festzuhalten. Ein Fotoalbum für den Erzherzog Franz Salvator inWallsee war es, das unserem Urgroßvater als Krönung seines Schaffens, im Jahre 1900 den Titel eines „k. und k. Hoflieferanten" einbrachte. Die Firma wurde bekannter und erhielt nun auch von der Waffenfabrik Aufträge über illustrierte Prospekte und Kataloge. Die Fotos dazu wurden selbst hergestellt. Alles schien geregelt, Stiefbruder Carl war in der Buchdruckerei beschäftigt. Opa wurde nach Wien in die Graphische Lehr- und Versuchsanstalt geschickt um dort seine Kenntnisse in der Reproduktionsfotographie auf selbstgegossenen Platten zu erweitem. Darauf volontierte er etliche Monate bei der Firma Löwy in Wien. 1905 - 1908 leistete er den Militärdienst beim Infanterie Regiment 14 (den Hessen) ab. Als eine ganz besondere Ehre empfand es Opa bei einem großen Manöver vom General Feldmarschall Konrad von Hötzendorf persönlich angesprochen worden zu sein. Auch hatte er Gelegenheit bei einem Manöver in Kämten den Kaiser Franz Joseph zu Pferd fotographieren. Mit Begeistemng war Opa Soldat und brachte es im letzten Jahr zum Instruktor und Abrichter der Einjährig Freiwilligen Abteilung. 1910 heiratete der Stiefbmder die Tochter Käthe des Cafetiers Weizmann in der Bahnhofstraße. Zwei Jahre darauf 1912 vermählte sich Opa mit Anna, der ältesten Tochter des Josef Kraft. Unser Urgroßvater Josef Kraft war Oberwerkmeister der Waffenfabrik und stammte aus Rockizan bei Pilsen. Zu seinen Vorfahren gehörte auch der bekannte Nürnberger Bildhauer Adam Kraft, der ein Zeitgenosse von Hans Sachs und Veit Stoß war. In Steyr brachte es unser Urgroßvater bis zum Metalleinkäufer und Leiter zweier Objekte der Waffenfabrik. Gesellschaftlich war er weniger erfolgreich, so gelang es ihm nicht, eine Angebetete die dem Großbürgertum angehörte, für sich zu gewinnen. Aus Protest nahm er sich im Jahre 1888 ein junges, hübsches Mädchen zur Frau, die Kellnerin Theresia Fürst und vermählte sich mit ihr in ihrem Heimatdorf Laussa. Am 13. Oktober 1889 erblickte Oma im "Ledererhaus" im Wehrgraben als älteste von 4 Geschwistern das Licht der Welt. Vorerst wohnte die Familie in einem der neuerrichteten Sozialbauten Josef Wemdls im Wehrgraben. Später, 1901 übersiedlete die Familie in eine vom Urgroßvater selbstbewußt errichteten Villa in der Marie Valerie Straße. Die zur Neulust führende Straße war von Villen bedeutender Familien der Stadt gesäumt zu denen er nun gehörte. Urgroßvater Kraft war sehr um das Wohl der Seinen besorgt, so erhielt Oma Hausunterricht in Französisch und Klavierspielen. Auch wurde ihr eine Ausbildung in kaufmännischen Fächern zuteil. Als das junge Brautpaar 1912 zum Traualtar schritt schien eine goldene Sonne über ihren Häuptern. Ein Bild, aufgenommen im Garten der Villa Kraft, zeigt das junge Paar inmitten der Familie. Onkel Norbert, Nachzügler der Familie Kraft sitzt dabei auf dem Arm seiner Schwester Rosa. In der Bildmitte die Eltern der Brautleute. Auch Omas Großeltern aus der Laussa sind zugegen. Erst auf ihrer Hochzeitsreise erlangt Oma ihre Volljährigkeit. Am 13. April 1914 schenkt sie einem Sohn (Walter) das Leben.
Familiengeschichte Huber - Prietze! 1913 wird das Braumeistershaus Haratzmüllerstraße 6 mit den Brauhaussälen in der Pachergasse erworben. In den Gebääuden wird eine der ersten Zentralheizungen der Stadt, sowie ein Wasserleitungsanschiuß installiert. 1919 am 25. Dezember starb unser Urgroßvater Prietzel nach einem Sturz auf der eisigen Bahnhofstraße. Eine Operation im Spital konnte ihm keine Hilfe bringen. 1920 kam Mama zur Weit. Die Schwierigkeiten zwischen Opa und seinem Stiefbruder Carl vertieften sich und Opa sah sich gezwungen mit der Familie nach Innsbruck zu übersiedeln. Zuerst lebten sie in einem Stift in der Nähe der Hofkirche. Später erwarb Opa ein mehrstöckiges Haus am Inn und war in der Wagner'schen Universitätsdruckerei als Vertreter beschäftigt. Mit einem Motorrad ftihr er zu den weit verzweigten Kunden. Aber auch in Steyr war die Zeit nicht stillgestanden. Das Inflationsjahr 1925 brachte Urgroßvater Kraft um sein gesamtes Vermögen. Das alles zehrte an dem vom Schicksal schwer geschlagenen Mann, 1928 schlief er bei seinem Mittagssschlaf für immer ein. Onkel Carl, der nun allein die Last der Verantwortung für die Firma tragen mußte, versagte. Die Verwandten unterrichteten Opa über den üblen Zustand der Firma. Dieser verkaufte sein Haus am Inn und siedelte mit der Familie zurück nach Steyr. Doch sollte dieses Opfer lange nicht genügen, auch das Haus Bahnhofstraße 10 und die der Haratzmüllerstraße zugewandte Hälfte der Druckerei mußte verkauft werden. Durch Anraten der Verwandten lieh Opa sich eine größere Geldsumme von der Familie Eisinger, als Gegenleistung wurde Herr Johann Eisinger bis zu seiner Pensionierung als Buchhalter eingestellt. Opa mußte nun mit dem Fahrrad als sein eigener Vertreter durch die Umgebung fahren und konnte so manche Kunden für einige Jahrzehnte gewinnen. Doch die schlechten Zeiten machten auch vorUrgroßmutter Kraft nicht Halt, die ihre zahlreichen Kinder finanziell unterstützte, sie mußte letztendlich ihre schöne Villa vermieten. Sie selbst zog mit ihrem jüngsten Sohn Norbert zu Opa, der in das Haus in der Pachergasse eiligst eine Wohnung einrichtete. Der jüngste der Kraftfamilie Norbert 1910 geboren, besuchte die Lehrerbildungsanstalt Petrinum in Linz. Seine erste Anstellung war an der Volksschule Sieminghofen. Im Nachbarhaus der Bäckerei Gröbner fand er Quartier und Aufnahme. Später ehelichte er die Tochter der Bäckerswitwe Gröbner, Cäcilia. Mit Freunde besuchen wir immer Tante Cilli in ihrem schönen Zu Hause. Onkel Norbert wurde zum Direktor der Volksschule Sieminghofen ernannt. Bei seinen Schülern war er überaus beliebt. Die Zeit verging.... die Kinder wuchsen heran. Nach seinen Schuljahren erlerate Walter das Druckereigewerbe. Auch besuchte er die Graphische Lehr- und Versuchsanstalt in Wien. Nachher arbeitete er 1 Jahr im väterlichen Betrieb und ging dann für 1 'A Jahre nach Kufstein zur Druckerei Lipott, wo er es bald bis zum Geschäftsführer brachte. Der Beginn des 2. Weltkrieges 1939 veränderte die Lage drastisch. Trotz aller Interventionsversuche Opas mußte Walter zu den Waffen. Dunkelheit breitete sich nun über der alten Eisenstadt. Die Luftangriffe der Alliierten mehrten sich. Auch das Haus in der Pachergasse war davon betroffen. Eine Seitenwand des Hauses stürzte ein, dabei ging ein Teil der alten Fotoplatten unwiederbringlich verloren. 1942, mitten in den Tagen des Schreckens verließ Theresia Kraft unsere Familie. Doch der schwerste Schlag traf die Familie 1944 als von Walter keine Nachricht mehr eintraf und er von nun an als „vermisst" galt. Allen Hoffiiungen zum Trotz mußte Walter für tot erklärt werden. Die Familie Prietzel war damit ausgestorben. Doch auch nach dieser schrecklichen Zeit kam die Familie nicht zur Ruhe, die Besatzungsmächte beherrschten das Leben. Die Brücke wurde gesperrt, der Fluß wurde zur Grenze zwischen den Besatzungszonen. Russen und befreite KZler drangen plündernd in die Häuser ein, davon blieb auch unser Haus nicht verschont. Im Haus hatten sich viele Flüchtlinge aus dem Osten Österreichs eingefunden. Sie waren vor der russischen Soldadeska geflüchtet. Die Druckerei wurde nur von den Familienmitgliedern geführt und mußte für die Besatzung und die Kommunistische Partei Arbeiten durchführen, das Lagerleben wurde ihnen so erspart. Die Kommunistische Partei wollte die Firma käuflich erwerben. Ein abendlicher Weg auf den Treschberg entschied das weitere Schicksal der Firma. Opa behielt sie. Langsam normalisierte sich das Leben in der Stadt. Die Druckerei erhielt einen kommisarischen Leiter, ein Setzer wurde dazu bestimmt. Nach dessen Scheitern übernahm Mama in Form eines Pachtverhältnisses den väterlichen Betrieb. Aber Opa ließ es sich nicht nehmen, jeden Tag der erste zu sein und auch an Sonn- und Feiertagen die Vormittage im Geschäft zu verbringen. Erst in seiner letzten Lebenswoche blieb er dem Betrieb fern. DAnn trat Papa in Mamas Leben. 1917 in Golling an der Salzach als Sohn des Schlossermeisters Rupert Huber geboren, war er nach seiner Pflichtschulzeit nach Steyr in die HTL gekommen und hatte dort Maschinenbau studiert. Nach Abschluß seines Studiums absolvierte er sein Praktikum in mehreren Firmen Deutschlands. 1937 meldete er sich freiwillig zum Militärdienst - lange Zeit sollte vergehen bis die Heimat ihn wiedersehen sollte. Den 2. Weltkrieg verlebte er vom Beginn bis zum bitteren Ende. So kam er erst 1949 wieder nach Steyr und lernte dort Mama kennen. 1951 fand die Hochzeit statt. Am 9. März 1952 kam ich zur Welt.
Familiengeschichte Huber - Prietzel Mein Tauipate wurde Omas Bruder, der Schuldirektor Norbert Kraft. Für Papa kam nun eine Zeit der Doppelbelastung: während er die Wochentage in seiner Schlosserei in Golling und als Berufsschullehrer in Hallein verbrachte, pendelte er an den Wochenenden zu seiner jungen Familie nach Steyr. Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich oft mit Mama am Bahnsteig stand und ein mit einem dunklen Mantel und breitkrempigem Hut bekleideter Mann dem Zug entstieg und mich auf den Arm nahm. Ich äußerte dann immer dieselbe Frage „hast Du mir etwas mitgebracht?" Nie wurde ich enttäuscht. So erhielt ich unter vielen anderen Geschenken auch einen kleinen Zwerg „Pucki" der mit einer grünen Zipfelmütze und rotem Wams mit grauer Hose und Stiefeln bekleidet war. Er wurde zu meinem liebsten Spielgefährten. Opa und Oma waren froh wieder einen Walter in der Familie zu haben und suchten mich mit allen möglichen Dingen zu verwöhnen. Wenn Papa in Golling war nahm Opa sich ganz besonders meiner an. Immer gab er mir Zeichenhefte in der Hoffiiung auch ich hätte die Begabung seines Vaters geerbt, leider hatte ich sie aber nicht. Opa unternahm viele Spaziergänge mit mir und Jagte mich ob es stürmte, schneite oder die Sonne unbarmherzig hemiederbrannte auf den Damberg, wo wir regelmäßig beim „Schoiber" Rast machten und dort von der Fanny begrüßt wurden. An Samstagen oder Sonntagen fuhren wir mit der Bahn nach Dürnbach und gingen auf einer schmalen Staubstraße nach Temberg. Am Weg dorthin genoß ich meinen ersten Philosphieunterricht. Wenn wir Temberg erreicht hatten, gabs dann immer ein Appetitbrot im Gasthaus Derfler. Dort führte Opa dann immer Gespräche mit der Frau Dr. Fries. Manchmal durfte ich Opa auf seinen geschäftlichen Rundgängen durch die Stadt begleiten und genoß es zu sehen wie so manche Leute vor Opa den Hut lüfteten. Einmal, versperrte er etwas früher das Geschäft und ließ das schwere Eisenrollo herab und ab gings zum Jahrmarkt bei der "Industriehalle". Dort gab es eine Menge verschiedener Belustigungen, eine davon war ein wildes Kamssel - die Spinne. Trotz innerer Abneigung setzte sich Opa zu mir in die Gondel, da flog sein Hut weit davon. Ob er den wiederbekommen hat, ich weiß es nicht mehr. Einmal in der Woche ging Opa saunieren in die Sauna am Grünmarkt. Dann packte er seine Aktentasche mit einem Bademantel und den anderen Utensilien und machte sich auf den Weg. Das Jahr 1957 brachte viele Veränderungen in unser aller Leben. Am 21. August dieses Jahres bekam ich ein Brüderchen, Rupi erblickte das Licht der Welt. Nun zog Papa fix nach Steyr. Er hatte zuvor die Schlosserei seines 1955 verstorbenen Vaters geleitet. Schöne Werke der Stahlschmiedekunst waren entstanden. Nun verpachtete er seine Werkstatt an einen seiner Gesellen. In Steyr erlernte er nun das Buchdruckerhandwerk von der Pike auf. Durch seine Initative führte die Druckerei Prietzel als erste am Platze 1958 den Offsetdruck ein. Der bis dahin noch sehr verbreitete Steindruck wurde damit verdrängt. Auch verhalfen Papas photographische Kenntnisse der Firma zu großem Aufschwung. Er richtete sich ein fotographisches Labor mit einer modernen Lithographie ein, immer wieder kamen ihm seine Kenntnisse aus vergangenen Tagen zu Gute. Eigenhändig fertigte er eine Maschine zum Körnen der Druckplatten an. Sein handwerkliches Geschick und Können waren der Firma bald unetbehrlich, und eine große Hilfe bei der nun folgenden Umstellung. Mit einem Schlag hatten die alten Steindruckpressen ausgedient und den viel schnelleren Offsetmaschinen Platz gemacht. Die erste Maschine dieser Gattung die bei uns aufgestellt wurde war von der Marke Solna aus Schweden. Doch auch die Setzerei sollte von der neuen Welle erfaßt werden. Die erste Bleisatzmaschine hielt Einzug und bedrängte den Handsatz. Sogar die großteils händisch durchgeführten Fertigungsarbeiten wurden immer mehr von den Maschinen übernommen. Es war Papas Verdienst, der in einem Domröschenschlaf schlummernden Firma neues Leben einzuhauchen. Bis an sein Lebensende war er bemüht alle Neuerungen in die Firma einzubringen. Selbst der Computersatz wurde von ihm aufgegriffen und selbst hierin wurde unsere Firma führend. In langen, schlaflosen Nächten erweiterte Papa seine Kenntnisse. Zahlreiche Vertreter wurden von ihm mit einem Glas Wein bewirtet, wodurch sie ihm dankbar die neuesten Informationen über die Branche lieferten, er hörte ihnen dann immer geduldig zu. So konnte die Firma 1969 getrost ihr 100 jähriges Bestands Jubiläum feiern. Die Kunde von dieser Feier wurde groß in der Steyrer Zeitung gedmckt und allerseits gewürdigt. Zu Papas Fixpunkten im Wochengeschehen gehörte das wöchentliche Turnen an den Donnerstagen. Im Turnverein der Stadt bestand seit Anfang der 60iger Jahre eine ganz besondere Riege im Turnverein - die "Mahabus" (Männer, harte Burschen) Papa wurde dort mit Freuden aufgenommen, dort konnte er die Unbillen des Alltags vergessen. An Samstagen scharte Papa eine muntere Runde um sich und bewirtete sie mit Wein, den er selbst vom Weinbauern in Doppelliterflaschen nach Steyr brachte. Bis am frühen Nachmittag wurden diese Zusammenkünfte ausgedehnt, im Sommer am Dachgarten und im Winter im Wohnzimmer. Es herrschte dabei Ausgelassenheit und Heiterkeit. Immer mehr Freunde und Bekannte, ja sogar so mancher Vertreter kannte den fröhlichen Brauch. Zum eisernen Kern der Runde gehörten der Gablonzer Josef Rudolf (Joschi) genannt, der singende Oberstleutnant Gradisnik, der alle Damen umschwärmte und bei jeder Gelegenheit seinen Rang als
Familiengeschichte Huber - Prietzel Goldfasan zu unterstreichen, an so manchen Wochentagen kam auch Herr Sommerhuber auf eine Besprechung vorbei und kühlte sein vom Geschäft erhitztes Gemüt. Papa hatte zwei Schwestern Maria und Juliane. Die ältere Schwester Maria lebte in Wien. Sie hatte mit ihrem Maim Ludwig eine Baumschule im 22. Bezirk aufgebaut. Meinen ersten Brief habe ich ihr geschickt, ihre Adresse war: Am langen Felde, das klang recht abenteuerlich. Die Antwort ließ nicht lange warten. Ein großer Korb Kirschen kam postwendend retour. Hin- und Wieder besuchten wir sie. Durch Onkel Ludwig, der ein gebürtiger Oberösterreicher war, lernte Papa den Wein schätzen. In reglmäßigen Abständen suchten nun Mama und Papa gemeinsam mit den Wolfseggers verschiedene Weinbauern auf. Einer meiner ersten Besuche bei Onkel und Tante sind mir unauslöschlich in Erinnerung geblieben. Ein kleines, halbfertiges Haus in einem großen Garten. Die Tante eine energische Frau mit roten Haaren, einmal, als ich eine mir angebotene Schokomilch nicht trinken wollte ( ich mag soetwas auch heute noch nicht) schalt sie mich einen verwöhnten Fratzen, ihr Mann, Onkel Ludwig war ein spindeldürres Männlein mit Glatze. Nie vergesse ich das erste Bild das mir Onkel Ludwig bot: Er hauste am liebsten am Dachboden in einem alten Bett gemeinsam mit 4 Katzen, die ihn umschnurrten. Er und Tante Mitzi liebten diese Vierbeiner abgöttisch. Auch ein sprechender Wellensittich der in der Küche geräuschvoll umherflog war da. Pfingsten 1964 ließ mich Tante Mitzi im Stephansdom firmen. Als besondere Attraktion mietete sie einen Fiaker der uns einen Tag lang zur Verfügung stand. Das Frühstück nahmen wir in einem herrlichen Cafe mit wundervoller Aussicht auf den Dom ein, das war so recht nach Tante Mitzis Geschmack. Das Mittagsessen gabs in einem echt urigen Praterbeisl. Papas zweite Schwester, unsere Tante Juliane lebte in Golling und war Oberlehrerin an der dortigen Volksschule. Ihr Mann stammte aus der Familie Eckschlager und fiel am Beginn des Krieges. Tante Julie zog mit ihrer Tochter Edeltraud ins ausgebaute Elternhaus in Papas Wohnung ein. Im 1. Stock des Hauses lebte Papas Mutter. Sie litt an Athritis und humpelte schwerfällig mit zwei Krücken , ich nannte sie "Omi Stock". Dabei müssen Papas Lieblinge erwähnt werden: das waren der Kater Mucki und der zahme Rabe Hansi. So sehr sie Papas Lieblinge waren, so waren sie Oma Stocks Quälgeister. Einmal wollte Oma Stock auf der Dachterasse die Zeitung lesen, da kam der freche Vogel geflogen und schnappte ihre Lesebrille. Mühevolle stand sie auf und humpelte zum Tisch da nahm das böse Tier abermals die Brille und verschwand damit. Ein anderes Mal knöpfte er ihr die Schuhbänder auf. Damit war das Maß voll, Opa schubste das freche Tier in einen Rucksack und fuhr mit dem Fahrrad in den nächsten Wald, dort entleerte er ihn. Wer beschreibt sein Erstaunen als er zu Hause angekommen von dem krächzenden Raben begrüßt wurde. Die Nächte in Golling waren immer finster und unheimlich, denn in den späten Abendstunden erhob sich ein mächtiger Sturm, der sich erst in den Morgenstunden legte. Inzwischen war auch ich 1968 in die Firma eingetreten. Ich sollte die 4 jährige Lehre zum Reprofotographen antreten, dazu sollte mich Papa ausbilden. In einer fernen Zukunft sollte ich, so war der Plan meiner Eltern die Druckerei übernehmen. 4 Jahre besuchte ich die Berufsschule in Linz. Als die Zeit gekommen war und alle Gleichaltrigen den Führerschein machten, schloß auch ich mich dieser Bewegung an und schaffte es beim ersten Anlauf. Zur gleichen Zeit absolvierte ich einen 2 !/2 jährigen Abendkurs mit Abschlußprüfung.. Leider erlebte Opa das nicht mehr. Er verließ uns am 12. Februar 1972. Eine große Lücke entstand. Nun war nur noch Oma da, die mir von der alten Zeit berichten konnte. Am 2. Februar 1973 mußte ich in die Steyrer Kaserne einrücken, den Präsenzdienst abzuleisten, ich erwarb dort den Führerschein für den "Haflinger" und verließ das Bundesheer als Vormeister der Reserve. Im Herbst des Jahres trat ich wieder in die Firma ein und war ab da an im Verkauf tätig. Am 24. Oktober 1964 kam Wilfried in Wien zur Welt. Ab da an waren wir zu dritt. Rupert, der immer in Papa sein großes Vorbild sah, tat sich bei der Berufsentscheidung leicht. Er absolvierte vorerst die HTL Maschinenbau und studierte anschließend an der Technische Hochschule in Wien Verkehrstechnik. Er bezog bei einem älteren Ehepaar ein Zimmer in einem Haus mitten in den Weinbergen am Rande der Stadt. Einmal, als wir ihn dort besuchte, schien mir die Gegend ziehmlich öd und verlassen. Nach fünfjähriger Studienzeit war es so weit! Ich erinnere mich noch an die Sponsionsfeier die in einer Gastwirtschaft einer Bahnstation der Westbahn gefeiert wurde. Rupert feierte gemeinsam mit seinem Freund Weiler. Es war ein schöner Tag, auch Ruperts Patentante Julie war von Golling angereist. Wilfried beschritt denselben Weg, auch er besuchte die HTL Maschinenbau in Steyr, brach aber dann das Studium ab und trat in die Firma ein. Der Sommer 1978 nahm uns unsere liebe Oma und mit ihr das Empfinden eine Großfamilie zu sein. Doch standen die größten Veränderungen noch bevor. Als erster vermählte sich Rupert 1984 mit seiner langjährigen Freundin Brigitta Hofmann. Gleich nach der Hochzeit verließ Rupert die Familie und zog in die Wohnung seiner jungen Frau auf der Ennsleite. 1985 kam Sohn Rupert jun zur Welt. Papa genoß das neue Gefühl nun Großvater zu sein. Die junge Familie übersiedelte bald in eine Eigentumswohnung der
Familiengeschichte Huber - Prietzel Schlühslmayrsiedlung, in dieser Zeit kamen auch Daniela und Thomas zur Welt. Nach einigen Jahren erwarb Rupert ein leerstendes Siedlungshaus am Leitenweg. Das Haus war Brigitta schon lange aufgefallen. Mit Feuereifer renovierten sie die kleine Villa, während Brigitta sich mit dem limenleben beschäftigte, baute Rupert an einer kleinen Eisenbahn die er auf einem Gleis rund um das Haus fahren ließ. Zweimal fuhr ich mit Papa zu Treffen seiner alten Kriegskameraden nach Deutschland, dabei war einmal Faldungen in der bayrischen Rhöhn, dann Bad Windsheim das Ziel. Es war eine schöne, sorgenfreie Zeit, es sollte aber nur ein Luftholen vor dem nächsten Tief sein.. Wilfried hatte sich einer Gruppe von Leuten angeschlossen, die eine Almhütte im Ennstal gemietet hatte. Fern vom Stadtgetriebe verbrachten sie dort ihre Wochenden. Dort lernte auch seine spätere Frau Ruth Stemberger kennen. Nach wie vor war ich im Verkauf tätig, doch fühlte ich mich außer Stande wie vorgesehen die Firmenleitung zunübemehmen. Zuviel hatte ich gesehen mit wieviel Kummer und Sorgen damit verbunden sind. So sprang Rupert für mich ein, er übernahm in einer Art Pachtvertrag die Firmenleitung, so konnten Mama und Papa in einen verdienten Ruhestand treten. Doch waren beide noch nach Kräften in der Firma tätig. Die Katastrophe nahte mit dem schwarzen Jahr 1986. Das Jahr begann mit einem prächtigen Winter der in Papa die Sehnsucht nach dem Weißen Sport weckte. Im Februar dieses Jahres brach er mit Wilfried zu einer Tagestour nach Spital am Phym aufs Linzer Haus auf. Als sie dann wieder zu Hause eintrafen, war Papa für immer eingeschlafen. Die nun folgende Zeit war unübersichtlich und verwirrend. Wie ein Schiff auf tobender See ohne Steuermann, so bin ich mir damals vorgekommen. Ich glaubte ins Bodenlose zu stürzen. Rupert sah, daß die Firma im damaligen Zustand keine drei Familien würde ernähren können, kurzentschlossen übergab er Wilfried das Ruder. Wilfried führte Ruth Stemberger zum Traualtar. Das junge Ehepaar zog in Ruths Eigentumswohnung in Aschach, erst nach einigen Jahren wechselten sie was besonders Mama freute, die bis dahin allein im Haus gelebt hatte, in die Pachergasse. 1995 kam Wilfrieds Tochter Jasmin zur Welt. Rupert nahm nun die Stellung eines Konsulenten für SKF an und entwickelte außerdem Computer Programme für viele Firmen, was ihn sehr bald bekannt und geschätzt machte. Nach einiger Zeit drängten Rupert und Wilfried Mama auf eine rasche Übergabe des Betriebes aus finanziellen Gründen. In einer Nacht und Nebelaktion wurden Mama und ich zum Notar gebracht. Mama war wie gewohnt nach Lignano in den Sommerurlaub gefahren, da ließ mich Wilfried wissen, daß Mama von mir abgeholt werden wollte. Eigentlich war ich erstaunt, denn es gab viel im Betrieb zu tun. Doch dann entschied ich mich die Fahrt anzutreten. In Lignano angekommen fand ich Mama nicht im Hotel vor, ich verspürte eine leise Unruhe in mir aufsteigen. Doch nach einiger Zeit betrat sie die Hotelhalle. Ich sah in ihr Gesicht und entdeckte darauf einen Schatten. Ich war nun auf der Lauer. Bei einem Essen außerhalb des Hotels erklärte sie mir die schwierige Lage in der sich die Firma befände, und bat mich um mein Einverständnis der Firma ein- oder zwei Jahre fernzubleiben. Ich stimmte zu. Die Folgen waren verheerend. Nun war ich endgültig aus der Firma. Wilfried und seine Frau Ruth übernahmen das Steuer. Das Führen des Betriebes ohne entsprechende Erfahrung war alles andere als ein Kinderspiel das erfuhren beide allzurasch. Als sich die ersten Anzeichen von Turbulenzen zeigten, war es bereits unabwendbar. Ein Teil des Hauses mußte verkauft werden. Der verbliebene Raum mußte nun sorgfältig umgestaltet werden. So setzte Wilfried einen von ihm lange schon gehegten Plan durch: man überdachte den alten Hof. Einwände des Denkmalamtes wurden ignoriert. Doch alles hat auch sein Gutes die Produktion war nun erstmals in der Geschichte der Firma auf einer Ebene, was eine bedeutende Erleichterung darstellte. Die Verwaltung der Firma, sowie die Büros wurden zwangsweise in den rückwärtigen Teil des Hauses verlegt. Neue Maschinen für die geänderten Anforderungen wurden beschafft. Die Zahl der Druckermeister erhöht, nichts blieb beim Alten. Gegenwärtig versucht die Firma mit Fertigungsarbeiten ein Überleben. Die neue Strategie scheint sich als der richtige Weg zu erweisen, denn in Steyr sind sämtliche Firmen in der Branche verschwunden und nur Wilfrieds Firma konnte weiterbestehen. Doch nicht nur Wilfried hatte zu kämpfen, am schwersten hat mich diese Umstellung getroffen, was sollte ich nun tun? Soviel wußte ich, mein erlernter Beruf Reprofotograph war überflüssig geworden. Also mit diesem Beruf hätte ich sowieso keine Chancen. Ich fühlte mich nun auf meine elementarsten Neigungen zurückgeworfen und besann mich meiner Neigung für Geschichte, schließlich hatte ich ja sogar die Matura in diesem Gegenstand abgelegt. Rupert, der in enger geschäftlicher Verbindung zum Vermessungsamt des Magistrates Linz stand, stellte mich dem Leiter Hr. Dr. Haslinger vor, der mich zum Linzer Stadtarchäologen Dr. Ruprechtsberger vermittelte.
Familiengeschichte Huber - Prietze! Es war ein schöner Frühlingsmorgen als ich mich auf der Keplerwiese in Linz zum ausgemachten Treffpunkt dem Keplerdenkmal aufmachte. Unter mir glitzerte der Donaustrom und gedämpft vernahm ich das Treiben der pulsierenden Stadt. Da tauchten zwei heftig gestikulierende Herren auf. Beide trugen Brillen und schienen in ein Gespräch vertieft zu sein. Kurzentschlossen ging ich auf die beiden zu, stellte mich vor und fragte nach Herrn Dr. Ruprechtsberger, der eine der Herrn, ein schlanker großer Mann mit hoher Stirn gab sich als der Gesuchte zu erkennen. Ich fragte ihn ob ich mich an einer Campangne beteiligen könne. Lachend erklärte er mir, ich könne wenn ich wolle gleich am nächsten Tag beginnen, aber ohne Krawatte und Anzug fügte er schmunzelnd hinzu. Am nächsten Tag erschien ich zur ausgemachten Zeit. Herr Ruprechtsberger übergab mich seinem Restaurator der künftig mein Vorgesetzter sein sollte. Man zeigte mir wie man einen Quadranten anlegt und aussteckt und wurde dann mit weiteren Arbeitsvorgängen der Archäologie vertraut gemacht. Die Zeit verging und ich lernte rasch den Aushub von den Fundstücken zu unterscheiden. Rückblickend denke ich gern an die schöne Zeit zurück, die ich hier am Römerberg im Schatten der Martinskirche und an weiteren Grabungsorten wie unter anderem in Pulgam verbrachte. Es war ein herrliches Gefühl Geschichte so hautnah zu erleben. Fünf Jahre sollte ich in den Sommermonaten mit Studenten und Professoren verbringen. Am Abend kam ich dann immer sehr müde und abgespannt nach Hause, mußte aber wieder sehr bald auf, da wir sehr zeitig mit unserer Arbeit anfingen. Es war eine zermürbende Zeit. 1996 war meine Tätigkeit bei Herrn Ruprechtsberger beendet. Ein Versuch einen Werksvertrag zu erlangen scheiterte. Wiederum zurückgeworfen und dazu verurteilt zu sein immer wieder beim Arbeitsamt vorzusprechen sowie dort den Beweis der Arbeitswilligkeit zu erbringen ging manchmal über meine Kräfte. Da erinnerte ich mich, daß Herr Ruprechtsberger den Leiter der Steyrer Altstadterhaltung lobend erwähnt hatte. So trachtete ich mit Herrn Dr. Kaiser in Verbindung zu kommen. Von einer Tumschwester, Frau Hasenleitner erfuhr ich von einer Baustelle in einem Haus der Gleinkergasse. Als historisch interessierter Mensch war meine Neugier geweckt. Außerdem hoffte ich dort Herrn Kaiser zu treffen. Kurz entschlossen machte ich mich auf den Weg. Ich besichtigte die Baustelle und tatsächlich erfuhr ich, daß Herr Dr. Kaiser erwartet würde. Mit klopfenden Herzen ging ich die Gleinkergasse hinab, da kam mir auch schon ein großer, bärtiger Mann entgegen, ich fragte ihn ob er der Gesuchte wäre, wortlos drückte er mir seine Visitenkarte in die Hand und wir vereinbarten ein Treffen im Rathaus. Ich erschien pünktlich zur ausgemachten Zeit im Bauamt, die Chefsekretärin des Bauamtes Frau Panis erklärte mir Herr Dr. Kaiser sei gerade in einer Besprechung ich möge nur eine kleine Weile warten. Dann ging Herr Dr. Kaiser auf mich zu und führte mich in sein Büro, ich berichtete ihm von meinen alten Fotos die Steyr im vergangenen Jahrhundert präsentierten. Er hörte aufmerksam zu dann bohrten sich seine Augen in die meinen, "und warum sind sie eigentlich wirklich hier?" - Hastig erzählte ich ihm von meiner prekären Lage. Er sah mich lange an, dann meinte er er würde überlegen wie er mir helfen könne, ich solle in zwei Wochen wieder bei ihm vorsprechen. Wieder erschien ich zur vereinbarten Zeit. Herr Dr. Kaiser stellte mir seine beiden Mitarbeiter Herrn Bodory und die Sekretärin Frau Fixl vor. Er ließ mich auf seinem Schreibtisch Platz nehmen und überließ mir seinen Computer um meine alten Bilder einzutragen und zu beschreiben. Auch gewährte er mir Einsicht in sämtliche Akten des Denkmalschutzes. Eineinhalb Jahre vergingen da erhielt ich einen Anruf Herrn Ruprechtsbergers, der mir von einer freien Stelle am Vermessungsamt Linz erzählte. Er forderte mich auf, ehest mich mit Frau Dr. Krappmann in Verbindung zu setzen. Gesagt, getan ich rief Frau Krappmann an, die ein sofortiges Treffen anberaumte. Dort erfuhr ich, daß ich ab sofort anfangen könne. Mit dem ersten Zug fuhr ich nun in alier Morgenfrühe von Steyr nach Linz. Dort mit der Straßenbahn nach Urfahr zum neuen Rathaus der Stadt. Ich wurde im Vermessungsamt als neuer Meßgehilfe freundlich willkommen geheißen. Am Anfang war ich fürchtbar nervös, zitterte und schwitzte, erst allmählich wurde ich ruhiger. Ich wurde Herrn Matousek und Frau Heu zugeteilt und für einfachere Arbeiten in der Kartographie eingesetzt. Nach kurzer Zeit hatte ich mich eingewöhnt und fühlte mich sehr wohl. Immer interessantere Aufgaben wurden mir gestellt, die ich dann stolz ausführte. Auch fuhr ich mehrere Male zum Vermessen ins freie Feld. Dann erzählte ich davon, schon öfters am Computer Schreibarbeiten erledigt zu haben. Sofort wurden mir eine Reihe neuer, interessanter Aufgaben übergeben. Ich mußte unter Anderem alle Gaststätten und Beisln der Stadt mit Adressen und Telefonnummern, alle Kirchen, Pfarrhöfe und Friedhöfe notieren. Das alles gehörte zum neuen digitalen Stadtplan von Linz. Stolz und Freude erfüllte mich bei dieser verantwortungsvollen Tätigkeit. Erst war mein Werkvertrag von September bis Dezember befristet, er wurde jedoch immer verlängert, bis im Mai das Personalamt meinen Austritt verlangte. Alle waren wie vor den Kopf geschlagen.
Familiengeschichte Huber - Prietzel Nun war mir klar, wieder sollte ich zum Arbeitsamt, wieder die Fragen wieder das gesamte widerliche Ritual. Fürs erste ließ ich es mir gut gehen, machte eine längst fällige Fahrt nach München im Großen und Ganzen ging es mir besser als beim ersten Mal. Beim Arbeitsamt fragte ich nach einem bezahlten Kurs. Da wurde mir ein Kurs in sämtlichen Disziplinen der Computer Anwendungsmöglichkeiten (Computerfuhrerschein) angeboten. Abgehalten wurde der Kurs im WIFI. Mit Eifer ging ich ans Werk. Es war Sommer und die Sonne brannte unbarmherzig vom Himmel und machte das Arbeiten zur Qual. Doch ich schaffte den Kurs und wenn ich auch keine Prüfungen abgelegt habe, so habe ich doch profitiert. Nun habe ich auch wieder mehr Zeit mich auf das Buch zu konzentrieren, das ich über die Stadt Steyr herausbringen möchte.
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