OÖ. Heimatblätter 2011 Heft 1/2

110 1924 in der Linzer Presse als „einer der stärksten und am wenigsten angefochtenen Künstler Wiens“ gepriesen, dem man „echtes Deutschtum“ nachsagte.57 Sterrer war jünger als Franta und kam aus gut situiertem Haus.58 Um den eklatanten Gegensatz zwischen den beiden zu illustrieren, sei Arpad Weixlgärtner zitiert, demzufolge Sterrer im Winter 1918–1919 „mit anschauen (musste), wie Scharen von elend aussehenden, beschmutzten und zerlumpten Menschen, die mit Beilen und Sägen, aber auch mit Revolvern ausgerüstet waren, die lieben, schönen Wälder um ihn her, um derentwillen er einst diese Wohnung gemietet hatte, an denen er und die Seinen sich täglich aufs neue erfreut hatten, niederlegten und davonschleppten und jeden an Leben bedrohten, der ihnen Einhalt zu tun versuchte. Ist es schon traurig zu sehen, wie die Not den Armen zwingt, Holz für seinen Herd zu stehlen, so ist es vollends empörend, wenn man untätig davon Zeuge sein muss, wie sich freches, gemeines Pack an sinnloser Verwüstung und Zerstörung ergötzt.“59 Wie bereits erwähnt, hatte Franta ja in seiner Jugend selbst Holz aus dem Wald holen müszu zeigen, alle mit Motiven aus Sibirien und Russland. Ein zweites Anmeldungsblatt listet insgesamt 33 Titel auf – vier Arbeiten in Ultramarin und Tusche, eine farbige Zeichnung, jeweils eine Arbeit in Tinte, Sepia und farbiger Tusche, vier Linolschnitte, sechs Ölskizzen, vierzehn Aquarelle und ein Ex Libris –, diemit Preisen zwischen 10.000 und 500.000 Kronen angeschlagen waren.55 Der Linolschnitt mit dem Titel Affen ist übrigens der einzige bekannte Hinweis darauf, dass sich Franta auch mit Tierdarstellungen auseinandersetzte. Außerdem beabsichtigte er sechs Ölskizzen seines russischen Künstlerkollegen Mitrofan Poljakov zu zeigen, mit dem er sich in Tomsk angefreundet hatte. In den vorliegenden Kritiken findet sich diesbezüglich allerdings keine Andeutung, möglicherweise wurden sie doch nicht ausgestellt. Heute ist lediglich ein einziges Ölbild Poljakovs in österreichischem Privatbesitz bekannt, eine Darstellung der Stadt Tomsk bei Nacht. Die Akademiezeit 1925 konnte Franta dank eines Stipendiums der Invalidenentschädigungskommission, die ihm 25–35% Invalidität zuerkannt hatte, sein Kunststudium an der Wiener Akademie der Bildenden Künste beginnen.56 Zwar hatte er über die Jahre durch Experimente wie auch enge Zusammenarbeit mit zeitgenössischen Künstlern seinen eigenen Malstil gefunden, aber der Titel eines „akademischen Malers“ war eine wichtige Voraussetzung, um als Lehrer arbeiten zu können. Warum Franta ausgerechnet bei Karl Sterrer (1885–1972) studierte, ist schwer nachvollziehbar. Letzterer wurde 55 OÖLA, OÖ Kunstverein, Kiste Nr. 18, Mappe ‚1923‘ 56 Ab dem Winterhalbjahr 1925/26 war Franta von Schulgeldzahlungen befreit. Universitätsarchiv der Akademie der Bildenden Künste Wien, Nationale Hans Franta; ÖStA, Abtlg. AVA FHKA, Bestand U-Abtlg., Faszikel 1788 (1933: Linz, BG, Hans Franta, Inverwendungnahme); Faszikel 1783 (1935: OÖ, Mittelschulen und Lehranstalten, Übernahme von Lehrkräften in den pragmatischen Bundesdienst) 57 Tages-Post Nr. 270, 25. 11. 1924, S. 11 58 Karl Sterrer wurde am 4. 12. 1885 als Sohn des Bildhauers Karl Sterrer inWien geboren 59 Arpad Weixlgärtner, „Karl Sterrer. Ein Wiener Maler der Gegenwart“, S. 108–109

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