Rudolf Hittmair - Der josefinische Klostersturm

129 den Ständen zu hoch schienen, erhielten sie die Begünstigung der Wahl eines Ortes für ihre Stipendiaten. Die Stünde schlossen mit kaiserlicher Genehmigung den Vertrag ab mit dem Prälaten von Kremsmünster (7. Jänner 1751), wonach die Aufnahme der ständischen Alumnen in die Akademie zu einem Pensionspreis von 225 fl., in das Mu- seum um je 150 fl. erfolgte. Zu den Akademikern gehörten auch die Domizellare der Domstifte Passau, Speier, Fulda, die in Kremsmünster Theologie studierten. Die theologischen Vorlesungen wur- den meistens von Kandidaten des Weltpriesterstandes besucht. Rühmenswert war die besondere Pflege der deutschen Sprache in den Humani- tätsklassen vorzüglich durch (den später berüchtigt gewordenen) P. Rudolf Graser. Das größte Aufsehen erregte die Einführung der Leibniz-Wolffschen Philosophie, wenn auch mit Modifikationen, Weglassungen u. dgl; die Liebe der Klosterhasser hat das Stift damit doch nicht gewonnen, an Liebe und Vertrauen bei manchen Klosterfreun- den und Klostermännern eingebüßt. Vom Jahr 1773 ab tauchte immer wieder der Antrag auf, die ständischen Stiftungen von Kremsmünster weg an das Nordikum in Linz zu übersetzen, die Lehrer in Wien oder Linz prüfen zu lassen. Durch persönliche Bemühung in Wien erwirkte der Abt noch die neuerliche Bestätigung der Akademie durch die Kaiserin (21. August 1779). Nach dem Tod der Kaiserin entbrannte der Kampf heftig: Wittola und de Luca hatten ihn entflammt. Der Abt wurde gegen die Studienanstalt gleichgültig und neigte aus ökonomischen Grün- den sich der Partei zu, welche die Aufhebung derselben gerne gesehen hätte; dagegen ließen die Professoren und ein Teil des Konventes mit dem P. Prior Raimund Joly an der Spitze nichts unversucht die Studien zu erhalten. Am 19. Mai 1783 gab die Landesstelle Auftrag anzuzeigen, wie viele Studierende von Kremsmünster nach Linz übersiedeln werden, weil die Klosterstudien überhaupt aufzuhören haben, auch die Schulen und die Akademie zu Kremsmünster mit Ende des Schuljahres 1783 nach kaiserlichem Reskript geschlossen werden sollen. In den Zei- tungen wurde schon von der Aufhebung des Stiftes selbst geschrieben. Der Prälat ließ sich drängen den Kaiser schriftlich zu bitten, dass, wenn schon die Akademie aufgehoben werden sollte, doch die Sternwarte, die Bibliothek, die natur- historischen Sammlungen belassen werden möchten und die minderen Schulen mit Einschluss der Philosophie und Mathematik im Interesse der sonst verarmenden Bür- ger zu Kremsmünster verbleiben dürften. Ein Reskript (11. Juni 1783) erwiderte, es habe bei der allerhöchsten Entschließung unabänderlich zu bewenden, dass mit Ende des Schuljahres alle Studien in Kremsmüns- ter aufzuhören haben. Zugleich wurde dem Stift aufgetragen, ein vollständiges Verzeich- nis seiner bisher zum Vorteil der Studien gemachten jährlichen Ausgaben, wie auch der vorhin zum Besten der Universität Salzburg verwendeten Beträge einzusenden. Der Lin- zerische Stipendienfond sollte damit aufgebessert werden. Nun reiste der Kremsmünsterer Marktrichter, der Wirt Johann Zehetner, mit dem Tischler Reinegger nach Wien und bat in der Audienz am 18. Juli den Kaiser um den für die Bürger- und Bauernschaft so vorteilhaften Fortbestand der Schulen. Sie brach- ten die beste Hoffnung zurück. Das ermunterte die Stiftsgeistlichen, gegen den Willen des Prälaten zwei Kapitularen, den Subprior Laurenz Doberschitz und Georg Pasterwitz

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